Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für eure lieben Worte. Ja der kleine Katermann ist wirklich süß - er kommt mittlerweile, wenn ich von der Arbeit komme, genauso wie meine andere Dauerfreigängerin von irgendwoher angelaufen, wenn er mein Auto hört. Er gehört halt mit dazu, auch wenn er lieber draußen ist als drinnen. Aber er sieht sich als zur Familie gehörig und das zeigt er auch ganz deutlich.
ich glaube schon dass er ein Trost sein soll, allerdings bin ich noch nicht so weit, das annehmen zu können. Mein Mann ist schon am meckern, denn er will den Kater auf keinen Fall. Wir haben genug Viecher, meint er , und er hat ja auch recht. Aber ich konnte doch im Winter bei Minusgraden ein frierendes und hungerndes Kätzchen, das verzweifelt versucht hat an mir hochzuklettern, wenn ich draußen war, nicht einfach dort stehen lassen. Ich habe ja einige Tage gewartet, da ich weiß dass man fremde Katzen nicht anfüttern soll, wenn man nicht weiß ob sie jemandem gehören. Aber keiner wollte ihn und es war kalt.....allerdings frißt mir der kleine Kerl auch die Haare vom Kopf. Was der verputzt, ist unglaublich.
Heute morgen ist er mir in die Küche nachgelaufen, als ich Brote für die Kinder gemacht habe. Ich habe zwar Katzen, allerdings sind die alle aus dem Alter raus, dass sie auf der Küchenzeile rumspazieren - und davon abgesehen dürfen sie es auch gar nicht. Bis auf Jersey die letzten sechs Monate, aber die hatte seit der Diagnose auch VIP-Behandlung und durfte alles....
Auf jeden Fall hat der freche kleine Kerl, als ich ihm den Rücken zugedreht habe, sich Schafskäsewürfel aus der Verpackung!! geklaut - die Kinder haben so gelacht über ihn und ich konnte auch fast nicht böse sein - er holt einen schon ein bißchen aus der Trauer raus.
Ich hoffe ich darf mich noch ein bißchen ausjammern bei euch, denn wie ihr bestimmt alle selber wißt, verstehen nur Katzenhalter andere Katzenhalter. Mir wird zwar viel Mitgefühl entgegengebracht, aber da hört es dann auch schon auf.
Mein Mann hat mich am Montag begleitet und auch gestützt, soweit er das kann. Er kann sehr schlecht Gefühle zeigen und das ist mir auf dem Rückweg vom Arzt aufgefallen. Er hat kaum gesprochen und zuhause war das Thema für ihn durch. Wir haben sie schnell beerdigt, denn wir wollten das ohne die Kinder machen. Im Nachhinein ein Fehler - der Große hätte sie nicht sehen wollen, aber der Kleine fragt immer nach ihr, in welcher Decke sie eingewickelt ist und wollte sie schon ausgraben. Ich habe sie nur noch einmal gestreichelt, sie war ja noch gar nicht lang tot und noch warm. Montag kam es mir richtig vor, ich war so erleichtert und die Zeit drängte, gestern hätten wir den ganzen Tag keine Zeit gehabt sie in Ruhe unter die Erde zu bringen und heute auch nicht.
Mittlerweile bereue ich das - ich hätte sie noch mehr streicheln sollen, mich länger von ihr verabschieden sollen. Ich habe ihr nur noch mal die Ohren gekrault und ihr süße Träume gewünscht - vielleicht hätte ich sie mir noch mal auf den Schoß nehmen und mit ihr in Ruhe ausgiebig kuscheln sollen. Vielleicht ist es das was mir fehlt?? Ich komme mir fast vor, als hätte ich sie hopplahopp mal eben entsorgt und verscharrt und gut ist - versteht jemand wie ich das meine??
Bei meinem Mann habe ich das Gefühl er nimmt mir übel, dass er so sehr involviert war. Als Jersey die
Sedierung nicht vertrug und ich rauslief um die Ärztin zu holen, mußte er sie für kurze Zeit halten und beruhigen, sie hat wohl ganz schön gekrampft. wir haben noch nicht wieder darüber gesprochen, er hat nur sowas in der Richtung fallen lassen, dass das meine Sache gewesen wäre. Aber einer mußte doch den Arzt holen??
Ich mag auch gar nicht mit ihm darüber reden, denn für noch mehr Vorwürfe gleich welcher Art bin ich jetzt noch nicht stabil genug.
Aber die
Sedierung bringt mich zum nächsten Punkt, der mich beschäftigt. Ich hatte so Angst, dass ihr übel wird von der Narkose, ich wollte nicht dass sie Angst bekommt, wenn man ihr den Katheter legt. Ich wollte nicht dass sie stillhalten muß zum rasieren und wir sie festhalten müssen. All das wollte ich nicht, weil ich ihr keine Gewalt mehr antun wollte in ihren letzten Minuten. Und genau dadurch habe ich es für sie noch schlimmer gemacht. Kurz nach der
Sedierung fing sie an zu würgen - raus kam nichts, aber es sah schlimm aus. Mein Mann meinte, sie hätte vielleicht die Kontrolle über ihre Zunge verloren. Ich bin schnell raus um die Ärztin zu holen und diese kam sofort und meinte, dass wir jetzt schnell handeln müssten. Und dann hat sie sie schnell raus aus der Box, hingelegt, Bein rasiert, Katheter gelegt und die erste Dosis Narkose gespritzt. Und die ganze Zeit mußte ich sie halten, sie hat miaut und noch versucht sich unter meinem Arm rauszuschummeln. Dann ging es zwar innerhalb von Sekunden, dass das Miauen aufhörte, aber DAS hatte ich mir doch anders vorgestellt.
Von meinen Frettchen kannte ich es so, dass die erste Dosis unter die Haut gespritzt wurde und davon waren sie recht schnell weit weg, dann kam der Rest.
Das wollte sie nicht machen, da sie meinte, dass es a) weh tun würde (stimmt, die Frettchen haben auch immer geschimpft) und b) es dann zu lange dauern würde, bis die Narkose wirkt und dann könnte es zu den befürchteten Nebenwirkungen wie Erbrechen oder Aufbäumen kommen.
Anscheinend habe ich in dem Punkt Pest gegen Cholera getauscht - aber ich mache mir Vorwürfe ihr die letzten Minuten ihres Lebens keine Liebe und Würde, sondern Stress und Panik mitgegeben zu haben. Und das für das Tier, was ich von meinem ganzen Zoo am meisten geliebt habe...ich fühle mich so schlecht.....
Und der letzte Punkt, den ich mir von der Seele reden möchte, ist dass ich mir selber die Schuld gebe an der Krankheit, die sie letztlich das Leben gekostet hat. Ich habe oft gelesen, dass das Risiko für Mammatumore bei nicht kastrierten katzen um ein vielfaches höher ist als bei kastrierten.
Jersey war zwar kastriert, aber erst spät. Ich habe vor vielen Jahren ein sehr geliebtes Frettchen durch eine Kastration verloren, sie ist in der Nacht nach der OP verstorben. Das hat mich so sehr traumatisiert, dass ich danach nur noch schon kastrierte Frettchen aus dem
Tierheim aufgenommen habe, damit mir sowas nicht noch einmal passiert.
Die Kastration aller Katzen war kein Problem, aber bei Jersey war ich panisch. Ich hatte so furchtbare Angst sie zu verlieren, dass ich es Jahr um Jahr hinausgeschoben habe, bis sie eine Gebärmutterentzündung hatte und notoperiert wurde. Das war alles sehr dramatisch und sie hat auch etwas dran zu knabbern gehabt. Aber dann war alles wieder gut und ich hab gehofft sie könnte ewig bei mir bleiben. Und dann diese fiese Krankheit und ich hatte immer den Hintergedanken im Kopf, dass sie es nur hat, weil ich sie nicht eher haben kastrieren lassen. Das und alle anderen Gedanken drehen sich nur in meinem Kopf.....es geht mir zwar im Moment ganz gut, besser als ich gedacht hätte, aber ich denke dass das noch der Schock von Montag ist, der jetzt erst langsam weichen wird. Daher werden die Gedanken auch immer mehr.....ich vermisse ihr lautes Schnurren, wofür ich oft mit ihr gemeckert habe, weil sie abends auf mir lag und so laut geschnurrt hat, dass ich den Fernseher lauter stellen mußte
Wer bis hierhin durchgehalten hat - vielen Dank fürs lesen. Ich wußte die letzten Tage vor ihrem Tod nicht wohin mit meiner Verzweiflung und jetzt ist es nicht viel besser, nur ist die Verzweiflung in Schuldgefühle und Gedankenversunkenheit übergegangen.
Vielleicht versteht mich ja jemand und mag was dazu sagen.
LG Silke