Ich habe vor 4 Jahren einen Kater aufgenommen. Damals war er 6 Jahre alt und seine Geschichte machte es mir unmöglich, ihn nicht zu nehmen, als sein Frauchen sich eingestand, dass sie ihm kein gutes Leben mehr bieten kann. Als Kitten wurde er gemeinsam mit seinem Bruder in eine Plastiktüte gesteckt und in die Mülltonne geschmissen. Wie Abfall. Sein Bruder war schon erstickt, als die junge Frau sie fand, doch Lennard sollte leben. Er war körperlich behindert, hatte unterentwickelte Hinterbeinmuskulatur und einen absolut tolle Art zu laufen. Er war unser Stakelprinz und kannte es nicht anders. Er war eine Seele. Bei seinem ersten Freigang brachte er stolz Blätter und einen kleinen Ast Nachause.

Er lebte mehrere Jahre bei uns, bis der Frieden vor 8 Wochen endete. Er fraß nicht mehr, also schauten wir uns seine Zähne an und auch die Ärztin meinte, da sollte man etwas machen. Bei der Voruntersuchung kam heraus, dass er herzkrank war. Also stellten wir ihn auf Herzmedis ein, um ihn für die Narkose zu stabilisieren. Die OP verlief gut aber die Narkose machte ihm ganz schön zu schaffen. Aber es musste sein. Zwei Tage später fraß er wieder. Er war schon immer kränklich, neigte zu Harnwegsinfekten und Harnverhalt aber das habe ich mit Golubli immer gut hinbekommen. Auch Atemwegserkrankungen hatte er öfter.
Er fraß nur wenige Tage, dann tat er sich wieder schwer damit und hustete oft. Wir behandelten ihn wieder mit Globuli, dann mit Hustensäften und gaben ihm die Leckerli, die er noch fraß. Ärztin meinte, das Herz höre sich noch schlechter an, also dosierten wir die Herzmedis so hoch wie möglich. Auch Wasser hatte er zu der Zeit schon in der Lunge eingelagert. Ich gab ihm drei Tage lang Diuretika und schmierte ihm jeden Tag Salbe zur Appetitsanregung ins Ohr. Kurz darauf musste ich ihn mit Recovery-Paste zwangsernähren. Er wollte noch leben, das zeigte er deutlich. Aber er bekam kaum noch was runter und zu dem Zeitpunkt wollten wir ihn nicht mehr in eine Klinik für umfassende Diagnostik geben. Noch eine Narkose hätte er nicht überstanden. Die Blutwerte waren völlig in Ordnung. 4 Wochen fraß er so gut wie gar nichts. Immer mal ein paar Brocken. Immer wieder Hoffnung. Cortison brachte ihn wieder hoch. Er fraß sehr viel aber die Wirkung ließ nach 2 Tagen wieder nach. Langzeitcortison schlug nicht an, also habe ich ihm Zuhause Kurzzeitcortison gespritzt aber das zeigte nach dem 3. Mal auch keine Wirkung mehr. Dann spritzte ich ihm Diazepam zur Appetitsanregung. Ohne Erfolg. Zu der Zeit war er schon abgemagert und nicht mehr unser Lennibald. Er wog noch 3,4 kg und es ging ihm nicht mehr gut. Wir brachten ihn in die obere Etage unserer Wohnung, damit er Ruhe vor unserer kleinen Tochter hatten und sagten ihm, dass er einschlafen kann, wenn er es braucht und möchte. Wir hofften so sehr, dass er friedlich entschlummern würde. Aber er blieb. Den Gedanken, dass er eine Spritze bekommen würde, die ihn tötet, fand ich ängstigend und widerlich.
Zu dem Zeitpunkt hatte er vermutlich schon eine Fettleber und als er anfing, extrem viel zu trinken, wusste ich, dass auch seine Nieren versagten. Dann trank er nichts mehr und das war der Punkt, wo die Dinge klar waren. Es brach uns das Herz. Am Nachmittag, als unsere Ärztin zu uns kam, hatte ich Spätdienst aber ich wollte sowieso nicht dabei sein. Das sollte nicht die letzte Erinnerung werden. Mein Mann würde dabei sein und als ich zum Spätdienst fuhr, küsste ich Lennis Kopf und da waren nur noch Haut und Knochen. Apathisch war er auch schon. Und dann schlief er 17 Uhr ein.
Wir begruben ihn im Wald eines Freundes, inmitten von Blumen und im Sonnenschein. Mit Blick auf ein Feld.
Das schlimmste daran ist, dass er plötzlich fehlt. Von unseren 3 Katzen war er die liebste und pflegeleichteste. Wir trösten uns damit, dass er eigentlich gar kein Leben haben und in der Plastiktüte ersticken sollte aber er lebte 10 Jahre bei Menschen, die ihn liebten. Traurig ist nur das Ende und dass er solange gekämpft hat. Am Ende hat er uns das Zeichen gegeben, indem er runterkam und bei uns war. Als wolle er, dass wir ihn sehen und es begreifen. Wir haben alles getan und hoffen, dass wir ihn nicht zu lange leiden ließen.