AW: Inzucht
Auf was denn sonst? Schließlich züchten wir "am Standard"?
Und wenn du jetzt auf "Gesundheit" anspielst, muss ich an der Stelle immer sagen, dass das für mich kein Zuchtziel ist. Kein Ziel im Sinne von: .."was ich mal irgendwann erreichen will" - sondern absolute Voraussetzung meiner züchterischen Arbeit.
Ich weiß, dass das deine Priorität ist, aber deshalb wird das nicht automatisch zur Definition für Zucht. Wenn andere Züchter wertschätzen, dass in einem Wurf eine bunte phänotypische Vielfalt besteht und/oder sehr pingelig nach Fitness und Wesen selektiert wird, dann ist das nicht mehr oder weniger Zucht, als was du betreibst. Ob man diese oder jene Zucht nun nachvollziehen kann, gut heißt oder nicht, ist ein völlig anderes Thema und absolut subjektiv.
Das würde ich jetzt so nicht sehen. Ich hatte in meinem Posting ja erwähnt, dass es eben zwei Gründe für Inzucht gibt.
Na, Gründe gibt es vielleicht sogar noch mehr aber das was du hier beschreibst - Verfestigung und Ausschluss - das geht doch beides zwangsläufig mit der Inzucht einher, das hattest du doch auch selbst geschrieben, wenn ich mich nicht täusche. Man züchtet also zwangsläufig immer auf rezessive Genformen bei
Linienzucht.
HIer bedeutet züchterische Verantwortung für mich aber ganz klar, dass jeglichen notwendigen Konsequenzen aus solchen Verpaarung gezogen werden. Treten bereits bei der Geburt Missbildunge - welcher Art auch immer - auf, ist die Linie "tot". Alle Tiere dieser Linie gehören kastriert.
Das ist uns beiden ja klar aber zum einen meinte ich ja mit "Züchter sind auch nur Menschen", dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass ein Züchter dann doch mal ein Auge zudrückt, wenn die Tiere "nur mal öfters kränkeln" oder "nur einen etwas empfindlichen Magen haben" aber doch so typvoll aussehen... oder auch Totgeburten nicht ernst genug nimmt, "denn das kommt ja in allen Zuchten mal vor" oder über ein erkankenden Nachwuchs hinwegsieht, da ja alle anderen gesund sind... oder ja nicht jedes Tier, das
heterozygot in Bezug auf A31P ist, auch an
HCM erkrankt

.
Zum anderen hat man rein theoretisch schon einige Nachkommen, wenn man merkt, dass die Tiere aus der Linie plötzlich mit 6-8 Jahren erkranken. Evtl ist's dann noch was polygenetisches. Worst case scenario: am Ende sind mehr Tiere gestorben als ohne
Linienzucht.
Sind bei der Geburt alle scheinbar gesund, ist es ebenfalls notwendigh alle Tiere dieser Verpaaprung im Auge zu behalten und auch in den Folgejahren entsprechender Test zu unterziehen (eben auch auf Krankheiten, wie HCM die sich erst in späteren Jahren zeigt).
Hört sich ja gut an aber wenn man nicht weiß, was die Tiere
rezessiv tragen, kann man ja schlecht entsprechend drauf testen.
Ich habe auch an keiner Stelle behauptet, dass es einfach ist. Ich gebe dir da vollkommen recht, weshalb ich Züchtern mit ... sagen wir mal: begrenztem Verständnis von der Materie dringend von Linienzucht abrate.
Na leider gibt es dafür aber ja keinen "Führerschein"...
Tja, es gibt mehrere Studien darüber - mindestens 2 davon besagen, dass der Gentest nichts und wieder nichts aussagt
Wenn du die Studie von 2009 genau gelesen hättest, wüsstest du aber, dass die das nicht aussagt. 44 Katzen mit A31P
Mutation wurden getestet, davon waren 38 mischerbig. 4 von diesen 38 hatten LVH (Linksherzhypertophie) und nur 10 der übrigen 34 waren älter als 4 Jahre. Bei den 34 mischerbigen Katzen ohne LVH wurde jedoch festgestellt, dass sie alle eine regionale diastolische Dysfunktion haben - also eine Missbildung. Über den
Gentest sagt diese Studie gar nichts aus, die behandelt nur das Auftreten von LVH bzw. die A31P
Mutation -
hier ein Link zum Abstract (englisch), aus dem das alles hervorgeht. Ob die 24 heterozygoten Katzen mit über 4 Jahren schließlich LVH bekommen, behandelt diese Studie nicht, es wird lediglich festgestellt, dass Heterozygotie nicht konstant zum selben Resultat zur selben Zeit führt, was daraufhin deutet, dass
HCM polygenetisch ist und dass scheinbar auch andere Mutationen ohne A31P zu
HCM führen können (was ja nun nichts neues ist). Daraus zu schließen, dass A31P nicht relevant für Zuchtentscheidungen sei, ist in meinen Augen ignorant. Wie Silke schon sagte: es ist nach wie vor unumstritten, dass A31P das Risiko auf
HCM erhöht. Das
PDF (englisch), auf das sie sich bezog, das u.a. sehr schön begründet, warum man A31P nicht verharmlosen soll, stammt übrigens von einer der führenden Genetikerinnen (feline Genetik versteht sich) unserer Zeit... aber die Züchter haben natürlich mehr Ahnung von der Materie.