Ich habe ein bisschen Angst, dass er vielleicht zu wenig Futter bekommt. Deshalb dachte ich, evtl. Futtermangel mit ausreichend verfügbaren Trockenfutter ausgleichen zu können.
Warum sollte er zuwenig Futter bekommen, wenn er soviel Nassfutter bekommt, wie er mag und braucht?
Und eins müssen Katzen schon gar nicht: ständig Futter zur Verfügung haben. In der Natur liegen die Mäuse auch nicht den ganzen Tag vor ihren Löchern und warten, dass eine hungrige Katze vorbeikommt.

Im Gegenteil, grade einem Senior mit wenig Appetit kann es selbigen möglicherweise noch mehr verderben, wenn er den ganzen Tag Futtergeruch in der Nase hat.
Klar, wenn er Nassfutter kaum kennt und es für giftig oder ungenießbar hält, dann sollte man ihn nicht vom Fleisch fallen lassen, sondern einstweilen halt Trockenfutter hinstellen. Aber nicht zur freien Verfügung, und trotzdem versuchen, ihn an Nassfutter zu gewöhnen. Da gibt's alle möglichen Tricks, ein Thread dazu wurde ja schon verlinkt.
Schaden kann hochwertiges Trockenfutter doch nicht, oder?
Doch, kann es.
Erstens muss da aus fertigungstechnischen Gründen immer ein gewisser Anteil an Pflanzenstärke drin sein - der ist zwar bei "hochwertigen" Trockenfuttersorten relativ gering, aber immer noch deutlich höher als in (selbst den meisten Billig-)Nassfuttersorten. Und mit Pflanzenstärke (verdaulichen Kohlenhydraten) und anderen pflanzlichen Stoffen kann der kätzische Organismus sehr schlecht umgehen, darauf ist eine Katze als reiner, hochspezialisierter Carnivore einfach nicht eingestellt.
Zweitens ist auch das hochwertigste Trockenfutter immer noch trocken. Sonst wär's ja kein Trockenfutter.

Und Katzen sind als Steppen- und Halbwüstentiere daran angepasst, ihren Wasserbedarf fast komplett über die Nahrung zu decken und fast nichts zusätzlich zu trinken. Sie haben deshalb a) kaum ein Durstgefühl und b) eine sehr ineffiziente Methode zu trinken (sie schlabbern nicht, sondern schlürfen das Wasser mit Hilfe der Zunge auf - sehr umständlich, wenn man's mal mit einer Zeitlupenkamera beobachtet). Katzen, die überwiegend mit Trockenfutter ernährt werden, trinken fast nie genug, um ihr Wasserdefizit aufzufüllen. Die Folgen sind - grade bei Katern - oft genug Harnwegs- und Nierenerkrankungen.
Klar, wenn der Kater zu den Hauptmahlzeiten Nassfutter bekommt und Trockenfutter nur für nen Snack zwischendurch, dann relativieren sich beide Probleme (zuviel Pflanzliches und zuwenig Wasser). Aber warum das Risiko eingehen? Wie gesagt, es gibt keinen Grund dafür. Und wenn der Kater sein Leben lang nur Trockenfutter gewöhnt war, dann wär mir auch das Risiko viel zu hoch, dass er sich am
Trockenfutter sattfrisst - mit allen genannten Risiken - und dann nicht mehr ans
Nassfutter geht.