Meine lieben Tiermenschen,
ich habe in den vergangenen Jahren oft still mitgelesen in diesem Forum, wenn ich Ratschläge bzw. Tipps gebraucht habe. Nun habe mich registriert, weil ich einen riesen Brocken auf dem Herzen habe und gerne eure Meinungen, Erfahrungen und Ratschläge hätte. Ich denke, dass mir ein Austausch mit anderen Betroffenen gut tun wird. Ich fühle mich nämlich gerade ziemlich verloren und denke sogar, dass ich Fehler gemacht habe.
Meine geliebte Katze Juli ist krank. Ich habe sie im März 2017 adoptiert. Sie war fast 2 Jahre alt, kastriert. Sie war eine sehr ängstliche Katze. Muss schlimme Erfahrungen gemacht haben vorher. Aber keiner weiß so recht, was in ihrem Leben vorher passiert ist. Sie ist sehr aus sich rausgekommen, richtig mutig geworden. Zuvor habe ich immer Hunde gehabt und sie hat mir schnell gezeigt, dass ich Katzen genau so liebe! Juli hat sogar noch einen dicken, roten Kater-Kumpel dazu bekommen. Das hat ihr auch sehr gut getan und sie hat, was ihre Angst betrifft, eine tolle Entwicklung hinter sich. Aber nun zu ihrer Geschichte:
Leider, leider wurde sie bereits im Januar 2020 das erste Mal wegen eines Gesäugetumors operiert. Damals wurde lediglich der Tumor entfernt. Ergebnis: Adeno Ca. Im Guten operiert, keine Beteiligung der Lymphknoten. Große Erleichterung. Aber dennoch auch viel Verwunderung, weil sie zu dem Zeitpunkt nicht Mal ganz 5 Jahre alt war. Zu dem Zeitpunkt wussten wir auch noch nicht, was für einen schrecklichen Verlauf das Ganze nehmen würde.
Zwei Jahre später habe ich wieder einen kleinen Knoten ertastet. Sie wurde wieder operiert. Das war im April 2022. Auch dieses Mal: Adeno Ca. Im Guten operiert, keine Beteiligung der Lymphknoten. Wieder große Erleichterung, dass nichts gestreut hat. Ich habe eine unglaublich tolle, einfühlsame Tierärztin, die mir dazu riet, die Gesäugeleisten zu entfernen (beide Tumoren waren auf der rechten Seite).
An dieser Stelle möchte ich gerne einstreuen, dass ich als Intensivschwester arbeite und dadurch auch das medizinische Hintergrundwissen habe, das sich nunmal auch auf die Fellnasen projizieren lässt. Und ich gerate wirklich, wirklich oft an meine Grenzen, wenn bei Patienten die Maximaltherapie gefahren wird, nur um das Leben noch um vielleicht wenige Wochen oder Monate voller Qualen zu verlängern, obwohl die Prognose infaust ist… dazu habe ich selbst auch schon viele Menschen (und Tiere) in meiner Familie an Krebs verloren. Ich bin gerade deshalb dankbar darüber, dass wir bei Tieren die „Chance“ haben, sie zu erlösen. Versteht mich nicht falsch an dieser Stelle. Ich bin gegen aktive Sterbehilfe in der Humanmedizin. Aber ich bin ein Verfechter der palliativen Möglichkeiten. Linderung, Lebensqualität. Keine Maximaltherapie, wenn es keine Chance mehr gibt.
Ich habe dann jedenfalls sehr lange überlegt. Weil sie schon seit ein paar Jahren vor allem im Winter hustet… wir vermuten Asthma, wollte ich vorher mit einem Röntgen abgeklärt haben, dass dort nicht doch “was anderes“ hintersteckt. Da dort alles okay war, habe ich mich für die Gesäugeleisten-OPs entschieden. Das haben wir dann in zwei Operationen aufgeteilt. Im August und im November 2022. Beide Seiten. Und hier wurde tatsächlich nichts gefunden. Keine Tumorzellen, Lymphknoten sauber, nichts. Völlig im Guten operiert. Ich habe wirklich panische Angst vor dem Befund gehabt. Weil ich da schon oft dachte, dass es vielleicht alles zu weit geht. Diese tapfere kleine Maus hat die ja doch wirklich riesen großen OPs so gut weggesteckt und ihr ging es danach tatsächlich jedes Mal richtig gut. Ich hatte sogar den Eindruck, dass sie im vergangenen halben Jahr richtig aus sich rauskommt und viel aktiver war. Das gab mir ein so schönes Gefühl. Diese Gewissensbisse haben mich fertig gemacht.
Jetzt ist es leider so, dass sie wieder einen winzigen, vielleicht sesamkorngroßen, Knubbel am Bauch hatte. Meine Tierärztin hat beim Abtasten sogar noch einen zweiten direkt daneben gefunden. Wir sind in dem Moment noch davon ausgegangen, dass sich vielleicht einfach nur ein Faden abgekapselt hat. Sie hatte nach der letzten OP an dieser Stelle leichte Wundheilungsstörungen. Und da ja sogar die Gesäugeleisten „sauber“ waren, haben wir uns entschieden, ihr diese Chance noch zu geben.
Das war letzte Woche. Und heute kam der Anruf für die Histologie: Adeno Ca. Nicht im Guten operiert. Wundränder befallen und Metastasierung sehr wahrscheinlich. Die Tierärztin sprach von ein paar Monaten. Ich habe den Befund selber noch nicht gelesen…
Ich bin am Boden zerstört. Ich weiß, dass sowas passieren kann. Ist nunmal beim Menschen auch nicht anders. Aber ich fühle mich schrecklich, dass ich ihr all diese Qualen zugemutet habe.
Für mich steht definitiv fest: Ich werde sie nicht nochmal operieren lassen. Chemotherapie - auf gar keinen Fall. Meine Juli hat genug gelitten.
Aber was meint ihr? Hättet ihr genau so gehandelt wie ich? Ich tu mich da grade so unfassbar schwer mit.
Ich habe überlegt, ob es vielleicht unterstützende Medikamente gibt, vielleicht ja sogar Homöopathie, die ihr eine Hilfestellung sein können. Vielleicht hat in der Hinsicht ja jemand Erfahrungswerte. Sie erholt sich gut von der letzten OP, frisst und man merkt ihr nichts an. Sobald der blöde Body auskommt nach dem Fädenziehen, ist sie wieder ganz die Alte. Künftig wird es noch mehr Streicheleinheiten geben und so viel gekochtes Hühnchen, wie sie will. Ich will ihr die Zeit, die uns bleibt, so schön wie nur irgendwie möglich gestalten.
Das zur schrecklichen Geschichte meiner kleinen Juli. Ich freue mich, von euch zu lesen.
Liebe Grüße,
Sarah