Ich hatte das Beispiel auch nur angebracht, weil es dieselbe (auch wenn in anderer Hinsicht) Argumentation ist wie die der TE hier, d.h. für die Grundbedürfnisse sind gesorgt und in dem Fall auch für die Beschäftigung mit dem Tier und das muss reichen, weil es ginge ja schlimmer, nämlich ab ins Tierheim.
Ich kann aus meinen eigenen Vermittlungserfahrungen berichten, dass die 70% (ich würde eher zu 85% tendieren) auch im Tierschutz vorbeikommen. Wenn ich in die Vermittlung gehe, verbringe ich mehr Zeit damit die Leute am Telefon aufzuklären, als Katzen zu vermitteln. Sehr aufwendig, aber es gehört dazu! Ich weiss nicht, wieviel ich durch meine Aufklärungsarbeit erreiche, aber selbst bei einem Besuch im Pflegezimmer muss ich noch oft aufklären. Es ist so selten, dass mal jemand zu mir kommt, dem ich ncihts mehr erklären brauche. Faktisch gesehen hatte ich das erst zweimal und das waren beides Vermittlungen, die ich über dieses Forum gemacht habe.
Der Otto-Normalverbraucher hat keine Ahnung von artgerechter Katzenhaltung inkl. der richtigen Ernährung. Wenn Leute dabei sind, die für ihr Tier nur das Beste wollen, dann informieren sie sich höchstens beim Tierarzt. Naja, und ihr wisst, was für einen Mist die teilweise von sich geben.... Aber die meisten setzen sich nicht vors Internet und recherchieren oder lesen Bücher oder Artikel oder sonstiges. Den Aufwand betreibt die breite Masse nicht. Und deswegen hat dieser Mythos Katzen seien Einzelgänger auch noch bis heute überlebt, weil die Menschen nicht mit der Zeit gehen und noch auf dem Stand von vor 50 Jahren sind, was Katzenhaltung betrifft.
Der schlimmste Satz, den ich immer am Telefon zu hören bekomme, ist: "aber alle anderen in meinem Bekanntenkreis haben doch auch nur eine Katze und das jetzt schon seit über 10 Jahren (!) und das klappt auch gut. Die Katze ist doch glücklich!" Das ist dann immer dieses KO-Argument: es hat sich doch jetzt schon so lange bewährt, das kann doch gar nicht falsch sein! So ja auch die Argumentation hier in den Beiträgen der TE.
Gesellschaften entwickeln sich weiter. Wenn man sich den Lebensstandard von den 50er Jahren anschaut und mit heute vergleicht, liegen da Welten dazwischen. Und warum haben wir uns weiter entwickelt? Weil wir erforscht haben und dadurch zu mehr Wissen gelangt sind. Je mehr Wissen, desto wahrscheinlicher der Fortschritt. Normalerweise wird dieses Wissen grossflächig an den Otto-Normalverbraucher herangetragen über die üblichen Kanäle (Nachrichten etc.) Artgerechte Katzenhaltung gehört jetzt nun nicht unbedingt in diese Kategorie und das ist das Problem. Die Mehrheit der Menschheit sieht nicht die Notwendigkeit einer Aufklärung sonst wäre ja schon längst was in den Nachrichten darüber gewesen, sondern eben nur eine kleine gesellschaftliche Gruppe.
J
Vergiss aber nicht, das Katzen ursprünglich nicht als klassisches Haustier gehalten wurden, sondern eine Aufgabe hatten. Bei vielen ist diese Beziehung zum Tier offensichtlich noch drinnen...
Hunde werden ja auch sehr oft als Wachhunde gehalten. Da geht's eben nicht in erster Linie um die perfekte Haltung der Tiere, sondern um deren Nutzen für den Menschen.
Das ist ein wichtiger Punkt!
Haustier vs. Nutztier
Katzenvermittlung heutzutage orientiert sich an der Katze als Haustier nicht als Nutztier. Das mag früher anders gewesen sein. Daher auch die hohen Auflagen mittlerweile bei Tierschutzvereinen was die Vermittlung betrifft: Schutzverträge, Aufwandsentschädigungen, Vorkontrollen, Nachkontrollen. Würde man denselben Aufwand bei einem Nutztier betreiben?