Hallo liebe Forums-Mitglieder,
ich muss mir vielleicht einfach mal den Kummer von der Seele schreiben...
Mein geliebter Kater ist vor ein paar Wochen leider nach 17 Jahren verstorben. Bulli war uns damals zugelaufen und ein sehr sehr lieber Kater, der eigentlich nie gefaucht oder gekratzt hat. Er war vielleicht einfach dankbar ein tolles Zuhause gefunden zu haben
Schnell war klar, dass ein neuer Kater her muss. Einer aus dem Tierheim soll gerettet werden. 5 Tierheime später war die Entscheidung auf einen 2 Jahre alten Kater gefallen (wir nennen ihn Joki), der aufgrund eines Umzugs abgegeben wurde. Das Tierheim wirkte sehr positiv auf mich, den Katzen ging es dort gut, die Beratung war super, sie machen Vor und Nachkontrollen und ich habe auch Notruftelefonnummern mitbekommen. Außerdem gibt es eine Katzenpsychologin für die Härtefalle

In seinem „Stall“ im Heim saß er ruhig in einem Körbchen und hat sich gleich streicheln und kuscheln lassen und mich mit einem lauten Schnurren begrüßt.
Zuhause angekommen ist er sofort neugierig aus dem Kennel gestiegen und hat das Haus inspiziert – daher auch der Name „Inspektor Joki“. Er ist sehr mutig und schlich ohne Angst stunden, tagelang durch alle Ecken des Hauses, ging von Anfang an brav auf das Katzenklo und suchte sich seinen Schlafplatz auf einem Sessel. Er war sehr sehr zutraulich und genoss Streicheleinheiten vom Bauch über die Tatzen bis hin zur Nase. Kam immer um seinen Kopf an mir zu reiben und machte einen glücklichen Eindruck. Jeden Morgen stand er um 5 mit mir auf, um zu frühstücken und eine halbe Stunde rumzutoben.
Joki war zuvor eine Wohnungskatze mit Balkon – sollte aber Freigang bekommen nach einer Eingewöhnungszeit von 3-4 Wochen. Nach ein paar Tagen bei uns wurde die Welt draußen viel interessanter. Er saß nur noch jaulend an Fenstern und Türen und wirkte sehr sehr unglücklich. Trotzdem … er muss drin bleiben.
Es kam wie es kommen musste: Am Mittwoch ging ich zur Tür und öffnete dem Postboten (wirklich nur einen Mini Spalt) und zack… weg war er…ich konnte ihn aber relativ schnell wieder einfangen und rein bringen. Doch dann fing das Drama erst an. Er sprang aggressiv alle Möbel an und kratzte wild an der Couch, jaulte und sprang gegen die Balkontür und ließ sich auch nicht mehr anfassen.
Also, nahm ich sein Geschirr, zog es ihm an und ging mit ihm in den Garten. Das war wohl die dümmste Idee von allen. Nachdem wir im Gestrüpp gelandet waren und die Leine sich um einen Stamm wickelte, sprang er so wild umher, dass sich das Geschirr löste und er rannte weg. Ein paar Stunden später konnte ich ihn finden und er ging auch freiwillig durch die Kellertür mit ins Haus. Fing dann aber wieder mit dem Jaulen und Kratzen an und wollte raus.
Ich rief verzweifelt im Tierheim an. Man gab mir den Tipp ihn jetzt raus zu lassen. Er würde wiederkommen – er war allerdings erst 10 Tage bei uns. Schweren Herzens öffnete ich also die Tür und er rannte raus. Seltsam, dass er so entschlossen und ohne Angst los rennt… nicht erstmal den Garten abschnuppern – nein .. eher fluchtartig weit weg rennen. Er kennt das doch gar nicht….11 Stunden war er verschwunden. Gegen 21 Uhr fand ich ihn und trug ihn heim. Er war beleidigt, jaulte, aber legte sich dann auf die Tiefkühltruhe und kam später auf seinen Sessel zum Schlafen.
Am nächsten morgen stand er um 5 Uhr mit mir auf, es gab Frühstück und er saß wieder heulend an der Tür. Ich ließ ihn wieder raus. Er war den ganzen Tag unterwegs, wurde immer wieder von Nachbarn gesehen – nur unser Grundstück betrat er nicht. Er hält sich aber nur in der näheren Umgebung auf. Gegen 21 Uhr rief ich ihn nochmal und er kam mit Lockrufen und Katzenfutterrascheln auch rein zum Abendessen. In der Wohnung schnupperte er überall, erkannte sein Spielzeug nicht und erschrak als ich mit seiner Lieblingstüte raschelte. Er rannte gleich wieder zur Tür und ging raus.
Die Nacht war er draußen. Ich hatte die Balkontür offen gelassen und auch Cracker hingestellt. Die Cracker waren heute Morgen leerer, aber reingekommen ist er nicht
Heute Morgen kam er nach meinem Rufen und wiederholtem Klappern mit Schüsseln und Crackern dann auch zum Frühstück, rannte danach aber sofort wieder raus – beim Versuch ihn zu streicheln fauchte er mich an.
So – was nun?
Das Tierheim sagt das sei normal – er müsse jetzt alles erkunden und seine Freiheit genießen, denn er war 2 Monate im Tierheim eingesperrt und zuvor ja nie draußen gewesen. Es würde sich bestimmt nach ein paar Tagen einrenken und er wird wieder kommen .
Ich habe so ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Er kommt nicht freiwillig nach Hause – nur wenn ich ihn locke, er möchte nicht im Haus sein und ich habe auch das Gefühl, dass er ab Grundstückgrenze Angst hat (zu uns hin). Er schlingt sein Essen rein und haut sofort wieder ab.
Sieht er in uns nur die, die ihn eingesperrt haben und möchte nicht mehr zurück? Oder ist es einfach nur die Abenteuerlust, die ihn jetzt antreibt draußen rumzurennen und alles zu erkunden? Wird sich das wieder legen? Die Bindung zu uns fehlt jetzt total – ist ja auch verständlich, er kennt uns ja auch erst eine Woche – woher soll er wissen, dass wir seine Familie sind...
Was soll ich jetzt tun? Hat jemand vielleicht ähnliche Erlebnisse? Vielleicht wenigstens abends einsperren? Aber was, wenn er dann am nächsten Morgen raus geht und gar nicht mehr wieder kommt
Ich möchte nur nicht, dass er zum herrenlosen Stromer wird

Danke Vorab und sorry für den langen Text…
Kristina
