- Fortsetzung Teil 11 -
Im Sommer 2014 kraulte ich Gina wie immer die Stelle an ihrem Schwanzansatz, die sie besonders liebte. Während ich mit der Hand an der Wirbelsäule entlangfuhr, ertastete ich auf einmal an der rechten Seite ein erbsengroßes Knötchen. Es war ganz fest, die Katze schien dort keine Schmerzen zu haben und es schien wie mit dem Knochen verwachsen. Nun war ich natürlich etwas beunruhigt. Da sie aber im September, also etwa drei Wochen später, ihren jährlichen Kontrolltermin hatte, wollte ich bis dahin warten, denn gerade im Sommer war das Autofahren und das Wartezimmer für sie immer ein besonderer Stress. An die feuchte Hitze, die Karlsruhe jeden Sommer wie ein warmer Schleier überzieht, hatten wir uns beide nie richtig gewöhnen können.
Ich kontrollierte natürlich jeden Tag bis zu drei Mal, ob sich der Knoten veränderte, aber es blieb immer diese kleine, unverrückbare Erbse.
Am Tag der Kontrolle nahm ich meine Schwiegermutter in spe mit, da mein Freund arbeiten musste. Ich berichtete dem Tierarzt natürlich sofort davon und er meinte, dass es sich um ein
Fibrosarkom handeln könnte, da manche Ärzte entgegen aller Erfahrungen immer noch an dieser Stelle impften. Mit dem Wort "
Fibrosarkom" konnte ich zunächst nichts anfangen, spürte aber instinktiv, dass es sich um etwas Böses handelte. Ich war froh, dass meine Begleitung dabei war und Fragen stellte. Wenn ich mit Gina beim Tierarzt war, war ich immer mindestens so aufgeregt wie die Katze und so wichtige Fragen fielen mir meistens erst gar nicht ein. Bei einem
Fibrosarkom handelte es sich also um einen bösartigen Tumor, der durch die Verletzung der Bindegewebsschicht entstand. Der zuständige Onkologe wollte eine Probe der Zellen entnehmen und ich stimmte diesem Plan zu. In so einer Sache ist man den Entscheidungen der Ärzte ja doch gewissermaßen ausgeliefert, da man selbst es einfach nicht besser weiß.
Bei der Zellprobe wurden Spindelzellen gefunden, ein Hinweis darauf, dass es sich wahrscheinlich um einen Tumor handelt. Man schlug mir nun eine Operation vor und hier war der Moment, in dem ich zu zögern begann. Ich wusste doch gar nicht, wie alt Gina nun wirklich war und wie gut sie diese Narkose und OP verkraften würde. Um mich zu beruhigen, wurde die Katze dann nochmal von oben bis unten durchgecheckt und ein Blutbild angefertigt. Nachdem man mir versicherte, sie hätte die Werte einer jungen Katze und wäre topfit, war ich soweit beruhigt, mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, um am nächsten Tag einen Termin zu vereinbaren.
Zu Hause angekommen ging ich nochmal alle Möglichkeiten durch, die mir blieben und das waren nicht allzu viele. Wenn es sich bei dem Geschwür tatsächlich um ein
Fibrosarkom handeln sollte und ich würde es nicht behandeln, würde das zum baldigen Tod meiner Gina führen. Also rief ich am nächsten Tag an und vereinbarte einen Termin für die nächste Woche.
Die Nacht vor ihrem großen Tag musste Gina wegen der Narkose nüchtern bleiben, für eine Katze, die normalerweise immer abends frisst natürlich eine große Hürde. Aber ich muss sagen, dass sie es tapfer gemeistert hat. Ich blieb die ganze Nacht mit ihr wach, um sie abzulenken, in den frühen Morgenstunden schliefen wir beide dann kurz gemeinsam auf dem Sofa ein.
In der Klinik wurde mir die Vorgehensweise nochmal ausführlich beschrieben. Der Arzt würde das Gewebe um das Geschwür großräumig mitentfernen, da sonst die Möglichkeit besteht, dass so ein
Fibrosarkom erneut auftritt. Außerdem sollte gleich Ginas Zahnstein entfernt werden, wenn sie schonmal in Narkose lag. In den Abendstunden würde ich sie dann wieder abholen können. Ich verabschiedete mich von meiner Fellnase und verlebte den ganzen Tag in einer Art Schockzustand und starrte nur auf das Telefon. Gegen 18 Uhr kam dann der erlösende Anruf. Gina hatte die Operation gut überstanden und wir dürfen sie gerne abholen.
Man hatte die Miez in einen türkisenen Body gesteckt, damit sie nicht an die Narbe herankam. Ihre Pupillen waren durch die Narkose stark geweitet und sie sah höchst unglücklich aus. Man gab uns ein Antibiotikum mit, um die Wundheilung zu unterstützen und außerdem ein starkes Schmerzmittel für die nächsten ein, zwei Tage. Zur Kontrolle sollten wir vier Tage danach noch einmal erscheinen. Das Gewebe war natürlich zur Untersuchung eingeschickt.
Als Gina so gar nicht auf meine Anwesenheit reagierte, nahm der Tierarzt sie nochmal aus ihrer Box, ein Moment, in dem mir das Herz in die Hose rutschte. Doch es schien alles in Ordnung zu sein, sie war nur eben noch ziemlich benebelt.
Zu Hause hatte ich schon alles vorbereitet. Ich hatte eine Matratze auf den Boden im Wohnzimmer gelegt, da ich davon ausging, dass das Springen ihr erstmal schwer fallen würde. Hier setzten wir sie auch erst einmal ab. Doch bis auf die zwei Schritte aus der Box, weigerte Gina sich zu laufen. Gehetzt schaute sie sich immer wieder um, knurrte und fauchte, so als würde sie überall Gespenster sehen. Sie lag auf der Seite und schlug ihre Krallen in alles, was in ihrer Nähe war. Ich legte mich zu ihr, redete besänftigend auf sie ein, streichelte ihr immer wieder über den Kopf, aber Gina dachte nicht einmal daran, sie zu beruhigen. Anstatt zu laufen, zog sie sich an ihren Krallen vorwärts, kippte immer wieder um, rollte sich mehrmals über ihre Narbe. Sie fauchte und schrie, zerkratzte mir meine Arme völlig. Nach einer halben Stunde konnte ich mir das Elend nicht mehr ansehen. Dieser Body, den sie anbekommen hatte, war durch ihre Aktionen inzwischen völlig verrutscht und schnitt ihr in die Vorderbeinchen. Ich beschloss ihr dieses Ding auszuziehen, da hatte ich jedoch keine Chance. Sie spannte ihren ganzen Körper inklusive Beine derart an, dass ich ihn nichtmal über ein Pfötchen bekam. Also nahm ich die große Küchenschere und schnitt ihn auf Ginas gesunder Seite vorsichtig auf. Kaum war sie von dem Body befreit, entspannte sich die gesamte Katze und pinkelte an Ort und Stelle. Dieser türkisene Horror hatte sie wahrscheinlich so gestört, dass sie sich nichtmal getraut hatte, ihr Geschäft zu verrichten.
Nun stand Gina auf und schaute natürlich erstmal nach, was da so fürchterlich ziepte an ihrem Rücken. Ein riesiges weißes Pflaster war quer über ihre rechte Hüftseite geklebt. Ich verhinderte gerade noch so, dass sie es sich gleich selbst entfernte, was mir mit einem lauten Knurren quittiert wurde. Die nächsten Stunden tigerte sie durch die Wohnung und konnte einfach nicht stillsitzen. Sobald sie sich irgendwo niederlassen wollte, wurde es kalt am Rücken und die frische Narbe spannte, also sprang sie, wie von einer Wespe gestochen, fauchend wieder auf und rannte weiter durch die Wohnung.
Ich war natürlich inzwischen mit den Nerven völlig am Ende, es war inzwischen mitten in der Nacht, ich versuchte der Katze zu vermitteln, dass alles ruhig und gut war, doch sie schien gar nicht daran zu denken, sich zu beruhigen. Ich schickte also meine Schwiegermutter in spe nach Hause, um den Trubel in der Wohnung zu beenden, meinen Freund schickte ich ins Bett und ich selbst setzte mich aufs Sofa und machte den Fernseher an, ein Auge natürlich immer auf die Katze gerichtet, die sich in jedem unachtsamen Moment über das Pflaster hermachte.
Mit etwas Futter verabreichte ich Gina etwa 2 Uhr nachts noch einmal kleingemörsert das Schmerzmittel, dass sie zu ihrem und meinem Glück widerstandslos fraß und nun schien auch sie langsam Ruhe zu finden. Von allen Liegeplätzen, die ihr in ihrer Situation möglich waren, wählte sie ausgerechnet die Tasche meines Laptops, die noch am Boden lag, versuchte ich doch seit Tagen meinen Aufsatz für die Uni fertig zu schreiben.
Ich legte ihr noch vorsichtig ein gefaltetes Betttuch darunter, damit sie es weicher hatte, dann rollte Gina sich ein und schlief. Ich nahm nun mit der Matratze vorlieb, die auf dem Boden lag und schob sie so hin, dass ich weit genug von ihr entfernt war, um ihr ihre wohlverdiente Ruhe zu gönnen, gleichzeitig aber immer noch ein Auge auf sie hatte. Durch die Ruhe, die nun eingekehrt war, döste ich immer wieder ein, um gleich darauf hochzuschrecken, und nach Gina zu schauen. Morgens forderte sie noch eine Portion Futter, dann schlief sie weiter und ich begann mich langsam zu entspannen.
So sah meine Gina am nächsten Morgen aus, auf ihrer Laptop-Tasche schlafend. Die Narbe war etwa 20 cm lang.
- Fortsetzung folgt -
kleiner Nachtrag: Hatte ganz vergessen, dass wir es natürlich auch noch in der ersten Nacht mit so einem Kopftrichter probiert haben. Aber da Gina sich damit genau so schlimm gebährdet hat wie mit dem Body, haben wir ihn ihr nach etwa 10 Minuten wieder abgenommen. Madame wusste halt, was sie will und nicht will. :-?