Nein, sehr geehrter Herr „neuer“ Landwirtschaftsminister Lindemann,
so einfach, wie Sie sich das zu machen beabsichtigen, geht das nicht. Bezüglich des (angehängten) Artikels in der Land und Forst 3/2011 muss ich Ihnen heftig widersprechen. Es handelt sich bei dem Dioxin-Skandal mitnichten um den Ausdruck von „Einzelfällen“, sondern um die zwangsläufige systembedingte Fortsetzung der zahlreichen vergangenen Skandale in der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie (Stichwort BSE, Antibiotikamissbrauch, Gammelfleisch, Nitrofen und viele andere mehr). In dem von Ihnen vertretenen System hängt alles direkt oder indirekt zusammen. Die agro-industriellen Strukturen sind – entgegen Ihrer Schutzbehauptung – hoch korrupt und mafiös. Politiker, Bauernfunktionäre und Agroindustrieunternehmen stecken tief unter einer für den Verbraucher unheilvollen und oft undurchsichtigen, für die Beteiligten aber äußerst warmen und profitablen Decke.
Zuoberst keine Geringeren als die Spitzen unseres Staates: Unsere Bundeskanzlerin, die nicht nur eine Befürworterin der Käfighaltung von Legehennen ist( siehe:
http://albert-schweitzer-stiftung.de/ueber-uns/tierschutzkampagnen), sondern die, auf der Internationalen Grünen Woche 2005 auf das Thema „betäubungslose Ferkelkastration“ angesprochen, sich nicht schämte, mit der lapidaren, aber alles sagenden Bemerkung zu antworten: „Das sind doch nur Tiere!“ (siehe:
http://www.tierschutz-landwirtschaft.de/html/angela_merkel.html). Weiter unser aller Bundespräsident Wulff (von Merkels Gnaden), der seinerzeit - gerichtlich bestätigt - dulden musste, als oberster Unterstützer der niedersächsischen agroindustriellen Tierquälerei bezeichnet zu werden (siehe:
http://albert-schweitzer-stiftung.de/ueber-uns/tierschutzkampagnen/wulff-im-muenchener-merkur), der darüber hinaus ohne jeden Sachverstand und als letzte unglückliche Amtshandlung als niedersächsischer Ministerpräsident die Lobbyistin und selbsternannte „Putenqueen“ Astrid Grotelüschen als Ihre Amtsvorgängerin ins Amt gehievt hat. Diese unsägliche Person, die ihr reichliches Geld mit jährlich millionenfacher Tierquälerei (Schnabelkürzen bei Putenküken) „verdient“, sollte in Niedersachsen nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Tierschutz zuständig ein! Das geriet – gottseidank! - gründlich daneben. Für den Tierschutz war die Dame allerdings eigentlich eher ein Glücksfall, da sie aufgrund Ihrer törichten Eitelkeit und Unprofessionalität dass Thema Tierschutz in der Presse lange wach gehalten hat.
Da werden die Tierschützer mit Ihnen als studiertem und gereiftem Juristen schon ein wenig mehr Mühe haben. Denn auch Sie sind sehr offensichtlich ein Freund der Agroindustrie, wenn Sie auch das Gegenteil zu vermitteln versuchen. Ihre letzte Aussage im Artikel der „Land und Forst“ weist Sie als ein dem System offensichtlich bedingungslos ergebener Apparatschik aus. Denn genau das Gegenteil von dem, was Sie sagen, ist wahr: Die Grenzen des Tierschutzes werden mitnichten durch die wirtschaftlichen Bedingungen (d. h. durch den Profit) der Landwirte definiert, sondern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Landwirte müssen – nach ethischen und moralischen Ansprüchen – ihre Grenze da haben, wo der Tierschutz anfängt.
Ein Ausblick ist dieser Artikel also wahrlich nicht. Sie werden durch kleine Häppchen unwesentlicher Zugeständnisse an den Tierschutz die Öffentlichkeit und die Presse zu beruhigen, ansonsten aber ihren alten Wein in vordergründig neuen Schläuchen zu verkaufen suchen. Eine Agrarwende, weg von der industrialisierten und tierquälerischen Massentierhaltung und hin zu einer wirklich bäuerlichen Landwirtschaft wird mit Ihnen nicht zu machen sein. Das sagt schon die Überschrift des Artikels. Dass jedoch immer mehr Verbraucher der Ansicht sind, dass die Zeit für eine Wende in der Agrarpolitik endgültig gekommen ist, das werden Sie spätestens nach der nächsten Landtagswahl verstanden haben.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Klaus Hamper
k.hamper(at)t-online.de
Nota bene: Wie hoch mafiös die Verbindungen auch zwischen Bauernfunktionären und Agroindustrie sind, ist unschwer aus den unten angehängten Informationen zum Landvolk-„Präsidenten“ Hilse ersehen. Glauben Sie tatsächlich, dass so jemand die Interessen einer bäuerlichen Landwirtschaft vertreten kann? Unabhängigkeit? Fehlanzeige!