Ein kleiner Rundumschlag, ich muss mir jetzt einfach Luft machen.
Vorweg: Ich bin "frischgebackene" Katzenbesitzerin und wollte mir eigentlich nur Anregungen holen, wie ich das Leben der Katze noch verbessern kann.
Tiere hatte ich schon immer, Katzen bisher nur passiv (meine Eltern hatten Freigänger, die ab und an zum Kuscheln vorbeigekommen sind).
Ich mag mich auf niemand speziellen beziehen, hab mir weder die Namen rausgeschrieben, noch sehe ich Sinn darin, jemand direkt "anzugreifen".
Aber was manche Menschen hier unter Tierliebe verstehen, lässt mich Gänsehaut bekommen.
Nie, niemals, nie!!, möchte ich ein Haustier sein.
Ich will nicht missionieren, das würde ich mit diesem Post niemals erreichen. Ich möchte mir einfach Luft machen.
Jemand mit verhaltensgestörter Katze fragt im Internet, was er tun kann, weil Miez sich unmöglich benimmt...
Und die Antworten sind, er soll sich noch eine holen, weil sich die eine allein langweilt?!
Im Prinzip ja ein guter Rat, aber wenn dieser Rat wiederholt wird, obwohl es sich um eine 40qm Wohnung handelt, ... herzlichen Dank auch.
Weil mein Gaul (nein, ich bezeichne ihn nicht so. Aber ich find es in dem Zusammenhang treffender als freundliche Anreden) mich angreift, weil er sich offensichtlich in seiner Box langweilt, hole ich einen zweiten und stelle ihn in die gleiche Box, die
dem ersten scheinbar schon zu klein und zu langweilig ist? Damit sich Pferd Nummer 1 an Pferd 2 abreagieren kann?!?!
Natürlich, es handelt sich um Katzen. Aber vielleicht fällt so die Absurdität mehr auf?
Aber schließlich hat die antwortende Person ja drei Katzen bei einer ähnlich kleinen Wohnung. Perfekt!!
Der Threadersteller schrieb, dass bis auf aggressive Zwischenattacken viel mit der Katze gekuschelt wird (ist doch schön!, immerhin etwas).
Daraufhin wird er angeranzt, dass die arme Miez das nur macht, weil sie nicht anders kann - doch! Katzen können anders, wenn sie den Dosenöffner nicht mögen! - und viel lieber mit anderen Katzen kuscheln will. So wie ihre, die besagten drei Katzen auf engstem Raum. Die kuscheln immer.
Vielleicht machen die armen Miezen das auch nur, weil sie keine andere Wahl haben? Geteiltes Leid und so?
Was macht der unglaublich tierliebe tierliebende Katzenliebhaber aber nun, wenn seine Katze Nummer 2, die er sich auf vielfaches Drängen - alles Andere ist schließlich Tierquälerei! - besorgt hat, nun aber Katze 1 nicht mag? Was, wenn Katze 1 keinen Bock hat, ihr mini-Revier auch noch zu teilen?
Was wenn unglaublicherweise eine der Katzen so einen an der Klatsche hat, dass sie sich nicht verhält, wie normale Katzen das tun?
Da müssen sie durch, sind schließlich Katzen! Ist ja auch überholt, dass Katzen Einzelgänger sind(darum geht es aber doch gar nicht?! Ich mag andere Menschen auch. Im Prinzip. Ich bin auch kein Einzelgänger, aber ich würde nicht mit jemand, der mir unsympathisch ist, auf engstem Raum leben wollen. Und die Wahrscheinlichkeit besteht nunmal!)
Derjenige, der den besagten Thread erstellt hat, hat mit Einschränkungen meinen Respekt. Er weiß, dass was schiefläuft und möchte was ändern.Er hat die Katze aus einer Notsituation gerettet und hätte sie wohl vielleicht lieber gleich weitervermitteln sollen.
Seine Katze würde ich auch nicht sein wollen, aber immerhin, er macht sich Gedanken. er räumt Fehler ein und hat den nackten Arsch präsentiert.
Da muss man natürlich draufkloppen, weil so ein böser Tierquäler, das gibt es ja nicht! (ja, es ist wohl Tierquälerei. Aber wer wird schon gern als Tierquäler beschimpft? Du etwa, mit deiner katze auf dem Schoß? Siehste!)
Aber ihn als Tierquäler zu beschimpfen, während man sich vielleicht mal an der eigenen Nase fassen sollte - finde ich unfassbar!
Warum um alles in der Welt muss man ein Tier haben, nur weil es so schön ist, weil man so gern kuscheln will damit oder was auch immer, wenn man ihm
im Gegenzug nicht das Leben angenehm gestalten kann?
Und angenehm gestaltet ist das Leben sicher NICHT in einer Miniwohnung ohne Auslauf und mit ständiger Langeweile.
"Viel beschäftigen" äußert sich im Normalfall, im Idealfall!, wohl mit ein bis zwei Stunden. 15Stunden kann eine Katze schlafen.
Und in den 5 Stunden, die sie dann noch wach ist, tut sie was? Richtig, schlafen. Was denn auch sonst.
Ständig wird gepredigt, dass man für Wohnungskatzen eine zweite braucht, aber ist das wirklich so toll für Katzen?!
Sind das nicht zufällig die Tiere, die ewig durch ihr Jagdrevier (mehr als 30qm nehme ich an!!) streifen oder sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? Die stundenlang mit Beutetieren (hachja, die armen Mäuse und Vögel, die die Katze dann fängt. Wen jucken denn die armen Kühe und was unsere Lieben sonst noch alles verspeisen in ihrem goldenen Schüsselchen?) spielen und einfach mal rennen???
Darf man wirklich mit einem Tier machen, was man will, nur weil man es bezahlt hat? Ist es weniger Quälerei, ein Tier einzusperren, weil man es ja so liebhat, als es körperlich zu schikanieren?
Ich liebe Tiere und habe gern welche um mich, aber doch nicht um jeden Preis?
Meine Alte ist eine Tierheimkatze, die laut Tierheim "gar nicht rauswill, da hat die Angst". - gut, dann muss sie nicht. Aber nachdem die Terassentür immer aufstand, hat sie sich ein Herz gefasst und ist jeden Tag ein Stück weiter gegangen. Und sie macht es gern! Wer sagt denn, was ein Tier will? Der Besitzer, oder doch das Tier?
Wie der gute Herr Moor schon gesagt hat: Laufenten mögen kein Wasser, weil die Menschen, die Laufenten haben wollen, möglichst wenig Umstände haben wollen. Das kann man wohl auf alle Tiere übertragen.
Wenn ich mein Pferd den ganzen Tag in einem Stall stehen muss, tut er das auch brav.
Dass ich ihm damit aber ein "gutes Leben" ermögliche, würde aber dann wohl nur ich behaupten.
Wenn ich mich dabei den ganzen Tag zu ihm setze und ihn bespaße, langweilt er sich sicher ein bisschen weniger. Aber wenn ich ihn fragen würde, was er will, würde er ganz schnell an der Tür stehen und "rauuuuuuuus" brüllen. (nein, er steht nicht in einer Box, er lebt im Offenstall.)
Und das ist doch auch sein Recht?
Und da jetzt sicherlich viele Wohnungskatzenbesitzer sagen "meine Katze ist kein Pferd, und der/die will auch gar nicht raus" - aha, deswegen muss man so aufpassen, dass die nicht versehentlich entwischen, weil "ooooooh, wenn die einmal draußen waren, dann wollen die immer wieder raus". Ja ne, ist klar.
Weil die sich in Wohnungen so wohl fühlen?
NATÜRLICH tun sie das, aber doch nicht Tag und Nacht, immer, jahrelang, bis sie endlich an dem guten Whiskas (ich muss mich gleich noch mehr aufregen.
Die Ansicht ist zwar glücklicherweise nicht mehr so vertreten, aber "natürlich ist Whiskas gut, sonst wäre es nicht so teuer und keiner würde es kaufen"... Alter Schwede!!) ersticken. Natürlich nicht wörtlich.
Ich bin nicht fehlerfrei und habe früher auch anders (oder wohl eher -NICHT!) gedacht.
Und genau die Menschen, die sich jetzt angesprochen fühlen, wollte ich wohl nicht angreifen. Sondern die, die ignorant darüber stehen.
Vielleicht wirkt der Beitrag wirr, vielleicht wirkt er auf viele unsinnig, aber ich hoffe doch, dass mehr Tierhalter diese Meinung teilen, als es den Anschein haben könnte.