Hallo,
ich möchte das Forum für meine kleine Geschichte nutzen, damit möglichst viele Leute erfahren, was für schlimme Folgen ein Katzenbiss mit sich bringen kann.
Ein Katzenbiss ist nach einem Menschenbiss so ziemlich der gefährlichste Biss für einen Menschen. Ich wusste beides nicht bevor ich deswegen in der Klinik landete. Allgemein habe ich und niemand, der von meinem "Unfall" weiß, sowas je gehört oder erlebt, obwohl sowas täglich irgendwo passiert und die Klinik voll war mit Patienten wie mir.
Anfang diesen Jahres klemmte sich mein Kater Cookie, den ich ohne zu Zweifeln als einen der liebsten Katzen der Welt bezeichnen würde, unter einer Tür seine Pfote.
Unter der Tür waren nicht mehr als 5mm Platz und ich empfinde es daher im Nachhinein als ein kleines Wunder, dass seine Pfote nach dran ist.
Aufmerksam darauf wurde ich durch ein riesen Geschrei und dachte zuerst meine beiden Kater kloppen sich mal wieder, nach 10 Sekunden bin ich dann aufgesprungen, weil ich solche Leidensschreie noch nie gehört hatte.
Der arme Kater hatte seinen Körper schon um 180 Grad um die Pfote gedreht und versuchte sich zu befreien.
Ich war geschockt und es war nicht möglich die Tür zu bewegen oder sie gar aus den Angeln zu nehmen, ohne ihm noch mehr weh zu tun.
Vor meinem geistigen Auge sah ich schon wie die Pfote jeden Moment abreißt.
Also versuchte ich die Katze mit einer Hand ruhig zu halten und fummelte mit der anderen in der Nähe der eingeklemmten Pfote an der Tür herum und ihn da irgendwie rauszukriegen.
Während dieser Aktion schrie er noch mehr und biss mir vor Schmerzen mehrfach in meine rechte Hand.
Dieser Schmerz war so schlimm, dass ich mich in einer Art Schockzustand befand, jedoch machte ich weiter und irgendwie kam er dann tatsächlich raus.
Der Kater war nächsten Tag beim Tierarzt und ihm ging es gut. Er hatte Gott sei Dank nur eine Quetschung. Unerklärlich, wenn man bedenkt wie klein dieser Spalt war.
Mir ging es jedoch nicht so gut. Ich hatte die Wunden sofort ausgeblutet und ausgewaschen und desinfiziert, aber der Schmerz war immer noch kaum zu ertragen.
Mein Wunsch war es dennoch sofort mit der Katze zum Arzt zu fahren und dachte gar nicht an mich. Aber meine Fahrgelegenheit weigerte sich und wollte mich in die Notfallaufnahme bringen, damit ich mir eine auffrischende Tetanusimpfung abhole.
Dort angekommen war meine Hand mittlerweile aufs Doppelte angeschwollen und aus den wunden floss überall Eiter. Das lag natürlich an den Bakterien des Katzenspeichels.
Ich wurde zur Sicherheit sofort geröntgt, um zu sehen ob vlt ein Stück Katzenzahn in meiner Hand abgebrochen sei, bekam die Tetanusspritze und durfte gleich für eine Woche in der Klinik bleiben.
Die Ärztin meinte, dass ich sehr viel Glück hatte, da ich sofort gekommen war, sonst gebe es meine Hand am nächsten Morgen nicht mehr.
Sie berichtete mir, dass sie solche Fälle jeden Tag behandeln und erst am Vortag einer Frau die Hand abgenommen wurde weil sie erst nach 24h kam...
Das hätte auch ich sein können, hätte ich nicht auf jemand anderen gehört.
Ich wurde dann sofort an den Tropf gehängt und am nächsten Morgen direkt operiert.
Meine Hand wurde mit drei sehr großen Schnitten aufgeschnitten und Drainagen in die offenen Wunden gelegt.
Mit dieser offenen Wunde musste ich dann drei Tage auf der Station liegen bis sie endgültig ausgeitert war. Was aber gar nicht weh tat, es war nur nicht schön anzusehen.
Nach den drei Tagen wurde die Wunde dann wieder zugenäht. Der größte Schmerz, den man sich vorstellen kann... Man muss sich überlegen, dass die Haut nun nach drei Tagen, an denen sie sich an den neuen Zustand gewöhnt hat, wieder zusammengenäht wird und es somit total spannt. Es fühlte sich an als reißt mir jemand die Hand ab.
Nach ein paar weiteren Tagen zur Kontrolle durfte ich dann nach Hause. Der Arm wurde eingelegt in eine Gipsschiene und verbunden.
Dennoch musste ich alle paar Tage, später jede Woche und irgendwann alle paar Wochen zur Kontrolle und zum Verband wechseln.
Außerdem musste ich mir sofort einen Krankengymnasten suchen für Lymphdrainage und manuelle Therapie. Damit die Schwellungen wegmassiert werden und meine Hand Bewegung kriegt und sie nicht auf ewig versteift. Zuerst dreimal die Woche, dann zweimal, dann einmal, usw.
Die erste Zeit hatte ich daheim noch extreme Schmerzen und konnte kaum schlafen und musste heftige Schmerzmittel nehmen.
Auch die Besuche bei der Krankengymnastik waren nicht gerade angenehm.
Irgendwann wurde der Gips dann abgenommen und ich bekam einen Kompressionshandschutz, der bis zum Ellenbogen reichte. Den musste ich 6 Monate durchgehend tragen.
Heute ist das ganze ca. 10 Monate her und ich kann meine Hand immer noch richtig bewegen und weiß nicht ob ich sie je wieder ohne Schmerzen voll belasten oder bewegen kann. Ich habe drei dicke 5-10cm große Narben, die bei kleinster Berührung schmerzen und sich leichte Blutergüsse bilden.
Beruflich gesehen ist das die totale Katastrophe.
Seit dem Vorfall bin ich sehr vorsichtig geworden, wenn es um meine Katzen, besonders um fremde Katzen, geht.
Sowas kann einfach jedem passieren und selbst die allerliebste Katze kann mal zubeißen.
Die Station auf der ich lag, war auch wirklich voll von Patienten mit Katzenbissen. Meine Zimmernachbarin wurde auch von einer Nachbarskatze gebissen mit der sie zum Tierarzt wollte und brauchte eine Hautransplantation, weil sie nur ein paar Stunden länger gewartet hatte als ich.
Ich finde es einfach wichtig, dass man sowas weiß, damit man dem vorbeugen kann, indem man sich z.B. ein Handtuch über die Hand wirft oder einen Handschuh anzieht, wenn eine Katze mal aggro ist oder verletzt.
Ich muss sowas auf jedenfall nicht noch einmal erleben und wünsche es niemanden.
Ich hoffe ich kann mit meinem Beitrag zukünftig ein paar Katzenbesitzern helfen.
Liebe Grüße
Ein Foto der Hand findet ihr auf folgender Bild-URL. Ich habe es nicht direkt eingestellt, weil es nicht unbedingt was für schwache Nerven ist.
http://s14.directupload.net/images/131128/dzh9bhqn.jpg