Hallo zusammen,
ich melde mich erst jetzt wieder, da die Zeit einfach zu schwer war... trotzdem wollte ich mich noch mal für alle lieben Worte bedanken und meine beiden Schätze haben es verdient, dass ich ihre Geschichte zuende erzähl.
Am 17.10. wurde Mirai erlöst. Am 20.10. folgte Nikki ihr.
Mein Herz ist gebrochen, anders kann ich es nicht sagen. Ich denke, alle hier verstehen und kennen das Gefühl. Für mich war es das erste mal, dass ich ein Haustier erlösen lassen musste - und dann auch noch beide in einer Woche.
In der Nacht vom 16. zum 17. sagte ich zu Mirai "Wenn es nicht mehr geht, dann werden wir es morgen beenden. Dann wird das deine letzte Nacht bei mir auf der Erde sein." Ich ließ sie in ihrem Karton im Wohnzimmer wo sie sich verkrochen hatte. Sie wollte nicht mehr hochgenommen werden. Sie und Nikki schliefen seit beide krank wurden nicht mehr oder nur selten oben bei mir im Bett so wie früher. Ich denke die Treppe wurde ihnen zu anstrengend und ich wollte sie nicht zwingen. In der Nacht aber dauerte es keine fünf Minuten als ich im Bett saß, da kamen plötzlich nacheinander beide zur Tür hinein, sprangen aus eigener Kraft aufs Bett, legten sich mit auf die Decke, ließen sich streicheln und schnurrten. Es war noch einmal wie als die Welt noch in Ordnung war. Wie ein Abschiedsgeschenk. Als wüssten beide, dass es unsere letzte Nacht zu dritt als kleine Familie sein würde.
Am nächsten Mittag brachte ich Mirai zum Arzt. Ihr Verhalten war die ganze Zeit so sprunghaft, dass ich bis zuletzt ratlos war. Da war kein "Ich sah ihr in die Augen und wusste es." Nur die Blutwerte sprachen eine deutliche Sprache. Ich bat die Ärztin noch mal Blut zu nehmen. Ich musste wissen, ob es wirklich rein gar keine Hoffnung mehr gab. Leider war es dann auch so... Urea im nicht mehr messbaren Bereich,
Anämie ebenfalls so stark, dass es nicht mehr messbar war. Und auch der Wert der anzeigt dass neues Blut gebildet wird (ich weiß nicht mehr genau wie das heißt, aber so ungefähr wurde es mir erklärt) wieß darauf hin, dass sich nichts mehr bessern würde. Überhaupt waren irgendwie fast alle Werte im roten Bereich... Die Ärztin sagte mir, alles ab jetzt sei nur noch Quälerei für Mirai und für mich.
Das Einschläfern ging schnell und ich stand einfach nur noch unter Schock, auch wenn ich es im Prinzip zuhause schon wusste, dass es ihr letzter Tierarztbesuch sein würde. Ich wollte es nur nicht wahr haben, die Hoffnung blieb bis zum Schluss. Es war besonders hart, denn sie hatte noch Energie, sie lief beim Arzt noch im Zimmer herum, sprang überall hoch, kletterte auf meinen Rücken... Als wir sie zum Einschläfern auf meinen Schoß setzten wollten, sprang sie noch mal runter. Ich sagte zur Ärztin "Kraft zum Wehren hat sie aber noch genug!" Und die Ärztin meinte "Nein, sie nutzt nur gerade alle letzte Kraft die noch übrig ist." Sie wollte nicht gehen, ihre Zeit sollte noch nicht um sein. Nur ihr Körper wollte es nicht mehr mitmachen. Es war unfassbar schmerzhaft. Ende November wäre sie erst 10 geworden... Ich kann es immer noch nicht glauben, dass mein kleines Mädchen nun einfach nicht mehr da ist. Fast 2 Stunden saß ich danach noch mit ihr zuhause, ließ Nikki sich verabschieden und putzte ihre Pfote bevor sie beerdigt wurde. (Weißes Fell - war vom Blutabnehmen ganz besudelt - ich wollte nicht, dass sie mit schmutziger Pfote ihre letzte Reise antreten muss... Das wäre der kleinen Königin unwürdig gewesen. Sie sollte so schön aussehen wie immer.)
Was Nikki angeht war die ganze Situation komplett anders. Er hatte schwache Phasen (als Mirai stationär war zB) und dann mal wieder 1-2 gute Tage (als Mirai noch mal zuhause war. Offenbar hing er doch viel mehr an ihr als mir je bewusst war). Nachdem Mirai uns am Dienstag verlassen hatte, ging es dann rapide bergab. Seine Zuckungen wurden häufiger, wenn er sich nach dem Trinken schüttelte, fiel er dabei fast um, weil seine Hinterbeine so schwach geworden waren, er lief somit sehr wackelig, lag die meiste Zeit nur noch auf seinem Lieblingsplatz im Flur neben der Treppe (zudem ich ihm Stufen aus Kartons gebastelt hab), fressen wollte er gar nicht mehr, auch keine Leckerli. Ich erhielt ihn nur noch mit Recovery-Spritzen am Leben und es tat mir so furchtbar leid. Jeden Morgen hatte ich Angst, dass ich die Treppen runterkomme und sehe dass er womöglich über Nacht gestorben ist. Aber sein Körper machte weiter. Was ich noch erwähnen will: Bis zur letzten Minute ging er zum Wasser lassen aufs Klo und stand auf um zu Trinken. Er war so tapfer - kein Tröpfchen hat er in die Wohnung gemacht. Ich erwähne das, weil er ja nach dem Umzug ein Problem mit Unsauberkeit hatte (siehe anderer Thread) - und nun lag er wortwörtlich im Sterben und ging trotzdem noch so tapfer aufs Klo. Selbst als es an der Zeit war zum Arzt zu gehen und ich ihn fragte "Möchtest du noch etwas? Noch einen Schluck trinken? Doch noch ein Leckerli bevor wir fahren? Noch mal aufs Klo?" Da ging er tatsächlich noch mal Wasser lassen bevor ich ihn ins Körbchen setzte. Das sind diese Momente, wo ich sicher bin, sie verstehen jedes Wort von uns. Genau wie beide in der Nacht auf Dienstag wussten, dass es die letzte Nacht zu dritt sein würde.
Ich hätte ihn eigentlich einen Tag nach Mirai schon erlösen lassen sollen, aber es ging aus beruflichen Gründen nicht, ich konnte nicht noch einen Tag fehlen, weil ich erst einen neuen Job angefangen habe vor ein paar Wochen und schon sehr dankbar bin, dass mein Chef so verständnisvoll war und ich den Tag für Mirai "krankmachen" durfte. Somit war Nikkis Termin dann Freitag nachmittag gekommen.
Bei ihm fühlte es sich anders an. Er wehrte sich gar nicht mehr, hatte keine Kraft mehr dazu. Er war mehr als bereit zu gehen. Er bekam die Narkose und kurz darauf gab die Ärztin die Überdosis. Ohne zu warten (wie bei Mirai) checkte sie gleich im Anschluss seinen Puls und sagte "Da ist kein Herzschlag mehr. Er ist schon weg..." Ich fragte nur "Die Narkose hat wahrscheinlich schon gereicht, oder?" und sie nickte. Er dauerte keine paar Sekunden. Und trotz aller Trauer emfpand ich in dem Moment eine gewisse Erleichterung. Es war schlimm, ihn so abgemagert, zittrig und kraftlos zu sehen. "Jetzt hast du es endlich geschafft", sagte ich ihm. "Jetzt bist du wieder bei deiner Fee." (Mirai's Spitzname.)
Wie man sich denken kann, hab ich das alles gerade auch unter Tränen geschrieben. Trauer ist seltsam. Manchmal würde ich gerne weinen und es geht nicht mehr, so als wäre ich leer. Manchmal denk ich nur an eine Kleinigkeit und die Bäche fließen. Seit ich die beiden hatte, also seit 8 Jahren hab ich das Gefühl von Einsamkeit nicht mehr gekannt. Jetzt schlägt es zu wie eine Bombe. Die ganzen Spielsachen, Futter und Kratzmöbel auszusortieren, auf dem Dachboden zu verstauen oder zu verkaufen tat weh. Das Haus sieht so leer und kalt aus. Jeden Abend wenn ich vom Sofa aufsteh, möcht ich sagen "So ihr zwei, auf gehts ins Bett." Es fühlt sich einfach falsch an, dass der Alltag so weitergeht wie bisher, man steht auf, geht arbeiten, einkaufen, essen... und wenn man heimkommt sind sie nicht da. Mirais Gemecker fehlt. Nikkis Anhänglichkeit fehlt.
Und zwischen all der Trauer sind noch die typischen Schuldgefühle in Mirais Fall, weil es so plötzlich kam, dass die Ärzte sich natürlich nach allen möglichen Giftquellen erkundigt haben. Aber in meinem Haus gibt es wirklich gar nichts womit das hätte passieren können. Bis zum Schluss waren die Ärzte sich nicht einig: die eine tippten auf akut, die anderen meinten, das kann sich im letzten halben Jahr schon entwickelt haben und dann durch den Magen-Darm-Infekt komplett zusammengebrochen sein. Ich fragte sogar ob allein durch das Einatmen von irgendwelchen Substanzen so plötzliches Nierenversagen passieren könne (zB wenn ich mit Insektenspray gesprüht habe, bei offenem Fenster, und Mirai plötzlich ins Zimmer kam. Oder weil die Wände vom frisch gestrichenen Haus noch feucht waren im August und alles 24/7 nach nasser Farbe stank) aber man sagte mir, das könne eigentlich nicht der Grund für so eine extreme Reaktion sein. Für akutes Nierenversagen hätte sie schon oral irgendwas Giftiges aufnehmen müssen. Und da gab es einfach nichts. Ich weiß, dass es nicht zu ändern ist und dass wir nie erfahren werden wieso das so plötzlich passiert ist oder ob es überhaupt so plötzlich war. Aber diese Fragen finde ich im Moment am aller schlimmsten und quälendsten.
Mit Nikki - so lieb und teuer er mir ebenso war - ist es ganz anders. Seit ich ihn mit 2 bekam, hatte er ständig Wehwehchen. Seit 2021 hatte er schon die
Niereninsuffizienz-Diagnose. Ich wusste immer, ich muss mich darauf einstellen, dass er nicht allzu alt werden wird und zuzusehen wie er immer dünner wurde, ließ mich wissen, dass es nur noch eine Frage der Zeit war. "Hoffentlich schaffst du den Sommer noch" wurde zu "Hoffentlich schaffst du den Umzug noch" und dann zu "Hoffentlich erlebst du deinen 10. Geburtstag noch." Alles drei hat er geschafft und alles drei war eine Überraschung und eine Freude für mich. Ich hab Nikki damals als Spielkameraden für Mirai gekauft. Es fühlt sich an, als hat er für uns beide durchgehalten, als wusste er, dass er derjenige ist, der die kleine Familie komplettiert und perfekt gemachthat. Und nachdem sie weg war, ging es Schlag auf Schlag bergab, als wolle er sagen "Okay, Mission erfüllt. Und auch alles noch geschafft, was du wolltest. Jetzt reicht's aber wirklich." Er war am Ende nur noch Haut und Knochen, wahrscheinlich nicht mal mehr 2 kg (ich hab ihm am Ende nicht mehr gewogen) und nur noch ein Schatten seiner Selbst. Deswegen ist es hier ein Gefühl von Erlösung. Ich hoffe, man versteht was ich meine.
Das ist jetzt ein ganz schöner Roman geworden. Aber wo sonst soll man so eine Geschichte hinschreiben, wenn nicht hier unter Gleichgesinnten. Dass unsere Katzen Familie sind, versteht niemand besser als ihr. Jetzt habe ich in einer Woche meine beiden Mitbewohner, besten Freunde und Kinder verloren. Es wird dauern, das zu verkraften... ich wünschte, ich könnte diese harte Zeit überspringen. Danke noch mal für alle lieben Worte und fürs bis hier hin lesen.
Ruhet in Frieden, meine zwei Babys. Ich bete dafür, dass wir eines Tages wieder vereint sein werden. ♥


