Hallo Forum,
ich habe mich etwas davor gedrückt weiter zu berichten, weil naja, es mir etwas peinlich ist.
Unsere Konstruktion mit den Klemmstangen und dem Netz hat sich in mehreren Versionen und Varianten als unzureichend erwiesen, um einen Kater aufzuhalten, der sehr sehr dringend raus möchte. Josef ist Sonntag Mittag bei uns angekommen, Montag Nachmittag ist er das erste Mal aus dem Zimmer abgehauen, davon habe ich noch berichtet. Danach haben wir das Netz zusätzlich stabilisiert und es mit Claudio getestet: Leckerli auf der einen Seite, Claudio auf der anderen. Er hats wirklich versucht, aber anscheinend wollte er die Leckerlis nicht so sehr wie Josef seine Freiheit: Direkt zwei Stunden später, am Montag Abend, stand Josef plötzlich wieder im Wohnzimmer.
Montag Abend:
Weil er schon da war, wollten wir nicht aufgeregt sein und die Katzis verschrecken, sondern haben einfach beobachtet was passiert: Beide Katzen sahen vorsichtig aus und hielten zunächst Abstand, niemand ist sofort ausgerastet. Claudio schlich ab und zu hinter Josef her, und Josef dreht sich ab und zu plötzlich um und konfrontiert Claudio, woraufhin Claudio abhaut. Aber keine offene Feindseligkeit, und beide haben zeitweise in etwa 1,5m Abstand zueinander auf dem Boden gechilled.
Dienstag:
Da wir keine andere Möglichkeit haben, das Zimmer mit Sicht zu versperren, und Josef nicht wieder komplett einschließen wollten (er war davor lange eingesperrt und heult das gesamte Haus zusammen, wenn man ihn jetzt wieder einsperrt), haben wir ihn rumlaufen lassen. Weiterhin keine offene Feindseligkeit, ab und zu versuchte Josef, an Claudios Hintern zu riechen, aber hat dabei immer eine von Claudio kassiert.
Beide finden es anscheinend großartig, den anderen anzugehen, wenn er aufs Klo möchte. Wenn einer sieht, dass der andere sich reingesetzt hat, kommt er schon angerannt und versucht dem anderen eine zu verpassen. Es war aber alles zivil, soweit wir das beurteilen kann - niemand faucht (tatsächlich macht niemand irgendwelche Geräusche) o.ä., Ohren aufrecht und nach vorne zeigend.
Mittwoch:
Claudio riecht ab und zu auch an Josef, und einerseits hatten sie wirklich nette Momente - zum Beispiel haben sie sich beide in unter 1m Abstand auf die Couch gelegt, sich gleichzeitig (also jeder für sich) geputzt und dann ein kurzes Nickerchen gemacht. Andererseits haben sie sich mehrmals "gefetzt": Claudio sitzt irgendwo rum, spielt vllt alleine mit einem Spielzeug, und dann kommt Josef und batzt ihm eine. Daraufhin wird kurz gegenseitige Schläge ausgetauscht, wobei aber Claudio immer als erster weggeht. Claudio scheint auch generell nervöser zu sein: Er spielt nicht mit der Katzenangel, wenn Josef in einem 2m Radius ist, Josef tut das gewissermaßen auch, aber sein Radius ist wesentlich kleiner, vllt 0,5m.
Zu unserer großen Überraschung scheint Josef der selbstbewusstere von beiden zu sein...? Weiterhin keine Lautäußerungen irgendeiner Art, aber buschige Schwänze und Katzenbuckel gabs.
Das Auflauern auf dem Klo ist weiterhin ein Renner.
Donnerstag (heute):
Heute haben sie sich gefühlt bereits mehr gebatzt als gestern den ganzen Tag, Josef ist meistens, wenn auch nicht immer, der Initiator und hatte auch ab und zu die Ohren zurückgeklappt (nicht angelegt, aber die Rückseite zeigte nach vorne). Beide sitzen irgendwo rum, bis einer plötzlich aufsteht und dann gehts los: Gegenseitige Schläge mit den Vorderpfoten (meist ohne Krallen soweit ich es sehen kann), teilweise aufrechtstehend mit den Oberkörpern ineinander krachend (sieht anfangs etwas so aus als würden sich Menschen umarmen), buschige Schwänze, teilweise Katzenbuckel. Claudio ist immer noch idR der, der davon als erster weggeht. Ich habe (als unbedarfte Katzenanfängerin..) das Gefühl, als ob das Gekabbel heute ernster wäre als die Tage zuvor. Aber dann haben sie auch immer wieder mal Momente, wo sie nicht weit voneinander herumliegen, Schwanz ruhig, blinzelnd, also wo sie für mich eigentlich sehr friedlich aussehen.
Die Futternäpfe stehen etwa 1,5m voneinander entfernt, das hat sich als eine Entfernung herausgestellt, bei der beide friedlich gleichzeitig futtern können. Allerdings fressen sie nicht immer zusammen, ich stelle das Futter zeitgleich hin, aber Josef hat für mich gefühlt noch komplett willkürliche Fresszeiten.
Ich weiß nicht, wie ich weiter vorgehen soll: Sollen wir das ganze nochmal resetten mit einer richtigen Gittertür, obwohl Josef wirklich sehr unglücklich ist, wenn er eingesperrt ist? Sollen wir eingreifen, wenn sie sich schlagen? Ist das Schlagen überhaupt feindselig? Was machen wir mit dem Klo-Auflauern? Zusätzlich haben wir die Schwierigkeit, dass Josef nichts von den Leckerlis mag, die wir da haben, da fehlt uns eine Manipulationsmöglichkeit.
Mein Mann und unsere Freunde sind alle der Meinung, dass wir die Katzen einfach machen lassen sollen. Eine Freundin sagte, dass sie sich mal richtig schlagen werden um festzulegen wer der Boss ist, und danach ists geklärt :-/ Mir tuts irgendwie leid, dass mein Claudio der "Unterlegene" zu sein scheint, und ich habe immer wieder das Gefühl, versagt zu haben -.-
@Geek
Nachtrag:
Josef will die ganze Zeit unbedingt, bei jeder Gelegenheit, an unserem Ficus knabbern. Wir haben die Pflanze untenrum komplett umzäunt, damit er nicht drankommt, trotzdem hat er heute schon ein kleines Stück von einem Blatt gefressen, das runtergefallen ist. Und das Zeug ist doch giftig für Katzen -.-