Morgen wird Quincy als Katerkumpel für Lucky einziehen, auch damit Daisy - so war der Plan - noch mehr ihre Ruhe hat. Hatte schon überlegt, meinen Nicknamen in DreiZwucks zu verändern. Der mit „DreiZwucks“ beschriftete Trinknapf von Keramik-im-Hof ist schon in Betrieb…
Aber das völlig Unfassbare ist vorgestern abend geschehen: Daisy, meine allerliebste Herzenskatze, meine kleine Mähhh-Maus (sie hat nicht miaut, sondern mähhh gesagt), ist tot.
Vorgestern abend war ich zuhause und habe irgendwann realisiert, dass mein bis dahin putzmunteres Mäuslein auf einmal nicht mehr laufen konnte. Beide Hinterbeine zog sie hinter sich her. Ich habe das erst gar nicht gecheckt, dachte, sie drehe sich auf den Rücken, um beschmust zu werden oder wolle sich auf neue Art die Vorderkrallen am Sisalteppich abwetzen. Aber innerhalb von drei Minuten war mir klar: Hier ist etwas unfassbar Böses passiert. Sie war nicht gefallen, es war auch sonst nichts „Sichtbares“ geschehen, das hätte ich mitbekommen. Sie hat keinen Mucks von sich gegeben, auch nicht geschnurrt, also kann ich nur hoffen, dass sie keine Schmerzen hatte.
In meiner Not und Panik habe ich umgehend Nic, „meine“ Züchterin und vor allem Freundin, angerufen, die 10 Minuten später mit ihrem Mann bei mir eintraf. Wir haben die Notnummer meiner Tierarzt-Praxis angerufen, es war ja schon so gegen 22.30 Uhr, und sind dann in weiteren 10 Minuten zur Praxis gefahren, deren Tür gottlob bereits geöffnet war.
Hätte ich sofort ein Taxi gerufen, um zur Praxis zu fahren (hatte in fröhlicher Erwartung von Quincy zwei, drei Gläser Wein getrunken), wäre ich vielleicht 5 Minuten früher da gewesen, aber an der Situation hätte das nichts geändert. Sage ich mir jedenfalls.
Ich war außer mir. Mein Tierarzt stellte sofort die mich zutiefst erschütternde Diagnose: Lähmung beider Hinterbeine (da hatte sie absolut kein Gefühl mehr drin, sie waren ziemlich kühl bis kalt, und der Puls war dort auch nur kaum oder gar nicht hörbar), Thrombose, irreparabel, noch schmerzlos (hoffentlich war es so). Er plädierte nachdrücklich für sofortiges Einschläfern. Ich vertraue meinem Tierarzt, also habe ich in dieser alternativlosen Situation zugestimmt. Alles, was ich im Kopf hatte und was für mich immer gegolten hat, war: Das Mäuslein soll und darf nicht und niemals leiden.
Und dann ging alles ganz schnell, das Purzelchen ist völlig ruhig eingeschlafen. Zwischen meiner Feststellung der Lähmung und ihrem Tod war nicht einmal eine Stunde vergangen.
Es hat mir das Herz komplett zerrissen. Ich habe geweint und war in dieser schweren Stunde meiner Daisy nicht die starke und tapfere Beschützerin, die sie verdient hätte. Nein, ich habe sie nicht auf den Arm genommen, weil sie das auch sonst nie gemocht hat. Sie liebte es, an der Stirn und an den Wangen sanft gestreichelt zu werden, und so ist sie dann auch gestorben.
Ich muss mir das hier von der Seele schreiben, auch wenn es sich natürlich nicht „wegschreiben“ lässt. Mein geliebtes kleines Mäuschen – ohne Vorankündigung, ohne irgendein vorhergehendes Zeichen, dass es ihr schlecht geht. Sie sollte 20 Jahre alt werden, sie be- und verzauberte mein Leben über 1 3/4 Jahre, sie starb mit sieben.
Als sie am 17.12.2011 hier mit Lucky einzog, habe ich ihr versprochen, sie nie im Stich zu lassen. Sie war schüchtern, so unglaublich sanft und manchmal auch ein wenig kess. Zu mir hatte sie großes Vertrauen, und ich kann nur hoffen, dass ich sie durch die Zeichen meiner großen Not und Panik und die vielen Tränen in ihrer letzten Stunde nicht verunsichert habe.
Ich hätte sie gerne in meinem Garten beerdigt, wenn ich einen hätte. So wird sie nun verbrannt, und ich erhalte die Asche. Früher – vor der Adoption von Lucky und Daisy – hätte ich so etwas nie verstanden. Aber ich brauche das – also ihre Asche – jetzt einfach, um mit meiner Trauer klarzukommen.
Vielleicht würde es doch Sinn machen, meinen Nicknamen in DreiZwucks zu ändern. Daisy ist ja in meinem Herzen voll und ganz präsent und wird es auch immer bleiben.
Keine andere Katze wird Dir, mein sanftes Mäuslein, jemals den ersten Platz in meinem Herzen streitig machen. Das weißt Du hoffentlich!
Traurige Grüße
Ingrid