Liebe Mennemaus, liebe Russian, liebe alle,
Ich möchte euch für eure Unterstützung danken und über den neuesten Stand berichten:
Wir waren gestern mit Nerino in Hofheim. Es gab einen Unfall und fürchterlich Stau auf der Autobahn, er hat uununterbrochen geschrien und irgendwann mit der Munsatmung angefangen und gehechelt. Wir haben über 2,5 Stunden für die Hinfahrt gebraucht. Mit mehreren Telefonaten von unterwegs habe ich die Klinik informiert, und es hieß, sie würden auf jeden Fall auf uns warten, wenn wir schon so eine lange Anfahrt haben. Das fand ich sehr nett. Wir waren dann gegen 18 Uhr dort (der Termin war um 17 Uhr). Nerino war ganz starr vor Angst, er hat alles mit sich machen lassen, und die Untersuchungen waren ohne Narkose möglich. Er war also umsonst so lange nüchtern geblieben. Das Ergebnis der Untersuchung:
Eine OP in Form einer Kieferamputation wird nicht empfohlen, weil auch der Knochenbereich betroffen ist und es sich ohnehin um einen sehr agressive Tumorart handelt. Dass keine OP möglich ist, damit also auch keine Heilungschance besteht ist natürlich Mist. Andererseits wäre ich mit einer Empfehlung zur Kieferamputation in große Konflikte geraten. Auch in der Klinik sagte man, dass viele Katzen nach der Amputation gar nicht mehr essen und die Lebensqualität nicht gerade gut ist. Uns wurde eine Bestrahlung und eine Chemotherapie empfohlen. Wir sind immer wieder auf das Problem mit der Blutung zurück gekommen. Es hieß, man kann nicht wirklich etwas dagegen tun. Das finde ich schlimm. Mein Partner, der Humanmediziner ist, fragte, ob eine marginale OP, die die sichtbaren Weichteile des Tumors, die die Blutungen verursachen, entfernt, nicht palliativ helfen könnte und wie lange es dauern würde, bis der Tumor wiederkommt. Die Ärztin hat mit einem Chirurgen Rücksprache gehalten, und es hieß, eine marginale OP sei durchaus möglich (natürlich gin es gestern abend leider nicht mehr), man könne dann zwei Wochen später mit der Betrahlung beginnen (das wären 4 Wochen, wöchentlich je eine Sitzung, aber immer mit Narkose!), anschließend an die Bestrahlung dann noch eine Chemotherapie ansetzen, um auch eventuelle Streuungen systemisch angehen zu können. Wenn man das alles macht, könnte man mit einem Gewinn von 6 Monaten bis zu einem Jahr (wenn man Glück hat) hoffen. Die Betsrahlung würde lokal den Wachstum aufhalten und die Chemo auch die Metastasen verzögern. Was die Fahrerei angeht, schlug die Ärztin selbst vor, dass man die OP auch woanders in der Nähe machen könnte, da es sich nicht um eine radikale Tumorop. handelt. Sie sagte, das könne jeder chirurgisch erfahrene
Tierarzt. Ich habe sie nach ihrer Meinung gefragt, was die Entfernung des Knubbels durch unsere TÄ anging, die sie vorgenommen hat, bevor sie wusste, was das eigentlich ist (ich hatte befürchtet, dass das falsch war). Sie sagte aber, dass es richtig war, dass man das schon so macht und man bei geringen Gewebeproben oft kein aussagekräftiges Material hat. Die WUndheilung war eigentlich da auch schnell und gut geschehen. Ich überlege jetzt, ob wir wegen der neuen OP uns wieder an sie wenden sollten. Wenn jemand gute Erfahrungen mit OPs im Speyerer Raum hat, bin ich für Tipps sehr dankbar. Mir ist es wichtig, dass man jemanden hat, den man auch mal außerhalb der Dienstzeiten, wenn nötig, anrufen kann. Wir werden in nächster Zeit sicherlich immer wieder Situationen haben, in denen wir ratlos sind. Schön wäre es, wenn man dann nicht immer nur in irgendeine Notaufnahme müsste, wo man niemanden kennt, sondern auch die Möglichkeit hätte, wenigstens telefonisch jemanden zu erreichen, der die Gechichte kennt. Das war bei unserer TÄ in Mannheim (zu der wir immer ein gutes Verhältnis hatten und die unsere Nierenkatze nach schlechten Erfahrungen mit einem anderen
Tierarzt wunderbar begleitet und behandelt hat, bis unser kleines Pünktchen leider nicht mehr konnte. Pünktchen war eine Tigerkätzin, die ich mit einem ausgekratzten Auge, das sich entzündet hatte, zusammen mit einem Kater, den ich zuerst für seine Mutter hielt, weil er sich so rührend um sie kümmerte und sie leckte, in Istanbul auf der Straße gefunden hatte. Wir haben sie beide aufgenommen, beide waren krank und haben etwa ein Jahr gelebt. Bennie starb recht plötzlich an inneren Blutungen).
Wir möchten nun zunächst die OP machen, das scheint die einzige Möglichkeit zu sein, um Nerino von dem Hindernis zu essen zu befreien (außerdem sagte die Ärztin gestern, kommt der obere Eckzahn auf den Tumor, wenn er das Mäulichen zumacht, das ist doch eine Quälerei) und die Blutungen zu stoppen. Es wird eine vorübergehende Lösung sein, und wir werden dann hoffen, dass sie so lange wie möglich hält. Danach werden wir es wohl mit der Betrahlung versuchen müssen, was meint Ihr? Ich würde mich dann auch über alternative und schonende Möglichkeiten erkundigen, die unterstützend sein könnten. Je nachdem, wie sein Zustand dann ist, würden wir auch nicht kategorisch gegen die Chemo sein, aber ich muss mich da noch genauer schlau machen, ob die Radio- und Chemotherapie tatsächlich für die Katzen so harmlos ist, wie sie in der Klinik sagten. Dass das Röntgenbild der Lunge keine Metastasen aufweist, ist sehr erfreulich (wobei man die erst ab 0,5 cm Größe sehen würde)
Für die Betrahlung müssten wir dann wieder nach Hofheim. Die Fahrerei gestern war wirklich eine Strapaze. Nerino war über 6 Stunden in der Box, auf der Rückfahrt bockte das Auto plötzlich, wir mussten den ADAC rufen, aber dann ging es doch wieder. Ich hatte das Gefühl, die Fahrt ist endlos lang. Auf dem Rückweg war Nerino so erschöpft, dass er nur noch leise maunzte. Zuhause hat er sich dann erst mal schnell versteckt, kam dann aber bald wieder, um mit mir zu kuscheln. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er ist so ein lieber, feiner Kerl! Er hat auch gestern abend gegessen (hatte großen Hunger, aber wir haben ihm kleinere Portionen gegeben, damit er nicht zu schnell ist und sich übergibt), heute morgen ebenso. Er hat mit mir gespielt und gekuschelt. Er ist so froh, wenn er zuhause sein kann, vor allem mit mir allein im Arbeitszimmer, wenn die anderen nicht rein dürfen

Das haben wir jetzt so beschlossen, das ist sein Reich, Eigentlich erst vor kurzem, aber er liebt diesen Luxus. Vorhin wollte ich ihm Hühnchenfleisch geben, da kam Samira (das ist die Königin im Haus) und wollte dazu. Obwohl er Samira eigentlich gerne mag, hat er sie angefaucht und lief direkt zur Tür des Arbeitszimmers, um mir zu sagen: lass uns da essen, und mach die Tür hinter mir zu!
Das also die nicht gerade erfreulichen, aber immerhin uns einen Weg weisenden Neuigkeiten. Zur Klinik in Hofheim: Die Ärztin war eine ganz junge, sehr nette, aber wohl noch nicht besonders erfahrene. Sie ging ein paar Mal raus, vielleicht um sich zu beraten, was ja gut ist. Alle Fragen konnte sie nicht beantworten (da weiß man in den Foren und Listen sicherlich teilweise mehr). Freundlich waren sie alle. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Fahrt so anstrengend war und ich mir so viel erhofft hatte, dass ich ein kleines bisschen enttäuscht war. Am Ende wird dort auch nur mit Wasser gekocht. Aber sie sind eben ganz offensichtlich sehr gut technisch ausgestattet.
Ganz liebe Grüße!