Eins vorweg, ich will keinen Krach anfangen oder ähnliches. Ich hätte nur mal gerne Antworten.
Wie kommen die Preisunterschiede zustande ? Ein Züchter verlangt 300€, ein anderer 750€.
Wir brauchen jetzt wohl nicht über die Preisunterschiede von Züchtern und Vermehrern reden ... ich nehme mal an, du meinst jetzt schon Unterschiede für Kitten mit Papieren. Ok - auch das gibt es. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Der häufigste ist oft der, dass ein Züchter sich "verkalkuliert" und dann einen - oder oft auch zwei - Würfe da sitzen hat und keine Käufer. Spätestens wenn die Kitten 8 Wochen alt sind, fangen sie an, richtig teuer zu werden (da stehen dann die Impfungen an und die Zwerge fressen einem echt die Haar vom Kopf). Wenn dann keine Interessenten da sind, verlieren viele die Nerven und fangen an, mit dem Preis runterzugehen, weil sie es sich nicht leisten können, die Kitten länger als bis zur 12. Woche zu behalten.
Ich meine - ob mein bei so einem Züchter kaufen sollte - das muss jeder für sich selbst entschieden.
Wenn man sich hier umliest, heißt es ja von den Züchtern immer, dass man eigentlich an der Katze nichts verdient. Wenn ich nun bei jedem Züchter die gleiche "Leistung" bekomme. Also geimpftes, gechipptes Tier usw. Wie rechtfertigt sich dann der Preisunterschied von 400€ ?
Hier sollte man schon sehr genau hinschauen, ob es wirklich "die gleiche Leistung" ist. Und falls dem so ist, kann das oben erwähnte der Grund sein.
Ich habe mal in einem Online Kurs für Züchter eine Kitten-Kosten-Aufstellung gemacht. Die erste wirklich sinnvolle, die ich in meinem Leben gesehen habe (und nicht den Quatsch, den manche Züchter so auf ihren HPs stehen haben). Da wurde dann die Anschaffung der Zuchtkatze (mit Reisekosten usw.) gerechnet ebenso andere "einmalige Kosten" wie Blutgruppenbestimmung oder Gentests. Dann jährliche Kosten wie Futter, Streu (für eine Zuchtkatze), Tests, Vorsorge. Dann die Kosten pro Wurf (Decktaxe, zusätzliche Tests, Fahrkosten), zusätzliches Aufbaufutter. Dann noch die Kosten pro Kitten (Futter, Streu, Imfpung, Chip). Es wurde das durchschnittliche Kaiserschnittrisiko für die Rasse berechnet und die Kosten umgelegt. Es wurde ein Koeffizient ermittelt, wie viele Würfe eine Zuchtkatze durchschnittlich hat, mit einer durchschnittlichen Kittenanzahl. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon fast 10 Jahre gezüchtet und 16 Würfe gehabt habe, konnte ich mit "echten Zahlen" arbeiten.
Ich kam auf 750 Euro Kosten für ein Kitten ... was bedeutet, dass ich im Schnitt 100 bis 150 Euro pro Kitten drauf zahle.
Bei der ganzen Aufstellung wurde jetzt nicht mitgerechnet, dass auch Kastraten versorgt werden, keine Möbel, die häufiger erneuert werden, nicht mal Anschaffungen wie Wurfbox, Laufstall, Spielzeug. Und nicht ein einziger
Tierarzt-Besuch, der nicht direkt mit einem Wurf in Zusammenhang stand.
Und wenn man angeblich nichts verdient ? Wozu züchten dann soviele ?
Hm ... mit Golf spielen verdient man auch nichts - trotzdem machen es viel. :mrgreen:
Es ist ein Hobby - und wie jedes andere Hobby, kostet es Geld und bringt nichts ein.
Und wieso möchten die Züchter keine Tiere abgeben, wenn sie nicht kastriert werden ? Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz ?
Wir wollen nicht, dass mit unseren Tieren sinnlos vermehrt wird. In jedem Wurf ist in der Regel ein bis max zwei Tiere, die gut genug sind, um in die Zucht zu gehen. Die würde man auch zur Zucht verkaufen - aber eben nur an Züchter und da wählen die meisten von uns sehr gründlich aus. Ich verkaufe nur an Züchter, die in etwa die selbe Auffassung von Zucht haben, wie ich. Ich würde an niemanden verkaufen, der einfach nur Kitten produziert, ohne ernsthafte Zuchtarbeit zu leisten, an niemanden, der nicht schallt usw.
Wie kommen denn dann die neuen Züchter zu frischem Blut in ihren Linien ? Oder will man so die Konkurrenz vermeiden ?
Es geht wohl in den wenigsten Fällen um Konkurrenz - aber wenn einer kommt, der "mal Babys will" - tja - an den würde ich nun auch nicht verkaufen.
Und wie sind die ganzen Züchter eigentlich Züchter geworden, wenn man eine Rassekatze ja nur bekommt, wenn man 1000mal versichert, dass man keinen Nachwuchs bekommt ?
In dem man offen damit umgeht und sich einen guten Züchter sucht. In dem man von vornherein sagt, dass man selbst züchten möchte. Und indem man dann auch bereit ist, für ein Zuchttier einen höheren Preis zu bezahlen.
Mir ist das alles sehr suspekt.
Eigentlich ist daran nichts suspekt - und getreu dem Motto: "wer nicht fragt, bleibt dumm" ist es ja gut, dass du deine Fragen hier stellst. Wie gesagt, der etwas provokante Unterton, den deine Fragen haben (das ist nicht nur ehrliches Interesse, sondern gleich das Misstrauen, dass da was nicht stimmen kann und wir alle gequirrlte Scheiße erzählen), wird dich mit Sicherheit auch mal gut anecken lassen. Aber ein seriöser Züchter wird die seine Kosten durchaus offen darlegen können.
Aber mit Lebewesen Geld zu verdienen, gefällt mir nicht wirklich.
Siehst du - das meine ich: das ist eine Unterstellung, die einfach nicht stimmt. Ich weiß, dass Liebhaber das oft glauben, aber das ist defintiv nicht so (wenn man seriös züchtet - keine Frage, es gibt genug andere!!). Aber das ist eben die Kunst, die Guten von den anderen zu Unterscheiden.
Und hier ist ganz klar der Kittenkäufer gefragt: solange Kittenkäufer sich nicht gründlich informieren und auch mal klar "Nein" sagen, solange wird es Züchter geben, die an allem möglichen sparen. Wenn sich z.B. alle Kittenkäufer vernünftig über
HCM informieren und einfach kein Kitten von ungeschallten Elterntieren kaufen würden - dann würden alle, die sich diese relativ teure Untersuchung "sparen" sich das schnell anders überlegen.
Aber leider machen sich so viele Käufer überhaupt keine Gedanken im Vorfeld. Da wird mehr nach Informationen recherchiert, wenn ein neuer Fernseher oder ein PC gekauft wird, als wenn man sich ein neues Familienmitglied zulegt.
Ich habe in den letzten Jahren rund 60 Kitten verkauft - und wenn es insgesamt fünf Käufer waren, die schon vorher etwas über
HCM wussten, dann sind das viele!!
Grüße,
Nic