Ich habe auch eine Geschichte abzuliefern. Da ich deinen Schreibstil mit sicherheit nicht so gut hinbekommen werde wie du, versuche ich gar nicht erst, in deine Fußstapfen zu treten, sondern erzähle einfach mal los
Was ich euch erzählen möchte, ist schwer, nur über die Schrift zu erzählen, da besonders die Anblicke zum Schießen waren. Es geht um meinen Kater, Lui. Lui ist eigentlich der falsche Name, denn er ist so ein richtiger Garfield. Oder eher noch, Simon's Cat. Ich erinnere mich an drei einschneidende Erlebnisse innerhalb der ersten vier Monate, nachdem dieser Kater mit seiner Katzenfreundin zusammen zu uns gezogen ist. Lolly ist eine ganz liebe, schüchterne. Wenn sie etwas tut, was sie nicht soll, braucht man sie nur mal schief mit hochgezogenen Augenbrauen anschauen, und sie lässt es. Nicht so Lui.
Gegebenheit Nummer 1: Wohnzimmer. Schatzi und ich liegen auf dem Sofa und sehen fern. Schräg an der Gegenüberliegenden Seite steht der Schreibtisch meines Freundes. Etwa 80 cm darüber hängt eine riesige Griechenlandflagge. Kater sitzt auf dem Schreibtisch. Plötzlich kommt es ihm, ach, ich sitz jetzt schon so lang hier rum, meine Knochen, ich muss mich mal schöööööön strecken. An der Wand nach oben. Mit ausgefahrenen Krallen. Direkt auf die Flagge über dem Schreibtisch zu. Frauchen sieht nur noch im letzten Moment, wie die ausgefahrenen Krallen Millimeter von der Flagge entfernt sind und kurz davor, selbige von der Wand zu reißen. In einer Mischung aus Hoffnung, das Unglück noch verhindern zu können, und Resignation rufe ich "
Lui!". Was macht der Kater? Auf den hinteren Zehenspitzen stehend, die Pfoten weiterhin bis zur Flagge hochgereckt, hät er inne, zieht den Kopf leicht zurück und sieht mich an:"Ja bitte?" :shock:
Ich sage "Nein?!?". Und er? Schaut, als wolle er gleich die Augen verdrehen und sagen "Na gut, du verdirbst einem auch jeden Spaß" und setzt sich wieder auf den Schreibtisch. :lol:
Gegebenheit Nummer 2: Unsere Katzen sind brave Katzen. Sie kratzen nur dort, wo sie kratzen sollen: an ihren Kratzgelegenheiten. Mit einer Ausnahme: wir haben ein Sofa, dessen Lehnen aus Kunstleder sind.... Lolly lässt es in Ruhe. Nicht so Lui. Er weiß mittlerweile, dass er das nicht soll. Und lässt es. In der Regel. Außer, wenn er uns gerade aus dem Bett bekommen will. Ich liege morgens im Bett, es ist noch früh, gerade 5 Uhr, ich kann noch schlafen, es ist Samstag. Plötzlich höre ich ein leises "gurrrrr". Lui's Geräusch für "ich habe Hunger". Nichts da, ich bin Frauchen, gegessen wird, wenn ich aufstehe. Ignoriert. Ein wenih energischer "jauuul" - "ich verhungere hier, du Katzenquälerin". Nein, ich bleibe standhaft. Ich werde nicht aufstehen. Bestimmt 15 Minuten lang habe ich durchgehalten. Dann höre ich es: "Kratzkratzkratz". Das ist nicht der Kratzbaum. Das ist Leder. Mein Sofa!!!
Ich springe auf. Renne aus dem Schlafzimmer ins Wohnzimmer. Dort sehe ich - den Kater, wie er unschuldig auf dem Kratzbaum sitzt und aus dem Fenster starrt. Nanu? Sollte ich mich tatsächlich verhört haben? Ich war so sicher, dass er am Sofa gekratzt hat. Naja, es war ja noch früh. Also wieder ab ins Bett. Keine zwei Minuten später, erneut: Kratzkratzkratz. Nein, ganz sicher, das
ist mein Sofa. Gleiches Spiel, ich renne ins Wohnzimmer - und finde meinen Kater auf dem Kratzbaum vor. Also hör mal, denke ich, du willst mich doch verarschen. Lege mich wieder ins Bett. Und wieder, keine zwei Minuten liege ich, da höre ich "Kratzkratzkratz". Na gut, denke ich mir, diesmal erwische ich dich. V o r s i c h t i g nehme ich die Bettdecke von mir runter. Setze lautlos die Füße auf dem Boden auf. Schleiche zur Tür. Gehe blitzschnell den Schritt ins Wohnzimmer und schaue um die Ecke. Der Anblick? Mein Kater, wie er vorm Sofa sitzt, eine Pfote noch mit den Krallen im Sofa vergraben, und mich anschaut "scheiße, erwischt". Es war mittlerweile 15 vor 6. Ich wusste nicht, soll ich lachen oder weinen?
Gegebenheit Nummer 3: Wir haben eine Pflanze. Ich habe keine Ahnung, was das für eine ist, aber da Lui des Öfteren daran geknabbert hat und noch lebt, bin ich mir sicher, sie ist nicht giftig. Dennoch möchten mein Freund und ich ungern, dass er daran knabbert. Ich, weil ich mir doch etwas Sorgen um seine Gesundheit mache, mein Freund, weil er nicht will, dass der Kater seine Pflanze zerstört. Damals stand die Pflanze bei uns im Schlafzimmer auf der Kommode. Es begann alles wie in Gegebenheit Nummer 2: gurrrr! jaul! maaaaaauuuuuuu! Standhaft habe ich es ignoriert. Plötzlich höre ich schmatzschmatz. Ich schaue auf. Sitzt der Kater auf der Kommode und knabbert die Pflanze an. "Lui" sage ich "nein!" Er schaut mich an. Scheint einen Moment zu überlegen. Sieht die zerzauste und halb schlafende Zweibeinerin zwei Meter entfernt im Bett scheinbar nicht als große Bedrohung an, wendet sich ab und knabbert weiter an der Pflanze. Ich stehe vor der Wahl: stehe ich auf? Es ist halb 5. Ich kann kaum die Augen offen halten, ich glaube nicht, dass ich meinen Beinen trauen kann. Ich nehme mir also ein kleines Kuschelkissen und werfe es in seine Richtung. Natürlich nicht so, dass ich treffe, will meinem Katerchen schließlich nicht wehtun. Ich bin nicht einmal einen Blick wert. Die einzige Reaktion ist ein kurzes Zucken mit dem rechten Ohr. "He du Arroganter Fellhintern, ich bin dein Frauchen verdammt nochmal, geh zum Teufel von der besch***** Pflanze weg!!!!" Langsam werde ich laut. Der Kater? Er ist es langsam leid. Dreht sich zu mir um, setzt sich in Pose, und während seines nächsten
genüsslichen Bissens schaut er mich an, kaut herausfordernd und sieht mir in die Augen:"und was willst du jetzt tun?". Tja, was soll ich sagen? Ich bin aufgestanden und hab ihm Futter gegeben :-D