Hi, Leute,
ich weiß - es gibt schon viele ähnlichen Hilfe-Gesuche hier. Habe mich schon schwindelig gelesen. Trotzdem will ich meinen Problemfall mal schildern. Nur soviel: Ich bin kein Katzenanfänger. Katzen habe ich seit 1982.
Meine alte Katze "Karlchen" habe ich 2001 mit ca. 12 Wochen vom Katzenschutzverein in der Stadt, in der ich damals lebte, bekommen. Sie war mit Vergiftungserscheinungen nach einer Vermittlung zurückgebracht worden, und hatte eine Woche in der Tierklinik um ihr Leben gekämpft... Sie kam als Zweitkatze zu meinem damals 2-jährigen Theo, und entwickelte sich zunächst prächtig. 2004 mussten ihr fast alle Zähne entfernt werden - eine Spätfolge der Vergiftung. Zudem wurde fälschlich eine chronisch fortschreitende Niereninsuffizienz diagnostiziert.
Mit beiden (kastrierten) Katzen ging alles gut - man liebte sich nicht, aber man tolerierte sich. Bis sie Mitte 2009 plötzlich Aggressionen gegen Theo zeigte - ich wollte ihn einpacken, um zum Tierarzt zu fahren, da griff sie an, während ich ihn im Arm hielt. Wie eine Furie. Und erwischte mich mit... Die Lage hat sich beruhigt... wenn auch immer mal wieder Kampfgeschrei durch die Hütte hallte. Mit dem Umzug in eine neue Stadt (und eine größere Wohnung, d.h. ein größeres Revier, 107m² plus 30m² Dachterasse) Ende 2009 wurde es deutlich besser.
Im November 2011 musste ich Theo leider einschläfern lassen. Ich dachte, dass es für Karlchen vielleicht besser wäre, allein zu bleiben - aber es ging ihr offenbar nicht gut, wenn ich beruflich unterwegs und sie allein war.
Auf Anraten des Tierschutzvereines nahm ich kurz vor Weihnachten nicht einen, sondern zwei neue auf: die damals 6 Monate alten Brüder Oskar und Isidor, zwei griechische Straßenkater, inzwischen 1 ½ Jahre alt, und inzwischen natürlich kastriert. Sie sind Main-Coone-Mixe, d.h. groß, langhaarig, ungeheuer freundlich und menschenbezogen, und (leider?) auch sehr intelligent. Isidor z.B. macht jede Tür auf, die man nicht abschließt oder zubindet… Über kurz oder lang werde ich sicher eine Kindersicherung für die Katzenfutter-Schublade in der Küche besorgen müssen. :wink:
Karlchen hat sich 2 Monate lang gut mit ihnen verstanden, dann zog sie sich zurück und fauchte sie an - ein Gang zum Tierarzt und die Entfernung der verbleibenden Zähne bis auf die Reißzähne lösten das Problem. Danach war alles gut. Sie spielte, wenn sie Lust darauf hatte, und zog sich zurück, wenn sie ihre Ruhe haben wollte. Es hat super funktioniert - endlich Harmonie in der Hütte. Sie machte natürlich beim Gruppenkuscheln nicht mit, schlief aber in 50 cm Abstand von dem Doppelfellknäuel. Beide begrüßte sie mit der Nase, mochte aber Isidor immer lieber als Oskar.
Sie erzog sie wenn nötig, ließ sich aber oft zu schnell von ihrem Futternapf vertreiben (die Jungs inhalieren gierig alles Fressbare, wer weiß, was sie in ihrer Jugend in Griechenland erlebt haben). Ich füttere Karlchen daher oft getrennt von den Katern oder bleibe stehen und verhindere, dass sie, wenn ihre Näpfe leer sind, an Karlchens drängen. Wie gesagt - alles gut. Sie wurde offener, freundlicher (kam auch auf Besucher zu), schmusiger. Wie gesagt, alles gut.
Bis vor 10 Tagen.
Dann plötzlich ohne jegliche Vorwarnung super aggressives Kampfgeschrei im Flur. Viel schlimmer, als je mit Theo. Karlchen und Isidor (nicht Oskar!) rasten kämpfend durch's Wohnzimmer, wo ich mit einem irritierten Oskar auf dem Sofa saß, Karlchen raste den Kratzbaum hinauf auf den Kleiderschrank.
Da saß sie. Knurrte böse alles an, was sich bewegte (auch mich). Den ganzen Freitag lang. Ich versuchte, sie mit Leckerchen von der Leiter aus zu greifen, um mit ihr zum Tierarzt zu fahren - richtig böser Angriff, dem ich gerade noch ausweichen konnte. Ich holte Feliway vom Tierarzt und steckte es in die Steckdose, die dem Schrank am nächsten ist.
Ab und an wagte sich einer der Kater hoch - beide im Übrigen mit ganz offener, freundlicher Körpersprache. Kampfgeschrei, sie griff an, pisste und schiss während des Kämpfens alles voll (entschuldigt meine Sprache... die Sauerei neben einer aggressiven Katze wegzumachen geht an die Nerven).
Am Samstag kam sie runter, wohl, um auf's Katzenklo zu gehen - und schon tönte wieder Kampfgeschrei aus dem Arbeitszimmer, wo das zweite Katzenklo steht. Geistesgegenwärtig zog ich Isidor ab, und schloss sie dort ein.
Ich brachte ihr Futter und Wasser und ließ sie erstmal in Ruhe.
Am Sonntag gelang es mir, sie in die Transportkiste zu stecken und zum Tierarzt zu fahren. Beim Tragen durch's Wohnzimmer knurrte sie und kackte die Transportkiste total ein... GsD hatte mein Haustierarzt Sonntagsdienst. Er diagnostizierte eine Zahnfleischentzündung rund um die verbliebenen Reißzähne, Durchfall und leichte Blutspuren im Darm. Er spritzte ein Langzeitantibiotikum, Schmerzmittel und Buscopan, gab mir eine Paste zum Wiederaufbau der Darmflora und empfahl, die Katze noch ein paar Tage zu isolieren. Das tat ich - bis Mittwoch Nachmittag. Als ich sie freiließ, ballerte sie wieder total aus.
Wieder sperrte ich sie in's Arbeitszimmer... Sie ließ sich streicheln - aber nur, während sie fraß. Ich versuchte am Donnerstag Abend, sie einzufangen. Dieser zweite Versuch, sie zum Tierarzt zu bringen, brachte mich am Freitag Abend in den hausärztlichen Notdienst… Sie hatte mich wie ein wildes Tier angegriffen, und eine Bisswunde hat sich entzündet…
Jetzt sitzt sie wieder auf dem Schrank, reagiert auf alles was sich bewegt (also auch auf mich) mit Knurren und Fauchen. Sie verteidigt ihren Platz, und kommt nur zum Fressen runter (wobei sie sich anfangs nicht mehr streicheln ließ - das geht inzwischen wieder). Zweimal kam sie runter, zweimal kam es zum Kampf (mit der begleitenden Unsauberkeit). Mein Eindruck ist nach wie vor, dass die Kater körpersprachlich keinerlei Aggressionen, sondern eher Neugier ausstrahlen, aber Isidor wird durch das Geknurre so bekloppt, dass er sich auf einen Kampf einlässt.
Eines Abends (hab schon das Zeitgefühl verloren...) wurde ich von einem Knurren unter meinem Bett wach... Ich stand auf, und alle Katzen folgten mir in die Küche für einen ausnahmsweisen Mitternachtssnack (Karlchen hatte an dem Tag noch nicht gefressen). Als ich danach im Bett saß und las, kam sie an, sprang auf meine Brust und beschmuste mich!!! Ich hielt nur atemlos meine (unverletzte) Hand still, während sie ihr Köpfchen daran rieb, traute mich kaum, mich zu bewegen... bis Oskar aufs Bett sprang. Da verschwanden Karlchens Ohren, das bösartige Knurren ertönte - und ich riß die Bettdecke vor's Gesicht, schmiss damit die Katzen runter und sperrte sie aus. Angst vor der eigenen Katze. Kein schönes Gefühl. Seitdem schlafe ich ohne Katzen (und vermisse es).
Vor lauter Verzweiflung habe ich mich erstmal um meine eigene Heilung gekümmert... Und Karlchen sitzt auf dem Schrank.
Hab schon versucht, das Knurren mit dem Wassersprüher zu beantworten.Hab schon versucht, Oskar und Isidor abzurufen / abzulenken, wenn sie sich in die Nähe des zur Schrank führenden Kratzbaumes wagen.
Feliway blubbert munter in der Steckdose vor sich hin.
Hirntumor? Alzheimer (nee, die Foren geben andere Symptome an...)? Eine ganz normale organische Erkrankung? Wie rausfinden, wenn ich sie nicht einfangen kann (auf einen Kampf lasse ich mich nach der Sepsis-Erfahrung nicht mehr ein). Ne Katzenfalle im Tierheim ausleihen??? Kann der Tierarzt mir ein Schlafmittel mitgeben, so das sich sie einfangen kann, wenn sie schläft??? Vielleicht mal dieses Medikament mit Z probieren, wie heißt es nochmal? Aber da gibt es auch so widersprüchlichen Erfahrungsberichte...
Hat jemand noch einen Vorschlag?
Schonmal vorab Danke (allein schon für das Lesen dieses langen Seufzers!)
C.