Hallo liebe Mitforis
Nach langem Hin-und Herüberlege, habe ich mich nun auch dazu entschlossen meine zwei Mitbewohnerinnen mal etwas genauer vorzustellen ;-)
Beginnen wir mit dem 'adligen Panther': Luise
Luise war geplant und dann auch wieder nicht...
Die Geschichte fing Mitte August 2012 an, als wir gerade in unserem Dänemark-Urlaub waren. An fast jeder Ecke und auf jeder Landstraße sahen wir wunderschöne Katzen und bereits vor Antritt des Urlaubs lag ich meinem Freund schon seit Wochen in den Ohren, dass ich unbedingt einen Stubentiger brauche.
Nachdem ich Anfang 2012 krankheitsbedingt gekündigt wurde und mich deswegen auch immer noch in einer langfristigen Behandlung befand war ich jeden Vormittag alleine und die Tatsache, dass mir die Decke auf den Kopf fiel, tat dem Genesungsprozess nicht wirklich etwas Gutes.
Ich sehnte mich nach Gesellschaft und einer sinnvollen Beschäftigung. "Ich möchte eine Katze aus dem Tierheim adoptieren. Ich möchte Verantwortung für etwas haben und das ohne großen Druck. Ich möchte für das Tier da sein und wissen, dass jemand zu Hause ist, auch wenn du nicht da bist", erklärte ich meinem Freund. Er wusste wie sehr mir dieser Wunsch am Herzen lag und wie sehr mir die Gesellschaft von Tieren fehlte. Durch meine Zeit in der Wohngemeinschaft in der ich nach meinem Umzug nach Dresden gewohnt habe, war ich es gewöhnt, dass mindestens zwei Katzen um mich herum wuselten. Und das fehlte mir nun doch sehr.
Kaum aus Dänemark zurück fuhren wir zum Tierheim Dresden. "Wir können ja mal schauen ob eine dabei ist..." Die Mitarbeiterin war sehr freundlich und nahm sich alle Zeit der Welt uns die Katzen vorzustellen. Als wir anmerkten, dass ein Freigang bei uns leider nicht möglich sei, weil wir im 2. OG wohnen, wurde die Auswahl schon durchaus kleiner. Aber das tat meiner Motivation keinen Abbruch. Während ich mich gerade mit einer der Katzendamen anzufreunden versuchte, schaute die Mitarbeiterin mich an und meinte "Muss es denn unbedingt eine adulte Katze sein?"
"Hm..Ich dachte das wäre vielleicht besser? Ich kenne mich mit Kitten nicht so aus und weiß nichts über die Erziehung..." stammelte ich. Aber einen Blick auf die kleinen Fellknäule wollte ich dann doch mal werfen, zumal bei den 'Erwachsenen' leider alle auf ihren täglichen Freigang bestanden und ich keiner von ihnen eine Zwangshaft in einer Mietwohnung zumuten wollte und konnte.
In der 'Kittenstation' kamen mir fast die Tränen. All die kleinen Fellbündel in den (viel zu kleinen) Zwingern. Ich hätte sie am liebsten alle auf einmal mitgenommen :sad:
Die Mitarbeiterin gab uns alle Zeit der Welt uns in Ruhe um zu sehen und Fragen zu stellen. An einem der Zwinger konnte ich nicht vorbei gehen. Zwei kleine schwarz-weiße Kitten saß dort. Eines döste im Körbchen vor sich hin, das andere kam sofort zur Käfigtür, als ich mich näherte. Das Maunzen brach mir förmlich das Herz. Als ich vorsichtig einen Finger entgegenstrecke, legte die Kleine sofort ihre Pfote darum und begann zu Schnurren. Ich war den Tränen nahe. "Das ist sie...". Die Mitarbeiterin bestätigte uns dann, dass die Kleine noch keine Interessenten hätte. "Aber Fieber hat sie noch. Der Tierarzt kommt Ende der Woche und checkt sie noch mal durch, aber wenn dann alles ok ist, kann sie vermittelt werden." Meine Blicke müssen Bände gesprochen haben. "Wenn Sie Interesse haben, dann würde ich eine Notiz in ihrer Akte machen, dass sie sie abholen, wenn sie gesund ist..." grinste die Mitarbeiterin. "Oh, ja. Unbedingt." Da der Tierarzt kommen sollte, während wir gerade noch auf einem Kurzurlaub bei meinen Eltern sein würden, wollte man uns telefonisch informieren, wenn die Kleine gesund und bereit für den Umzug wäre. Toller Service, dachte ich noch...
Auf dem Weg nach Hause musste ich dann unbedingt noch in den nächstgelegenen Tierfachhandel und die Grundausstattung besorgen. Ich war voller Vorfreude, während ich Transportkorb, Katzenklo, Futter, Kratzbaum und alles andere mit meinem Freund im Kofferraum verstaute und später zu Hause alles einrichtete.
Die Tage bei meinen Eltern waren dann endlos. "Wann rufen sie wohl an? Ob es der Kleinen schon besser geht?" Fragen über Fragen. Zu Hause angekommen warteten wir beide gespannt auf den Anruf. Doch der kam nicht. Weder am ersten Tag noch am nächsten. "Und wenn wir mal anrufen? Vielleicht geht es ihr doch nicht wieder gut?" Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt... Mein Freund rief dann beim Tierheim an um sich zu erkundigen. Das Telefonat war sehr verwirrend. "Nein, kein Kater. Eine kleine Katze, schwarz-weiß. Die saß mit einem Kater zusammen in einem der Zwinger. Gleich neben der Tür auf der linken Seite...-Wie sowas haben sie nicht?!" Kurzerhand fuhren wir dann selbst zum Tierheim um das offensichtliche Missverständnis aufzuklären. Der Leiter des
Tierheim war aber auch jenseits des Telefons sehr überrascht, dass wir von einer Katze wussten, die sie offensichtlich nicht hatten. "Fragen sie doch mal die Kollegin mit der sie gesprochen hatten, die ist gerade hinten." Gesagt, getan. Die muss sich doch an uns erinnern. Und vor allem an die Katze. Kaum, dass wir vor ihr standen, verschwand schon das breite Lächeln von ihrem Gesicht. "Es tut mir so leid..." Oh nein! Hat die Kleine es nicht geschafft?! "Ich war im Urlaub. Und der Kollege hat die Katze einem anderen Paar gezeigt und...der Zettel...der muss irgendwie rausgerutscht sein. Sie ist nicht mehr da...Es tut mir wirklich leid!" Das war schon ein Schlag. Ich hatte mich so sehr auf die kleine Katze gefreut, alles eingerichtet, mir einen passenden Namen überlegt und jetzt war sie einfach weg... Die Enttäuschung stand mir ins Gesicht geschrieben. "Und wenn wir uns noch mal bei den Kitten umschauen...?" mein Freund wollte die Hoffnung nicht aufgeben. "Ginge das denn?" -"Natürlich! Ich kann sie doch jetzt nicht so weg schicken!" Die Mitarbeiterin bestand darauf, dass wir uns noch einmal im 'Kindergarten' umschauen, denn immerhin gäbe es schon wieder Neuankömmlinge.
Ehrlich gesagt, hatte ich mir keine großen Hoffnungen mehr gemacht. "Es sind größtenteils Kater...Aber sie wollten ja eine Katze, oder?" Während ich gerade einen kleinen, roten Kater anschaute, holte die Mitarbeiterin eine Akte hervor. "Oh, hier haben wir noch ein Mädchen. Eine ganz Liebe. Aber sehr scheu...Lässt sich bisher nicht gerne anfassen..." Sie deutete auf einen der Zwinger, der -meiner Meinung nach- leer war. Da ist eine Katze drin? Tatsächlich. Hinter einem großen Katzenkorb saß in der hintersten Ecke ein kleiner, schwarzer Schatten mit strahlend gelben Augen. Die Mitarbeiterin war so nett die Tür für uns zu öffnen und den Korb beiseite zu schieben. "Sie können gern versuchen sie zu streicheln, aber seien sie vorsichtig. Das hat sie sich bisher noch von keinem richtig gefallen lassen." Vorsichtig griff ich in den Zwinger und hielt der kleinen Katze meine Hand hin. Ein kurzes Schnuppern. Kein Knurren oder Fauchen. Hmm...Ganz behutsam versuchte ich sie zu streicheln. Und sie ließ mich. Unglaublich. Sogar ein leises Schnurren war zu hören. Sogar die Mitarbeiterin war beeindruckt. "Sie müssen sich jetzt nicht sofort entscheiden. Es würde auch sehr viel Zeit und Geduld brauchen, bis Sie sie soweit haben, dass sie Vertrauen hat. Darüber muss man sich im Klaren sein." -"Ich hab Zeit," war alles, was ich noch zu sagen hatte. Diese Katze hatte irgendetwas an sich. Ich wusste nicht was, aber ich wusste, dass sie die Richtige ist. Es war, als hätte sie auf mich gewartet und bräuchte jemanden, der so tickt wie sie. Jemand, der nicht sofort Vertrauen in jeden hat und liebe auf Distanz bleibt. Der eine Weile braucht zum Auftauen.
Dieses Mal wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Der Kennel war bereits im Auto und so mussten nur noch die Papiere ausgefüllt werden. Während wir warteten, dass wir mit dem Papierkram an der Reihe waren, saß die kleine, namenlose Katze in ihrer Box zu unseren Füßen und miaute leise. "Ganz ruhig, kleine...-Ja, wie nennen wir sie überhaupt?" Nach einigem Hin- und Herüberlege kam mein Freund dann auf die Lösung: Wie wäre es mit einem geschichtsträchtigen Namen? Luise. Luise von Mecklenburg-Streelitz. Die Dame sagte mir zwar nichts, aber Luise? Das ist ein schöner Name.
In ihrem neuen zu Hause angekommen, machte Luise ihrem Ruf aus dem Tierheim dann alle Ehre. Wir gaben ihr natürlich Zeit von selbst aus dem Kennel zu kommen, aber kaum, dass sie draußen war, war sie auch verschwunden. Im Bad saß sie dann unter dem Waschbeckenschrank und ließ sich nicht von dort wegbewegen. "Aber die kalten Fliesen..."- "Sie wird schon kommen, wenn sie will oder Hunger hat." Tagelang war nichts von ihr zu sehen. Gerade mal einen schwarz-weißen Blitz konnte man erahnen, wenn sie von einem Versteck zum anderen wechselte. Ob sie überhaupt was frisst und das Klo benutzt? Die Spuren am nächsten Morgen sprachen dafür. Das beruhigte mich schon einmal. Ihr neues Lieblingsversteck war die Kiste mit den Stoffresten meines Freundes unter unserem Bett. Na klar, die ist groß und unheimlich gemütlich. Und wenn die Katze nicht zu mir kommt, dann komme ich zur Katze. Fast jeden Tag hatte ich es mir nun zur Aufgabe gemacht mich auf's Bett zu setzen und Luise etwas vorzulesen, wie ich es hier im Forum als Tipp gelesen hatte. Wenn sie im Wohnzimmer unterm Sofa saß, habe ich mich flach auf den Boden gelegt und ihr etwas aus meinem Leben erzählt. Tage vergingen und auch Wochen. Meine Motivation bröckelte ein wenig, da es schon ein wenig frustrierend war so gar nichts von der Katze zu sehen, als ab und zu die Augen unterm Sofa oder mal den Schwanz, wenn sie um die Ecke huscht. Doch die Ausdauer wurde belohnt. Als wir am wenigsten damit rechneten, kam sie eines Abends unterm Sofa hervor, setzt sich vor uns hin und schaute erwartungsvoll in die Runde. Als wollte sie sagen "So, da bin ich. Und was nun? Unterhaltet mich mal!" Und das taten wir auch. Zum Vertrauen bestärken gab es ein paar Leckerlies und die ersten Streicheleinheiten
auf dem Sofa. Das war wirklich ein schöner Lohn für die Mühen.
Mittlerweile kann ich mir selbst gar nicht mehr vorstellen, dass sie einmal so schüchtern war. Gut, bei Fremden ist sie immer noch sehr skeptisch. Aber wer ist das nicht? Aber sie ist auch mehr als 'nur' Hauskatze. Sie ist Alleinunterhalterin, Bodyguard, große Schwester für Emmi und neuerdings auch Krankenschwester. Als ich vergangene Woche mit Grippe und starkem Fieber im Bett lag und mich mehr als elend fühlte, ist sie keinen cm von meiner Seite gewichen. Ich wollte eigentlich nichts und niemanden sehen, aber es tat doch gut, dass sie da war. Sie hatte sich ganz dicht neben mich gelegt und schreckte jedes Mal auf, wenn ich unruhig schlief oder husten musste. Wenn ich mich dann wieder hinlegte, bekam ich jedes mal ein 'Küsschen' (Nasenstubs) auf die Stirn. Ich hatte schon fast den Eindruck, dass sie sich das bei meinem Freund abgeguckt hatte, der es genauso gemacht hat ;-)
Fortsetzung (Emilie) folgt...