Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma?

Diskutiere Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? im Zucht und Genetik Forum im Bereich Katzenzucht und Nachwuchs; Zwischen lang und länger ist aber der Unterschied. Es geht nicht darum Dackel mit langen Beinen zu züchten, sondern welche mit nicht ganz so...
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #21
Zwischen lang und länger ist aber der Unterschied. Es geht nicht darum Dackel mit langen Beinen zu züchten, sondern welche mit nicht ganz so kurzen verbogenen Stumpen.
 
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  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #22
@Gast53712

Hast du dir die Podcastfolge angehört? Dann werden vielleicht einige deiner Fragen beantwortet.

Das mit den Dackeln ist etwas komplexer als ich es hier dargelegt habe.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #23
Naja keiner würde auf „Hässlichkeit“ einer Katze oder Hund züchten.
Natürlich sollen Rassen etwas herausstechen und schön sein.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Leider sind mit der "schönen Optik" allzu oft Defektgene verbunden, die zu Leiden, Schmerzen und Schäden führen.

Aber warum sollen Rassestandards verändert werden (ausgenommen Qualzucht)?
Umso mehr eingekreuzt wird umso mehr Erbkrankheiten können auftreten.
Von Experimenten halte ich nicht viel.
Weil das Festhalten an "Rassestandards" und die damit verbundene Inzucht früher oder später zum Untergang ziemlich vieler Rassen führen wird.
Durch Einkreuzen werden es weniger Erbkrankheiten.

Ganz ehrlich ein Dackel mit langen Beinen ist kein Dackel mehr. Unsere Dackel hatten nie Bandscheibenvorfälle die wir früher hatten,

Anektdotische Evidenz.
Dackel hatten schon immer Bandscheibenvorfälle, allerdings hat man das früher zugunsten ihrer Aufgabe als Jagdhund, der in Fuchsbaue etc. passen sollte, in Kauf genommen.
Heute haben die allermeisten Dackel diese Aufgabe nicht mehr, warum sollen sie also weiter leiden, weil der Mensch das so niedlich findet?
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #24
@Its4Pets
ich habe den Eindruck bei dir leiden alle Tiere die gezüchtet wurden. Und Points sind behindert deiner Meinung nach…

@Vitellia

das Podcast schaue ich mir morgen an. Danke für die Info.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #25
Kurze und knackige Erklärung, warum Mischlinge die Nr.1 bezüglich Gesundheit sind:


 
Zuletzt bearbeitet:
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #26
Und die Nr.1 unter den Katzenrassen:


 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #27
@Its4Pets
ich habe den Eindruck bei dir leiden alle Tiere die gezüchtet wurden. Und Points sind behindert deiner Meinung nach…
In der Natur gibt es keine Rassen. Sämtliche Haus- und Nutztierrassen sind vom Menschen kreiert und vermeintlich perfektioniert. Das ging sogar ziemlich lange gut, aber in den letzten Jahrzehnten geht die ganze Geschichte mit zunehmender Fahrt gegen den Baum, die Leidtragenden sind allerdings nicht wir, sondern unsere Mitgeschöpfe.
Die menschengemachten (Schönheits)Ideale und die Zuchtpraktiken verstoßen gegen die bisher maximal erfolgreichen Regeln der Evolution, nämlich eine vielfältige genetische Durchmischung.


@Vitellia

das Podcast schaue ich mir morgen an. Danke für die Info.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #28
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #30
Eine der Rassen, wo am häufigsten Bandscheibenvorfälle auftreten, ist der Englische Cocker-Spaniel. Er hat keine kurzen Beine, und insgesamt finde ich seinen Körperbau normal.
Kurze Beine = Bandscheibenvorfälle - so einfach ist es doch nicht.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #31
Der Zwergwuchs von zum Beispiel Dackel, Welsh Corgi oder französischer Bulldogge geht einher mit einer vererbten Knorpelschwäche (Chondrodystrophie), die zu Bandscheibenvorfällen führt. Deshalb wären längere Beine nicht schlecht, um das Gen rauszukriegen.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #32
Da ich jetzt auch nicht der Podcast oder Video Nutzer bin, habe mir beides jetzt nicht angesehen bzw. angehört. Ich habe allerdings vor Jahren einen Bericht gesehen, der in eine sehr ähnliche Richtung ging. Als Züchter bekommt man natürlich sofort Puls, wenn dieses "Mischlinge sind gesünder-Gefasel" hört. Allerdings war der Bericht sehr fundiert und bezog sich auch vor allem auf Hundezucht (da konnte man als Katzenzüchter etwas entspannter sein).
Beispiele von Bulldoggen, die weder auf normalen Wege trächtig werden konnten (weil die Beine so kurz gezüchtet waren, dass die Rüden gar nicht mehr in der Lage waren, die Hündinnen normal zu decken und daher zu künstlicher Befruchtung gegriffen wurde), noch auf normalen Wege werfen konnten. (Weil die Becken zu eng waren, um die Welpen zu gebären und daher alle per Kaiserschnitt geholt werden mussten) - Da braucht man nicht weiter drüber zu reden, dass finde auch (oder gerade) als Züchter abartig. Ebenso wurden da natürlich die Möpse thematisiert, die fast alle eine Weichteil OP brauchen, weil sie sonst nicht atmen können - oder Cavalier King Charles Spaniel, denen die Köpfe so klein gezüchtet wurden, dass die wohl fast alle neurologische Ausfälle haben, weil die Gehirne eigentlich nicht mehr in die Köpfe passen.

Und bei diesen Extremen (von denen es sicherlich noch mehr gibt) macht die Aussage, dass "Mischlinge gesünder sind" auch wirklich Sinn.

Diese Extreme gibt es in der Katzenzucht aber deutlich weniger. (Lassen wir jetzt mal Qualzuchten wie Munchkin, Folds usw. raus) Ebenso kritisch sehe ich Coons, die so massiv auf Größe gezüchtet werden, dass sie fast alle HD haben. Oder Perser, die keine Luft mehr bekommen.

Wenn ich das jetzt mal auf eine eher "normale" Rasse - wie z.B. meine Briten übertrage: Rein optisch weichen sie jetzt nicht so weit von einer Hauskatze ab, auch wenn sie eher brachyzepahl sind, haben sie in der Regel keine Atemprobleme - mal ein tränendes Auge (was sie Katze selbst eher weniger stört, sondern eher eine optische Beeinträchtigung ist). Und wenn die jetzt ordentlich (!) unter Beachtung aller Vorsorgemöglichkeiten getestet werden, dann ist es einfach Unfug zu behaupten, dass eine Feld-Wald-und-Wiesen-Katze per se gesünder ist. Ebenso wäre es Unfung zu behaupten, dass irgendwas gesundheitlich besser würde, wenn ich eine BKH statt mit einer anderen BKH einfach mit irgendeiner anderen Rasse verpaare. Wenn ich denke, dass eine Rasse ein Problem hat, dann löst sich das nicht, indem ich sie mit einer anderen Rasse (die möglicherweise andere Probleme hat) verpaare. Dann habe ich Kitten, die sehr wahrscheinlich doppelt so viele Probleme haben - nämlich die von zwei Rassen. Wer glaubt, dass sich genetisch bedingte Probleme wie Plus und Minus einfach auflösen, hat Genetik nicht wirklich verstanden.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #33
Wie ist das denn in der Katzenzucht, gibt es da viele Deckkater innerhalb einer Rasse? Denn darin würde ich als Laie die Kernproblematik sehen. In der Hundezucht wird ja meist mit einigen wenigen (optischen) Champions gezüchtet, was zu dem sehr eingeschränkten Genpool führt.

Mich würde interessieren ob es in der Katzenrassezucht auch so ist
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #34
In der Hundezucht wird ja meist mit einigen wenigen (optischen) Champions gezüchtet,
Das ist glücklicherweise nicht mehr so. Es ist richtig, dass das das größte Problem überhaupt ist.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #35
Ich habe mir heute Morgen doch die Mühe gemacht und das Postcard angehört.
So einfach wie es dort geschildert wird ist es sicher nicht! Zudem gehts da um Hundezucht.
Generell finde es verantwortungslos darstellen zu wollen dass Mix oder Straßenkatzen gesünder sein sollen! Davon wird mich sicher keiner überzeugen.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #36
Naja, beim Thema "Mixe sind per se" gesünder muss man natürlich differenzieren.

Natürlich bekomme ich kein gesünderes Tier, wenn ich ohne Sinn und Verstand irgendwelche Rassen verpaare, die beide gesundheitliche Päckchen tragen. Bei etwaigen Einkreuzungen zur Verbesserung der Gesundheit einer Rasse müssen die zu verpaarenden Tiere logischerweise auch getestet werden, ob da nicht irgendwas schlummert.

Aber statistisch gesehen ist die genetische Vielfalt und Robustheit bei Tieren, bei denen der Mensch nicht zugunsten irgendeiner Optik eingegriffen hat, soweit ich das verstanden habe, tatsächlich größer.

Jemand hat das als Rasse-Paradoxon bezeichnet:

"Innerhalb einer Rasse sollen Tiere (abgesehen von der Farbe) alle möglichst dem Zuchtstandard gleichen und somit sehr ähnlich aussehen.
Ähnliches Aussehen = gleiche Gene => verringerte genetische Vielfalt

Verringerte genetische Vielfalt bedeutet aber Verlust der Vitalität.

Somit ist das was man heutzutage an der Gesundheit von Rassekatzen beobachten kann nur eine logische Konsequenz aus der Zucht die früher oder später eintreten musste."

Und darum geht es - dass dieses Beharren auf Reinrassigkeit und Optiken genetisch und evolutionsbiologisch wenig Sinn ergibt.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #37
Zudem gehts da um Hundezucht.
Wie ich bereits im Eingangspost erwähnte 🤷‍♀️

Da fragte ich auch, wieweit das auch bei der Rassekatzenzucht ein Problem ist. Ich sehe es halt als kritisch dass bei Katzen von Anfang an auf Optik gezüchtet wurde. Jetzt wissen wir, dass Genmutationen, die eine bestimmte Optik hervorrufen, auch oft gesundheitliche Defekte mit sich führen. Warum sollte das bei Katzen anders sein als bei Hunden?
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #38
Naja Hunde und Rassezucht kann man auch nicht über einen Kamm scheren.
Bei Katzen gibt es weit mehr Deckkater und Zuchtkatzen die eben keine Inzucht bedeuten. Es wird meines Wissen sehr darauf geachatte deshalb machen ja auch Stammbäume Sinn.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #39
Wie ich bereits im Eingangspost erwähnte 🤷‍♀️

Da fragte ich auch, wieweit das auch bei der Rassekatzenzucht ein Problem ist. Ich sehe es halt als kritisch dass bei Katzen von Anfang an auf Optik gezüchtet wurde. Jetzt wissen wir, dass Genmutationen, die eine bestimmte Optik hervorrufen, auch oft gesundheitliche Defekte mit sich führen. Warum sollte das bei Katzen anders sein als bei Hunden?
Dem kann ich nur Zustimmen. Mein Kater, Norweger Waldkater hat ein Problem wegen dem verrückten Züchter. Sie haben dem Kater einen verkürzten Unterkiefer angezüchtet. Als ich mich beim Züchter darüber beschwerte, war der auch noch stolz darauf. Der arme Kater kann deshalb nicht gut futtern. Er schiebt das Futter meistens neben die Futterschale. Alle seine Zähne mussten raus.
 
  • Reinrassigkeit - ein überholtes Dogma? Beitrag #40
Hm, ich wollte mir auf jeden Fall auch das Buch "Geschundene Gefährten " zulegen, in dem hoffentlich auch mehr auf Katzen eingegangen wird. Bin gespannt, was ich da erfahre.

Ich glaube, allgemein wird Zucht immer problematischer je weiter man sich vom Ursprung entfernt. Sieht man mE z. B. an den Maine Coon. Und auch BKH waren doch mal eine recht robuste Rasse oder? Wurden dann aber immer mehr auf dieses Kindchenschema gezüchtet (das ist zumindest mein Eindruck), was ich tatsächlich kritisch sehe, auch wenn die Probleme vielleicht nicht so gravierend sind wie bei offensichtlichen Qualzuchten.

Stellt sich ja auch die Frage, ob man die Definition von Qualzucht nicht enger fassen müsste?
Jetzt nicht unbedingt auf BKH bezogen, aber ich verstehe z.B. nicht warum Nacktkatzen nicht generell als Qualzucht gelten.

Aber das ist nochmal ein anderes Fass ....
 
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