Empfehlungen zur guten Impfpraxis in der Veterinärmedizin| StIKo Vet | Stand: 26.09.2018 | 11
Während der Grundimmunisierung ist für den Aufbau einer optimalen adaptiven Immunantwort die
wiederholte Auseinandersetzung mit dem Impfantigen wichtig. Bei Lebendimpfstoffen ist dies durch die
Fähigkeit, im geimpften Tier zu replizieren, per se gewährleistet. Die Empfehlung, HCC-, Staupe- und
Parvovirose-Impfstoffe bei Hundewelpen im Alter zwischen 8 und 16 Lebenswochen dreimal zu
applizieren, hat nicht zum Ziel, eine ausreichende Menge an Antigen über diesen Zeitraum zur
Verfügung zu stellen. Der Sinn ist vielmehr, möglichst früh den Moment abzupassen, in dem die
maternalen Antikörper soweit abgefallen sind, dass das geimpfte Tier eine eigene aktive Immunität
aufbauen kann [34]. Entsprechend muss bei einer Überschreitung des Impfintervalls nicht erneut mit
der Dreierserie begonnen werden. Sobald davon ausgegangen werden kann, dass auch bei Tieren, die
große Mengen an maternalen Antikörpern aufgenommen hatten, diese vollständig abgebaut sind (ca.
nach der 16. bis 20. Lebenswoche), ist bei Verwendung von Lebendimpfstoffen eine einmalige Impfung
als Grundimmunisierung ausreichend.
Bei den Leptospirose-Inaktivatimpfstoffen vermehrt sich das Impfantigen nicht, allenfalls wird durch
einen Depoteffekt des Adjuvans eine fortdauernde Stimulation des Immunsystems erreicht. Daher sind
auch beim adulten Tier für die Grundimmunisierung wiederholte Applikationen erforderlich. Die zwei
Applikationen sollten entsprechend den Herstellerangaben je nach Impfstoff im Abstand von zwei bis
fünf Wochen verabreicht werden. Wird dieses Grundimmunisierungsintervall deutlich überschritten,
sollte vier Wochen nach der verspäteten zweiten Applikation eine weitere Dosis verabreicht werden.
Abweichungen vom empfohlenen Impfschema bei der Katze
Während der ersten beiden Lebensjahre sollten Katzen entsprechend den Empfehlungen der StIKo Vet
[30] im Alter von 8 bis 16 Wochen dreimal im Abstand von vier Wochen gegen Katzenseuche
(Parvovirose/ Panleukopenie) und Katzenschnupfen (d. h. gegen Felines Herpesvirus und Feline
Caliciviren) geimpft werden. Freigänger sollten in diesem Zeitraum einmal gegen Tollwut geimpft
werden. Nach 15 Lebensmonaten ist die Grundimmunisierung mit einer weiteren Impfung gegen
Katzenseuche, Katzenschnupfen und ggf. Tollwut3 abzuschließen. Je nach Hersteller wird empfohlen,
den Tieren nach einem Jahr bis drei Jahren eine Wiederholungsimpfung zu verabreichen.