Lieber Bernd,
nun brauch ich auch Trost. Wir haben gestern unsere geliebte Puxley verloren. Es war ein aussichtsloser Kampf, den sie nicht gewinnen konnte. Gewissheit bekamen wir aber erst gestern, nachdem meine Kleine schon so unsäglich gelitten hatte.
Seit Weihnachten hatte sie geschlecht gefressen, ab Silvester praktisch gar nicht mehr. 5 Röntgenbilder, Ultraschall des Bauchraumes, umfangreiche Blutuntersuchungen, Rachen- und Magenspiegelung, Biopsie, Infusionen, Langzeit-Antibiotikum mehrfach, Cortison, Zwangsfütterung ..... alles umsonst
Schon die Zwangsfütterung (4 x täglich) war jedes Mal der Horror für sie und für mich. Aber nachdem Puxley so stark abgenommen hatte (sie hatte in ihren besten Zeiten 6,5 kg und wog jetzt nur noch 3,7 kg), wollte ich alles tun, um sie am Leben zu erhalten, bis die Medikamente wirkten. Allerdings war mein Eindruck immer - und ich sage ausdrücklich IMMER - dass das Problem im Kopf- bzw. Mund-/Rachenbereich liegt. (Puxleys Bruder Eisbär, ein wunderschöner schneeweißer Kater, hatten wir vor knapp 3 Jahren wegen eines Gehirntumors verloren). Alle 4 zugezogenen Tierärzte versicherten mir, dass es nahezu ausgeschlos-
sen sei, dass zwei (Wurf-)Geschwister die selbe Krankheit bekommen können.
Ich litt unsäglich darunter, ihr nicht wirklich helfen zu können und dass sie sich den ganzen Tag und die ganze Nacht im Schrank verkroch. Dabei hatte sie immer bei mir im Bett geschlafen.
Vorgestern, am Sonntag, war ein herrlicher frühlingshafter Tag und Puxley war stundenlang draußen und lag in der Sonne. Ich war sicher, dass ihr das gut tat. Ungewöhnlich war, dass sie sich auf Eisbärs Grab in unserem Garten legte - das hatte sie NOCH NIE zuvor getan! War das schon ein Vorzeichen? Wusste sie, dass sie bald bei ihrem Bruder sein würde?
Am Abend, als ich sie wieder fütterte, bemerkte ich eine erbsengroße Geschwulst am rechten Augen-Oberlid. Ich hielt es zunächst für eine äußere Verletzung, beschloss aber, gleich am nächsten Morgen in der Tierklinik anzurufen. Die Nacht war für mich - wie viele schon vorher - fast schlaflos.
Als der erste Tierarzt das Auge anschaute, hielt er die Geschwulst zunächst für einen Abszess. Immer wieder beharrte ich darauf, dass ich sicher sei, dass Puxleys größtes Problem im Kopf sitze und bat ihn, nochmals in den Mund-Rachenbereich zu sehen. Als er ihr den Fang öffnete, erschraken wir alle zutiefst: Am Gaumen war ein etwa 20Cent-großes Areal, das gerötet und geschwollen aussah.
Das war bei der letzten Untersuchung noch nicht gewesen!! Wo kam das her? Als dem Tierarzt noch sagte, dass Puxley seit einiger Zeit aus dem rechten Nasenloch leichtes Sekret fließt, riet er zu einer speziellen Röntgenaufnahme. Bei der Narkosespritze schrie Puxley wie am Spieß. Ich war total fertig. Der Tierarzt versicherte mir, es sei nicht Schmerz, der sie schreien ließ, sondern weil sie zur korrekten Platzierung der Spritze gestreckt werden musste. Ich weinte und betete zusammen mit meinem Mann im Wartezimmer.
Als uns der Tierarzt das Röntgenbild zeigte und erklärte, brach ich endgültig zusammen: Mein geliebtes kleines Mädele hatte einen Tumor, der durch den Gaumen gebrochen war (der Knochen war bereits zerstört und bröselte bei der Berührung) und sich in der gesamten rechten Nasenhälfte ausgebreitet oder dort seinen Ursprung hatte. Die Geschwulst am Auge stand vermutlich auch damit in Zusammenhang. Ich war nicht mehr in der Lage, klar zu denken, so schockiert war ich. Auf meinem Wunsch hin besprach der Tierarzt das Röntgenbild noch mit seinem Kollegen, der leider die gleiche Diagnose stellte. Beide rieten mir eindringlich dazu, Puxley nicht mehr aus der Narkose aufwachen zu lassen, ihre Schmerzen seien vermutlich barbarisch. Sie hatten großes Verständnis für mich und gaben mir noch 10 Minuten, um mich von ihr zu verabschieden, dann würde die Aufwachphase beginnen.
Ich saß vor meinem geliebten kleinen Schatz, streichelte und küsste sie, bat sie um Verzeihung. Wenn ich nur früher gewusst hätte, wie sehr sie leidet!! Ich hätte sie doch an diesem Morgen nicht mehr gefüttert. Aber ich habe es nicht gewusst! Schweren Herzens stimmte ich zu, noch während der Narkose einen Venenkatheder zu legen, um sie dann ohne weitere Schmerzen zu erlösen. Ich hoffe so sehr, dass sie noch gespürt und verstanden habe, wie sehr ich sie liebe.
Am Nachmittag haben wir sie dann in unserem Garten neben ihrem Bruder Eisbär beerdigt.Der Boden war zum Glück nicht gefroren. Ich habe ihr einen Brief mit hineingelegt, in dem ich ihr für ihre Liebe, ihre Zärtlichkeit und ihr Vertrauen gedankt habe.
Sie fehlt mir so unendlich, ich selbst habe körperliche Schmerzen, wenn ich daran denke, wie sie gelitten hat. Es gibt keinen Trost, außer, dass ihr Leiden nun ein Ende hat. Ich spüre sie noch in meiner Nähe, habe ein unendliches Bedürfnis, sie zu streicheln und zu küssen, es tut nur noch weh, weh, weh..... Nachts konnte ich nicht schlafen. Immer wieder dachte ich, dass sie nun gleich in mein Bett springen werde, um sich an mich zu kuscheln, wie sie es 17 3/4 Jahre lang getan hatte.
Nun ist es das dritte Mal, dass ich solch einen Alptraum durchstehen muss. Ich bin total am Ende, kann nicht mehr. Für meine Trauer und meinen Schmerz gibt es keine Worte. Es es ist, als wäre ein Teil von mir gewaltsam herausgerissen worden.
Bitte entschuldigt, dass ich soviel schreibe, aber bei Euch allen weiß ich meinen Schmerz verstanden. Danke für Eure Zeit.
GABI