Ihr Lieben,
hier ein Hilferuf meiner französischen Tierschutzfreundin. Ich habe alles ins Deutsche übersetzt und hoffe sehr, dass hier jemand schon ähnliches erlebt hat und eventuell einen Rat geben kann.
Wenn unsere Verhaltenstherapeutinnen hier das lesen, lieben Dank auch für einen Rat!
Hier die Geschichte von Nelson (Photo kommt), leider sehr lang (sie wollte das Verhalten besonders genau beschreiben):
Nelson ist ein etwa 2-jähriger Kater, der im Juli 2013 an einer Futterstelle für Streuner auftauchte. Er ist im Viertel geblieben und hat angefangen, bei einer Nachbarin in die Wohnung zu gehen (durch die Katzenklappe), hat dort das Futter der Hauskatzen gefressen und es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Er kam immer nachts ins Haus, verschwand aber schnell, wenn die Frau versuchte, sich ihm zu nähern.
Die Frau hätte Nelson gerne aufgenommen, aber aus den Gründen, die ich gleich schreibe, geht es nicht (die Frau hat einen schwer behinderten Sohn, der sich überhaupt nicht bewegen kann und sich bei einer Attacke durch den Kater weder wehren noch um Hilfe rufen kann).
Da die Frau Nelson nicht einfangen konnte, hat sie meine Freundin (vom Tierschutz) gebeten, ihn zu fangen.
Nelson wurde dann eingefangen (Mai 2014), wurde kastriert, geimpft, gechippt, entwurmt und getestet (er ist negativ). Kastriert wurde er Anfang Juni.
Einfangaktion / Pflege
Nelson kam zunächst in eine PS in ein Quarantänezimmer. Er hat weder beim Einfangen noch beim Tierarzt (bzw. beim Transport zum Tierarzt) irgendwelche Zeichen von Aggression gezeigt.
Die Katzen aus dem Viertel hat er auch nie angegriffen.
Nachdem er die erste Angst nach dem Einfangen überwunden hatte, war er etwas deprimiert und war nicht sehr munter.
Im Quarantänezimmer hat sich Nelson hinter dem Sofa versteckt. Er hat sich mit dem Federbusch streicheln lassen und schien das Streicheln damit zu mögen – er kam aber nicht hinter dem Sofa hervor.
Meine Freundin kümmert sich abends um Nelson (morgens wird er von der PS gefüttert), und es gibt ein kleines « Ritual » wenn sie ankommt : er bekommt sein Nassfutter, sie setzt sich auf das Sofa, streichelt ihn dann mit dem Federbusch während er frisst, gibt ihm dann Leckerli, spielt mit dem Federbusch mit ihm. Später nekommt er nochmal Nassfutter und irgendwann geht sie dann.
1. Attacke (ca. 2 Wochen nach der Einfangaktion):
Der erste Angriff hat stattgefunden, als Nelson das erste Mal hinter dem Sofa hervorkam. Nach einer längeren Streichelaktion mit dem Federbusch hat Nelson das erste Mal angefangen zu schnurren und ist aus dem Versteck gekommen, um mit meiner Freundin zu schmusen. Er kam und wollte gestreichelt werden, hat sich an den Beinen gerieben und wollte dann auf den Schoß (sie saß auf dem Boden). Sie hat ihn gelassen und sie haben etwa 20 Minuten lang geschmust. Er hat getretelt und geschnurrt. Sie hat sich ein paarmal bewegt, weil sie nicht so bequem saß, aber das hat ihn nicht gestört.
Als er gemerkt hat, dass sie aufstehen wollte, und er wieder runter musste, weil sie leider gehen musste, hat er sehr schlimm in die Hand gebissen. Die Wunde war sehr tief und meine Freundin musste damit ins Krankenhaus, 10 Tage AB nehmen und um ein Haar musste es operiert werden.
Nelson hat keinerlei Zeichen von Verärgerung gezeigt, bevor er gebissen hat. Als er sich festgebissen hatte, hat sie nicht geschrieen oder so ; er hat irgendwann abgelassen und sich dann versteckt.
Sie wollte dann gehen, aber Nelson war sehr verärgert / in Panik (?) und wollte wieder angreifen.
Am nächsten Tag hatte Nelson Angst vor ihr. Nelson hatte da schon Zylkene.
2. Attacke (etwa 10 Tage nach der ersten):
Nach der ersten Attacke hat Nelson erst Rückschritte in seiner Sozialisierung gemacht, danach ging es schnell wieder aufwärts damit. Er wartete hinter der Tür auf meine Freundin und klebte dann förmlich an ihren Beinen sobald sie ins Zimmer kommt.
Er versucht, unbedingt einen Körperkontakt aufrechtzuerhalten ; den Körperkontakt gibt er nur auf, wenn er frisst (beim Fressen überwacht er trotzdem alles, was meine Freundin macht). Dieser Drang nach Kontrolle/Kontakt zeigt sich besonders, wenn meine Freundin versucht, den Raum wieder zu verlassen : er versucht, dass unbedingt zu verhindern indem er sich zwischen meine Freundin und die Tür stellt. Er ist dann nicht bedrohlich, sondern ganz ruhig. Dennoch ist er dann überhaupt nicht freundlich gesonnen und er nimmt dann eine sehr dominante Haltung ein. Meine Freundin kann nur aus dem Zimmer raus, wenn sie es schafft, ihn abzulenken. Wenn er das merkt, stürzt er sich auf sie, wenn sie versucht, aus dem Zimmer zu kommen.
Der Biss : Nelson ist ziemlich verfressen und der zweite Angriff hat stattgefunden, als meine Freundin den Napf nahm, um ihm Futter zu geben. Nelson rieb sich an ihren Beinen und miaute, weil er Futter wollte – dann biss er meine Freundin in den Fuß. Wie beim ersten Biss hat sie gewartet, bis er anließ. Er geriet dann in eine Art Beiss- »Raserei » und begann, die Beine auszutesten, um auch darein zu beissen. Meine Freundin konnte ihn mit etwas Leckerli und dem Federbusch ablenken, aber er hat sie dann weiter « kontrolliert ». Er hat dann sein Nassfutter bekommen und meine Freundin konnte aus dem Zimmer heraus.
Nach dem Biss hat er keine Angst / Verärgerung gezeigt, aber weiter versucht, meine Freundin zu kontrollieren (sie darf sich nicht bewegen).
Zwei Tage nach diesem neuen Biss hatte Nelson einen Termin beim Tierarzt für seine Impfung. Der Tierarzt hat ihm ein Psychopharmakon verschrieben, gegen die Aggressionen.
Nach dem Besuch beim Tierarzt hat Nelson sich wieder hinter dem Sofa versteckt und hat nur fressen wollen, wenn meine Freundin ihm mit dem Federbusch streichelt und liebt mit ihm redet. Meine Freundin geht nur noch mit Begleitung zu Nelson, weil er bei Begleitung, die er nicht gut kennt, nicht angreift.
Nelson hat dann nicht mehr versucht, jede Bewegung meiner Freundin zu kontrollieren, und hat keinen Blickkontakt mit ihr haben wollen, bis er den Tierarzt-Besuch « vergeben » hatte und eine andere Begleitperson mitkam.
3. Attacke - 5 Tage nach dem Psychopharmakon
Nelson wird auch von der eigentlichen PS gefüttert (morgens). Er hatte bis dann nicht versucht, die PS zu dominieren oder am Weggehen zu hindern (sie hat keine Beziehung zu ihm aufgebaut) An einem Morgen hatte die PS ihm zu fressen gegeben, aber das Nassfutter war nicht anch seinem Geschmack. Sie hat daher eine andere Dose geholt und sie ihm in einem anderen Napf serviert. Als sie die von Nelson verschmähte Portion wegnehmen wollte, hat er sie angegriffen (Krankenhausaufenthalt, OP, Antibiotika und es ist immer noch nicht wieder gut …).Die PS hat geschrieen und ist weggerannt, wie Nelson sich danach verhalten hat, wissen wir nicht.
Aktueller Stand :
Nelson wartet hinter der Tür auf meine Freundin. Sie kommt mit einer anderen Person von ihrem Verein. Nelson hat keine Angst mehr vor beiden und versucht, jede Bewegung der beiden (besonders meiner Freundin) zu kontrollieren. Er wird immer aggressiver, je mehr sich die beiden bewegen (es ist unmöglich, sich frei im Zimmer zu bewegen).
Die beiden lanken ihn mit Leckerli ab, um dann seinen Napf hinstellen zu können. Nach dem Fressen will er gestreichelt werden, dann setzt er sich hin und fixiert die beiden (besonders meine Freundin bzw. ihre Hände und Beine). Er spielt etwas mit dem Federbusch und läuft Leckerchen hinterher. Manchmal verfolgt er auch den Laser mit den Augen.
Es ist immer schwieriger, das Zimmer zu verlassen.Nelson frisst auch immer « gefräßiger », meine Freundin gibt ihm das erste Nassfutter und die andere Person das zweite (er hat aber auch immer Futter da stehen, er muss nicht auf das Futter abends warten).
Ein paar Bemerkungen noch :
Spielen : Nelson mag überhaupt keine Spiele. Er interessiert sich weder für
- Pappe, Kratzbaum, Katzenminze oder Baldrian, Spielzeug mit Baldrian, Kratzbrett, Spielmäuse oder Bälle.
Er spielt etwas mit dem Federbusch kann diesen aber auch sehr brutal angreifen.
Sie versuchen, ihm den Laserpointer schmackhaft zu machen...
Futter: Nelson frisst sehr gut und wurde seit seiner Ankunft am Futterplatz gut ernährt. Er ist weiter sehr verfressen.
Sonstiges - Nelson ist sehr sauber und markiert nicht.
Er wird gern gestreichelt bzw. Hat keine Angst vor Berührungen.
Er hat ganz sicher in einer Familie gelebt, bevor er auf die Straße kam.
Er hat ein riesiges Bedürfnis nach Zuwendung.
Er schläft immer hinter dem Sofa und scheint nicht auf das Sofa zu klettern, obwohl es viel bequemer ist.
Er ist sehr unzufrieden darüber, eingesperrt zu sein.
Er will wirklich einen ganz nahen KOntakt zu der Person, die sich umn ihn kümmert, eigentlich andauernd und er will unbedingt auf den Schoß. MEine Tierschutzfreundinnen meinen, er habe vielleicht etwas von einer Point-Katze, da er so viel Zuwendung will
Er scheint ein sehr ausgeprägtes Jäger-Beute-Verhalten.
Nelson hält seinen Schwanz eigentlich die ganze Zeit ganz seltsam : der Schwanz ist unten und oft zwischen den Beinen, aber das zeigt bei ihm keine Angst. Der Schwanz hat aber keine Verletzung.
Wenn er Angst hat, ist Nelson überhaupt nicht aggressiv. Er wird aggressiv, wenn er vor der Person keine Angst mehr hat und sich mehr und mehr an die Person bindet, und er mehr Selbstvertrauen aufbaut.
Ideen:
- Rohfütterung?
- Intelligenzspielzeug / clickern?
Feliway?
Meine Freundin traut sich nicht, Nelson in eine andere PS zu geben, zumindest so lange nicht, wie sie seine Aggressivität und Gefährlichkeit nicht besser einschätzen kann.
Sie weiss, dass seine jetzige Situation für Nelson sehr unbefriedigend ist, und dass es ihm in dem Quarantänezimmer nicht gefällt.
Er kann auch nicht wieder rausgelassen werden, denn er kommt sofort auf Menschen zu und sucht ihre Nähe (er ist kein wilder Kater, sondern ein extrem verhaltensgestörter zahmer Kater).
Meine Freundin glaubt, dass Nelson zu früh von seiner Mama getrennt wurde und ein extremes Beute-Verhalten mit Dominanz hat. Er kann möglicherweise noch viel schlimmer attackieren als er es bisher getan hat. Er kann auch ganz super lieb sein.
Nelson erträgt es nicht, wenn man sich irgendwie bewegt, er will die Bewegungen kontrollieren. Meine Freundin hat das Gefühl, dass er sie für eine Beute hält.
Sie möchte sein Problem verstehen, behandeln und ihn dann an Leute vermitteln, die unbedingt andere Katzen aber keine Kinder haben und wo er Freigang hat.
Jeder Rat ist sehr willommen!
Vielen lieben Dank schon mal für Eure Ideen.
PS: meine Freundin ist sonst eine sehr gute Katzenkennerin. Sie kommt auch mit sehr schwierigen Katzen klar, auch mit aggressiven. Oft bekommt sie die schwierigsten Fälle, und macht daraus liebe Schmuser...
Aber sie hatte noch nie einen Fall wie Nelson. Teilweise verhält er sich mehr wie ein Wolf / wilder Hund als wie eine Katze (Einkreisen der Beute, extreme Kontrolle jeder Bewegung ...), sagt sie ...
Vielen lieben Dank für Eure Hilfe!