Liebes Forum,
mein Mann und ich haben vor 2,5 Wochen einen Tierschutz-Kater aus Spanien adoptiert. Er heißt Claudio, ich habe ihn durch Zufall im Internet entdeckt und es war eine Art Liebe auf den ersten Blick, ich wollte ihn unbedingt haben, obwohl er
Leukose-positiv ist, und wir beide Katzenanfänger sind.
Ein paar Informationen:
- Rot gestreifter
EKH Kater, vermutlich im September 2019 geboren, also etwa 1,5 Jahre alt.
- Ende 2020 kastriert
-
Leukose-positiv (also kein Freigang, könnten wir auch nicht bieten), allergisch gegen Tunfisch und Erbsen
- Er ist recht groß - er wiegt 6,6kg und sieht nicht sonderlich übergewichtig dabei aus.
- Mein Mann und ich wohnen momentan noch in einer 67qm Wohnung mit Balkon, in etwas mehr als einem Jahr werden wir hoffentlich unsere fast doppelt so große Eigentumswohnung beziehen.
- Er wurde uns als Einzelkater vermittelt, weil die Pflegestelle ihn als "mag seine Artgenossen nicht sonderlich" beschrieben hat.
- Er bekommt nur Nassfutter von Macs und Mjamjam, ab und zu etwas frisches Rind oder Hähnchen, und er hat einen Trinkbrunnen, an den er regelmäßig geht. Der Balkon ist vernetzt, er darf dahin so viel er möchte, und wir spielen mindestens 3 Male am Tag mit ihm mit der Katzenangel.
- Hintergrund: Er hat von klein auf bei einer Familie gewohnt, wurde aber nicht kastriert. Mit etwa einem Jahr ist er von zuhause ausgebüchst und war einen Monat lang auf der Straße, wo er sich wahrscheinlich auch die
Leukose geholt hat. Irgendwann wollte er wieder zu seiner Familie zurück, da war er wohl in einem schlimmen Zustand, voll mit offenen Wunden, aber seine Familie wollte ihn nicht mehr haben, da sie sich zwischenzeitlich einen Hund geholt haben. Er saß in seinem Zustand zwei Wochen lang vor der Tür und hat gemiaut

Die Dame vom Tierschutz hat ihn geholt, als die Familie ihn vom Tierfänger abholen lassen wollte. Ja, schlimme Geschichte. Die hat viel mit dazu beigetragen, dass ich ihn unbedingt haben wollte.
Claudio ist also seit bald 3 Wochen bei uns, und unsere Erfahrungen sind etwas gemischt.
- Das Positive zuerst: Er ist ein sehr souveräner Kater. Bei Ankunft hat er die Wohnung gleich erkundet und sich streicheln lassen, tatsächlich scheint er - bis auf den Staubsauger - vor nichts Angst zu haben. Auch bei Tierarztbesuchen kommt er mir recht entspannt vor. Er frisst und geht auf die Toilette ohne Probleme, und hat bislang fast nichts runtergeworfen oder sonstwie kaputtgemacht.
Jetzt die Probleme:
- Er war bei Ankunft erkältet, und die Ohren waren entzündet, er hat sich hinter beiden Ohren fast kahl gekratzt. Wir waren bereits zweimal beim Tierarzt, er hat über 10 Tage Antibiotika (Kesium) und Ohrentropfen bekommen, und währenddessen schien es auch besser, aber bereits einen Tag nachdem die Tabletten aufgebraucht waren, schien es wieder schlimmer zu werden. Man muss wissen, dass wir die Erkältung dadurch gemerkt haben, weil er immer honkende Geräusche macht, wenn er sich zum Putzen runterbeugt. Diese Geräusche waren zwischendurch fast weg, und sind jetzt wieder schlimmer. Auch kratzt er sich immer noch ab und zu an einem Ohr. Wir gehen morgen also wieder zum Tierarzt.
- Er wurde vom vermittelnden Tierschutz beschrieben als "mag andere Katzen nicht sonderlich, sehr sozial und lieb mit Menschen, verschmust, ruhig und gemütlich". Dem kann ich (noch?) nicht 100% zustimmen:
- Immer, wenn er geschlafen hat, möchte er danach schmusen, aber leider fast immer nur für wenige Minuten, und den Rest des Tages möchte er eher ungern angefasst werden. Wenn man es trotzdem tut, beißt bzw. kratzt er. Das Beißen ist tatsächlich ein Problem, denn manchmal beißt er auch komplett ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Ich habe mich an einem Abend richtig erschrocken: Ich saß auf der Couch, er kam zu mir, hat an meiner Hand geschnuppert, und plötzlich hält er die Hand mit beiden Vorderpfoten fest - Krallen ausgefahren - und fängt an in meine Hand zu beißen. Sogar die Ohren waren kurz zurückgelegt.
- Wenn er nicht schläft oder schläfrig herumliegt, tigert er in der Wohnung herum und sieht dabei unruhig aus. Wir bespielen ihn mehrmals am Tag mit der Katzenangel, fast immer wenn er unruhig zu sein scheint, aber er ist ein junger, kräftiger Kater und wirkt einfach unausgelastet auf uns, auch wenn wir noch nicht so viel Ahnung von Katzen haben.
Die Dame vom Tierschutz, mit der ich mehrmals gesprochen habe, hat mir sehr ans Herz gelegt, über eine Zweitkatze nachzudenken, auch wenn sie ihn jetzt nach Empfehlung der Pflegestelle als Einzeltier vermittelt haben. Ich habe mittlerweile ebenfalls das Gefühl, dass es ihm wahrscheinlich gut tun würde, wenn es erstmal läuft, aber der Weg dorthin erscheint mir schwierig:
- Da er
Leukose-positiv ist, muss die Zweitkatze ja auch
Leukose-positiv sein. Wenn also nicht (hoffentlich in vielen Jahren erst) zufällig beide Katzen zeitgleich sterben, müssen wir weitere
Leukose Katzen nachholen - eigentlich wollten wir nicht für immer und ewig
Leukose-positive Katzen haben.
- Ich weiß nicht, ob er bei seiner anfänglichen Familie Katzen-Gesellschaft hatte, aber ich glaube fast die Antwort ist nein. Bei seinem einmonatigen Ausflug in die Freiheit hat er vermutlich keine sehr positiven Erfahrungen mit seinen Artgenossen gemacht, so kaputt wie er danach war. Er war ein halbes Jahr lang bei der Pflegestelle, erst wusste man noch nicht, dass er
Leukose hat, und da hat er sich wohl schlecht mit den anderen Katzen vertragen (weswegen er ja als Einzeltier dann vermittelt wurde), und nach der Diagnose wurde er sowieso separiert und hat allein in einem Zimmer gewohnt. Ich habe das Gefühl, dass es sehr schwierig sein wird, ihn mit einem anderen Kater zu vergesellschaften. Zusätzlich haben wir momentan auch kein Zimmer, auf das wir unbestimmt lange verzichten können, um den anderen Kater darin zu halten. Und unsere momentane Wohnung ist nicht besonders groß, die Vorstellung von zwei ähnlich großen, selbstbewussten Katern, die sich hier austoben, bereitet mir Sorgen. Insofern würde sich vielleicht anbieten, einen neuen Kater zu holen, wenn wir in die große Wohnung umziehen, aber bis dahin ist er ja nochmal ein Jahr älter geworden, und es wird doch angeblich schwieriger, je älter sie sind.
Ach, jetzt ist es so viel Text geworden. Ich fasse mal meine zentralen Probleme zusammen:
- Gibt es noch Tipps, wie ich seine Gesundheit trotz
Leukose möglichst gut und lang erhalten kann?
- Ich wünschte, er würde mehr schmusen und den Körperkontakt zu uns suchen. Momentan versuche ich, ihn mit Leckerlis zu bestechen.
- Ich möchte gern, dass er weniger beißt, auf jeden Fall sollte er nicht grundlos aus dem heiteren Himmel beißen.
- Ich brauche etwas Input und ein paar Meinungen von erfahrenen Katzenhaltern, was das Zweittier angeht. Mein Mann und ich sind beide Katzenanfänger, und Claudio ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gut sozialisiert, was andere Katzen angeht, wir fühlen uns damit überfordert, und die Räumlichkeiten sind auch noch etwas zu klein.
Danke schon mal!
P.S. Anbei ein Bild von dem Rollmops
