Hallo dungas,
als Katzenanfänger hast du leider gleich einen etwas schwierigeren Fall erwischt

. Babykatze und dann auch noch von der Straße. Du brauchst auf jeden Fall ganz viel Gedult, auch wenn nicht gleich alles klappt. Mein Kater hat als Baby in den ersten beiden Tagen, die er hier war, mindestens drei Mal auf mein Bett gepinkelt. Ich kam gar nicht mit dem Waschen hinterher und meine Nerven waren auch blank. Und von dem mitgebrachten Flohbefall fang ich gar nicht erst an...
Die Katze meiner Mitbewohnerin haben wir auch mit ca 9 Monaten aus dem Tierheim geholt, sie wurde ein paar Wochen vorher von der Straße aufgelesen. Eine Kuschelkatze ist sie bis heute nicht und wird sie auch niemals werden. Sie lässt sich zwar streicheln und kommt auch mal zum kuscheln, aber nur wenn sie will. Und auf den Arm nehmen geht zwar, aber sie findet es total doof. Und mittlerweile ist sie ca 3 1/2 Jahre alt. Das muss man dann einfach akzeptieren. Meine erste Katze Emma war auch so.
Mittlerweile habe ich meinen Kater Milo. Hab ihn als Baby aus dem Tierheim geholt, mittlerweile ist er 1 1/2. Er hat auch Schwierigkeiten sich zu konzentieren, besonders wenn Futter oder Leckerlis im Spiel sind. Grundsätzlich muss man bei jungen Katzen viel Gedult haben. Clickern fordert, wie von anderen bereits erwähnt, das Gehirn und die Konzentrationsfähigkeit und junge Katzen können sich noch nicht so lange konzentrieren, dass kommt auch erst mit dem Alter. Es reicht dann manchmal schon 5-10 Minuten zu üben. Wenn du merkst, dass er sich nicht drauf konzentrieren kann, kannst du auch erstmal aufhören. Ich würde ihm das aber immer mal wieder anbieten.
Am besten fängst du erstmal an, ihn auf den "Click" zu konditionieren. Das heißt, wenn er dich anguckt sofort klicken und gleich ein Lekerchen geben. Mein Kater hat mir dann auch immer in die Finger gebissen, weil er so aufgeregt war, mittlerweile nicht mehr. Alternativ kannst du das Lekerchen auch auf deine Handfläche legen und ihm die flache Hand hinhalten, so dass er es auflecken kann. Ich nehme immer recht kleine Lekerchen, die schnell aufgegessen werden können. Wenn du solche Stangen nimmst, dann kannst du sie in kleine Stücke schneiden. Du musst einfach ausprobieren, worauf er ganz besonders steht.
Ein Kunststück was man am anfang leicht trainieren kann, ist "Sitz". Das machen viele Katzen schon fast automatisch. Sobald er also vor dir Sitz macht "Click" und Leckerchen. Ich hab Milo immer den Zeigefinger gezeigt und wenn er sich dann hingesetzt hat, hab ich geklickt und Lekerchen. Ansonsten kann man auch "Männchen" und "Gib Fünf" trainieren. Das macht man dann jeweils in kleinen Schritten. Für "Gib Fünf" könnte das dann folgendermaßen aussehen.
1 Schritt: Kater "Sitz" machen lassen
2 Schritt: immer dann "Clicken" wenn er die eine Fote leicht anhebt
3 Schritt: ihm die Flache hat hinhalten und immer dann "Clicken", wenn er seine Fote in die Richtung deiner Hand bewegt
4 Schritt: immer nur dann "Clicken" wenn er mit seiner Foto deine Hand berührt (und dabei die Krallen drin lässt - Milo hat mir dabei etliche Male in die Hand gehackt ;-))
Clickern erfordert viel Gedult, weil es für die Katze quasi ein Prozess von "Versuch und Irrtum" ist. Die Katze probiert diverses, weil sie weiß, für irgendwas gibts das Leckerli und du musst der Katze durch den "Click" beibringen, welches Verhalten du von ihm willst. Im Idealfall versteht die Katze durch den "Click", welche Bewegung sie machen muss, um an das Lerkerlie zu kommen. Bei manchen Katzen geht das sehr schnell, bei anderen dauert es etwas länger und manche lernen es nie. Aber es ist einen Versuch wert. :razz: Du brauchst dabei super viel Gedult, weil es durchaus Minuten dauert, bis dein Katzer das Verhalten zeigt, was du möchtest. Auf keinen Fall aus Frust das Leckerchen einfach so geben.
Fummelbretter sind für meine Katzer total unsinnig, weil ihn das Null Anstrengung kostet. Er hat nämlich rausgefunden, dass es viel leichter ist, die Lekerchen mit der Zunge rauszulecken, anstatt sie rauszuföteln. Der hat son Brett in Null-Komma-Nix leer gefegt.
Mit dem Dog-Tornaddo von Nina Ottoson ist er schon länger beschäftigt:
https://www.amazon.de/gp/redirect.html
(Ursprünglich für Hunde gedacht, kommt aber auch bei Katzen super an)
Grundsätzlich werden für Katzen alle Spielzeuge, egal welche es sind, irgendwann langweilig. Daher auch Spielsachen mal für ein paar Monate wegräumen und gegen was anderes austauschen. Bei meinem Katzer sind auch nur Sachen interessant, solange sie sich bewegen. Diese Stoffbälle, die du erwähnt hattest, fand er für 2 Wochen total toll. Heute guckt er die mit dem A* nicht mehr an. Diese kleinen Spielmäuse aus Stoff oder die mit dem Baumwollseil (sieht aus wie Sisal) findet er allerdings immer noch super (gibts eigentlich immer im Futterhaus oder Fressnapf), allerdings verschwinden die andauernd (wahrscheinlich gibt es hier irgendwo ein scharzes Loch ;-)).
Ein Katzenkumpel wäre natürlich super, vielleicht klappt das ja irgendwann mal. Finanziell ist das auch nicht soviel mehr. Die Rechnung "2 Katzen = doppelte Kosten" stimmt so nicht ganz. An Katzenstreu verbraucht man eigentlich genauso viel, als wäre es nur eine Katze, macht schonmal keinen Unterschied. Futter kann man im Internet bestellen und bekommt dort meist günstigere Preise, als im Laden. Wir kaufen z.B immer die 800g Dosen von MACs und dann immer gleich das Mixpaket bei Sandras Tieroase, dass reicht für zwei Katzen ca 5-6 Wochen und kostet so 53,- Euro. Das einzige, was wirklich doppelt anfällt, sind die Tierarztkosten. Dafür kann man aber jeden Monat so 15-20 Euro bei Seite legen (auf ein Sparkonto z.B) und dann kann man das davon ganz gut bezahlen. Ich würde bei der zweiten Katze im Tierheim nach einem gleichaltrigen Kater suchen. Die Katzen aus dem Tierheim sind bei Abgabe eigentlich immer kastriert und geimpft, so dass du dir die Kosten dafür auch schonmal sparst. Die Schutzgebühr die du im Tierheim bezahlst, liegt bei weitem unter den Kosten, die du selbst für diese Behandlungen ausgeben müsstest. Für deinen Kater wäre ein Kumpel sicher die beste Lösung. Allerdings kann ich auch verstehen, dass man am Anfang, gerade als Katzenneuling, vor der Verantwortung etwas Angst hat, für eine Katze zu sorgen geht ja noch, aber gleich für zwei. Und weil man die Kosten nicht abschätzen kann und vielleicht auch grad nicht so viel Geld übrig hat, lässt man es erstmal. Aber für deinen Kater wäre es wohl die beste Lösung und soviel mehr Verantwortung und Geld ist es, wie gesagt, auch nicht. Und zu sehen, wie sich zwei Katzen vertragen und miteinander spielen oder kuscheln, ist echt das tollste überhaupt, da bereut man die Entscheidung zur Zweitkatze keine Sekunde.
Ohje, jetzt hab ich aber viel geschrieben. :shock:
Achja, niemals Katzen was von deinem Essen geben (gilt auch für Hunde), egal wie doll er bettelt. Sonst wirst du nie in Ruhe essen können. Im schlimmsten Fall fängt er an, dir beim Essen auf den Tisch zu springen. Ich hab meinen Kater immer leicht weggeschubst, wenn er nach meinem Essen gegiert hat. Nach ein paar Wochen hatte er es dann verstanden. Allerdings darf ich nicht, aber auch wirklich nichts, unbeaufsichtig stehen lassen, was essbar ist. Er zerfetzt jede Packung, egal ob Papier oder Plastik, um an das Essen zu kommen.
Ich würde auch nicht permanent Futter stehen lassen. Es gibt Katzen, die können sich das mit dem Futter nicht einteilen und die werden dann übergewichtig, was wiederum gesundheitliche Probleme verursachen kann. Ich habe meinem Kater als er klein war, 4-5 Mal am Tag Nassfutter hingestellt, weil Katzen bis zu 1 Jahr natürlich so viel fressen sollen, wie sie wollen. Hab das dann aber mit der Zeit reduziert, so dass er mit etwas über 1 Jahr nur noch 2 Mal am Tag Futter bekam. Getrunken wird hier übrigens auch nicht viel. Einen teuren Trinkbrunnen haben wir auch umsonst gekauft.
LG
calico