Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine

Diskutiere Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine im Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Katzenfreunde; Hallo! Ich hatte bisher 2 Katzen in meinem Leben, diese kamen bei Menschen zur Welt und zeigten später eigentlich ein ähnliches Verhalten, wie...
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #1
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Andie

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Hallo!

Ich hatte bisher 2 Katzen in meinem Leben, diese kamen bei Menschen zur Welt und zeigten später eigentlich ein ähnliches Verhalten, wie normale Katzen eben.

Im Frühling ist uns ein damals ca. 3 - 5 Monate altes Kätzchen zugelaufen. Seinem damaligen Zustand zufolge, war es an Menschen nicht sehr gewohnt bzw. schon längere Zeit auf sich allein gestellt. Es war sehr mager, kränklich und vorallem scheu, aber doch neugierig, ließ sich nicht anfassen und fauchte bei jeder Gelegenheit.

Nun, nach fast 6 Monaten ist das Kätzchen "unsere Katze" geworden. Sie hat sich sehr gut entwickelt, geht bei uns im Haus ein und aus, lässt sich streicheln, herumtragen, schnurrt, eigentlich wie jede normale Katze.

Nur hin und wieder erinnert sie mich daran, dass sie eine Streunerkatze war ... nämlich zB wenn ich mit ihr spiele und sie plötzlich zubeißt, aber so richtig ... meine vorherigen Katzen haben immer nur relativ sanft zugebissen, diese Katze aber ist sehr grob im Verhalten.

Und was mir sonst noch auffällt und meine eigentliche Frage:
Vor allem jüngere Katzen jagen doch oft im Spiel ihrem eigenen Schwanz hinterher, das macht diese Katze auch, aber dann plötzlich, wenn sie so da liegt, beginnt sie mit ihren eigenen Hinterbeinen sich ins Gesicht zu treten, es hört nicht mehr auf, so wie wenn sie die Herrschaft über ihre Beine verloren hätte (man sieht das doch manchmal, wenn sie mit ihrer Beute spielen, dann treten sie auch mit den Hinterbeinen danach) ... schlussendlich schnappt sie sich dann die Hinterbeine mit den Vorderpfoten und beißt in ihre Hinterbeine und versucht sie zu stoppen, weil diese immer und immer wieder in ihr Gesicht (Kinn, Schnauze) treten, sodass sie sich sogar mit ihren eigenen Krallen öfters an den Lippen verletzt und geblutet hat.

Ist das normal? Machen das eure Katzen auch? Oder ist das vielleicht doch auf ihre schwere Kindheit zurückzuführen?

Wie gesagt, meine vorherigen Katzen aus Familien haben das niemals an sich selbst (nur mit ihrer Beute) gemacht!

Danke!
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #2
das hört sich nach emotionaler Instabilität an.
Da hilft viel, viel Liebe, Geborgenheit und Vertrauen. Bitte hilf ihr, aus diesen Momenten herauszukommen und sieh nicht tatenlos zu. Und sei bei ihr, soviel du kannst, um ihr zu helfen, eine Katze zu sein, die nicht mehr die Notwendigkeit sieht, sich selbst zu verletzen, da sie die Verletzungen von aussen nicht alleine abwehren vermag. Gib ihr das Zuhause, in dem sie sich fallen lassen und glücklich sein kann.
Alles Liebe, Panthera.
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #3
Und kürze ich wenn sie drinnen lebt die Krallen. Um die Verletungen auszu schließen. Aber bitte ganz vorsichtig, und nur dass weiße.
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #4
Hallo Andie,

das, was Du schreibst, zerreißt einem ja schier das Herz! Die arme Kleine, was muss die erlebt haben! Es klingt nach einem Trauma. Bei Menschen spräche man wahrscheinlich von einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Meine Vorschreiberinnen haben Recht. Du solltest das Verhalten auf jeden Fall unterbrechen. Und das bitte nicht durch eine "Belohnung", also nicht durch Futter oder sowas. Am besten greifst Du ganz physisch ein (gegebenenfalls mit Handschuhen). Vielleicht reicht es aber, eine Decke über sie zu werfen und sie hört auf. Wenn das helfen würde, wäre es die beste Methode. Erst wenn die Selbstverletzung eindeutig vorbei ist, dann kannst, bzw. solltest Du sogar etwas tun, das wie eine Belohnung ist, Fressen geben, streicheln, etc.

Ganz weg bekommst Du die Neigung dazu vermutlich nicht. Was aber sehr, sehr hilfreich sein kann, ist zu schauen, was VOR so einer Selbstattacke war. Es muss bestimmte Auslöser, Trigger, dafür geben. Es können solche Dinge wie Hunger oder Durst sein (z.B. Sie wollte fressen, Futerschälchen war leer). Es kann auch irgendetwas im Kontakt mit Deinen anderen Katzen sein oder generell bei Stress jeder Art auftreten. Das sind nur die Sachen, die mir jetzt zuerst einfallen. Es könnten ganz andere Auslöser sein. Geht da doch mal wie Detektive auf die Suche. Wenn es Euch gelingt, herauszufinden, was die Auslöser sind, gelingt es Euch vielleicht, diese zu vermeiden.

Viel Erfolg,
Seidenschnabel
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #5
...Bitte hilf ihr, aus diesen Momenten herauszukommen und sieh nicht tatenlos zu. Und sei bei ihr, soviel du kannst, ...

Wir geben diesem Kätzchen wirklich all unsere Liebe und sie hat ein so wunderschönes Plätzchen bei uns, dass man richtig merkt, wie glücklich sie ist. Wir haben sonst keine Katzen ... aber trotzdem hat sie viel Kontakt zu anderen Katzen, nämlich in direkter Nachbarschaft leben gleich drei Katzen, die sich gut mit ihr verstehen. Und bei uns darf sie ein- und ausgehen, wir sind eigentlich immer da, nie länger als 3 Stunden weg ... sie kommt auch alle paar Minuten und schaut ins Haus rein ... darf auch in unserem Bett schlafen ... von dem her muss sie nun wirklich glücklich sein. :-D

Und kürze ich wenn sie drinnen lebt die Krallen. Um die Verletungen auszu schließen. Aber bitte ganz vorsichtig, und nur dass weiße.

Sie hat wirklich sehr, sehr scharf Krallen, schärfer als die Krallen meiner früheren Katzen ... aber kürzen können wir sie leider nicht, weil sie ja Freigängerin ist und auch gerne auf Bäume klettert. ;-)

Ganz weg bekommst Du die Neigung dazu vermutlich nicht. Was aber sehr, sehr hilfreich sein kann, ist zu schauen, was VOR so einer Selbstattacke war. Es muss bestimmte Auslöser, Trigger, dafür geben. ...

Ich glaub auch nicht, dass wir das ganz wegbekommen ... weil es wie ein Reflex aussieht. Es ist ja auch dieser Reflex, den sie normalerweise bei ihrer Beute anwenden ... Auslöser ist eigentlich eine Spielsituation oder auch, wenn sie ganz ausgelassen herumtollt. Dann fängt sie zuerst ein bisschen ihren Schwanz und dann treten ihre Hinterbeine auf ihren Kopf ein ... dazu legt sie sich immer an einen bestimmten Platz im Gras bzw. im Wohnzimmer. Wenn ich es sehe, dann gehe ich entweder hin und versuche sie zu streicheln, was aber nicht so gut für mich ist, weil sie dann gleich bei mir mit Kratzen und Beißen weitermacht ... oder ich werfe ihr ein ineinander gestülptes Sockenpaar zu, damit sie das dann wie Beute fassen kann, was dann auch funktioniert. Manchmal denke ich einfach, dass sie als kleines Kätzchen kein Spielzeug, vielleicht auch keine Geschwister, einfach nichts hatte und deshalb angefangen hat, in ihre Beine zu beißen ...

Naja auf jeden Fall hat sie sich wirklich sehr gut entwickelt und wirkt sonst wirklich ganz glücklich und ausgeglichen, genau wie jede andere Katze ... ich bin froh, dass alles so gut geworden ist, denn der Tierarzt hatte ja anfangs verdacht auf FIP und gab ihr nur noch ein paar Wochen zu leben, aber das ist wieder eine andere Geschichte (in einem anderen Thread).

Danke!
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #6
Hier ein Bild vom Mai, als wir sie bereits 4 Wochen im Freien gefüttert haben und per Lebendfalle gefangen und zum Tierarzt gebracht haben. Dort wurde sie dann sofort kastriert, obwohl sie noch so klein war. Damals ließ sie sich noch nicht anfassen, aber wir durften ihr schon sehr nahe kommen. Auch das Fell über ihrer Nase, das ausgefallen war, kam langsam wieder. :-D
 

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  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #7
Wichtig in den Momenten ist für sie zu wissen, dass jemand bei ihr ist. Ich denke, dass dieses Verhalten dann immer seltener wird. Ist 24 h jemand in der Wohnung (bis auf das normale Familienleben) oder seid ihr Berufstätig?
Das Krallenkürzen ist bei Freigängern keine gute Idee, schon garnicht in diesem Fall. Macht die Katze ja erneut wehr- und schutzlos.

(Mich erinnert dieses selbstverletzende Verhalten auch ein bisschen an die völlig vernachlässigten Kinderheim-Kinder aus dem Coucescu-Regime..., die hatten zum Teil auch solche Selbstverletzungen, siehe Begriffe , und evtl. auch )


...das ist übrigens ein wunderschönes Katzengesicht!

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  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #8
Wir sind zwar sozusagen berufstätig, aber immer nur halbtags bzw. arbeiten auch von zu Hause aus, wir wechseln uns ab ... es ist also eigentlich immer jemand da, außer wir gehn mal zusammen einkaufen oder sowas ...

Ob sie Geschwister hat, wissen wir nicht ... sie kam ja als ca. 4 Monate altes Kätzchen einfach allein in unseren Garten und hat vom Futter gefressen, das ich hin und wieder unseren halb verhungerten Nachbarskatzen hingestellt habe. Anfangs hatten wir Angst, dass die Nachbarskatzen auf das Kleine losgehen, aber im Gegenteil unsere Kleine hat die anderen vertrieben bzw. wollte mit ihnen spielen. Ich würde viel darum geben, zu wissen, woher sie gekommen ist ... denn wir wohnen hier in einem relativ kleinen Ort und ich kenne eigentlich fast alle Familien. Naja, jedenfalls hat sie großes Glück gehabt!
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #9
heisst sie eigentlich Bounty weil sie eine kleine Piratin mit ihrer schwarzen Augenklappe ist?
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #10
Hallo nochmal,

dass sie immernoch Freigängerin ist, hatte ich am Anfang gar nicht begriffen, klar, dann solltet Ihr die Krallen definitiv nicht kürzen.

Wenn meine Annahme stimmt und es sich um ein Trauma handelt, dann ist das Selbstverletzen eine immer gleich und automatisch ablaufende Verhaltensweise und vermutlich nimmt die Katze in dem Moment die Jetzt-Realität nicht wahr. Deshalb wird sie in dem Moment auch kaum merken können, dass jemand für sie da ist. Das ist der Grund, weshalb ich meine, dass Ihr es auf jeden Fall unterbrechen solltet.

Das mit der Socke ist ja schonmal ganz gut, obwohl der Kampf da ja dann mit Socke weitergeht und es sein kann, dass die Katze trotzdem noch nicht aus ihrem "Film" raus ist. Ich würde es mal mit der Decke probieren.

Je öfter dieser Automatismus abläuft, desto belastender ist es vermutlich für die Katze, auch wenn es ohne Verletzungen abläuft. Bei Menschen würde man von Retraumatisierung sprechen.

Spiel-oder Jagdsituationen kann man ja allerdings nicht verhindern und will es grundsätzlich auch nicht. Dass das traumatisch überformte Verhalten gerade einen normalen Reflex betrifft, ist eher ungünstig.

Also: Probiert es bitte mal mit einer Decke. Wahrscheinlich reicht es einfach, sie überzuwerfen und der Spuk ist unterbrochen.

Und: Sie sieht sehr süß aus!

LG Seidenschnabel
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #11
...

(Mich erinnert dieses selbstverletzende Verhalten auch ein bisschen an die völlig vernachlässigten Kinderheim-Kinder aus dem Coucescu-Regime..., die hatten zum Teil auch solche Selbstverletzungen, siehe Begriffe , und evtl. auch )

Vielen Dank für die Links, solche Themen interessieren mich sehr, werde morgen mal nachlesen!

heisst sie eigentlich Bounty weil sie eine kleine Piratin mit ihrer schwarzen Augenklappe ist?

Oh, du hast recht, auf den Gedanken sind wir noch gar nicht gekommen, dass sie wie eine Piratin aussieht ... nein, sie heißt Bounty ... weil ich (als sie noch keinen Namen hatte) immer, wenn sie bei uns im Garten herumschlich sie mit "Maunzi" oder "Maunti" gerufen habe, wochenlang ... und dann hatte sie sich schon so sehr an diesen Wortklang gewöhnt und hörte darauf, dass wir einen Namen brauchten, der ganz ähnlich klingt. Und da kam dann Bounty heraus ... aber das mit der schwarzen Augenklappe finde ich eine super Idee von dir und stimmt!

... Spiel-oder Jagdsituationen kann man ja allerdings nicht verhindern und will es grundsätzlich auch nicht. Dass das traumatisch überformte Verhalten gerade einen normalen Reflex betrifft, ist eher ungünstig.

Also: Probiert es bitte mal mit einer Decke. Wahrscheinlich reicht es einfach, sie überzuwerfen und der Spuk ist unterbrochen.
l

Was du schreibst klingt sehr fachmännisch und auch plausibel, du hast dich wohl schon öfter mit dem Thema Trauma oder so beschäftigt, vielleicht sogar beruflich?
Ok, wir werden des mit der Decke versuchen ... obwohl ich schon ein bisschen Bedenken habe, dass sie da dann erschrickt oder sogar Angst bekommt (aber grundsätzlich ist Bounty nicht sehr schreckhaft, sondern ziemlich gelassen).

Schön, dass sie euch gefällt! :-D Wir sind auch ganz verliebt in sie.
 
  • Ehemaliges Streunerkätzchen beißt sich in die Hinterbeine Beitrag #12
Lose Decken beruhigen Katzen sehr, sofern sie nicht mit einer Decke gequält worden sind.
 
Thema:

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