Das von dir beschriebene Verhalten kenne ich sonst nur aus Hilferufen in Hundeforen.

Verhält sich ein Hund so, ist er extrem unsicher, gestresst, ängstlich (Rute einklemmen - kenne aus dem Stand keine Tierart, bei der eine eingeklemmte Rute keine Zeichen für Angst wäre - , angreifen). Der Angriff kann dann durchaus eine Übersprungshandlung sein, um Stress abzubauen.
Dass es die vertraute Person trifft, könnte daran liegen, dass der Kater ihre Reaktion abschätzen kann, zumal er ja für den Angriff schon belohnt wurde (Ablenkung durch Leckerchen).
Unbekannte Personen kann das Tier nicht einschätzen und geht eher in eine Art von "Fluchtmodus".
Ich stimme auch mit denen überein, die meinen, dass er die vertraute Person im Raum halten möchte, da er dann Aufmerksamkeit bekommt. Klappt ja auch, Freundin traut sich nicht raus. Lernerfolg: kräftig drohen, randalieren und Menschin bleibt länger.
Interessanter Fall.
Für mich klingt er nach einem extrem unsicheren und frustrierten kleinen Kerl, dessen Lebenssituation momentan dermaßen unbefriedigend ist, dass er regelrecht explodiert.
Er versucht, die Situation zu kontrollieren, indem er aggressiv wird.
Die Unsicherheit/Unzufriedenheit wird für mich ganz klar durch seine beschriebene Körperhaltung. Er wird in sich dermaßen gestresst sein, dass dieser Stress irgendwann abgebaut werden muss. Da er das alleine nicht kann (über spielen oder irgendein anderes Ventil) wird er aggressiv, sobald er soziale Interaktion erfährt, in der er sich halbwegs sicher fühlt.
Dazu kommt die Frustration über das Eingesperrtsein und die angestaute Energie durch die fehlende Bewegung. Er wird evtl draußen sein Ventil in der Bewegung gefunden haben.
Feliway als Zerstäuber könnte eine gewisse Grundentspannung bringen.
Bekommt er die Psychopharmaka noch?
Kann deine Freundin ihm ein getragenes Kleidungsstück da lassen? Irgendwas mit ihrem Geruch? Vielleicht hilft ihm das, sich zu entspannen.
Wie sieht es mit Futterspielen aus? Küken? Fleisch? Irgendetwas, womit man ihm Anregung geben kann.
Auf jeden Fall würde ich ihn auch nochmal vom Tierarzt auf evtl Schmerzen untersuchen lassen, die Idee mit dem Schmerzmittel finde ich gut.
Eine Pflegestelle mit Außengehege wäre gut, denke ich.
Ich denke eher nicht, dass sein Verhalten pure Dominanz ist, für mich klingt das nach aufgestautem Stress, der irgendwie ein Ventil braucht und sich so entlädt. Daher finde ich Sanktionen nur begrenzt sinnvoll. Die könnten seine Unsicherheit und sein Stresslevel nur noch verstärken.
Ich sehe das ähnlich wie Batidor.
Der Kater ist völlig durch den Wind, weiß nicht, was ihm geschieht und wie er mit der Situation umgehen soll. Zudem wurde er eingesperrt und langweilt sich im Quarantänezimmer.
Ich würde die Angriffe als Übersprungshandlung deuten, um Stress abzubauen, nicht als Dominanz.
An Stelle deiner Freundin würde ich mich durch Kleidung vor den Angriffen schützen und souverän den Raum betreten. Füttern. Das Tier beschäftigen, streicheln, ... , solange es sich friedlich verhält. Wird es aggressiv, Beschäftigung und Co einstellen. Und sofort und ohne zu zögern gehen.
Vor allem, den Raum verlassen, wenn
ich will (daher die Kleidung, notfalls auch im Hochsommer in Stiefeln, dicken Jeans und Lederjacke).
Warten, bis sich das Tier beruhigt hat , dann nächsten Versuch starten. Bis Kater begreift, dass nur ruhiges Verhalten zu Aufmerksamkeit, Beschäftigung, Streicheln führt. (Ja, das ist ein wenig aus der Hundewelt abgekupfert, aber sooo unterschiedlich ist das Lernverhalten von Hund und Katz nicht.)
Tja und sehen, dass der Kater baldmöglichst einen Spielgefährten und/oder (gesicherten) Freigang bekommt.
Mein Rhino war auch nicht so ohne, als er hier ankam. Der weckte mich nachts, weil er sich mit allen vier Pfoten und ausgefahrenen Krallen an meinem Arm festhielt und unter Zahneinsatz mein Handgelenk bearbeitete. Ich beobachtete die Reaktion meiner Kätzin, wenn er das bei ihr machte: Schreien, Fauchen, Ohrfeige - Ruhe war. Das ahmte ich in etwa nach: Schreien (Auuuuu, fiel nicht schwer, tat wirklich weh), Fauchen/Zischen, Kater vom Bett schubsen. Als dann noch Freigang dazukam, war Ruhe.