Ich hab mich mal als Schreiberin versucht und überlegt, wie meine beiden Katzen es wohl erlebt haben, als sie zu mir kamen. Hier ist dann mal ein Teil des Ergebnisses. Erzählt von der kleinen Flauschmarie namens Peppa...
„Die ist ja niedlich!“ Gott, ich kann es nicht mehr hören. Immer die selbe Leier. Nur weil man eine kleine Katze ist und flauschig, heißt das noch lange nicht, dass man ständig angegrabbelt werden will. Und nur, weil man in einem Tierheim lebt, heißt das auch noch lange nicht, dass man da unbedingt raus will. Aber erzähl das mal diesen ignoranten Zweibeinern, die hier ständig durch latschen. Oder den anderen blöden Katzen, mit denen ich mir den Raum teilen muss. Warum kann man als Katze nicht einfach rum liegen, schlafen, fressen und seine Ruhe haben? Nehmen wir mal die olle Sina, die gerade wieder auf dem Boden rum rennt, als hätte ihr jemand in den fusseligen Hintern gepiekst und spielen will. Dabei niest die alte Nervensäge ständig rum und rotzt alles voll. Das ist voll daneben. Ständig will sie spielen und ICH will nur in Ruhe dösen.
Obwohl sie ja nichts dafür kann, die gute Sina. Sie war sehr krank, als sie hier ankam und hat noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Darum genießt sie wahrscheinlich auch jeden Tag so sehr. Sina ist übrigens förmlich besessen von dem Plan, aus dem Tierheim raus zu kommen. Sie faselt immer etwas von einem zuhause und lieben Menschen. Mir sind Menschen wurscht. Sie riechen seltsam, sind laut und unbeholfen. Vor allem die kleinen Zweibeiner. Wann immer einer dieser seltsamen Kreaturen unser Zimmer betritt, stelle ich mich schlafend- oder alternativ auch scheintot. Leider hält es sie nicht davon ab, mich zu befummeln, in einer dämlichen Brabbelsprache mit mir zu reden und mir restlos auf die Nerven zu gehen. Die einzigen Zweibeiner, die ich mag, sind die mit den Futternäpfen und der Streuschaufel.
Sina ist da ganz anders. Sie findet Zweibeiner toll und will immer voll im Mittelpunkt stehen, in der stillen Hoffnung, jemand nimmt sie mit. Ein paar Mal war es auch schon fast so weit. Aber dann fielen solche Worte wie „Schnupfen, vermutlich chronisch, Medikamente“ und „temperamentvoll“, und plötzlich wollten die doofen Zweibeiner Sina dann doch nicht. Manchmal tut sie mir Leid, wenn sie abends am Fenster sitzt und raus guckt. „Bin ich denn nicht niedlich genug?“, hat sie mich dann leise gefragt und ich hab nichts gesagt, weil ich auch keine Antwort wusste.
Sina hat dann geniest und sich wohl vorgenommen, sich bei den Zweibeinern noch mehr anzubiedern. Mit Schnurren und Köpfchen geben und das bei jedem Besucher. Mir ist das Recht, so hab ich meine heißgeliebte Ruhe. Obwohl- heute ist Mittwoch und da ist Besuchertag. Jedes Mal kommen die ollen Zweibeiner dann hier rein getrampelt, bringen alles durcheinander und manchmal nehmen sie einen von uns mit, wenn man sich nicht schnell genug versteckt. Ich für meinen Teil spiele die Schlafmütze, niemand will so eine langweilige, faule Katze. Die Leute vom Tierheim nennen mich übrigens Sauer- ja, das ist mein Name und wieso sollte ich den Zweibeinern das Gegenteil beweisen? Meine Schwester hieß Süß und schwuppdiwupp war sie weg. Dabei war sie eine der wenigen hier, die ich mochte.
„Da kommen Zweibeiner!“ Sina steht auf der Fensterbank und hüpft wie ein Gummiball rauf und runter. Gleich wird sie sich denen vor die Füße werfen und schnurren. Sie werden sie streicheln, sie werden lachen und dann werden sie Sina doch nicht mitnehmen, weil sie krank ist, mehr Geld kostet und weil die Zweibeiner immer Angst haben, eine wie Sina könnte alles kaputt machen.
Ich kann von meinem Platz auf dem Kratzbaum alles gut sehen. Draußen steht eine Zweibeinerfrau und redet mit Heinz, der immer nach Hundesabber riecht. Heinz ist okay, der hat nicht das Bedürfnis, ständig an einem rum zu fummeln. Mein Bruder Kaktus hat die Nase davon noch mehr voll als ich, der sitzt immer oben aufm Kratzbaum und faucht alle an. Auch ne Masche, die ich eventuell mal antesten sollte.
Die Tür zu unserem Raum geht auf, ich kneif die Augen fest zusammen und atme flach. Ignoriert mich einfach… Aber Sina schnurrt voller Enthusiasmus, gleich wird die Zweibeinerin verzückt jauchzen und dumme Sachen brabbeln. Zumindest hat sie den Anstand, in die Hocke zu gehen und Sina an ihrer Hand riechen zu lassen. Das finde ich okay. Wisst ihr Zweibeiner eigentlich, wie riesig ihr auf uns wirkt? Und wie ätzend es ist, wenn ihr euch einfach nur runter beugt, um uns anzufassen? Über sowas macht ihr euch meistens keine Gedanken.
„Ach du meine Güte. Gebt mir einen Schneeschieber, ich nehme sie alle mit!“, sagt die Zweibeinerin leise. Was immer ein Schneeschieber auch sein mag, mir schwant Böses. Kurz riskiere ich einen Blick. Sina steht mit den Vorderpfoten auf den Beinen der Frau und Mission „Ich bin eine Rotzkatze, holt mich hier raus!“, startet mal wieder. Die Frau guckt zu mir und schmunzelt. „Ein Tiger…“, murmelt sie leise. Na, zumindest spricht sie leise und stinkt nicht nach irgendwas seltsamen. Weibliche Zweibeiner hüllen sich seltsamerweise immer in penetrante Duftwolken, um ihren Eigengeruch zu übertünchen. Mir sind Zweibeiner suspekt.
„Dieses Mal muss es klappen!“, meint Sina entschlossen und spielt mit den Bändern an der Jacke der Frau. „He, du kleine Chilischote.“ Sanft, aber mit Nachdruck schiebt sie Sina von sich weg und wirft ein Spielzeug über den Boden. „Ich würde mich gerne noch ein wenig umsehen“, meint sie dann und steht neben meiner Schlafstätte, streicht mir einmal ganz vorsichtig über das Fell. Das ist angenehm. Heinz zeigt ihr die anderen Katzen in den Räumen nebenan.
„Gib es auf, Sina, die nimmt dich nicht mit“, meine ich seufzend und bereue es total. Sina lässt den Schwanz hängen und schmollt. Ich mache meinem Namen mal wieder alle Ehre und ausnahmsweise bin ich nicht stolz darauf.
Keine zehn verdöste Minuten später ist die Zweibeinerin wieder da und stellt Fragen zu Sina, während sie mit ihr spielt und sie streichelt. Heinz hat ehrlich gesagt keine Ahnung von uns und holt mal die Azubine. Es fallen Worte wie „Kosten, Kratzbaum, Transportkorb, Wohnung mit Balkon und zwei Katzen.“ Unsere Azubine geht, um was zu erfragen. Sina hat die ganze Zeit zugehört und macht leise, gurrende Geräusche. „Du hast aber Pfeffer im Hintern, was?“, sagt die Frau. Sie schaut Sina liebevoll an und nickt. Ob es dieses Mal klappt für die olle Rotzmietze?
Die Azubine kommt wieder und sagt etwas über Geld. Das ist etwas, dass für euch Zweibeiner sehr wichtig sein muss, ihr redet oft davon. Die Frau nickt. Und dann fallen die bekannten Worte wie „Schnupfen, vermutlich chronisch…“ Gleich wird die Frau ein ernstes Gesicht machen und Sina ist wieder in den Pelz gekniffen. „Macht nichts, ich nehme sie trotzdem mit. Die ist einfach klasse. Und den Tiger auf dem Kratzbaum auch. Ich muss nur schnell einen Transportkorb holen und ein paar andere Sachen.“