Hallo Superkiwi,
Du brauchst Dich nicht für "späte" Antworten entschuldigen, das ist in einem Forum ziemlich normal, dass man nur antwortet, wenn man Zeit hat.
Zum Trockenfutter: Es stimmt, dass einige
Tierarzt das gern empfehlen. Das liegt daran, dass Ernährungskunde nicht unbedingt im Studium gelehrt wird und die
Tierarzt auf Informationen von außen angewiesen sind. RC bringt viel Geld auf, um die
Tierarzt zu "schulen" und gleichzeitig als Vertriebspartner zu gewinnen... Wenn man erst mal Geld damit verdient, hinterfragt man eher selten, was man da "gelernt" hat, zumal ein normaler Tierarzt ja nicht nur Katzen, sondern auch ganz viele andere Tierarten behandelt. Die Besonderheiten von Katzen sind da nicht immer vollständig bekannt.
Katzen sind ehemalige Wüstentiere und ihre Ernährung ist bis heute darauf eingestellt, weil sie auch in unserer Umwelt ziemlich gut funktioniert. D.h. sie nehmen ihre Flüssigkeit im Wesentlichen mit der Nahrung auf. Entzieht man der Nahrung das Wasser, muss man es von außen zur Verfügung stellen. Das klappt aber bei Katzen nicht, weil Katzen nicht besonders viel trinken, weil ihr Körper ihnen ja sagt, Wasser kommt über die Nahrung... Wenn die Flüssigkeit also nicht über das Futter kommt, muss es von den Nieren aus anderen Körperprozessen zur Verfügung gestellt werden, um das Futter überhaupt verdauen zu können. Bei Trockenfutter ist das extrem viel (mach mal eine Tagesration
Trockenfutter in ein großes Glas und kippe Wasser dazu, bis nichts mehr aufgenommen wird, immer eine Weile warten) Dadurch arbeiten die Nieren fast ständig auf Hochtouren.
ich vergleiche es gern mit einem Auto, dass ständig in der Nähe der roten Drehzahlen gefahren wird. Das kann eine Weile gut gehen... Das kann theoretisch auch sehr lange gut gehen. Aber bei der kleinsten Störung versagt das System und der Motor geht kaputt. Bei der Katze sind das die Nieren.
Das zum Trockenfutter allgemein.
RC ist aber noch nicht mal hochwertig, wenn es um das Nassfutter geht. Der Grund ist das verwendete Getreide, die pflanzlichen Eiweißextrakte, die pflanzlichen Nebenerzeugnisse und der Zucker. Nichts davon hat im Katzenfutter etwas zu suchen.
Katzen sind Carnivoren, genauer gesagt Beutegreifer, also Tiere, die ihre Beute im Ganzen fressen. Darauf sind ihr Magen, ihr Darm und alle ihre Körperprozesse ausgelegt.
Getreide bekommt sie in der Natur maximal aus dem Mageninhalt der Maus oder des Vogels. Das wären etwa 2-5% der Futtermenge. Dieses Getreide ist in aller Regel vorverdaut, die Katze bildet also selbst kaum Enzyme aus, die das Getreide aufspalten können.
Pflanzlichen Eiweißextrakte sind die Überreste, die bei der Pflanzenöl-Gewinnung entstehen.
Pflanzliche Nebenerzeugnisse sind alle Arten von Abfällen, die bei der Verarbeitung von Pflanzen entstehen. Das können Erdnussschalen und Stroh genauso sein, wie die Abfälle einer Brauerei.
Zucker frisst die Katze von Natur aus nicht, sie kann ihn nicht mal schmecken, muss ihn aber abbauen. Der ist für Dich drin, damit das Futter eine angenehm fleischig-braune und vor allem gleichmäßige
Färbung hat.
Alle diese Stoffe bringen der Katze maximal Energie, aber kaum Nährstoffe, die sie zum Muskelaufbau und für ihre Organversorgung benötigt. Pflanzliche Eiweiße sind in ihrer Zusammensetzung deutlich anders, als tierische. Wichtig für eine gesunde Ernährung sind die Aminosäuren, aus denen sich die verschiedenen Eiweiße zusammensetzen. Hier greift ein Effekt, der "Limitierende Aminosäuren" genannt wird. Liegt eine der benötigten Aminosäuren nicht in ausreichendem Maß vor, werden auch die anderen nicht in Eiweiße für die Muskeln eingebaut, sondern zu Fett verstoffwechselt.
Dies zusätzlich zu dem Effekt, das die Katze mit ihrem kurzen Fleischfresserdarm Dinge wie Zellulose gar nicht verdauen kann. (Das können nicht mal wir Menschen.)
Die Tierischen Nebenerzeugnisse sind übrigens alles das, was bei Schlachttieren als Abfall anfällt: Haut, Knochen, Sehnen, Grieben. Das ist erstmal nicht wirklich schlimm, die Katze frisst ihre Beute ja auch im ganzen, aber man kann davon ausgehen, dass der "echte" Fleischanteil viel zu gering ist, zumal er ja nicht einmal genannt wird.
Ein hochwertiges Futter erkennt man also an folgenden Dingen:
1. Man versteht die Deklaration, ohne ein Lexikon zu bemühen.
2. Es besteht zu maximal 5% aus Getreide oder Gemüse, und zwar möglichst kein Weizen, da dieser gern allergieauslösend wirkt. Reis oder Kartoffeln ist ok, aber nur in dieser Menge.
3. Der Fleischanteil (mit Innereien) beträgt mindestens 70% (Brühe wird gern extra deklariert)
4. Taurin muss zugesetzt sein, wenn der Herzanteil nicht mindestens 30% beträgt. Normal sind 1000-1500 mg je Kg.
5. es muss eine Kalziumquelle vorhanden sein (Knochen oder Zusatz),
(das Verhältnis sollte bei 1,1 bis 1,2 zu 1 liegen, aber das ist eher was für den Fortgeschrittenen-Kurs ;-) wenn mehrere Sorten verfüttert werden, sollten sich kleine Ausreißer nach oben oder unten ausgleichen)
Das war die "Kurzform" der Futtermittelkunde :mrgreen:
Die Fütterungsempfehlungen sind ein eigenes Thema: In Kurzform: vergiss sie. Zumindest bei Gutem Nassfutter. Die Hersteller kennen durchaus die Regel, dass von gutem Futter weniger gefüttert werden muss, als von schlechtem, dementsprechend sind einige der Werte sehr geschönt.
Normalerweise bedeuten sie, dass eine Katze mit der angegebenen Futtermenge je Gewicht ausreichend mit allem versorgt ist, was sie benötigt. Dummerweise ist der Durchschnitt der Katzen mit durchschnittlichem Bewegungsdrang immer genau die Katze, die man nicht besitzt.
Mit Diätfutter wirst Du das Gewicht Deiner Katze nicht langfristig regulieren können. Das ist etwa so, als wenn Du eine Diät machst. Wenn Du das nicht Dein Leben lang durchhältst (schon um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollte man das auch tunlichst nicht), hast Du danach einen JoJo-Effekt, weil die Natur praktisch alle Lebewesen zu Fressern macht, wenn Schmalhans Küchenmeister ist.
Es bleibt nur der Weg über gesunde Ernährung und Bewegung.
Die Umstellung des Futters kann in der Tat ein bisschen schwierig werden: ist aber mit Geduld durchaus machbar:
https://www.katzen-forum.de/nassfutter/37011-maekelei-and-umstellung-futters.html Hier haben schon viele Forumsteilnehmer Erfahrungen und Tipps gepostet.
Nicht verzweifeln, das wird schon wieder! :mrgreen:
Was in Deinem Fall auch helfen kann, ist vielleicht ein Futterautomat, der das Futter frisch hält. Ich nutze keinen, da können vielleicht andere mehr Erfahrungen beisteuern. Ein paar Threads zu diesem Thema sollte es auch schon geben.
Ach so: Beim Spielen mit den Laserpointer sollte die Katze am Ende eine Kleinigkeit als Belohnung finden (kann man vorher verstecken..) sonst ist das auf Dauer zu frustrierend, weil sie ja nie einen echten Jagderfolg hat. ;-)
Ich hoffe, mein kleiner Roman bringt ein klein wenig Licht ins Dunkel.
Erst mal: Nur Mut, und Du hast auch nicht alles falsch gemacht. Das ist Unsinn!

Und alles kann wirklich niemand wissen, vor allem, wenn es falsch erklärt wird.