Hallo zusammen,
schon in den letzten Tagen habe ich hier häufig mitgelesen und möchte allen, die um ihre Katze oder ihren Kater trauern mein tiefstes Mitgefühl und Beileid aussprechen. Ich weiß, wie ihr euch gerade fühlt.
Mein geliebter Spike ist am Montag von mir gegangen und ich habe das Gefühl, dass der Schmerz, die Trauer und diese endlose Leere mich auffrisst. Ich finde noch keinen Weg damit umzugehen, musste mich sogar krank melden, weil ich nicht in der Lage bin zu arbeiten oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
Es kam so plötzlich und so unvermutet. Am Samstag war noch alles bestens. Er sprang draußen rum und war wie immer. Am Sonntag dann erbrach der den ganzen Vormittag, schrie und saß nur unter dem Bett. Ich bin dann mit ihm zur Tierklinik und dort wurde er geröngt. Man sagte mir, dass er entweder einen schweren Magen-Darm-Infekt hat oder aber einen Darmverschluss hat. Er bekam Spritzen gegen die Schmerzen und die Übelkeit und musste ein Kontrastmittel schlucken damit man im Röntgen sehen konnte, ob es tatsächlich ein Verschluss sei. Eigentlich sollte ich erst Montag früh wieder mit ihm hin, aber abends ging es ihm schlecht. Das Kontrastmittel hatte er erbrochen und er sah so schlapp aus. Als ich ihm die Lippen ein wenig mit Wasser befeuchtete, er das ableckte und direkt wieder erbroch, wusste ich, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Es waren doch nur ein paar Tropfen Wasser!
Also wieder in die Klinik. Er wurde erneut geröngt, aber wie befürchtet war nichts vom Kontrastmittel übrig. Eine Blutabnahme zeigte, dass er dehydriert war und dass seine Bauchspeicheldrüse entzündet war. Sie hielten ihn dort, legten ihm einen Tropf an und gaben ihm erneut Kontrastmittel. Der Verdacht auf den Darmverschluss erhärtete sich.
Am nächsten Morgen wurde ich angerufen und tatsächlich war dem so. Er sollte sofort operiert werden. Alle dachten, dass er nur was falsches gefressen hatte oder so. Ich war schon besorgt, aber ich war fest davon überzeugt, dass er wieder heim kommt.
Zwei Stunden später schellte erneut mein Handy. Es war kein verschlucktes Teil. Es waren Tumore. Jede Menge. An Leber, Galle, Gallengang, Darm, Bauchspeicheldrüse - und die drückten seinen Darm zu. Ich war fassungslos. Der Arzt am Telefon sagte, dass man nichts mehr für ihn tun könnte und dass sie ihn nicht mehr aufwachen wollen lassen. Ich stimmte zu. Ich wollte ihn ja auch nicht quälen. Trotzdem war das wohl die schwierigste Entscheidung im meinem bisherigen Leben...
Wir haben uns dann an der Klinik getroffen und von ihm Abschied genommen. Er sah aus wie immer, fühlte sich wie immer an - es war so schwer.
Seitdem habe ich das Gefühl, dass meine Welt nicht mehr die gleiche ist. Es zerreisst mir das Herz.
Wie kann das sein, dass am Samstag noch alles gut war und er dann Montag Mittag erlöst werden muss?
Wie kann es sein, dass ich nicht gemerkt hab, dass sein kleiner Bauch von Tumoren zerfressen wird?
Wieso hat er mir das nicht gezeigt? Wieso nicht? Ich hätte ihm doch sofort geholfen. Ich hätte alles für ihn getan. Er war mein bester Freund und nun musste er viel zu früh gehen.
Mit nicht einmal 11 Jahren.
Er war so perfekt für mich. Stur, eigensinnig und ziemlich zickig. Aber doch verschmust ohne Ende, fixiert auf mich wie ein Hund. Aber genau so wollte ich ihn. Genau so liebte ich ihn. Er war mein Sorgenfresser, mein Seelenverwandter, mein Freund, mein Kummerkasten, mein Spielkamerad. Ich ertrage es nicht, dass ich ihn nie wieder sehe, nie wieder streichel, nie wieder stundenlang sein Gewicht auf meinen Beinen spüre. Nie wieder sein schnurren spüre und höre...
Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass man diesen Schmerz irgendwie bewältigen kann.
Das Einzige, was mich ein wenig aufrecht hält, ist der Gedanke, dass er nicht lange gelitten hat, dass es ihm Samstag noch gut ging und er ein tolles Katzenleben hatte.
Und doch würde ich alles dafür tun ihn wieder bei mir zu haben...
Anyna