Hallo zusammen,
ich kenne das ebenfalls und zwar in verschiedenster Form. Zentral ist, denke ich, dreierlei:
Erstens, dass es Tierfreunde gibt, die aber wenig Wissen über Tiere haben. Zweitens, dass es Tierfreunde gibt, die wenig Wissen über den Besitzer eines Tieres haben. Z.B. hatten wir einen sehr dünnen Kater. Er war alt und nierenkrank und bekam schon Spezialfutter, sein Zustand war schon sozusagen sein bestmöglicher in der Situation. Verständlicherweise dachte eine Nachbarin ein paar Häuser weiter, der arme Kater, der ist ja so dünn, bekommt wohl nichts zu essen und fütterte ihn. Man kann es ihr nicht verdenken. Man sah dem Kater nicht unbedingt an, dass er schon 16 war und sie kannte uns nur vom Sehen.
Drittens - und das scheint mir bei Euch der Fall - gibt es Leute, selbsternannte, aber keine echten Tierfreunde, die sich weniger Gedanken um das Tier als um sich selbst machen. Sie füttern ein Tier an, weil sie es niedlich finden, selbst gern eines hätten und aus irgendeinem Grund keines halten, z.B. weil der Partner es nicht will. Und denen ist es egal, ob das Tier zu dick ist, sie es seinem Zuhause entfremden etc. So einen Fall hatten wir hier auch schon in der Nachbarschaft. Die Leute haben schon zweimal eine Katze so sehr angefüttert und hineingenommen, dass die Besitzer sie dann schweren Herzens langfristig dort ließen, gerade weil sie ihr Tier liebten und gut für es gesorgt hatten. Wenn man solche vermeintlichen Tierfreunde ausfindig gemacht hat, bedarf es umsichtigen Vorgehens.
Als sie anfingen, unsere Katze ebenfalls anzufüttern, haben wir es zum Glück schnell gemerkt. Wir haben freundlich gesagt, dass wir uns freuen, dass ihnen unsere Katze so gefällt, ihnen die Rasse (Heilige Birma) genannt und gesagt, dass wir uns sorgen, dass sie so weit geht. Im übrigen habe sie leider Giardien, das seien Krankheitserreger, die wir gerade tierärztlich behandlen ließen (das stimmte auch), die seien ansteckend. Auch würden wir darum bitten, die Katze nicht zu füttern, da sie aufgrund der Erkrankung nur spezielles Futter verträgt (stimmte zu dem Zeitpunkt auch). Insofern wäre es auch schön, wenn sie das Futter, das sie auf die Terrasse stellten, entweder hinein nähmen oder darauf achteten, dass unsere Katze nicht davon fräße, was natürlich sehr schwierig sei. Allerdings - ob sie schonmal daran gedacht hätten, dass Katzenfutter auf der Terrasse auch Ratten anlocken könne? Dann haben wir Ihnen unsere Telefonnummer gegeben und darum gebeten, anzurufen, wenn sie unsere Katze wieder bei sich sähen. Bei uns sei häufig jemand zu hause und sie bräuchten sich auch bei schlechtem Wetter oder nachts nicht zu sorgen, wir hätten eine Katzenklappe und die Katze könne immer hinein, wenn sie wollte, auch ihr Futter fände sie jederzeit vor.
Komischerweise war unsere Katze seitdem nicht mehr auf dem Grundstück dort! Der Kontakt zu den Leuten ist weiterhin freundlich. Das Wesentliche war, denke ich, dass wir freundlich deutlich gemacht haben, dass es unsere Katze ist und bleibt, dass wir entschlossen sind, sie zu behalten. Dazu hat sicher das Nennen einer -teuren- Rasse beigetragen. Auch die Giardien - so nervtötend diese Phase auch war - haben hier einen guten Dienst geleistet.
Bei Euch wird das Schwierigste wahrscheinlich sein, erst einmal herauszufinden, wer Bert nun überhaupt füttert.
Aber wenn Ihr es raus habt, findet Ihr bestimmt auch einen diplomatischen Weg, dass die Leute die Finger von Eurem Bert lassen. Bei uns hat sich ein Innenhalten vor dem Kontakt und ein genaues Überlegen, wie wir vorgehen wollen, ausgezahlt.
Viel Glück dabei,
Seidenschnabel