Das Leben ist manchmal einfach nicht fair.
Euch ist sicher aufgefallen, dass wir in den letzten Wochen kaum über unsere Pflegis Silas, Amira und Fynn berichtet haben. Dies hatte leider einen traurigen Grund.
Und dieser Grund ist
FeLV. Das
Feline Leukämie Virus.
Bei uns gehört es allgemein zum Standard, die Katzen noch auf Andros per Schnelltest auf
FIV und
FeLV zu testen und, wenn beides negativ ist, in Deutschland auf
FeLV im Labor nochmal nachzutesten, um ganz sicher zu gehen (bei positiven Ergebnissen wird sowieso nachgetestet). So wurde es bisher in so gut wie allen Fällen gehandhabt. Mit dieser Vorgehensweise sahen wir uns auf der sicheren Seite und testen damit weit mehr als andere Tierschutzvereine, aber
FeLV ist offenbar ein noch tückischer Gegner als wir bisher angenommen hatten.
Fynn, unser kleiner Sonnenschein, wurde, wie damals bereits berichtet, über Weihnachten auffällig stiller und machte einen kränklichen Eindruck. Wir ließen ein umfangreiches Blutbild einschließlich der
FIP-relevanten Werte erstellen und haben aufgrund der Symptome entschieden, ihn auch nochmals auf
FeLV und
FIV testen zu lassen.
FIV war weiterhin negativ und auch auf
FIP deuteten die Laborwerte nicht hin,
FeLV war leider positiv im Provirus-PCR.
Diese Bombe schlug bei uns in den ersten Januartagen mit voller Wucht ein. Fynn war ja im Schnelltest auf Andros negativ (und an seiner Futterstelle ist
FeLV bis dahin eigentlich noch nie Thema gewesen), keine Anzeichen ließen auf eine Infektion schließen.
Fynn lebte zu diesem Zeitpunkt auf der Pflegestelle in einer großen, liebevollen Gruppe zusammen mit Silas, Amira und unserem Sorgenfellchen, dem
FIP-Kater Filou. Die Katzen wurden natürlich sofort separiert, aber da wir wissen, wie ansteckend
FeLV ist, könnt ihr euch vorstellen, wie groß unsere Sorge dann auch um die anderen war.
Filou
Filous Blutwerte werden aufgrund der
FIP-Therapie ohnehin gerade in regelmäßigen Abständen kontrolliert und so konnten wir ihn zeitnah auch nochmal auf
FeLV testen (Filou war auch auf Andros im Schnelltest, als auch im PCR in Deutschland nach Ankunft negativ). Leider wurde jetzt auch Filou im Elisa positiv getestet (für den PCR ist das Röhrchen beim
Tierarzt geronnen).
Da wir bei beiden vorhatten, sie nach einer angemessenen Zeit nachzutesten, um zu sehen, ob eine progressive oder eine regressive Verlaufsform vorliegt, wurden die beiden trotzdem weiterhin vorerst getrennt. Inzwischen sind auch hier die Ergebnisse da: Fynn ist im Elisa negativ und im PCR positiv, wobei sich der quantitative Wert halbiert hat, Filou ist in beiden Tests positiv.
Silas und Amira
Silas und Amira wurden natürlich auch sofort von der Gruppe getrennt, da auch sie sowohl auf Andros, als auch im Labortest in Deutschland negativ getestet und völlig symptomlos waren. Nach 10 Tagen ließen wir die beiden testen, um zu sehen, ob wir nun auch unser Liebespaar schweren Herzens trennen müssen. Wir durften daraufhin erstmals zumindest ein bisschen aufatmen, denn beide wurden nochmals negativ getestet (Elisa und PCR). Eine weitere Nachtestung nach insgesamt 4 Wochen Trennung (aufgrund der diagnostischen Lücke) gab uns für diese beiden Süßen Entwarnung. Silas und Amira sind beide negativ mittels Elisa und PCR auf
FeLV getestet. Zum Glück! Es hätte uns das Herz gebrochen, die zwei trennen zu müssen, sie haben sich nämlich schrecklich lieb. Hier hat die Trennung der beiden Katzen von der Gruppe wohl gerade noch rechtzeitig das Schlimmste verhindert.
Dioui
Zur Gruppe der Androskatzen auf der Pflegestelle gehörte bis zum 7. Dezember 2020 (also bevor Fynn erste Symptome bekam) aber auch noch unser Dioui. Der liebe, rote Kater fand ein Traumzuhause mit 3 Katzenkumpeln und einem Hund. Er lebte sich dort immer mehr ein und schien richtig angekommen zu sein, Dosine und Katzen waren glücklich. Tja, und dann kam die
FeLV-Diagnose bei Fynn.
Sofort kontaktierten wir Diouis Adoptantin und er wurde ebenfalls umgehend separiert und getestet. Leider wurde er sowohl im Elisa als auch im PCR positiv getestet - ein Worst Case Szenario. Die Gefahr, dass er das Virus in seine neue Familie geschleppt haben könnte, war sehr groß. Sofort wurde von uns organisiert, dass Dioui nach dem positiven Test aus der Gruppe herausgenommen wird, und wir haben ihn extern vorerst als Einzelkatze untergebracht. Das schnelle Abschiednehmen, nachdem man sich gerade kennen und lieben gelernt hat und die Ungewissheit bezüglich der anderen Katzen war für alle Beteiligten wirklich schlimm, für die Adoptantin und für Dioui natürlich am allermeisten.
Wir verbrachten 4 bange Wochen des Wartens bis zu den Tests der Bestandskatzen im nun leider ehemaligen Zuhause von Dioui. Die Ergebnisse kamen am 15.02. und wir hatten Riesenglück. Alle Bestandskatzen sind negativ im PCR und Elisa. Hier hat vermutlich die längere Eingangsseparierung in Kombination mit dem Alter der Bestandskatzen und dem nicht stark ausgeprägten Kuscheldrang die Gruppe vor einer Ansteckung bewahrt.
Zu Dioui muss man sagen, dass er auf Andros im Schnelltest positiv getestet wurde. Daher war er zunächst auf der Pflegestelle separiert und kam erst nach einem negativen PCR Test (und nach Absprache mit dem
Tierarzt und nach Austausch mit anderen
FeLV-Erfahrenen) zur Gruppe. Damals war uns nicht bewusst, dass dieser Test unter Umständen nicht ausreichen könnte, um eine Infektion auszuschließen, da der Provirus-PCR als zuverlässigster und genauester
FeLV-Test gilt. Wir gingen wie die meisten Vereine, von einem der durchaus häufigen falsch positiven Schnelltests aus – zumal Dioui keinerlei Symptome zeigte.
Heute wissen wir dank intensiver Beschäftigung mit diesem Thema leider mehr. Dieses Virus ist ein Meister der Tarnung. Wer hier letztendlich wen angesteckt hat und wer das Virus von Andros mitgebracht hat, können wir schlussendlich nicht hundertprozentig nachvollziehen.
Für unsere Schützlinge hat dieses Virus jedenfalls dramatische Folgen.
Aktuelle Situation
Fynn
Fynn kämpft aktuell gegen einen Magen-Darm-Infekt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Virus bei ihm bereits trotz seines jungen Alters ausgebrochen ist und er diesen Kampf nicht gewinnen wird. Die Ärzte halten ein
FeLV-assoziiertes
Lymphom, was man nur noch palliativ behandeln kann, am wahrscheinlichsten. Ebenso ist aber möglich, dass ein Keim oder ein durch bestimmtes Futter gereizter Darm ihm zu schaffen macht und er den Kampf gegen den Keim und das Virus gewinnt. Der negative Elisa und der um die Hälfte gesunkene PCR lässt vorsichtig auf eine regressive Verlaufsform hoffen. Seine Pflegefamilie gibt ihr Bestes und hat nun neben Sorgenfell Filou auch noch das Sorgenfell Fynn zu betreuen.
Filou
Filou scheint den Kampf gegen
FIP zu gewinnen, das
FeLV-Virus zeigt sich bei ihm zurzeit nur im Test, Symptome hat der kleine Kämpfer zum Glück keine, auch wenn bei ihm bisher alles auf eine progressive Verlaufsform hindeutet. Außerdem bleibt weiterhin zu hoffen, dass der aggressive Hautkrebs nicht zurückkommt.
Dioui
Dioui sitzt zurzeit als sozialer Kater auf einer Einzelstelle und langweilt sich. Da er aber ansonsten stabil ist und gerade eine Narkose zur Zahnsanierung gut weggesteckt hat, wäre eine Rückkehr zu den beiden kränklichen Katern Fynn und Filou nicht sinnvoll. Er braucht jetzt ein liebevolles Zuhause bei mindestens einer anderen
FeLV-Katze. Er vermisst die neuen Kumpels aus seiner Familie sehr.
Silas und Amira
Für Silas und Amira hoffen wir nun, dass sie möglichst bald in das Zuhause umziehen können, dass wir bereits Ende letzten Jahres für die Beiden gefunden haben. Wir waren durchgehend mit der Adoptantin in Kontakt und wollen an dieser Stelle mal "Danke!" sagen, für die Geduld, das stetige Interesse und das Daumen drücken. Andere Interessenten wären nach solch schlimmen Nachrichten womöglich sofort abgesprungen. Der Umzug findet nun voraussichtlich Mitte März statt und wir freuen uns sehr für die beiden, dass die Geschichte nun zumindest für sie ein Happy End bereitgestellt hat.
Konsequenzen
Wie es Latifa mit 2 Sorgenfellchen, den Gedanken über Infektionen oder Nichtinfektionen in den letzten Wochen/Monaten ergangen ist, kann man sich sicher vorstellen. Sie ist am Ende ihrer Kräfte und wird daher nur sporadisch hier auf Nachfragen antworten können. Aber wir sind ein Team, also fragt gerne, wenn noch etwas unklar ist. Wir werden versuchen so umfassend wie möglich zu antworten. Wir ihr wisst, versuchen wir als Verein immer transparent und ehrlich zu sein, daher machen wir auch bei diesem für uns sehr schmerzhaften Thema keine Ausnahme. Außerdem ist es uns besonders nach den jüngsten Erfahrungen ein besonderes Anliegen, über
FeLV aufzuklären und das Wissen über Testmöglichkeiten, aber eben auch deren Schwächen, zu verbreiten, damit dieses Virus wenigstens an anderer Stelle niemanden so böse überrascht wie uns Anfang dieses Jahres. Wir dachten, dass wir durch ein ausgefeiltes Verfahren auf der sicheren Seite wären, aber das war offenbar ein Trugschluss. Wir haben einen Link zu einer Datei angehängt, die die Vielfalt dieses Virus im Groben umreißt, für diejenigen, die es gern genauer wissen wollen.
Als Verein haben wir unsere Konsequenzen aus diesem Drama gezogen.
Wir wissen, dass wir noch einmal Riesenglück im Unglück hatten, dass nicht ALLE Katzen, einschließlich der Katzen aus Diouis neuer Familie, infiziert sind. Zukünftig werden, zusätzlich zu den Schnelltests für die Reisekatzen auf Andros, alle Reisekatzen in Deutschland nach mindestens 3 Wochen Quarantäne nochmals mittels PCR
UND Elisa auf
FeLV getestet. Mehr Kontrolle ist nicht möglich, denn bei diesem Virus ist trotz aller Bemühungen eine hundertprozentige Sicherheit nicht zu erzielen. Eine Fehlerquote von bis zu 3 % ist leider anzunehmen. Dies trifft aber auf ALLE Katzen zu, die aus Regionen stammen, in denen
FeLV verbreitet ist. Dies ist in Deutschland ebenso der Fall wie in Griechenland, Spanien und den sonstigen europäischen und außereuropäischen Ländern. Ein umfangreiches Testen ist neben einer Impfung derzeit die einzige Chance, das Weitertragen des Virus in die Bestände zu verhindern.
Wir hoffen von Herzen darauf, dass es wie bei
FIP demnächst Therapiemöglichkeiten gibt und somit die betroffenen Katzen eine echte Chance bekommen.
Eine Bitte haben wir: Drückt doch die Daumen für Fynns und Filous Kampf ums Leben und für unseren Dioui, auf dass er ein liebevolles Zuhause mit mindestens einer anderen
FeLV-Katze findet.
Hier der schon erwähnte Datei, die die Vielfalt dieses Virus´ im Groben und unsere Vorgehensweise umreißt.
Zum lesen, einfach auf das Bild klicken:
Diese Informationen findet Ihr auch auf unserer Homepage:
Cats at Andros e.V. - Wissenwertes - FeLV. Ihr könnt diesen Link gern teilen und weiterleiten!