Ich habe in den langen Jahren, wo ich mit Katzen zusammen gelebt habe, schon das Gefühl, dass sie begreifen, wenn etwas unrecht ist.
Ich glaube, ich wurde falsch verstanden - selbstverständlich verstehen Katzen, dass etwas "Unrecht" (in unseren Augen) ist,
wenn - und hier kommt der Knackpunkt - die Konsequenz a) in dem Moment stattfindet, wo sie das ungewollte tun und b) alle anderen Faktoren ausgeschlossen sind.
Sprich, die Katze kratzt am Sofa -> sie konzentriert sich völlig darauf, tut nichts anderes in dem Moment: das "Nein" kann also nur eine Konsequenz des Sofakratzens sein.
Die Katze springt auf die Fensterbank -> sie tut in diesem Moment nichts anderes: das "Nein" kann nur auf den Sprung auf die Fensterbank bezogen sein.
Anders sieht es aber aus, wenn komplexere Vorgänge im Spiel sind, wo die Bestrafung auf mehrere Aktivitäten zurückgeführt werden kann.
Beispiele:
Die Katze pinkelt in die Ecke -> ein "Nein" kann im Kopf der Katze also eigentlich nur auf die Aktivität "Pinkeln" bezogen sein, nicht zwangsläufig auf den Ort, an dem sie pinkelt. Schlimmste Konsequenz: die Situation wird nur noch schlimmer, weil die Miez denkt, du bestrafst sie fürs Pinkeln, deshalb versteckt sie sich zum Pinkeln, im Zweifel unterm Sofa o.Ä.
Die Katze kommt mit einer Maus nach Hause -> ein "Nein" kann also ebensogut auf das nach Hause kommen wie auf die Maus bezogen sein. Schlimmste Konsequenz: die Katze denkt, du willst sie nicht zu hause haben und bleibt fern.
Merke: ich habe hier nur von "Nein", nicht von der Wasserspritze gesprochen, weil die Wasserspritze in der Erziehung für mich ein Mittel ist, das absolut nur dann eingesetzt wird, wenn das Nicht-befolgen der Anweisung eine Gefahr für mich oder die Katze darstellt, zB, wenn sie auf die heiße Herdplatte springt oder so.
Ich sehe ein großes Problem in dem Trend, in jeglicher Art von Erziehung nicht mehr nach intensität und Gefahrengrad des "Vergehens" zu bestrafen, sondern grundsätzlich die härteste Strafe zu wählen, selbst, wenn das "Vergehen" nicht so schlimm war, um das zu erziehende Individuum nur möglichst schnell zum Funktionieren zu bringen (als Beispiele nur die Wasserspritze bei der Katze, der Nackengriff beim Hund, Schläge beim Kind etc.)
Bei solch komplexeren Verhaltensweisen sind solch simple Mittel nicht nur unangebracht, sondern auch einfach nicht zielführend.
Hier würde es sich eher auszahlen, halt mal ein paar Wochen immer aufzupassen, wann eine Katze mit Maus ankommt, und sie konsequent daran zu hindern, mit dieser die Wohnung zu betreten (im Zweifel Tür zumachen). Legt sie die Maus ab, darf sie rein.
Diese Methode dauert vielleicht etwas und ringt dem Erzieher vor allem etwas Einsatz ab (etwas, was früher völlig selbstverständlich war, dass Erziehung eben Arbeit bedeutet), ist aber a) sanfter, schädigt b) das Verhältnis zwischen Katze und Halter nicht, ist c) nachhaltiger und d) auch verständlicher für die Katzen.
Konsequenz ist nicht gleich Strafe.