Ich hab Bal-Bal heute von der Straße geholt. Als ich im April Chetzi bekommen hab, ist Bal-Bal "ausgezogen" und kam nur noch ab und zu zum Essen nach hause. Er fühlte sich draußen wohl, wurde von der Nachbarschaft gefüttert und kam ab und zu mit mir und dem Hund spazieren. Also hab ich ihn nicht mitgenommen, als ich im November in eine Wohnung im 2. Stock 5 Straßen weiter unten umzog.
Ich bin regelmäßig nach ihm sehen gegangen und es ging ihm immer gut, aber jedes Mal begleitete er mich piepsend, als wollte er mit. Irgendwann machte er immer kehrt, als es ihm zu laut wurde. Jetzt, wo die Regenzeit ist und Stürzbäche den Berg runterkommen und Gullideckel in die Luft schleudern, konnte ich das nicht mehr verantworten und ich hab ihn heute geholt. Das ist ein Fußweg von höchstens 10 Minuten von mir zu Bal-Bals Straße.
Das war vor ein paar Stunden. Seitdem sitzt er im Katzenklo und guckt verängstigt. Er kennt die Wohnung nicht, die alten Katzen erkennen ihn nicht so richtig wieder, und wie ich das hier mit Freilauf regeln soll, weiß ich auch nicht. Ich dachte, er könnte Morgens mit mir raus und Abends wieder rein. Damit ers Nachts warm hat und tagsüber frei ist.
Aber er ist eigentlich eher eine Draußen-Katze ohne wirkliche Personenbindung. Früher - bis Chetzi - hatte er ein Ritual, ein bestimmtes Kissen zu bekneten und zu besabbern. Meine Entscheidung, ihn mitzunehmen, basiert nur auf dem Regen und der Tatsache, dass er immer so traurig mitwatschelte, wenn ich nach einem Besuch in seiner Straße nach hause gehe. Aber er konnte dann ja nicht wissen, dass wir jetzt in einer lauten Straße in einem Obergeschoss wohnen. Er tat mir einfach leid. Aber draußen ist er in seinem Element.
Ich will einen Kater, der bei mir aufgewachsen ist, einfach im Winter nicht streunen lassen. Aber wie eklig er werden kann, wenn er eingesperrt wird, hat er in der alten Wohnung schon bewiesen. Ich will meinen Bal-Bal nicht "aussetzen", aber eingesperrt werden ist auch grausam für ihn, und eine Tortur für mich, weil er wohl früher oder später frustpinkeln wird. Es fehlte ihm draußen ja an nichts; an jeder Ecke wird gefüttert, die Streuner sind freundlich, die Leute größtenteils auch, es sind alles Einbahnsträßchen und er wird auch irgendwo Unterschlupf haben. Aber er ist MEIN Baby Bal-Bal, meine Verantwortung, und wenn ich sehe, wie es regnet, tut es mir weh, wenn ich nicht weiß, ob er im Warmen sitzt. Na gut, bei mir ist es auch nicht warm, aber es ist immerhin eine Garantie, trocken zu bleiben und nicht überfahren zu werden.
Was die anderen Katzen angeht; mit Mini ist er aufgewachsen und die ist kein Problem, aber Chetzi hat ihn überhaupt ursprünglich vergrault, Orli-Pompom kennt er kaum und Ravioli so gut wie gar nicht. Die traf er nur bei seinen raren Besuchen in der alten Wohnung, wobei Ravioli immer in einer Kiste saß, weil er noch so klein und krank war.
War das ein Fehler?