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25. Juli 2005, 10:42 Uhr
Gendefekt
Katzen schmecken nichts Süßes
Wer jemals versucht hat, seine Katze mit Süßigkeiten zu bestechen, weiß: Stubentiger naschen nicht gern. Forscher haben jetzt den Grund gefunden: Katzen können Süßes wegen eines Gendefekts gar nicht schmecken.
DPA
Katze am Aquarium: Stubentiger bevorzugen Herzhaftes
Katzen sind in vielen Dingen eigen. Die Essvorlieben bilden hier keine Ausnahme: Während praktisch alle anderen Säugetiere ganz wild auf Zucker oder andere Süßigkeiten sind, interessieren sich Katzen überhaupt nicht für Naschereien. Andere Geschmacksrichtungen - Bitter, Sauer, Salzig und "Umami", die Reaktion auf bestimmte Aminosäuren - sind bei Katzen dagegen ähnlich ausgeprägt wie beim Menschen oder beim Hund. Wissenschaftler vermuten daher schon länger, dass Katzen Süßes nur sehr eingeschränkt oder gar nicht wahrnehmen können.
Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchte ein Team um Joseph Brand vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia die Geschmacksrezeptorgene von Hauskatzen, Tigern und Geparden. Das Erkennungsprotein für Süßes besteht bei den meisten Säugetieren aus zwei ineinander verzahnten Eiweißen namens T1R2 und T1R3. Da T1R3 außerdem Bestandteil des Umami-Rezeptors ist, der bei Katzen einwandfrei funktioniert, konzentrierten die Wissenschaftler ihre Untersuchung auf das T1R2-Gen.
Die Auswertung ergab, dass tatsächlich eine wichtige Region des Gens im Katzenerbgut fehlt. Durch diese Veränderung wurde der Erbgutabschnitt funktionsunfähig, so dass seine Informationen nicht mehr in ein Eiweiß übersetzt werden können.
Die Folge ist ein funktionsunfähiger Rezeptor in den Geschmacksknopsen der Katzenzunge, schreiben Brand und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "PLoS Genetics" (Bd. 1, S. e3). Da diese Veränderung nicht nur Hauskatzen, sondern auch wilde Katzenarten wie Tiger und Geparden betreffe, habe sie sich wahrscheinlich schon relativ früh in der Evolution der Katzen entwickelt.
Geschmacksrezeptoren können nicht nur die Nahrungsvorlieben einer Art widerspiegeln, sondern können im Lauf der Evolution auch direkt von der Futterauswahl geprägt werden, schreiben die Forscher. Was jedoch Ursache und was Wirkung ist, sei nur schwer nachvollziehbar.