Und der Rest des Textes (2/2):
Ich denke wie gesagt, dass Ella an sich auch gut alleine klar kommt. Dein Wunsch nach Gesellschaft für sie ist aus meiner Sicht in den sentimentalen Erinnerungen mit ihrem Bruder begründet, die aber nichts mit der heutigen Realität mehr zu tun haben.
Jein. Die sentimentalen Erinnerungen kommen vor allem deshalb zustande, weil ich gerade die alten Bilder ausgegraben habe. Klar dass es da überdurchschnittlich viele Kuschelbilder gibt, man sucht sich ja auch genau solche Momente zum fotographieren aus. Sowas zum Beispiel:
Aber - realistisch betrachtet - war sowas selten. Auch schon als sie zu uns kamen. Und es wurde immer seltener, je mehr sie uns als "ihre" Menschen akzeptiert haben und uns auch vertraut haben. Solange sie unsicher waren im neuen Zuhause - und dass das bei Wildlingen lange dauern kann bis sie entsprechend sicher werden weisst ja gerade Du, Taskali, am besten - haben sie extrem zusammengehalten. Aber je sicherer sie wurden dass wir keine Gefahr darstellen sondern sogar echt nett sind, desto selbständiger wurden beide und um so mehr haben sie auch Abstand von einander genommen. Louis hat sich vergleichsweise schnell ("schon" nach ca. 2 Monaten) "auf uns geschmissen". Ella hielt das einfach nicht für nötig und so ist es bis heute. Aber heute kommt sie eben doch auch ab und an aufs Sofa und fordert Streicheleinheiten ein, sie hat gelernt dass sie das mag und mögen darf und wir sogar ganz scharf drauf sind ihr das Bäuchlein zu kraulen und sie geniesst das dann auch ausgiebig.
Aber: sie kennt keine gleichberechtigte Freundschaft unter Katzen, wo eben jeder sein Ding macht ohne den anderen zu nerven oder zu unterwerfen und man eben seins macht, aber trotzdem nicht alleine ist.
Da geh ich jetzt nicht mit. Sie kennt das. Sie kennt das von der Pflegestelle (da gab's ja auch andere Katzen) und sie kennt das vom Zusammenleben mit ihrem Bruder bei uns.
Auf der Pflegestelle hatte sie ja auch schon einen "Freund" von auswärts, der regelmässig vor der Terrassentür stand um sie abzuholen (bitte jetzt keinen Shitstorm von wegen Freigang bei Katzenkindern, damit täte man der Pflegestelle wirklich unrecht und ich mag nicht endlos ausholen müssen um das zu erklären).
Wenn sie das lernen könnte, dann hätte sie das, was sie jetzt hat und einen Zugewinn dazu. Das wäre das, was meiner Meinung nach bei ihr versucht werden müßte, wenn man denn diese Optimierung möchte.
Ich glaub sie kann das. Wenn sie möchte. Mit ausgewählten Partnern.
Vielleicht ja sogar mit dem Nachbarskaterle?
Auf jeden Fall beobachten wir da die aktuelle Entwicklung. Und fänden es super wenn sich da 'ne echte Katzenfreundschaft aufbaut, zumal das keine Nachbarn sind die zur Miete wohnen und vielleicht in ein paar Monaten wieder weg sind, das ist ein junges Pärchen das hier ein altes Haus gekauft hat und an sich einen sehr sympathischen Eindruck macht (wenn da nicht die Kitten-Geschichte wäre).
Und das würde ich wiederum davon anhängig machen, ob IHR eine weitere Katze wollt oder nicht. Denn ob die Optimierung klappt ist ja nicht gesichert und es wird ein langer Weg - durch den ihr ja auch durchmüßt. Da macht es aus reiner "Kosten-Nutzen-Rechnung" keinen Sinn das euch allen anzutun, wenn es eigentlich nicht nötig und von euch auch nicht wirklich gewollt ist.
Ich glaube der aktuelle Zeitpunkt ist falsch. Nicht nur wegen der anstehenden Baustelle.
Mir erscheint es wirklich so als sei dieses Frühjahr Ellas erstes Auftreten als "Revierchefin". Wie gesagt, letztes Frühjahr war das Revier schon von Louis abgesteckt, und im Frühjahr davor waren sie als Einjährige einfach noch nicht so weit als dass sie von den anderen ernstgenommen worden wären (und sich ernsthaft an Revierkämpfe rangetraut hätten).
Vielleicht muss Ella jetzt grad dieses Riesen-Theater abliefern um klarzustellen dass sie hier die Chefin ist, wenigstens auf unserem Grundstück und teilweise in den angrenzenden Gärten (wir haben hier keine Mauern oder richtigen Zäune zwischen den Grundstücken, es herrscht entsprechender Katzen-Durchgangsverkehr).
Vielleicht ist das jetzt nur eine Phase - bis sie sich wirklich durchgesetzt hat und sämtliche Fronten geklärt sind.
Wenn ihr sagt, IHR wollt eine 2. Katze in der Hoffnung, dass es zeitgleich dann zu einer Optmierung für Ella führt, dann wäre Polly die richtige.
Das ist tatsächlich aktuell nicht so. WIR brauchen nicht zwingend eine zweite Katze - es würde im Moment wirklich vorwiegend um Ella gehen. Aber die hat offensichtlich gerade sowieso komplett andere Interessen - und es scheint so als hätte sie ihr Revier im Griff.
Auf den Winter sieht das wahrscheinlich wieder anders aus. Wenn ich mir den Zeitpunkt einer Zusammenführung aussuchen kann, dann wird's ab Herbst wieder interessant und für alle stressfreier (Ella war letzten Sommer garnicht glücklich darüber dass die Balkontür immer geschlossen bleiben musste usw. - und wir genauso wenig, klar). Dass Freigänger-Zusammenführungen nochmal ein letztes Kapitel haben, nämlich das wo dann beide rausdürfen, und dass es da dann nochmal schiefgehen kann - DAS habe ich letztes Jahr schmerzhaft lernen müssen. Das Video von Amys erstem Freigang hab ich neulich in den endlosen Weiten meiner verschiedenen Festplatten wieder gefunden und es hat mich erneut schockiert wie schnell der kleine schwarze Zorngipfel alias Ella da aus dem Nichts aufgetaucht ist und Amy aus dem Garten verjagt hat.
Sie ist auf den Menschen fixiert, andere Katzen interessieren sie nur bedingt, geht ihnen aus dem Weg, aber ist selbstbewußt und präsent und läßt sich nix sagen, verteidigt sich, ohne aggressiv zu sein. Macht ihr eigenes Ding - genau wie Ella. So können sie zu einer friedlichen Co-Existenz finden, aus der dann irgendwann vielleicht mehr werden kann, wenn es beide wollen. Wenn nicht, dann ist auch nicht schlimm, denn jeder hat, was er möchte: Ella hat ihre Freiheit und Unabhängigkeit und Polly ihre Menschen.
Deshalb denke ich, dass sie passend wäre.
Garantien gibt es keine - das weißt du denk ich - aber ich seh eine gute Chance, dass es klappen kann.
Ich find das toll dass Du mit Polly an uns denkst, vor allem nach dem blöden Ausgang mit Amy letztes Jahr. Ich hätte mich jetzt nicht unbedingt getraut mich nochmal bei Dir um eine Katze zu bemühen, auch wenn Du mir letztes Jahr nach Amys Verschwinden keinerlei Schuld gegeben hast.
Aber - und so muss ich ja auch denken - ich glaub für Polly wär das nicht so doll.
Im Moment muss Ella vielleicht durch irgendeine spezielle Form von "Katzen-Erwachsenwerden" und Polly wäre nur unser Versuch irgendwas "durchzudrücken" zu was wir uns verpflichtet fühlen, weil man ja Katzen nicht alleine halten soll, auch Freigänger-Katzen nicht usw.
Ich bin fest davon überzeugt dass Ella sich auch wieder einkriegt und dass dieses ganze Reviergehabe gerade nur eine Phase ist.
Und der Gefährte und ich glauben halt auch ein bisschen an das Schicksal und dass der richtige Moment und die richtige Katze schon noch kommt.
So, das war jetzt viel, aber doch noch viel zu wenig um zu beschreiben wie's mir, dem Gefährten und Ella grad so geht.
Wer hier mitgelesen hat, hat vielleicht auch ein bisschen mitgekriegt wie wir hier so ticken und das vieles hier vom Bauchgefühl abhängt. Wenn sowohl der Bauch des Gefährten als auch meiner grad grimmen bei dem Gedanken JETZT eine Zweitkatze zu holen, "nur" damit Ella nicht alleine ist, gerade JETZT wo Ella doch eh kaum zuhause ist, weil sie permanent draußen ihr Revier verteidigt (oder mit Nachbarskaterle rumtüdelt?), gerade JETZT, wo eine wirklich brutale Baustelle ansteht...
der wird auch verstehen warum wir uns dafür entschieden haben nicht ausgerechnet JETZT eine Zweitkatze aufzunehmen.
Und ganz ehrlich: Ich glaub ich hätte diesen Sommer nicht den Nerv dafür. Und den müsste ich haben, denn mit mir steht und fällt das ganze ja letztendlich, auch wenn der Gefährte bezüglich Katzen da 100% hinter mir steht. Wenn ich unsicher bin, funktioniert's nicht. Und ich wäre aktuell wirklich unsicher.
Wir werden sehen.
Wahrscheinlich schleppt Ella irgendwann wieder eine Katze an die ihr behagt wie sie es schon auf der Pflegestelle getan hat (ihr damaliger Kumpel lebt dort jetzt fest).
Vielleicht ist es ja sogar das Nachbarskaterle. Das wäre doch toll wenn sie sich mit dem wirklich gut versteht, der hat auch 24/7 Freigang und wohnt wirklich nur einen "Katzensprung" entfernt. Auch wenn ich nicht so wirklich glücklich bin darüber dass es dort jetzt Kitten gibt die angeblich von irgendwelchen unbekannten unkastrierten Katern hier stammen (die "Residents" hier sind aber alle kastriert, ich kenne sie alle mit Namen, und soooooooo viele Streuner sind jetzt hier auch nicht unterwegs dass die eher in Frage kommen als der eigene unkastrierte Bruder *HAARERAUF*).
Taskali - ich hoffe Du kannst nachvollziehen warum wir uns aktuell gegen Polly entschieden haben.
Sie wird bestimmt ein ganz tolles Zuhause finden ohne schwarzen Giftzwerg...
Kurz um: Nur Mut! Wenn Taskali meint, dass es passen könnte, versucht es! Es ist sicher anfangs stress - für beide - aber wenn es klappt, kann es für die Mietzen ein riesen Zugewinn sein
Tine, Du kannst sicher sein, ich vertraue auf Taskalis Rat.
Um so mehr weil sie mir ja nach der Katastrophe letztes Jahr immernoch eine Katze anvertrauen würde.
Aber Taskalis Rat ist im Moment ja durchaus auch dass es aktuell kein MUSS ist, für Ella eine Zweitkatze zu finden. Es wird nur funktionieren, wenn wir hier alle 100% sicher sind und dahinter stehen. Und so ist es im Moment halt eben nicht.
Wir würden Polly keinen Gefallen tun.
Und Ella wär's im Moment wahrscheinlich einfach egal ob da zuhause hinter der Gittertür 'ne andere Katze sitzt, sie ist ja eh kaum zuhause.
Es wird einen besseren Zeitpunkt geben, da bin ich sicher.
Und es wird IMMER Katzen geben die dringend ein nettes Zuhause mit Freigang suchen.
Es JETZT zu erzwingen wäre meiner Ansicht nach falsch - denn ich muss da 100% dahinter stehen, sonst geht das nach hinten los. Und das tu ich im Moment nicht wirklich, warum kannst Du oben lesen.
Trotzdem vielen lieben Dank für Deine Meinung.
Ella wird noch mehr Chancen kriegen in ihrem Leben - soviel ist sicher. Wir lieben sie über alles und wollen nur ihr bestes.