Meine Erfahrung: Es kommt sowohl auf den Charakter an, aber durchaus auch auf die gemachten Erfahrungen - aber: die sind bei Streunerkatzen egal welchen Alters nunmal meist nicht positiv.
Für uns sieht es immer so idyllisch aus, wie die Katzen draußen rumsitzen usw. aber das ist romantisiertes Menschendenken. Man darf nicht Freigängerkatzen - also Katzen die ein Zuhause haben und raus gehen können wenn sie wollen - mit Streunerkatzen gleichsetzen. Die Freigängerkatze hat einen sicheren Hafen Zuhause, wo sie sich safe fühlt, wo sie alles kriegt, was sie braucht und dann kann sie draußen Spiel, Spaß, Spannung und Abenteuer erleben und wenn sie genug hat, dann geht sie in ihren sicheren Hafen nach Hause. Nimmt man dieser nun ihren Draußen-Spaß wird sie leiden - egal wie alt sie ist. Die Streunerkatze dagegen erlebt draußen Hunger, Streß, Kälte, Schmerz, Krankheit - und alles ohne sicheren Platz. Holt man sie nun rein und wartet ab, dass sie sich an das Leben drinnen gewöhnt hat, reagieren viele dieser Katzen darauf so, dass sie das draußen gar nicht mehr wollen. Drinnen sind sie safe, haben alles was sie brauchen und das Draußen holt bei ihnen die Erinnerung an Streß und Hunger hoch und nicht an Spaß und Freude. Deshalb sind viele ehemalige Streunerkatzen ohne Probleme in Wohnungshaltung vermittelbar. Es gibt natürlich auch den anderen Fall, den des passionierten Streuners, der sich Draußen gut gefühlt hat und der auch nach einer Menschengewöhnung wieder raus will, aber das merkt man dann sehr schnell wenn man sie reingeholt hat und kann entsprechend vermitteln.
Kitten sind in allen Punkten da nicht anders, aber in verminderter Form. Es hängt da auch sehr davon ab, wie alt die Kitten beim einfangen waren und wo sie gelebt haben. Holt man sie sehr früh rein, war ihr Radius noch nicht sehr groß und somit ist der Erfahrungswert diesbezüglich gen Null.
Holt man sie später rein und sie haben z.B. in einem Industriegebiet gelebt, dann war ihr Erfahrungswert bisher, dass sie bei Gefahr um ihr Leben rennen müßen - womit wir wieder bei dem Safe-Gefühl drinnen wären - lernen sie nun, dass sie nicht mehr ständig Angst haben müßen, sondern frei spielen dürfen ist das eine Erleichterung für sie - und sind da nicht anders zu bewerten als drinnen geborene Katzen, da sie wieder zu unbedarften Tobewutzen werden. Ob sie die Angst vor den Gefahren draußen behalten oder nicht ist dann wieder Charaktersache. Die einen behalten diese Angst - und damit verbunden dann auch die Angst vor draußen, weil da ja die Gefahren lauern - die anderen vergessen komplett was war und reagieren draußen wie unbedarfte Wohnungskitten. Deshalb sehe ich auch bei Draußen geborenen Kitten kein Problem sie in Wohnungshaltung zu vermitteln. Und bisher habe ich auch noch keins meiner Katzen -egal welchen Alters - aus dem Grund aus der Vermittlung wieder zurück bekommen