Wir haben zwei Katzen, Charley (w) und Mickey (m). Beide stammen von einem Bauernhofwurf letzten Herbst. Letztes Jahr im Herbst haben wir die beiden mit viel Liebe gepflegt. Mickey wäre fast an Katzenschnupfen drauf gegangen. Über eine Woche mussten wir ihn mit der Spritze füttern, weil er schon so dehydriert war. Er ist ein kleiner Sorgenkater, der nun etwas tollpatschiger,
träger, vielleicht sogar leicht desorientiert (Nase?) wirkt. Aber auch ein sehr anhänglicher, zutraulicher Kater. Er hat viele Schmusestellen in der Nachbarschaft, alle kennen ihn hier. Hübsch ist er auch. Mittlerweile auch etwas dicklich, da er einfach hie und da Leckerlis bekommt. Z. B. Frühstücksschinken von einem Hotel in der Nähe. Ist nicht so toll, aber er ist Freigänger und wir können nicht die gesamte Nachbarschaft hier "erziehen"
Auf jeden Fall ist er absolut unscheu (im absoluten Gegensatz zu seiner Schwester: diese ist sehr schreckhaft, schnell, flink, agil, eine sehr geschickte Jägerin, athletisch, aber extrem scheu und fast ängstlich).
Vor einiger Zeit war Mickey sechs Tage am Stück abgängig. Er kam einfach nicht mehr heim. Jeden Tag haben wir ihn gesucht und gerufen und uns durchgefragt. Durch Glück haben ihn dann Nachbarn auf einem Parkplatz 500m entfernt entdeckt. Er wirkte etwas verstört und desorientiert. Er hat auch etwas schreckhaft reagiert, als ich ihn ins Haus nahm. Hungrig wirkte er hingegen nicht. Ich hatte den Eindruck, er ist gestresst.
Seit dieser Episode war er schon zweimal in besagtem Hotel in der Nähe und wurde dort zweimal ins Tierheim gebracht, da er sich dort nicht mehr wegbewegen (Richtung Haus) wollte. (Er ist gechipt und tätowiert - mittlerweile hat das Hotel unseren direkten Kontakt).
Wir haben ihn eine ganze Woche im Haus behalten, um ihn wieder an uns zu gewöhnen. Mit der Zeit kam bei uns wieder das Gefühl auf, dass er sein Zuhause wieder erkannt hat. Wir haben einen GPS-Sender besorgt, um ihn zukünftig gezielter suchen zu können, wenn er nicht mehr nach Hause kommt. Dann haben wir ihn stückchenweise wieder an den Freigang gewöhnt.
Zunächst zog er kleine Kreise um unser Haus. Nach und nach erweiterte er den Radius. Dieser reicht mittlerweile um die 500 Meter in einem Viertelkreis (sehr auffällig) WEG von unserem Haus, in nordöstliche Richtung. Anfangs kam er noch zurück, saß vor der Katzenklappe (die er nur in eine Richtung bedienen kann, nämlich leider nur: raus). Wir ließen ihn immer gleich (wenn möglich) rein.
Eigentlich halte ich GPS-Sender für absolut übertrieben. Aber die Sorge um Mickey ist stärker.
Nun hat sich nach und nach ein Erklärungsansatz ergeben: Ein Kater hier, zwei Häuser weiter, reagiert sehr aggressiv auf unsere Katzen. Er ist kastriert, aber körperlich klar überlegen. Oft sitzt er stundenlang vor unserem Haus und wartet auf Rückkehrer oder Rausgeher. Das wirkt fast besessen. Offensichtlich stören unsere Katzen seine Revierkarte. Wenn ich Zeuge einer Auseinandersetzung werde (da wird er furchterregend laut, dass es mir am Schreibtisch die Haare aufstellt) und z. B. Charley in die Enge getrieben wird, dann helfe ich ihnen sofort. Nur: wir bekommen natürlich nicht alles mit, tagsüber sind wir oft außer Haus.
Beide Katzen vermeiden die Süd- und Westrichtung auf unserem Grundstück (dort kommt der Nachbar her). Sie betreten weder unseren südseitigen Garten noch das Katzenparadies dahinter (Riesenbiotop). Mickey, das kann ich nun durch den Sender und die Heatmap klar wie Kloßbrühe nachvollziehen, verlagert seine Aktivitäten alle gut 200-300 Meter weg von unserem Haus in die Gärten und Mini-Wäldchen dort. Er hat dort auch offensichtlich Ersatz-Geborgenheitsinseln (unverkennbar an dem starken Parfüm-Geruch, den er oft an sich trägt).
Die letzten Tage habe ich ihn immer abends in seinem neuen Revier abgeholt (Lockrufe funktionieren noch) und nach Hause getragen. Gestern hat er erstmals dabei sogar leicht panisch reagiert auf den letzten 100 Metern zum Haus. Er wehrte sich fast schon aggressiv für seine Verhältnisse und es machte den Eindruck, er hat Angst vor dem Revier des Nachbarskaters, das sich offensichtlich auch auf unser Haus erstreckt. Unser Haus ist aber sicher, die Katzenklappe ist mit Chip.
Mickey will raus, er ist sehr gerne draußen. Wir bringen es nicht übers Herz, ihn in der Wohnung zu behalten.
Charley, die Schwester, ist die mit Abstand flinkste und athletischste Katze hier. Sie kann sich oft durch schnelle Flucht entziehen und ist ratzfatz durch die Katzenklappe in Sicherheit. Doch auch sie fängt an, für sie völlig untypisch, lange in der Wohnung zu bleiben. Sie meidet offenbar auch die Stalker-Gefahrensituationen.
Häufiger bringt sie ihrem Bruder eine Maus mit und er darf sie verspeisen. Sie wirkt, vielleicht noch aus der Katzenschnupfenzeit, als sie ihn immer sauber schleckte, als habe sie die Fürsorgerolle für Mickey übernommen.
Ich glaube, Mickey ist weder ein geschickter Kämpfer noch Jäger. Aber er zieht gerne seine Kreise und er hat etwas, das alle Herzen sofort erweicht.
Entschuldigt die Länge des Posts, aber ich wollte ein möglichst vollständiges Bild abgeben und erhoffe mir unter Umständen einen Tipp, wie wir verhindern können, dass Mickey in ein fremdes Revier abwandert und sich dort einnistet, da er Panik vor der Rückkehr hat. Noch sehen wir ja immer durch den Sender, wo er sich rumtreibt und auch oft ziemlich gut, wo er seine Inseln hat. Noch reicht das Rumpfeifen in der Nähe der Inselhäuser und er wird (wahrscheinlich) rausgelassen und kommt: wie ein Hund freudig hüpfend auf mich zu.
Eigentlich ist er mehr ein Hund als eine Katze in der Beziehung. Er kommt auf Ruf meist sehr zuverlässig. Aber momentan ist die Angst vor der Bedrohung vor der Haustür größer und man muss ihn quasi außerhalb abholen und beschützend heimbringen. Rufe ich ihn außerhalb der Gefahrenzone, kommt er freudig miaunzend auf mich zu. Rufe ich ihn von der Hausetür aus, traut er sich nicht über die letzten "heißen" 100 Meter.
Habt ihr Ratschläge? Vielleicht andere Erklärungsansätze? Ich will nicht gegenüber dem Nachbarskater aggressiv auftreten, denn ich denke mir, das wäre nicht artgerecht. Wie kann ich da helfen? Es entspricht ja auch dem natürlichen Verhalten, sein Revier abzustecken. Nur etwas weniger stalker-mäßig könnte er das tun...
Was können wir tun? Gibt es da etwas? Ich wäre sehr froh um Beiträge, die uns da weiterhelfen.