Gestern abend gegen 22.30 kamen mein Mann und ich mit dem Auto von einer Veranstaltung zurück.
Wir bogen in unsere Siedlung ein und da war etwas auf der Straße, am Rand.
Es sah aus wie ein Stein? Eine Papiertüte? Es entpuppte sich als eine hingekauerte rote Katze.
Wir hielten neben dem Tier an. Es hatte den Kopf gesenkt, die Nase auf dem Boden und bewegte sich nicht.
Ich stieg langsam aus und ging vorsichtig hin. Immer noch nichts. Ich sah, dass im Haus, vor dem die Katze hockte, und in dem ein Kollege von mir wohnte, noch Licht brannte.
In dem Moment stand die Katze auf und miaute. Ziemlich tief. Ziemlich oft. Zeitweise machte es den Anschein, als würde sie gleich ins Auto steigen - ich hatte die Beifahrertür noch offen; unser Auto stand mitten auf der Straße, mein ratloser Mann am Steuer.
Ich machte ein Foto und schickte es an eine Kontaktperson von unserem Tierschutzverein. Sie reagierte sofort. Wäre gekommen, um das Tier einzusammeln.
Gleichzeitig klingelte ich da, wo noch Licht war.
Die Frau meines Kollegen öffnete die Tür und verkündete lachend, das sei Peter, er wohne gegenüber, er sei schon seeehr alt und etwas durcheinander.
Also gab ich beim Tierschutz Entwarnung, Kater bekannt, wohnt hier, alles gut. Erstmal.
Wir blieben.
Ich fasste den Kater an - er war nur noch Fell über Knochen. Sowas dünnes habe ich selten gesehen. Die Nachbarn meinten, die Besitzer (ein Bauernhof) "hätten es nicht so mit Tierarzt". Prima. Er würde übrigens überall hinmachen, dürfte deshalb auch nicht mehr ins Haus.
Die Nachbarn versprachen nun, den Kater zunächst mal um das Haus herum zu seinem Futter- und Schlafplatz zu führen. Sie holten Leckerli von drinnen.
Da der Kater durch unsere Anwesenheit sichtlich abgelenkt war, sind wir dann nach Hause gefahren.
Kurz darauf schrieb mir der Nachbar, er hätte den Kater noch an die Hausecke führen können, weiter hätte er nicht gewollt. Seine Frau würde ausserdem morgen mit den Besitzern sprechen, weil da ja was geschehen muss.
Ich habe noch ein bisschen mit dem diensthabenden Mädel vom Tierschutz hin und her geschrieben; kurz überlegt, noch einmal zu der Stelle zu gehen - aber was hätte ich dann machen können? Etwas ratlos rumstehen wahrscheinlich. Wir waren jedenfalls gespannt, was der Besitzer unternehmen würde und wollten es auf jeden Fall im Auge behalten.
Heute morgen bekam ich dann die Nachricht, der Kater hätte tot auf dem Hof gelegen. "Unverletzt", also nicht überfahren oder so. Er hätte auch unter epileptischen Anfällen gelitten. Es sei wohl am besten so.
Das macht mich jetzt sehr, sehr traurig. Ich hatte letzte Nacht das Gefühl, der Kater würde um Hilfe bitten.
Nun habe ich ihn ja nicht einfach sich selbst überlassen, die Nachbarn haben sich ja gekümmert. Zumindest haben sie es versucht.
Trotzdem kommt prompt wieder das "hätte, wäre, wenn". Hätte im Nachbarhaus kein Licht mehr gebrannt, hätte ich den Kater abholen lassen. Und ich HATTE ja auch trotz allem doch noch überlegt: Soll ich ihn trotzdem abholen lassen? Damit sich endlich gekümmert wird? Möglicherweise wäre er direkt erlöst worden, oder er wäre nachts im Tierheim verstorben - aber das wäre immer noch besser gewesen, als wie es jetzt geschehen ist.
Nun ist er in der Nacht einsam draußen gestorben. Es tut mir so leid. Ich weine um ihn.
Mach es gut, kleiner Roter. Peter. Armer Peter. Deine Leiden haben nun wenigstens ein Ende.