Hallo liebe Katzenfreunde und -kenner,
ich habe ein Problem mit meinem Kater, 3 Jahre, kastriert, nur in der Wohnung lebend, keine weiteren Katzen im Haus. Doch erstmal zur Vorgeschichte. Ich probiere diese so ausführlich wie möglich zu gestalten in der Hoffnung, dass es etwas zur Problemlösung beitragen kann. Weiter unten steht aber auch eine kurze Problemzusammenfassung:
Mein damaliger Freund und ich haben den Kater im Alter von drei Monaten zu uns geholt. Da ich Studentin bin und dadurch viel von zu Hause aus arbeiten kann, war der Kater nur selten allein. Mein Freund war unterhalb der Woche tagsüber nicht immer zu Hause. Wir haben oft mit ihm gespielt, mein damaliger Freund gern auf heftiger: Er hat immer mit dem Kater gekämpft und sich auch kratzen und beißen lassen, ohne das zu unterbinden. Anfangs, als der Kater noch klein war, habe ich ebenfalls so mit ihm gekämpft, allerdings aber immer einen Handschuh oder dicken Pullover zum Schutz angezogen. Mit zunehmender Größe tat mir das jedoch sehr weh, sodass ich diese Art von Spiel einstellte und auf die alt bewährten Bänder, Spielmäuse, Bälle usw. zurück griff. Der Kater fing jedoch schon früh damit an, "fangen", "verstecken" und "jagen" mit uns zu spielen. Wir jagten ihn gern durch die Wohnung, da er unheimlichen Spaß daran zu finden schien und es ihn auspowerte. Irgendwann fing der Kater dann auch an, uns von hinten in die Wade zu springen oder sich an unseren Arm zu hängen und hineinzubeißen und zu kratzen, wenn wir auf der Couch saßen. Da das sehr schmerzhaft war, wurde dieses Verhalten mit einem lauten "Nein!" bestraft. Gerade, wenn er an den Arm gesprungen war, ermutigte ihn das jedoch, noch weiter zu kämpfen und uns noch aggressiver anzugreifen.
Allgemein sagten wir, wenn der Kater etwas nicht machen sollte, laut "Nein!" und vertrieben ihn von diesem Ort. Diese Aufforderung versteht er auch heute noch und ich wende sie heute auch immer noch an, wenn er etwas tut, was er nicht darf.
Als der Kater ein Jahr alt war, sind wir in eine größere Wohnung umgezogen. Auch dort sprang er uns immer noch in die Waden und an den Arm, wenn er spielen wollte.
Nach der Trennung von meinem damaligen Freund zog ich mit dem Kater in eine kleinere Wohnung. Nachdem er auch dort nicht aufhörte, mir bisweilen in die Waden zu springen oder sich an meinem Arm festzukrallen und -beißen, fing ich mit Klickertraining an. Der Kater war anfangs sehr interessiert daran (vor allem an den Leckerlies, die es als Belohnung gab

), verlor jedoch nach wenigen Minuten das Interesse, sodass ich die "Trainingseinheiten" auf 2-3x täglich ca. 5-15 Minuten verteilte. Seine Aggressivität wurde dadurch jedoch kaum gemindert. Ich testete auch Bachblüten, die er sehr gern nahm (er gab von sich aus Pfötchen, damit ich ihm die Tropfen drauftun konnte zum Ablecken), aber auch das wirkte kaum.
Hinzufügen muss ich auch noch, dass der Kater bei neuen Menschen schon immer stets sehr ängstlich reagierte und sich bei Besuch die ersten Stunden oder die gesamte Zeit irgendwo versteckte. Nur mir und meinem damaligen Freund schenkte er sein ganzes Vertrauen, was jedoch etwas getrübt war durch die regelmäßig auftretenden Angriffe.
Als mein neuer Freund das erste Mal meine Wohnung betrat, reagiert mein Kater wieder sehr ängstlich, duckte sich ab, fauchte meinen Freund an und versteckte sich. Nach wenigen Minuten ließ er sich aber mithilfe von Leckerlies aus seinem Versteck locken und mein Freund durfte ihn sogar kurz streicheln. Darüber war ich sehr glücklich, und auch die weiteren Treffen zwischen meinem Tigerchen und meinem Freund waren stets positiv. Er konnte den Kater sogar problemlos hochheben und streicheln, was sonst niemand außer mir durfte. Aufgrund universitärer Verpflichtungen musste ich dann jedoch für ein dreiviertel Jahr weg, sodass ich meinen Kater übergangsweise bei meinen Eltern unterbrachte - beide kannte der Kater bereits. Zuerst hegte er große Aggressionen gegenüber meiner Mutter. Sie konnte früh kaum das Schlafzimmer verlassen, ohne fauchend und knurrend von meinem Kater begleitet zu werden. Oft wurde sie auch von ihm angegriffen und ins Bein gebissen - auch, wenn ich mich mit in der Wohnung aufhielt. Sobald mich zu dieser Situation gesellte, beruhigte sich mein Kater jedoch und freute sich, mich zu sehen.
Nachdem ich dann jedoch für längere Zeit nicht bei meinen Eltern war, verbesserte sich das Verhältnis zwischen dem Kater und meiner Mutter, sodass meine Mutter ihn sogar hochnehmen durfte und er von sich aus Streicheleinheiten von ihr einforderte. Meinen Vater betrachtete der Kater schon immer mit einer gewissen Distanz. Solange mein Vater Leckerlies bereit hielt, war alles in Ordnung. Sobald die Leckerlies jedoch leer waren, kam es nicht selten vor, dass der Kater meinem Vater eins tatzte und dann weglief. Allgemein geschah es recht häufig, dass der Kater meinem Vater im Vorbeilaufen einen Tatzenhieb gab - vor allem, wenn mein Vater beispielsweise wollte, dass der Kater vom Balkon in die Wohnung kommt.
Anzumerken ist auch noch, dass sich der Kater gegenüber meiner Oma - nachdem sie schon öfter in der Wohnung war - extrem aggressiv verhielt, sie anfauchte und knurrte, angriff und sogar sehr böse verletzte, obwohl sie in der Vergangenheit auch oft Futter bereit stellte und mit ihm spielte. Meine Oma traute sich sodann nicht mehr allein in die Wohnung, da ihr sofort der Kater auflauerte und über sie herfiel.
Aktuell ist die Lage so, dass ich den Kater nun wieder zu mir und meinem neuen Freund genommen habe. Derzeit wohnen wir drei in der Wohnung meines Freundes. Anfangs lief alles gut zwischen den beiden, er konnte den Kater streicheln und sie sind sehr harmonisch miteinander umgegangen. Nach einigen Tagen des Zusammenlebens, als mein Freund den Kater hochnehmen wollte, biss er ihn jedoch heftig in die Hand. Mein Freund schrie daraufhin "Au", setzte den Kater auf den Boden und sich selbst auf den Stuhl. Der Kater ging dann noch zu ihm und wollte ihm in den Arm beißen, kam jedoch nicht ran. Seitdem sind beide sehr misstrauisch gegenüber dem jeweils anderen: Mein Freund hat Angst, wieder gebissen zu werden und der Kater zwackt meinen Freund bei der kleinsten Streichel-Bemühung in die Hand oder verhält sich ängstlich gegenüber meinem Freund (rennt weg, versteckt sich und erschreckt sich schnell, wenn mein Freund eine etwas schneller Bewegung macht). Dazu muss ich auch noch sagen, dass mein Freund und ich uns die "Bestrafungen" teilen, d.h., wenn der Kater zum Beispiel am Schrank kratzt, dann sagt derjenige "Nein!" zum ihm, der gerade in der Nähe ist.
Ich probiere, wenn der Kater z.B. am Schrank kratzt oder es scheint, als wolle er mehr Aufmerksamkeit, oft mit ihm zu spielen (dann aber so, dass ich nicht mit ihm spiele, wenn er am Schrank kratzt (nicht, dass er denkt, dass am Schrank kratzen = spielen bedeutet

) , sondern dass ich mich erst mit ihm beschäftige, wenn er sich nach dem "Nein!" irgendwo hingesetzt hat, wo er keinen Unsinn treibt). Jedoch ist hier das Problem, dass der Kater nach zwei Minuten nur noch gelangweilt daneben liegt und mir zuschaut, wie ich mich mit dem Band, dem Ball oder dem Laserpointer abracker. Wenn ich mich dann wieder auf die Couch setze, bzw. von ihm abwende, fängt er wieder an irgendwo zu kratzen oder etwas zu tun, durch das er Aufmerksamkeit bekommt. Mein Freund spielt aufgrund der Kratzattacken nur noch relativ selten mit ihm, probiert jedoch seit Neuestem wieder, sein Vertrauen durch Leckerlies und gutem Zureden zu gewinnen. Solange mein Freund Leckerlies in der Hand hat, ist das Berühren des Katers - ähnlich wie bei meinem Vater - für ihn auch kein Problem. Aber sobald diese leer sind, wird mein Freund getatzt oder gehauen - wenn der Kater nicht vorher wegrennt und Abstand vom Freund nimmt.
Bei mir ist er zum Großteil jedoch das liebste Kätzchen der Welt. Er lässt sich streicheln, durchkuscheln und bürsten. Wenn ich mit ihm rede, hört er aufmerksam zu, folgt mir sogar, wenn ich ihn auffordere, mitzukommen. In die Wade gesprungen ist er mir lange nicht mehr, aber hin und wieder, wenn ich ihn streichle, probiert er mich ebenfalls zu kratzen oder zu beißen. Dann nehme ich meine Hand sofort weg und sage "Nein!", danach ignoriere ich ihn. Früher kam es vor, dass er mich dann angegriffen und sich in meinem Arm verbissen hat, aber das hat er in letzter Zeit unterlassen.
Wir sind leider wirklich etwas am Verzweifeln. Ich bin am Ende meines Katzenlateins und weiß nicht mehr, wie ich damit umgehen soll: Mein Freund kann den Kater nicht richtig anfassen, der Kater scheint zuweilen in seiner Stimmung von hier ("schmusig") auf jetzt ("aggressiv") zu wechseln ohne jeglichen Grund. Wir spielen mit ihm, aber nach wenigen Minuten ist er desinteressiert und liegt nur rum. Wenn man dann anderen Aktivitäten nachgeht, beginnt er zu randalieren und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Ich habe überlegt, wieder mit dem Klickertraining zu beginnen, dann allerdings ein Training zu Dritt - mit dem Kater, meinem Freund und mir.
Meine Frage nun an euch: Habt ihr eine Idee, wo das Problem zwischen dem Kater, meinem Freund und mir liegt? Wie kann ich das Verhältnis zwischen uns Dreien verbessern und die Aggressionen/Angst von meinem Kater bekämpfen? Mir ist keine Mühe zu Schade und ich würde mich sehr über gute Tipps, Tricks und auch über Hinweise zum Umgang mit dem Verhalten des Katers freuen.
Entschuldigt bitte auch den langen Text, ich hoffe, dass er wenigstens etwas helfen konnte, die Situation nachzuvollziehen.
Ich freue mich auf Antworten!
Liebe Grüße
Vhynn und ihre zwei Männer
/edit: Mir ist noch eingefallen, dass der Kater, wenn man ihm etwas verbietet oder "Nein!" sagt, oft anfängt zu "diskutieren". Er miaut und schnattert dann und wenn man nicht hartnäckig ist und weiter "Nein!" sagt, bis er aufgehört hat zu schnattern und weggeht, dann würde er weiterhin z.B. am Schrank kratzen.