Zur Familie der Orientalen zählen
• Siamesen (mit der typischen und bekannten
Färbung),
• je nach Verband auch extra gelistet: Siamesen mit weiß (auch
(evtl. sogar fälschlich, siehe unten) Seychellois genannt),
• Balinesen (langhaarige Siamesen, eigentlich HLH (halblanghaar), denn 'richtig' langhaarig sind optisch gesehen nur die Perser),
• Thaikatzen (traditionelle/Old Style Siamesen, eher NICHT die Appleheads, die in manchen - vor allem ausländischen - Catterys gezüchtet werden),
•
OKH (Orientalisch Kurzhaarkatzen),
• OLH (Orientalisch Langhaarkatzen, auch Javanesen oder Mandarin genannt),
• und auch noch weitere Rassen, die wohl einen gemeinsamen Ursprung mit den Siamesen/Orientalen haben (z.B. Peterbald, Burma,
Tonkinese etc.), zu denen ich aber nichts schreiben kann, da ich mich damit zu wenig auskenne.
Nichtsdestotrotz sind alle Tiere (bis auf die im letzten Punkt erwähnten Rassen) im Grunde eben einer "Familie" zugehörig, was den Laien oft verwirrt, da Thai-/Siamkatzen/Balinesen und
OKH/OLH ja eigentlich unterschiedliche Rassen sind, und dürfen z.T. auch miteinander verpaart werden.
Siamkatzen und
Balinesen werden weiß geboren und färben sich erst im Laufe der Zeit. Sie haben einen hellen Körper und dunklere Abzeichen an den kalten Stellen des Körpers (Ohren, Gesicht, Pfoten, Schwanz) und blaue Augen. Die Fellfarben variieren nach genetischer Anlage. Es gibt voll ausgefärbte Masken und welche "mit Streifen" (=
tabby).
Beispiele:
Siam seal-
point (die dunkelste Farbe)
- ein Baby:
- ein Jungtier
- als junges Erwachsenentier
- und noch etwas erwachsener
Je dunkler die Pointfarbe, desto dunkler wird mit der Zeit auch die Körperfarbe.
Tiere mit helleren
Points bleiben i.d.R. auch am Körper länger hell.
Beispiele:
-
Siam lilac-
tabby-
point
-
Siam lilac-
point
-
Siam cinnamon-
point
Manchmal färbt sich der eigentlich helle Körper - wie beschrieben - mit der Zeit dunkler, das nennt man 'Geisterzeichnung'.
Beispiel:
-
Siam blue-
tabby-
point
Ein besonderer Vertreter der Siamkatze ist die FW (Foreign White), deren weiße Farbe durch ein bestimmtes Gen (W-Gen, epistatisches Weiß) zustande kommt. Weitere Infos dazu gibt es u.a.
*hier*.
Dieses Bild wurde mir freundlicherweise von der
*Cattery Jademond* zur Verfügung gestellt.
Einen interessanten Artikel zum Thema FW gibt es
*hier*.
Siamkatzen mit weiß, die in manchen Verbänden auch
Seychellois genannt werden, haben zur traditionellen Pointzeichnung noch weiße Abzeichen, so dass die Katzen fast wie Orientalen aussehen können. Aber auch sie werden weiß geboren und färben sich erst später ein und sie haben blaue Augen, da sie Siamesen sind.
Siam Seal-
tortie-
point/white
- als Baby
- und als Jungkatze
und noch mal eine andere seal-
tortie-
point/white
Jedoch gibt es mit der Bezeichnung der
Seychellois in sofern ein Problem, als es bereits
vor der Einführung des Begriffs für Siamesen mit weiß eine Katze dieses Namens gegeben haben soll.
In ihrem Buch "Die farbige Enzyklopädie der Katzen" beschreibt Angela Rixon die Seychellois als mittelgroß und vom Typ der Orientalisch Kurzhaar (also wohl mit
grünen, nicht mit siamesisch blauen Augen). Nach ihren Angaben sei die Katze von einigen Züchtern nach einem von der Cat Association of Brtitain entwickeltem Programm gezüchtet worden. Sie sollten überwiegend weißes Fell haben, jedoch am Kopf, Körper und den Beinen einige Farbtupfer haben (was auch auf eine orientalische, nicht siamesische Katzen hinweist).
Es gibt(gab?) sie in kurz- und (halb-)langhaarig und sie wurde - je nach
Färbung noch einmal unterteilt in:
" [...]
Seychelloise Neuvième Fast vollkommen weiß, mit gefärbtem Schwanz und wenigen winzigen Abzeichen am Kopf.
Seychelloise Huitième Bunt, aber überwiegend weiß; gefärbter Schwanz und Farbspritzer an Kopf und Beinen.
Seychelloise Septième zeigt sich Weiß noch als Grundfarbe; Schwanz, Kopf, Beine und Körper sind gefärbt wie bei der Neuvième und
der Huitième. [...]"
Quelle:
Rixon, A.: Die farbige Enzyklopädie der Katzen. Das komplette nachschlagewerk über alle Katzenrassen der Welt, Bellavista, ein Imprint der Verlag Karl Müller GmbH, 2. Auglage, Köln 2004, S. 249
Eine ähnliche Beschreibung gibt Frau Rixon wohl auch schon 1996 (also VOR der Nutzung des Namens durch die Verbände) in ihren Buch "Katzen der Welt" (erschienen im Könemann-Verlag), das Buch liegt mir als Quelle jedoch leider nicht vor.
Dagegen werden die Ursprünge die
Seychellois im Buch "Die Katze" von Candida Frith-Macdonald wie folgt beschrieben:
"Die Seychellois sieht aus wie eine
Siam [...] mit
Bicolor-Fell - und das ist sie im Grunde auch. Bei
CFA und
TICA wird sie als Orientalisch Kurzhaar
[...] und Orientalisch Langhaar
[...] eingruppiert, nicht jedoch in Europa.
In den 1980er-Jahren machte sich die englische Genetikerin Patricia Turner"
[Anm.: nach der auch meines Wissens das Turner-Blau der siamesischen Augen benannt ist] "zusammen mit der Züchterin Julie Smith daran, Katzen vom orientalischen Typ mit weißem Fell, Farbflecken und einem einfarbigen Schwanz zu züchten. 1988 stellten sie zwei Katzen mit Namen 'Victoria' und 'Félicité' aus.
Oft ist es schwieriger, die Anerkennung für einen neuen Farbschlag innerhalb einer vorhandenen Rasse zu erlangen, als eine neue Rasse registrieren zu lassen. Dass diese Katzen nicht als
Siam durchgehen würde, war klar: Siamzüchter hatten Jahrzehnte gebraucht, um das Gen für Spottes auszumerzen. Eine Anerkennung als Orientalisch Kurzhaar war auch ausgeschlossen, denn die GCCF tolerierte nicht einmal
Bicolor-Orientalen. Die
FIFe gab diesen Katzen schließlich den Namen Seychellois und bezog sich damit auf die Katzen von den Seychellen, die angeblich zu dieser Rasse anregten, folgte aber auch der Tradition, Abkömmlinge der
Siam nach Inseln zu benennen, wie etwa die Balinese und Javanese
[...]. In England hingegen hat die GCCF das Anerkennungsverfahren für Orientalisch Kurzhaar
Bicolor aufgenommen und schließt Farbschläge mit
Points ein. [...]"
Interessanterweise steht aber eine Seite weiter: "[...] Wegbegleiterin: Der Name Seychellois wurde für die
Orientalisch Kurzhaar Bicolor vorgeschlagen, bevor sie den vorläufigen Status der GCCF erhielt. [...]"
Quelle:
Frith-Macdonald, C.: Die Katze.Ein unverzichtbarer Ratgeber für jeden Katzenfreund, Parragon Books Ltd, Realisation der deutschen Ausgabe: trans texas publishing, Köln, o.J., S. 230/231
Ein wundervolles Rasseportrait und eine Ahnung davon, wie zauberhaft
Balinesen aussehen und was ihr Wesen ausmacht, kann man hier begutachten:
*Rasseportrait Balinesen*
Und hier noch ein paar wunderschönen Balinesen-Bilder:
- Balinesin
lilac-
tabby-
point
- Balinese Foreign White
Diese beiden Bilder wurden mir freundlicherweise von der
*Cattery Jademond* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Da ich mich mit den Thaikatzen noch nicht so intensiv auseinandergesetzt habe, als dass ich fundierte Hintergrundinformationen geben könnte, hier ein kurzer Abschnitt, den mir eine befreundete Züchterin zur Verfügung gestellt hat:
Bei den Siamesen haben sich im Laufe der Entwicklung zwei Gruppen gebildet: Die Züchter mit den moderneren, schlankeren Tieren und jenen, die im runderen, ursprünglicheren Typ weiter züchten wollten. Da dies zu Problemen unter den Züchtern führte, wurde in den 1980er Jahren für den 'traditionellen' Typ, der sich damals in der Minderheit befand, der Name Thaikatze eingeführt, was leider bei einigen unseriösen Züchtern dazu führte, dass Fremdrassen eingekreuzt wurden, um den 'alten' Typ schneller erreichen zu können, da es teilweise schwierig war, mit den wenigen noch vorhandenen Katzen im alten Typ weiter zu züchten.
Heute wird der Name 'Thai' gerne mit Traditionelle Siam ergänzt, um ganz deutlich zu machen, dass es sich um den alten Typ Siam handelt und nicht um eine neue Rasse.
Danke!
Hier drei Tiere einer befreundeten Thai-Züchterin, die mir gestattet hat, diese Bilder zu zeigen, vielen Dank!
- Thai
chocolate-
point
Derzeit gibt es auch Bestrebungen, die Thai/traditionelle Siamkatze in HLH zu züchten.
- Thai (HLH)
chocolate-
tabby-
point
Thai (HLH) seal-
point
Weitere Infos unter
*Cattery Thai Muang*
Orientalisch Kurz- und
Langhaarkatzen sind Vertreter derselben Rasse, jedoch sind sie am ganzen Körper gefärbt und kommen auch schon so zur Welt. Sie haben grüne (manchmal auch gelbliche) Augen, Standardaugenfarbe ist grün. Auch hier gibt es Vollfarben und
Tabby-Muster.
OKH ebony
OKH Black-
tabby
OKH cinnamon
OKH havana
OKH chocolate-
tabby
-
OLH chocolate silver shaded
Dieses Bild wurde mir freundlicherweise von der
*Cattery Jademond* zur Verfügung gestellt.
OKH lavender
Neben den
solid (durchgefärbten) und
tabby (gestreiften)
OKH/OLH gibt es u.a. auch
Bicolor.
-
OKH black/white
-
OKH black/white als Baby
- und als Jungtier
- ein weiteres Jungtier black/white
und als ältere Katze
- zwei Jungtiere in
chocolate/white
und als älteres Tier: (durch den Blitz wirken die Augen gelber als in Wirklichkeit)
-
OKH black-
tortie/white
-
OKH blue-
tortie/white
-
OKH black-
tabby/white
Auch
OKH/OLH können eine sogenannte 'Geisterzeichnung' haben. Das bedeutet, dass sie z.B. eigentlich '
solid' (= ohne
Tabby-Muster) sind, man 'unter' dem Fell bei gewissem Lichteinfall die Zeichnung aber durchschimmern sieht, die die Katze in ihren Genen trägt.
Beispiel:
Wenn man genau hinschaut, sieht man am Hinterbein 'Streifen'.
Beide Varianten - also Siamesen und OKH in KH oder Balinesen und OLH in HLH - können in einem Wurf fallen, wenn das entsprechende Erbgut bei den Eltern vorhanden ist.
Gemischter KH-Wurf
*klick_1*
*klick_2*
Wenn man ein
reinerbig kurzhaariges Tier mit einem
reinerbig halblanghaarigen Tier verpaart, sind die Kitten sogenannte Varianttiere, die zwar phänotypisch kurzhaarig sind, aber das (Halb-)Langhaargen tragen.
Orientalische Katzen sind SEHR soziale Tiere und sollten nicht alleine gehalten werden.
Sie suchen die Nähe ihrer kätzischen Gefährten genauso wie die zum Menschen,
jedoch kann der Besitzer ihnen vieles nicht bieten, was ein Katzenleben erst so richtig vollkommen macht, z.B. das Auskauen von Ohren,
die gegenseitige Fellpflege
und das stundenlange Jagen imaginärer Geister in der Wohnung :wink:.
Wie jede Rassekatze sollte man auch Orientalen bei einem seriösen Vereinszüchter kaufen. Ich weiß, dass das mehr kostet, als wenn man sein Kätzchen bei einem Vermehrer erwirbt. Auch weiß ich, dass Schwarzzüchter ihre Katzen nicht zwingend schlechter behandeln und dass nicht jeder Vereinszüchter seriös ist.
Trotzdem kann eine Rasse, so wie wir sie lieben, nur erhalten bleiben, wenn sie mit Hilfe durchdachter Zuchtprogramme und unter Aufsicht von verantwortungsvollen Vereinen in seriösen Zuchten weiterlebt. Züchten heißt nicht nur, Tiere produzieren, die so aussehen, als gehörten sie zu einer Rasse und diese billig an Liebhaber zu verkaufen. Es gilt auch, gewisse Linien zu erhalten und andere zu kappen, die mit genetischen Dispositionen vorbelastete sind. DAS wiederum erfordert ein großes Wissen und Austausch zwischen den Züchtern.
Wer eine RASSEkatze haben will, weil er sie äußerlich und vom Charakter her ansprechend findet, hat auch eine gewisse Verpflichtung der Rasse gegenüber, trägt Verantwortung.
Zurück zu den Eigenschaften. Siamkatzen erscheinen oft zerbrechlich, sind aber erstaunlich robust. Sie werden auch Hundskatzen genannt, weil sie in ihrer Art oft eher Hunden als Katzen ähneln: Sie können anhänglich sein und einem die ganze Zeit hinterherlaufen, viele apportieren sogar ihr Spielzeug, wieder andere hören auf ihre Namen und man kann sie sogar bis zu einem gewissen Grad "erziehen".
Damit es jetzt nicht noch länger wird, höre ich mal auf, wer noch Fragen hat - bitte fragt. Sofern ich die Fragen beantworten kann, werde ich das gerne tun.
Zur noch detaillierteren Rassenbeschreibung möchte ich auf den wirklich gut recherchierten und sehr umfangreichen
Wikipedia-Artikel eines Bekannten hinweisen, der selber Siamesen hält.
Da ich lediglich interessierter Liebhaber der Rasse bin, kann diese Beschreibung Fehler beinhalten und erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit, wenn ich mich auch sehr darum bemüht habe.