So, konnte heute ausführlich mit meiner Freundin sprechen, bei Salat und Pizza
Nach ihren langjährigen Erfahrungen mit solchen "Tigersyndromkatern" (sie hatte nur Kater, die so waren, weibl. Tiere hat sie mit sowas noch nicht erlebt) können diese Kater ihre Emotionen überhaupt nicht kanalisieren. Negative, aber auch vor allem positive Emotionen führen zu völlig unkontrollierten "Ausbrüchen", bei denen es aber nicht darum geht, jemanden anzugreifen, sondern einfach nur darum, die Emotion "abzubauen". Und das geschieht in dieser brutalen Weise.
Ursache ist meist die viel zu frühe Trennung von der Mamakatze und die damit verbundenen Angststörungen.
Meine Freundin versucht, bei diesen Katzen jeden Emotionsausbruch zu vermeiden. Sie bleibt bei diesen Tieren ganz "neutral", sie streichelt sie nicht von sich aus und schmust auch nicht "aktiv" mit ihnen. Sie lässt den Kater schnuppern, lässt ihn um die Beine streichen, aber "macht nicht aktiv mit".
Wenn es trotzdem zum Angriff kommt, dann hat sie 2 Reaktionsmöglichkeiten:
- wenn es kein besonders schlimmer Angriff ist, Kater mit irgendwas ablenken (ein Ball, ein Spielzeug, was in eine Ecke fliegt - muss man immer dabei haben - und ein Geräusch macht, was den Kater dann interessiert und vom Angriff ablenkt. Ihn loben, wenn er ablässt.
- wenn es ein sehr schwerer Angriff ist (Kater ins Bein "verkeilt"), dann mit Handtuch bedecken, sanft aber fest zu Boden drücken.
Natürlich niemals Angst zeigen, aber das ist leichter gesagt als getan.
Und man muss immer dieses Ablenkungs"werkzeug" und vor allem das "Rettungshandtuch" bei sich haben.
Es hilft ein bisschen, wenn man sich sagt, dass der Kater nicht angreifen will, sondern einfach seine Emotionen nicht im Griff hat, und total überreagiert.
Dann auch unbedingt drüber nachdenken und mit dem Tierarzt besprechen, ob man dem Tier Clomicalm (oder ein ähnliches Medikament gegen Angststörungen) gibt. Dazu sollte natürlich ausgeschlossen sein, dass doch irgendwas Gesundheitliches nicht OK ist mit Kasimir. Sprich: ich würde CT und IRM durchaus machen. Wenn da nichts ist, würde ich auch wirklich das Clomicalm versuchen. Es kann dem Kater helfen, seine Überreaktionen, mit denen er ja auch nicht glücklich ist, in den Griff zu bekommen.
Einen Versuch ist das auf jeden Fall wert ...
Ben, der "Tiger", von dem ich erzählte, hat sich durchaus gebessert. Leider ist er sein Syndrom aber nicht wirklich losgeworden. Er ist noch "bei den schweren Jungs", im Moment nicht vermittelbar. Mal sehen, wie es bei ihm so weitergeht. Clomicalm bekommt er wohl nicht, aber wir werden mal mit seiner Orga sprechen und es vorschlagen.
Was oft gut hilft, ist so etwas wie ein "Leitkater". Klingt etwas seltsam, aber das klappt bei Tieren, die mit ihren Artgenossen normalerweise gut auskommen. Ein älteres, selbstbewusstes und soziales Tier, das dem jüngeren mit seinem Verhalten zeigt, dass man nicht überreagieren muss.
Aber leider mag Kasi ja keine anderen Katzen ... das ist echt schade, denn es hilft wohl oft gut, bzw. wirkt ausgleichend.
Man muss viel Geduld haben, viel ausprobieren (auch notfalls Medikamente) ... ich wünsche Kasi ganz viel Glück und alles Gute!
Berichte mal weiter :wink: