Canix: Wenn du mit diesen Maßstäben an eine Pflegestelle rangehst, dann bräuchte man keine, dann gäbe es nur Endstellen und alles, was keine perfekte Stelle findet muß draußen seinem Schicksal überlaßen werden - nein - ich denke du verkennst den Sinn einer pflegestelle.
Nehmen wir an jemand läßt seine unkastrierte Katze nach Umzug einfach zurück, die schlägt sich tapfer allein durch, wird trächtig, bekommt den ersten Wurf im Frühling draußen und zieht in allein groß, den 2. wurf im Herbst schafft sie auch noch, aber dann steht der Winter vor der Tür und sie ist am ende ihrer Kräfte, wird kränklig, der 2. Wurf ist auch schon angesteckt, die Jungspunde vom Frühling zwar noch fit, aber scheu. Sie fängt an an den Häusern um Futter und Einlaß zu betteln und findet schließlich jemand, der sich erbarmt und Futter hinstellt und daraufhin bringt sie ihr Kittenmeute mit zur Futterstelle, die Leute sehen sich mit der Menge an Katzen überfordert und rufen den Tierschutz an. Wenn man jetzt darauf warten würde, bis sich perfekte Plätze mit allem Komfort für diese Tiere auftun würde, wäre der Winter da und die Tiere würden noch kränker werden und viele sterben. Die Mami ist zahm und könnte ins Tierheim (wo sie ja auch erstmal in die Quarantänebox müßte und danach mit Sicherheit keine Luxus-qm nebst Luxus-Zuwendung hätte ;-) ), aber da sie kränklig ist wäre es ungünstig, da sie eventuell andere anstecken könnte und müßte daher für längere Zeit in einer Quarantänebox ausharren - allein, ohne Zuwendung, ohne andere Katzen...
Die kleinen Kitten ebenfalls - aber sie hätten in der Box wenigstens einander bzw. wenn sie Glück haben dürfen sie erstmal bei Mama bleiben, bis die nen Lagerkoller kriegt und sie wegstößt... und die Jungspunde? Die sind scheu und keiner weiß wohin mit ihnen, da sie im Tierheim in der Masse untergehen würden und so nie zahm werden würden...
Und hier greifen Pflegestellen ein - sie können die Tiere nehmen, die im Tierheim schlechte Karten hätten, da sie mehr Zeitaufwand brauchen als man im Tierheim geben kann. Klar wäre es schön, wenn solche Tiere gleich Spitzenplätze fänden - aber dies wird wohl nicht oft der Fall sein - also was bleibt?- wenn dann jemand kommt der sagt: du - ich hab da ein freies Zimmer, da könnte ich sie reinsetzen oder ähnliches, dann ist das unendlich viel wert für das Tier, denn alles, was es sonst an Möglichkeiten hätte wäre um vieles vieles schlechter.
Du verstehst es genau falschherum - natürlich haben diese Tiere das Beste vom besten verdient und die Pflegestellen sind keineswegs "untere Klasse" - nein - die Pflegestellen helfen dem Tier, sie helfen leben retten, denn jede Pflegestelle bedeutet, daß wieder ein Tier mehr eine Chance auf ein gutes Leben bekommt - und genau das ist der Punkt: es ist eine CHANCE - es ist kein Palast, es ist kein Luxus den man bieten kann, aber es ist für dieses Tier die einzige Chance, denn die alternative hieße: Draußen dem Schicksal überlaßen oder wochenlange Quarantänebox und danach reingeworfen in eine Großgruppe des Tierheim - dagegen ist der eine Raum schon Luxus...
Das sind leider die Realitäten - ich habe derzeit 8 Pflegis hier - alle in kleinen Räumen - und muß ständig ablehnen neue aufzunehmen - und die Leute, die sich an mich wenden mit ihren hilfsbedürftigen Tieren haben bereits alle möglichen Vereine und Tierheim durch und sind abgelehnt worden - in die Tierheim werden die Kitten in Käfigen gestapelt, da der Platz fehlt - das sind die Realitäten...
Nur - um auf Knubbel und Piri zurückzukommen: Deshalb kann und darf man dann aber die Vermittlungskriterien für die Endstelle trotzdem nicht wider dem setzen, was das jeweilige Tier braucht, nur, um sie "los zu werden" - stell dir vor, ich würde sagen: naja, ich werd Knubbel und Piri nicht los, also geb ich sie zu Bibikatze auf 42 qm - besser als das Kinderzimmer isses ja - aber eigentlich bräuchte Piri aufgrund ihres Charakters mehr Raum, aber macht nix - wird schon passen... und 1 Jahr später ist sie so frustriert, daß sie anfängt wild zu pieseln und ihre Menschen anzugreifen ... was wäre dann gewonnen? Da wäre dann der Wanderpokal vorprogrammiert... Jetzt ist sie noch in der Entwicklung (alle Tiere mit schlimmer Vergangenheit durchlaufen ja eine Entwicklung) - da ist sie noch "steuerbar", noch nicht 100 % sie selbst - das kommt erst noch - und somit ist der kleine Platz für sie noch ertragbar - aber eben nicht auf Dauer - und eine gute Vermittlung sollte das berücksichtigen, sonst hat der zukünftige Dosi später mehr Probleme als ihm lieb ist...