Hallo ihr Lieben!
Wo fange ich denn mal an? Am besten mit einem Überblick:
Ich hatte bisher immer EKH-Katzen. Entweder aus dem Tierschutz oder vom Bauernhof 'errettet', sprich: Eher so... wie soll ich das formulieren?... 'kernige Freigeister'. :-D. Alle waren gleichermaßen Freigänger und Schmusekatzen, je nachdem wonach ihnen eben gerade der Sinn stand. Sie durften und dürfen (fast) alles bei und mit mir machen, werden innigst geliebt, aber bzgl. Futter bzw. Fütterung habe ich mir nie auf der Nase rumtanzen lassen. Sie bekamen hochwertiges Nassfutter mit mindestens 70% Fleischanteil und möglichst kurzer Zutatenliste, morgens und abends. Was nicht gefressen wurde, blieb eine Weile stehen und wurde dann weggeräumt, fertig. Das hat eigentlich auch immer prima geklappt, weil ich bisher alle Katzen schon als Welpen hatte und sie nie gelernt haben, dass man mit Rummäkeln und Futterverweigern was erreichen kann...
Nachdem ich im letzten Jahr ein paar Monate nur noch meine Leni hatte, habe ich mir dann zum ersten Mal eine erwachsene Katze dazugeholt. Zum einen weil Leni inzwischen schon 7 ist und gerne ihre Ruhe hat und zum anderen, weil Tia - 'die Neue' - eine arme Seele mit einer unschönen Vergangenheit ist, die mir leidgetan hat. Sie ist genauso alt wie Leni - und ein Rassemix aus Ragdoll und entweder Perser oder Birma.
Was genau sie bisher so alles erlebt hat, weiß ich nicht. Fest steht, dass ich bereits ihre dritte Besitzerin bin. Ihre erste Besitzerin war Spanierin. Ich bin mir aufgrund ihres Verhaltens ziemlich sicher, dass sie dort zumindest geschlagen worden ist. Sie ist ängstlich und schreckhaft, flüchtet, wenn man zu schnell an ihr vorbeigeht und duckt sich, wenn man in ihrer Nähe rasche Bewegungen macht oder mit der Hand von oben kommt um sie zu kraulen. Außerdem 'scannt' sie (ein anderes Wort fällt mir nicht ein) die Menschen in ihrer Nähe andauernd (sogar auch noch mich ab und zu!) - guckt einen mit ihren schönen blauen Augen besorgt an und versucht, die Stimmung einzuschätzen, so nach dem Motto: 'Besteht Gefahr, dass er/sie gleich auf mich losgeht?'.
Warum sie in den Tierschutz kam, ob sie abgegeben oder eingezogen wurde, weiß ich nicht, jedenfalls kam sie durch den Tierschutz nach Deutschland und zu ihrer zweiten Besitzerin, die ich auch persönlich kennengelernt habe. Hier wurde sie schon irgendwie geliebt und ganz sicher nicht misshandelt, aber für mein Empfinden... na ja... ich will nicht sagen 'vernachlässigt', das wäre zu krass, aber... sie war halt irgendwie da, es wurde auch mit ihr geschmust (was sie trotz allem sehr, sehr liebt und auch einfordert!), aber ansonsten... es wurde halt nicht viel Aufhebens um sie gemacht. Ihre Besitzerin war sehr jung, arbeitete viel, feierte viel, hatte viele Hobbys - und sehr wenig Zeit für ihre Katzen. Das hat sie dann auch selber eingesehen - und Tia landete bei mir, nachdem die zweite Katze gestorben war.
Als sie zu mir kam, war sie (vermutlich vom Tierschutz) kastriert und gechippt, jedoch nie registriert worden. ??? Was ja jetzt dank Tasso & Co. nicht sooooo der Aufwand gewesen wäre, aber gut. Sie hatte keinen Impfschutz mehr, statt Zähnen Grabsteine voller Zahnstein, das Zahnfleisch war schon übel entzündet, Unterernährung und übler Mundgeruch inklusive, und riesige Filzklumpen am Popo. Andere Verfilzungen waren offensichtlich schnell mal nebenbei rausgeschnitten worden, das Fell war total ungleichmäßig lang und hatte Löcher. Aber mit ihrem Popo stellt Tia sich an. Da kann die Gutmütigkeit in Katzenperson auch mal zur Furie werden, wenn man da ran will.
Thema Fellpflege ist ein gutes Beispiel für die Haltung, die sie bei Besitzerin Nummer 2 erfahren hat: es wurde sich (ein ganz kleines bisschen...) gekümmert, aber sobald irgendwas aufwändig oder unangenehm wurde, wurde es halt gelassen.
Es hat über ein halbes Jahr gedauert, bis alle 'Baustellen' abgearbeitet waren. Inzwischen ist körperlich alles gut, aaaaber (an dieser Stelle danke an alle, die sich bis hierher durch meinen Roman gequält haben! Ich komme jetzt zu meinem eigentlichen Anliegen! ;-) ):
Neben ein paar anderen mehr oder weniger harmlosen Problemchen und Macken, haben wir ein 'Fress- bzw. Trinkproblem' zurückbehalten.
Erstmal ganz grob gesagt: So unglaublich das bei einer Katze klingt: Tia trinkt anstatt zu fressen!
Zuerst ist mir das gar nicht so aufgefallen, da hatten wir andere Sorgen. Dann hatte Tia eine Blasenentzündung, da ist mir das masseweise Trinken dann zum ersten Mal so richtig aufgefallen, weil ich an eine Nierenkrankheit dachte. Doch die Nieren sind (laut Urin- und Blutuntersuchung, sowie Ultraschall) völlig in Ordung. Es stellte sich heraus, dass sie Struvitsteine hat und sie bekam Royal Canin Urinary Trockenfutter. Ich hasse das Zeug! Da stehen Inhaltsstoffe drauf, die ich nichtmal richtig aussprechen kann - geschweige denn, dass ich wüsste, was das ist! Aber... wie der Zufall nunmal so spielt... hat auch Leni Struvitsteine, immer wieder Blasenentzündungen gehabt - und daraufhin dieses Urinary bekommen, das einzige, was wirklich zuverlässig geholfen hat. Wir bewegen uns seit Jahren in so einem mehr oder weniger regelmäßigen Zyklus: Sie hat Blasenentzündung, bekommt Urinary, ihr gehts prima, irgendwann setze ich das Zeug dann (nach Monaten und Rücksprache mit dem Tierarzt!) wieder ab und gebe Futter, mit dem ich mich arrangieren kann, das geht einige Zeit gut, dann bekommt sie wieder ne Blasenentzündung, wieder Urinary und so fort...
Zur Zeit kriegen also grad beide dieses Zeugs. Also dachte ich, die Trinkerei liegt vielleicht am Trockenfutter... aber selbst das kann nicht sein. Leni kriegt ja auch Trockenfutter - und trinkt nichtmal einen Bruchteil dessen, was Tia trinkt!
Diabetes oder sonst irgendwas, das übermäßigen Durst verursachen könnte, kann ich dank der ganzen Untersuchungen auch ausschließen. Körperlich ist sie gesund.
Ich beobachte ihr Verhalten jetzt seit Monaten ganz genau und bin mir inzwischen so gut wie sicher, dass das Trinken eine 'Macke' ist:
Laut Vorbesitzerin war Tia 'immer schon ein sehr schlechter Fresser'. Das Fressverhalten, was ich bei ihr beobachtet habe, würde ich - krass gesagt - als unnatürlich und irgendwie neurotisch bezeichnen: Die Tage, an denen ich bestimmt habe, wann und wieviel gefressen wird, sind dank Tia Geschichte. Früher stand nie den ganzen Tag Futter rum, aber sie flippt aus, wenn nicht ständig was zur Verfügung steht! Genaugenommen kriegt sie regelrecht Panik. Doch wenn ich dann was hinstelle, guckt sie entweder nur in den Napf und frisst gar nichts, oder sie frisst 1-3 Bröckchen und hört dann auf. Das geht den ganzen Tag so. Es muss was da stehen, sie geht immer wieder hin, frisst aber (so gut wie) nichts, stattdessen geht sie dann zum Wassernapf oder zur Tür und will raus, um draußen Regenwasser zu trinken. Es hat lange gedauert, bis ich 'das System' dahinter kapiert hab! Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen! Katzen und ZU VIEL trinken??? Als 'Alternative' zum Futter? Weil sie Hunger hat??? Äh... irgendwie kaum vorstellbar... Es ist aber tatsächlich so! Und zwar nicht, weil sie irgendwie 'mäkelig' mit dem Essen ist - sie probiert alles (wirklich alles!) was ich ihr so hinstelle, isst sich aber niemals auch nur annähernd satt, sondern hört nach maximal ein paar Bissen auf (Nassfutter lutscht sie generell nur ab und isst das eigentliche Fleisch nicht!) - und wechselt zum Wasser.
Ich kann mir diese verrückte Angewohnheit nur durch ihre Zahnschmerzen erklären, die sie Gott weiß wie lange gehabt haben muss! Natürlich ist das eigentliche Problem inzwischen behoben, aber die Macke bleibt. Und dann hat die Ärmste auch immer noch so gruseliges Trockenfutter wie Whiskas hingestellt bekommen! Mit DIESEN Zähnen! Der Napf wurde voll gemacht, wenn er irgendwann mal leer war - und dann wurde nicht mehr darauf geachtet, ob, wie und wieviel sie gefressen bzw. getrunken hat. :-(
Vielleicht ist zumindest ein Teil ihres seltsamen Fressverhaltens aber auch 'selbstverordnete Beschäftigungstherapie'? Aus Langeweile? Ich finde sie für eine sieben Jahre alte Katze einfach zu ruhig. Sie spielt nie, lässt sich auch nicht animieren, oder wenn dann nur ganz kurz, draußen sein ist auch nicht so ihr Ding, Erkundungsrundgänge macht sie nie, sitzt oder liegt wenn, dann nur auf der Terrasse (laut Tierarzt ist das 'rassekatzentypisches Verhalten', die sollen generell 'ruhiger' und weniger unternehmungslustig sein... hm... ???), hat kaum Interesse an Vögeln etc... das einzige was sie wirklich gerne und gaaaaaanz viel mag - am besten den ganzen Tag - ist kuscheln. Außer schlafen und kuscheln ist ihre einzige Beschäftigung dieses ständige hin und her Gerenne zwischen Schlaf-, Futter- und Trinkplatz... na ja und Klo, das natürlich entsprechend der Trinkmenge sehr oft aufgesucht wird.
Was haltet ihr von meiner Theorie? Kann das sein? Hat jemand einen Vorschlag, wie wir das in den Griff kriegen könnten? Danke schon mal für eure Antworten!!!