Hallo Nikks,
ich denke, die hitzige Diskussion hier ist deshalb entstanden, weil Du zwei Dinge vermischt hast, nämlich die fachliche Leistung der Tierärztin, mit der Du unzufrieden bist und die Honorarforderung. Zu Deinem Ärger bezüglich des Fachlichen besteht hier, glaube ich einhellig die Meinung, dass wir alle genauso verärgert und frustriert wären und ich denke, kaum einer hier würde Dir etwas anderes raten, als die Tierärztin zu wechseln.
Das wogegen sich hier einige wenden, und wogegen auch ich mich wenden würde, ist Deine Einstellung zur Berechtigung der Höhe des Preises, der von Dir in Anspruch genommenen tierärztlichen Leistungen.
Dabei ist mir besonders aufgefallen, dass Du sehr wenig informiert zu sein scheinst über die beruflichen Bedingungszusammenhänge eines Selbständigen. So ein Honorar eines Tierarztes kannst Du nicht mit dem Stundenlohn eines Angestellten vergleichen. Das wurde hier ja auch schon benannt: Raumkosten, Personalkosten, Gerätekosten, Fortbildungskosten, zu 100% die eigene Kranken- und Rentenversicherung etc.. Oft bleibt nach Abzug all dieser Kosten weniger nach als das Gehalt eines kleinen Angestellten. Von höheren Angestellten oder Angestellten in der Bank- oder Versicherungsbranche ganz zu schweigen. Eine Tierärztin ist kein Boss eines Riesenkonzerns und kann sich nicht auf Kosten vieler Angestellter selbst ein Jet-Set-Leben erlauben.
Die Zeiten, in denen man sich z.B. als Zahnarzt eine goldene Nase und ein Haus in Monaco verdienen konnte, sind seit den 70er Jahren vorbei. Und bei den Tierärzten war das sowieso nie so.
Und noch etwas anderes: Ein Tierarzt ist ein Freiberufler. Nicht umsonst ist das etwas anderes als ein Gewerbetreibender. Bei einem Freiberufler bezahlst Du die Dienstleistung. Deshalb bezahlst Du nicht nur die reinen Kosten, die das Labor der Tierärztin in Rechnung stellt, sondern Du bezahlst dafür, dass sie Dir das Ergebnis interpretiert. Und Du bezahlst sie dafür, dass Sie Dir als Expertin zu dieser Laboruntersuchung geraten hat.
Dazu kommt natürlich, dass sie auch einen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand hat, (Drucker, Papier, Formulare, die Besorgung derselben, die Entsorgung derselben.....), zu dem sie außerdem im Rahmen ihres gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsmanagementes verpflichtet ist.
Und wie hier schon gesagt wurde, wenn Du zum Tierarzt gehst, musst Du ihn bezahlen, auch wenn die Behandlung nicht erfolgreich ist. Frustrierend für den Kunden, aber wahr.
Und dass in vielen Branchen derzeit kleine Selbständige, Ich-AGs und mittelständische Betriebe von Insolvenz bedroht sind, weil die Zahlungsmoral aufgrund eines offenbar weit verbreiteten Unverständnisses für das, was eine Selbständigkeit ausmacht, seit der Geiz-ist-geil-Zeit kontinuierlich gesunken ist , ist eine traurige wirtschaftliche Tatsache und nicht irgendwie irre an den Haaren herbeigezogen.
So, der zweite Part ist jetzt ziemlich lang geworden, ich möchte nicht, dass der erste deshalb in Vergessenheit gerät: Dass Du eine Dienstleistung, mit der Du so unzufrieden bist, nicht bezahlen möchtest, kann ich verstehen.
Wenn bei Dir nicht zwischen den Zeilen, angefangen mit der Wortwahl im Titel des Threads, so viel Unwissen und Vorurteile über die Kosten Selbständiger durchscheinen würden, hätten Dir hier sicher auch mehr Leute zugestimmt.
Zu der Rechtssituation kann ich nur Folgendes sagen: Wahrscheinlich kannst Du nur dann Erfolg haben, wenn es Dir gelingt, ihr mangelnde Sorgfalt oder Fahrlässigkeit nachzuweisen. Und ob das wirklich der Fall war - ich wage es nicht zu beurteilen. Allerdings: Selbst wenn jemand offensichtlich im Recht ist, kommt es vor Gericht oft zu einem Vergleich. Mit einem Vergleich solltest Du auf jeden Fall rechnen. Und vermutlich wird Deine Rechtschutzversicherung Dich dann hochstufen.
Ich wünsche Dir und Deiner Katze zutiefst, dass sie trotz der verspäteten richtigen Diagnosestellung wieder vollkommen gesund wird.
Liebe Grüße,
Seidenschnabel