Ganz neu hier und muss schon meinen Senf abgeben... fängt ja schon gut an
Ich muss zugeben, dass mich dieses ganze "Katzenzüchter verdienen ja so doll"-Geschwätz aufregt. Ich züchte zwar selber nicht (irgendwann werd ich das sicher mal tun, wenn ich mehr Platz und Geld dafür habe), aber meine Mutter züchtet seriös Maine Coons, also kann ich auch ein wenig mitreden. Und selbst wenn man seine Kitten für 650 oder gar 750 Euro verkauft, verdient man an der Katzenzucht nicht.
Nicht nur, dass jedes Kätzchen für sich schon sehr teuer kommt mit Futter (die Kleinen fressen eine Menge und bei großen Katzen wie Maine Coons fällt sogar noch mehr an), Tierarztkosten und Sonstiges (Chip, Stammbaum, Kittenpaket für den Käufer etc.), eine Zucht benötigt natürlich auch Zuchtkätzinnen (mehr als eine) und mindestens einen Deckkater. Die kosten nicht nur in der Anschaffung mal locker 1000 Euro, sondern wollen auch gut versorgt werden. Gerade trächtige und säugende Kätzinnen brauchen das Allerbeste vom Allerbesten, zusätzliche Aufbaumittel etc... alles ziemlich teuer.
Wenn man viele Katzen hat, wird jeder kleine Schnupfen zum Verhängnis, da das Ansteckungsrisiko trotz größter Sauberheit bei mehreren Tieren einfach höher ist. Die Folge sind immense Tierarztkosten. Manchmal zieht man einen Kater/eine Kätzin ein Jahr lang auf, bis man feststellt, dass er/sie nicht zuchttauglich ist und einem alle Pläne über den Haufen wirft.
Von Futter und Tierarzt abgesehen (und das macht schon einen riesigen Teil aus), machen beispielsweise 10 Katzen auch eine Menge kaputt, diese Dinge ersetzt einem niemand. Züchter zahlen einen jährlichen Beitrag an ihre Vereine, das macht zwar das Kraut "nicht mehr fett", muss aber erwähnt werden. Wasserkosten sind extrem erhöht, da man ja ganz oft waschen muss (Decken, auf denen die Katzen liegen, Katzengeschirr etc.), aber so etwas bedenkt auch niemand. Heizkosten sind viel höher, weil man Räume wegen den Katzen beheizen muss, die man ansonsten kaum benutzen würde. Stromkosten wegen Staubsauger etc.
Und von der vielen Arbeit mal abgesehen. Die gut 4-5 Stunden täglich, die man an Arbeit hat, sein Haus komplett sauber zu halten, Futter zuzubereiten, Katzenklos mehrmals täglich zu reinigen etc. sind im Preis eines Kitten vom Züchters überhaupt nicht einmal mit einberechnet! Wenn man diese Zeit in einen Nebenjob investieren würde, hätte man wesentlich mehr Geld.
Dann gehts ja weiter: Viele Katzen brauchen viel Spielzeug, viele Kratzbäume, viel Streu. Manch einer mietet sich sogar ein größeres Haus, obwohl ihm eine Wohnung schon genügen würde, hätte er nicht die Zucht.
Dann braucht man idealerweise ein Freigehege, das zu bauen kostet einen Haufen Kohle.
Züchter sollten wenigstens ab und zu mal eine Ausstellung besuchen, um sich bekannter zu machen und den Typ seiner Katzen beurteilen zu lassen, diese sind unglaublich teuer. Eine gute Homepage gehört auch nocht dazu, die sowohl Geld als auch Zeit und Arbeit kostet...
Ich könnte meine Liste noch endlos fortsetzen, aber ich hoffe jedem klar denkenden Menschen leuchtet Folgendes ein:
Seriöse Katzenzüchter verdienen an ihren Kitten nichts. Im schlimmsten Fall zahlen sie sogar bei 750 Euro/Kitten noch etwas drauf. Rentieren würde sich das Ganze entweder durch einen enorm erhöhten Kittenpreis, indem man die Katzenunterhaltskosten extrem einschränkt, was auf das Wohl der Tiere niederschlagen würde oder indem man eine "Massenproduktion" startet, das Ganze hauptberuflich macht und wirklich seine paar hundert Kitten im Jahr hat. Aber kleine - mittelgroße, seriöse Katzenzuchten sind von allen am angeschmiertesten. Sie verdienen nichts, sie zahlen drauf oder wenn sie Glück haben bleibt ihnen +/- 0 übrig.
Man sieht - das kann man keinesfalls vergleichen mit "meine (Haus)katze hatte auch mal Junge, weil die ja so süß sind und das war auch nicht so teuer".
Leider gibt es Leute. die meinen, sie müssten bei einer Katze sparen und kaufen lieber beim Schwarzzüchter nebenan für 200 Euro ein Rassekitten. Hat ja nur keinen Stammbaum, sonst ist Katze ja Katze, oder? Pustekuchen.
Wer seine Rassekitten für 200 Euro verkauft, hat definitiv irgendwo massiv eingespart. Und das nicht am Stammbaum, denn der kostet pro Kitten nur ca. 30 Euro. Sparen ist nie gut, wenn es um Lebewesen geht.
Wenn ich dauernd sowas lesen muss wie "bla, Rassekatzenhalter/züchter sind alle doof, geldgierig, halten sich Tiere nur als Statussymbol", dann frage ich mich schon, ob da nicht ein gewisses Maß an Neid mitschwingt.
Ja, ich habe zwei Rassekatzen. Eine hat mich 400 und eine hat mich 600 Euro gekostet. Ich bin weder reich, nicht einmal "gut betucht". Aber wenn man sein Geld heutzutage schon für jeden Scheiß ausgibt, dann kaufe ich mir lieber eine Katze und verzichte dafür auf einen Urlaub (ich fahre ohnehin nicht in Urlaub, war nur ein Beispiel), ein neues Handy, einen neuen Fernseher oder ein paar mal Essen gehen... oder sonst etwas. Und hey, die Tiere kosten ihr Leben lang SO viel Geld, da kommt es auf die paar hundert Euro nun wirklich nicht mehr an. =)
Weder noch sind Tiere für mich Statussymbol, aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ja, das Aussehen, das Wesen und die Aufzucht spielen für mich schon eine Rolle!
Ich wollte eine Britisch Kurzhaar haben, genau wie ich eine Somali haben wollte. Und ich liebe meine beiden Zuckerschnecken, sie sind nämlich einfach einmalig. Ich finde sie wunderschön, supersüß und auch vom Charakter her ganz bezaubernd.
Soll natürlich nicht heißen, dass es keine schönen Hauskatzen gibt, aber so eine wollte ich eben nicht. Hätte ich so eine gewollt, hätt ich mir so eine geholt. Ich möchte eine schöne, liebe Katze, von der ich möglichst lange etwas habe.
Und so ganz dem zum Trotz habe ich mir jetzt kürzlich noch eine fast 13jährige Hauskatzen-Mischlings-Dame in dreifarbig dazugeholt, die von mir genauso viel Liebe und Aufmerksamkeit und genauso tolles Futter bekommt wie meine anderen beiden.
Ob Hauskatze oder Rassekatze, wir lieben sie doch alle. Wer eine Hauskatze auf die Straße setzen würde und eine Rassekatze nicht; für wen der einzige Unterschied der nackte "Waren"wert und die 500 Euro Aufpreis sind, der hat eine Katze generell nicht verdient!
Und auch Züchter lieben ihre Katzen, auch wenn es nach "hartem Geschäft" klingt. Als Züchter muss man öfter Tiere weggeben, denn wenn man jeden Kastraten behalten würde, hätte man bald das Haus voll und den Geldbeutel leer. Aber es blutet doch jedes Mal das Herz. Und wenn mal ein Kitten tot geboren wird oder gar nach ein paar Tagen stirbt (und das kommt in der besten Zucht einmal vor), da fließen auch schonmal die Tränen.
Ich hab da mal ein Gedicht gelesen. "You only pay with money, we pay with out heart". Ich denke, das trifft es ganz gut.
Bei Katzen darf man nicht sparen! Weder in der Anschaffung, noch im Unterhalt. Egal welche Rasse oder ob Rasse überhaupt!
So, das war mein Senf. Mittelscharf.
