Die Vorgeschichte:
Der 09.10.2013 - ein rabenschwarzer Tag für mich.
Zu spät aufgestanden - ein Fenster zum Lüften geöffnet, das ich sonst nie öffne - Glühbirne in Diele und Küche brennen gleichzeitig durch - bemerkt, dass nur zwei Katzen beim Futtern sind - darauf vertraut, dass Flöhchen bereits wieder schlafen gegangen ist. Draußen dann auch noch ums Haus gelaufen und hochgeguckt, aber am 09.10. ist es nun mal um 6.30 Uhr noch nicht hell genug, um evtl. eine schwarze Katze in der Dachrinne entdecken zu können. Abends dann der Schock - Flöhchen ist nicht da und der kleine Mann zeigt durch sein Schnuppern deutlich, dass sie wohl hochkant von außen am Wohnzimmerfenster gestanden haben muss.
Flyer verteilt - ich habe Nächte auf der Straße verbracht und sie gesucht - bin jeden Morgen mit Angst aus dem Haus gegangen, dass ich sie vielleicht überfahren auf der Straße entdecke. Nach Wochen nur ein einziger Hinweis - evtl. hat man sie vor Wochen 3km entfernt gesehen. Ich habe ihr Foto in allen möglichen Foren veröffentlicht - erst dadurch ist mir so richtig bewusst geworden, wie viele Katzen täglich verschwinden und gesucht werden und wie viele nicht mehr nach Hause kommen. In meinem Herzen habe ich nie die Hoffnung aufgegeben, auch wenn diese Hoffnung natürlich kleiner wurde. Doch abgeschlossen hätte ich erst, wenn ich Gewissheit gehabt hätte oder wenn Flöhchen ein Alter erreicht hätte, wo sie vielleicht wirklich nicht mehr leben würde.
Am 17.01.2014 starb mein Oskar mit 15 1/2 Jahren - nicht ganz überraschend, denn sein chronisches Asthma hatte sich bei jedem Wetterumschwung immer mehr verstärkt - doch zu diesem Zeitpunkt war es doch nicht vorhersehbar gewesen. Und so, wie er ohne mich zu fragen, in mein Leben gezogen war, so ging er auch - mein tapfherer kleiner Dickie, Du fehlst mir noch heute.
Am 26.03.2014 zogen meine Ladies Zoe und Leonie bei mir ein - der kleine Mann sollte nicht alleine sein. Jede der beiden Ladies eine Schmusebacke für sich, als Schwestern kennen sie sich seit der Abgabe im Tierheim nicht mehr. Es war ein Glück, dass mein kleiner Mann so ein gelassener Kater war, der überhaupt nicht auf das Gefauche der beiden reagierte. Irgendwann gab Zoe auf, fauchte dann nur noch ihre Schwester an - zwischen Leo und dem kleinen Mann entwickelte sich eine distanzierte Liebe. Das zeigte sich, als ich meinen Herzbuben am 28.05.2015 über die Regenbogenbrücke gehen lassen musste - zu schwer war die Erkrankung, die sich auf einmal ohne Vorwarnung zeigte. Mein schmerzhaftetester Verlust - noch heute geht es nicht ohne Tränen.
Ich wusste, dass es spätestens zum Ende des Jahres "Familienzuwachs" geben würde - der Platz des kleinen Mannes sollte nicht frei bleiben. Und ich hatte auch schon klare Vorstellungen - ein Kater, wahrscheinlich schwarz, und wahrscheinlich ein Baby, weil ich dachte, damit kommen meine beiden "Zicken" am ehesten klar. Doch dann kam alles ganz anders und jetzt geht die Geschichte von Flöhchen weiter.
Ich schaue mir schon seit Jahren immer wieder die Seiten der Tierheime in der Umgebung an, besonders vom Tierheim Castrop - für mich die schönste Seite. Und freue mich immer, wenn ein Tier, egal ob Hund oder Katze, dann ein neues Zuhause findet. Schwarze Katzen, die mich schon immer faszinierten, werden besonders beobachtet, als Erstes aufgeklickt - in der ersten Zeit nach Flöhchens Verschwinden natürlich auch in der Hoffnung, dass ich sie irgendwann entdecken würde.
Am 22.07. war ich nach langer Zeit mal wieder auf der Seite vom Tierheim Dortmund - viele schwarze Katzen und ich begann von unten mit dem Anklicken. Und schon bei der ersten Beschreibung stutzte ich, denn außer der Info, dass sie eine Schilddrüsenerkrankung hat, passte alles - vom Alter, von ihrem Verhalten anderen Katzen und Menschen gegenüber. Ich sah mir das Bild an und war enttäuscht, dass man das Gesicht nicht besser betrachten konnte, denn bei einer völlig schwarzen Katze kann man sich nur am Gesicht orientieren.
Ich habe mir dann zwei Tage dieses Foto immer und immer wieder angesehen - zu unterschiedlichen Zeiten, um auch andere Lichtverhältnisse für den Bildschirm zu haben - auf unterschiedlich großen Bildschirmen. Und je mehr ich es betrachtete, um so mehr fielen mir die Ähnlichkeiten mit Flöhchen auf und irgendwann war ich mir fast sicher. Ich habe dann durch einen Kontakt zum Tierheim Dortmund erfahren, wo sie gefunden worden war und danach war meine Sicherheit ziemlich weg, denn es war doch eine andere Richtung und fast 20km entfernt. Aber ich bin dann doch am 30.07. zum Tierheim gefahren und habe sie mir angesehen und habe dabei gelernt - man kann noch so sehr davon überzeugt sein, dass man seine Katze auf jeden Fall immer und überall erkennen würde - bei einer schwarzen Katze völlig ohne Auffälligkeiten, die zudem noch extrem abgemagert ist, ist das trotzdem nicht so einfach.
Und wenn diese Katze dann noch in einer Gitterbox sitzt, die in der untersten Reihe steht - wenn die Katze es dann auch noch vorzieht, tief innen in der Box zu sitzen - wenn "Frauchen" dann auch noch Brillenträger mit einer Gleitsichtbrille ist - ich hätte mir auch die Fotos weiter anschauen können! :lol::lol::lol: Irgendwann aber kam sie nach vorne, der Pfleger nahm sie auf den Arm, ich konnte sie aus der Nähe betrachten, sie streicheln - sie begann sehr schnell mit dem Schnurren, was auch den Pfleger sehr verwunderte, weil sie sich sonst wohl damit zurückhielt. Und dann nahm ich sie selbst auf den Arm - sie beschnupperte mein Gesicht von oben nach unten und von rechts nach links - rollte sich dann in meinem Arm zusammen, Pfoten auf meine Schulter, das Köpfchen an meinen Hals gedrückt und schnurrte, was das Zeug hielt. Und in diesem Moment war ich mir fast sicher, dass sie es ist. Als ich dann noch vom Pfleger erfuhr, dass ihre Abneigung gegen Katzen sich nur dadurch äußert, dass sie nichts mit ihnen zu tun haben will - auch das traf auf Flöhchen zu - stand fest, sie zieht wieder bei mir ein.
Der Einzug fand am 15.08. statt - mein erster Urlaubstag, denn ich wollte ihr nicht den Stress antun, mit meinen beiden Ladies zu Beginn allein zu sein. Ich konnte mich nämlich daran erinnern, dass Flöhchen, als ich sie vor 5 Jahren aus dem Tierheim Castop holte und sie auch so spindeldürr war, mit Durchfall reagiert hatte und das wollte ich nicht noch einmal erleben, denn damals hätte ich sie aus Sorge fast wieder zurückgebracht. Als ich im Tierheim war und mir eine andere Pflegerin Dinge zu Flöhchen sagte - zu schlechter Gesundheitszustand, um kastriert zu werden, falls sie es noch nicht sein sollte (konnte nicht eindeutig festgestellt werden) - zu schlechter Gesundheitszustand, so dass sie sogar ohne Vermittlungsgebühr abgegeben wurde - lange Eingewöhnungsphase, bis sie zutraulich wird - musste ich schon schlucken, kam mir fast vor, als ob ich sie auf ihrem letzten Weg begleiten würde.
Die Pflegerin setzte sie alleine in die Box - Flöhchen fing bei der Übergabe bereits mit dem Miauen an - das setzte sich während der 15minütigen Taxifahrt fort, aber meine Finger in der Box beruhigten sie auch immer wieder. Ich stieg mir ihr aus dem Taxi aus, wir standen vor der Haustür und das Miauen hörte auf! Wir gingen die zwei Etagen hoch, ich setze sie in der Wohnung ab und ließ sie auch noch eine Zeitlang in der Box, damit sie erst einmal in Ruhe alles betrachten konnte - kein Miauen! Als ob sie gewusst hätte, dass sie wieder Zuhause ist.
Und auch meine beiden Ladies haben sich völlig unerwartet verhalten - haben sie damals bei ihrer Ankunft den kleinen Mann wie Hacke angefaucht, passierte hier (fast) gar nichts. Zoe blieb stumm - von Leo gab es ein ganz, ganz leiches Fauchen, das mit einem ebenso leisen Fauchen von Flöhchen beantwortet wurde und mehr ist seitdem auch nicht passiert. Manchmal denke ich, dass die beiden Ladies sich bewusst sind, dass Flöhchen Schutz braucht.
Und Flöhchen selber? Sie hält sich auch nach einer Woche am liebsten in der Küche auf - vielleicht hat es mit ihrem Leben in den letzten 21 Monaten zu tun - ein begrenzter Raum, den man im Auge behalten und in dem man auf der Hut sein muss. Das gleiche gilt wohl auch für das Fressen, denn zum einen frisst sie, was man ihr unter die Nase hält, von der Menge her verputzt sie das Dreifache von Zoe und Leonie zusammen - zum anderen frisst sie noch mit einer Gier, als ob sie Angst hätte, dass man ihr das Futter gleich wieder wegnimmt. Das berührt mich sehr, weil es wohl zeigt, wie viel Hunger sie in den 21 Monaten gelitten haben muss.
Ich bin mir zu 99% sicher, dass ich mein Flöhchen wiedergefunden habe - die 100% werde ich nicht erreichen, denn dazu hätte sie gechippt sein müssen, was sie jetzt aber ist. Doch egal, ich bin glücklich und ich glaube, der Kleinen geht es genauso.
Das war jetzt ein langer Bericht, der hoffentlich nicht zu sehr gelangweilt hat, aber ich musste sie einfach mal erzählen. Auch, um anderen Mut zu machen, dass man nie die Hoffnung aufgeben sollte. ;-);-);-);-)