Das Kätchen ist jetzt in einem Land, wo es kein Leid, keinen Schmerz und keine Not gibt.
Gestern um 10.50 ist das Liebste, das wir jemals hatten, für immer von uns gegangen.
Nach einer Nacht des Schreckens ferfrachteten wir mit zittrigen Händen unser Kätschi in die Box und fuhren los. Sonntags herrscht immer diese merkwürdige Stille in der Stadt, kaum ein Mensch war zu sehen. Als wir ausstiegen, fing es plötzlich etwas an zu schneien. Die Box ist oben offen, weil sie ja immer alles sehen will und viele kleine Flocken setzten sich leise tanzend auf ihren Kopf nieder. Sie war sehr neugierig, als wolle sie noch einmal alles in sich aufnehmen und es sich merken. Ich hätte noch Stunden so verbringen können.
Wir mussten nicht lange warten. Wärend ich mit der Ärztin verzweilte letzte Behandlungsversuche und Ursachen des Dilemmas erörterte, verkroch sich Kätschi tief in ihre Lieblingsdecke, sie hasst nämlich Besuche beim Tierarzt.
Ich wollte auf jeden Fall noch einmal das Geschwür sehen. Deshalb bekam sie erstmal eine Beruhigungsspritze. Es sah ziemlich übel aus und erinnerte mich igendwie an Blumenkohl. Es muss ihr sehr weh getan haben, denn sie konnte einen Tag vorher schon nicht mal mehr Wasser trinken, so sehr sie sich auch bemühte. Mittlerweile glaube ich auch nicht mehr, daß es evtl. eine gutartige Wucherung war, der Krankheitsverlauf und die bisherigen Erfahrungen der Ärztin sprachen einfach dagegen.
Was dann folgte, möchte ich Euch in Einzelheiten ersparen. Es war so schlimm. Wir sind bis zum Ende bei ihr geblieben und haben sie gestreichelt. Die Ärztin wurde nochmal ans Telefon gerufen und wir haben ihr ein Küsschen gegeben und ich habe ihr noch was gesagt. Die Ärztin war viel zu schnell wieder da. Ich werde niemals vergessen, wie sie gezuckt hat, wieder und wieder und wieder. Und wir haben sie tapfer weiter gestreichelt. Es war so schlimm...
Zu Hause angekommen, legten wir sie in ihr Körbchen und eine halbe Stunde später kam auch schon die von uns beauftragte Bestattungsfirma. Viel zu früh für meinen Geschmack, wir konnten uns kaum richtig von ihr verabschieden. Man hat sie uns förmlich entrissen. Wir haben ihr noch einen kleinen Engel aus Porzellan mitgegeben, er soll sie beschützen...
Tja, das war die Leidensgeschichte vom Kätchen. Und wer sie liest hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie sehr wir sie geliebt haben. Die schreckliche Leere hier bereitet uns fast körperlichen Schmerz und unsere Herzen sind gebrochen. Sie war doch unser Kind.
Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Euch für die lieben Worte und die Anteilnahme bedanken. Auch den Zweiflern und Kritikern danke ich. Es hat uns sehr geholfen zu wissen, daß sich fremde Menschen um das Wohlergehen des kleinen Kätchens sorgen und wir haben jeden Beitrag verschlungen. Die Regenbogengeschichte ist sehr schön. Ich hoffe, daß sie wahr ist und sich der letzte Teil recht bald erfüllen wird. Seid alle umarmt.
In tiefster Trauer
Bernd