Gina, der Wildfang

Diskutiere Gina, der Wildfang im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Was für eine hübsche Katze und tolle Entwicklung die ihr beide erfahren habt und schön erzählt. Bin auf die Fortsetzung gespannt.
  • Gina, der Wildfang Beitrag #21
Was für eine hübsche Katze und tolle Entwicklung die ihr beide erfahren habt und schön erzählt. Bin auf die Fortsetzung gespannt.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #22
Hallo Fyannon,
tolle Geschichte, super erzählt!!!!
Bin auch sehr gespannt, wie es weiter geht.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #23
Die Geschichte ist so fantastisch und toll erzählt.... meeeeeeeeeeehr!!! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Hast du sehr sehr gut gemacht, die Kleine zu adoptieren!! *Hut ab*!
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #24
Hallo,

ich hab bisher still mitgelesen. Aber deine Geschichte ist so toll und ich finde es super wie du die Gina aufgenommen hast, dann ich dir auf jeden Fall einen :a066: schicken will.

Viele Grüße,
Ciriana
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #25
Vielen, vielen Dank für das Lob und die lieben Worte! Das beflügelt mich gleich, heute noch ein bisschen weiterzuschreiben!

Teil 9
Gina und ihre Essgewohnheiten


Bevor Gina zu mir kam, ernährte sie sich wohl hauptsächlich von Mäusen, Vögeln und was ihr sonst noch so vor das Mäulchen lief, außerdem wurde sie ab und zu mit Trockenfutter gefüttert. Dem Trockenfutter, bei dem es jedem Katzenliebhaber die Haare zu Berge stehen lässt. Auch ich muss zugeben, dass ich in Osnabrück zunächst bei dem billigen, ungesunden Futter blieb, einfach aus dem Grund, weil ich es nicht besser wusste. Nach unserem gemeinsamen Umzug begann ich mich dann zu informieren, welche Alternativen ich ihr denn in Sachen Ernährung bieten kann. Ihr Fell wirkte stumpf und struppig und wenn sie aufs Klo ging, stank es danach wirklich fürchterlich.
Ich hatte natürlich gelesen, dass die Umstellung auf Gesund-Futter nicht bei allen Katzen gut ankommt und probierte es erstmal mit kleinen Portionen. Aber diese Sorgen hätte ich mir gar nicht machen müssen, Gina verspachtelte quasi alles, was man ihr vorsetzte. Klar, sie war es eben gewohnt, das zu essen, was sie bekam, sonst hätte sie früher hungern müssen.
Ich probierte verschiedene Sorten Nassfutter durch und blieb schließlich bei einer hängen, die sie besonders gerne aß. Da ich nun auch von den Nierenproblemen wusste, die ältere Katzen oft befielen und Gina nunmal nicht die große Trinkerin war, rührte ich auch immer einen Schluck Wasser unter, damit sie auch ja mit genug Flüssigkeit versorgt wurde.
Die Fütterungszeiten bestimmte allerdings Gina, da musste ich relativ schnell kapitulieren. In Osnabrück hatte ich sie ja immer nachts bei gutem Wetter rausgelassen, wahrscheinlich war das dann auch ihre Jagdzeit. Also hatte ich mich gefälligst nach diesem Rhythmus zu richten und sie auch nachts zu füttern. Alle Versuche, sie abends zu sättigen und auszupowern, gingen ins Leere, pünktlich zwischen zwei und drei Uhr nachts und noch einmal morgens gegen fünf stand Madame auf der Matte und machte ordentlich Rabatz. Schlafwandelnd stand ich dann immer möglichst leise auf, um meinen Freund nicht zu wecken und versorgte das Tierchen. Letztendlich bleibt der Mensch eben doch nur der Dosenöffner, der sich nach der Katze richtet.

Eine weitere Unart, die sie sich aus Osnabrück-Zeiten angewöhnt hatte, war das Essen am Tisch. Sie war es eben nunmal gewöhnt, dass bei WG-Essen ab und zu etwas für sie abfiel. Doch hatte sie zu dieser Zeit mir teilweise die Speisen direkt vom Teller geklaut! Meine Zimmernachbarin konnte damals ein Lied davon singen. Sie hatte die Reste eines Lachs-Kartoffel-Auflaufs zum Auskühlen auf der Küchenanrichte stehen lassen. Als sie sie in den Kühlschrank verräumen wollte, war vom Lachs keine Spur mehr. Dasselbe Schicksal ereilte kurze Zeit später ein Stück Apfelkuchen...
Auch in Karlsruhe ließ sie sich nicht davon abbringen, neben dem Tisch zu sitzen, während wir aßen. Jedoch war sie ja nun nicht mehr so derartig ausgehungert, weswegen sie geduldig den Platz neben meinem Stuhl einnahm und wartete, ob ich ihr etwas gab oder nicht. Natürlich konnte ich den großen, gelben Kulleraugen nicht immer widerstehen.

Wenn es bei uns nun Fleisch gab, bat ich den Metzger darum, das sehnige Fleisch nicht wegzuschneiden, das stand jetzt der Katze zu. Ich hatte mir angewöhnt, jeden abend frisch zu kochen, die Kochkünste meines Freundes waren (und sind es heute noch) leider mehr als beschränkt. Auch wenn ich manchmal keine große Lust auf diese Hausarbeit verspürte, mit Gina zusammen ging es mir immer leichter von der Hand.
Sobald ich abends anfing, in der Küche zu werkeln, kam die kleine Fellnase angetrottet und nahm ihren Platz vor dem Herd ein. Dass ich dabei immer um sie herum tänzeln und über sie drüber steigen musste, störte sie nur bedingt.
Ich begann ihr nun zu erzählen, was es abends Leckeres gab. Bei Rind, Huhn oder Pute fielen natürlich ein paar Stückchen für sie ab. Sie war dann so aus dem Häuschen, dass sie ihre Blicke nicht mehr von meinen Händen wenden konnte, und deswegen auch die ein oder andere Kollision mit der Tür erlitt.
Die vegetarischen Gerichte interessierten sie leider nicht so sehr, trotzdem ließ sie mich nie allein in der Küche stehen. Dann schnupperte sie eben an allem Gemüse, dass ich ihr vor der Zubereitung zeigte. Mit leicht geöffnetem Mund und halb geschlossenen Augen prägte sie sich die Gerüche ein. Knollensellerie und Rüben fand sie zum Beispiel toll, Orangen und Alkohol furchtbar.
So wurde jeder Abend für uns beide zu etwas Besonderem.

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Beim Kochen
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #26
Teil 10
Gina und das Spielen


Kurz nach dem Einzug kaufte ich Gina einen Kratzbaum. Bisher hatte sie ihre Krallen nur an richtigen Bäumen oder Türmatten gewetzt und ich war gespannt, wie diese Umstellung funktionieren würde. Nun, letztendlich funktionierte sie gar nicht. Ich gab mir die allergrößte Mühe, ihr den Bastbaum attraktiv zu machen. Ich kratzte selbst mit den Fingernägeln daran, ich versteckte Leckerlis auf und um den Kratzbaum herum, ich schmierte ihn mit Baldrian ein, doch nichts zeigte eine Wirkung. Auch als erhöhte Sitzposition wurde er von der Katzenoma nicht angenommen. In der Zwischenzeit wetzte sie ihre Krallen lieber an unserer Tapete und der Türmatte vor der Wohnungstür. Wenn sie also lieber die Wand benutzt, so dachte ich mir, dann besorge ich eben Bastmatten, die man an die Wand nageln kann. Also verteilte ich drei Stück davon in der Wohnung an ihren Lieblingskratzstellen. Jedoch ignorierte sie diese nun und benutzte lieber andere Tapetenecken! Auch ein Geruchsspray hinderte sie nur kurze Zeit daran, die Tapeten von der Wand zu kratzen.
Meinen Freund regte das furchtbar auf, hatten wir doch erst vor ein paar Monaten selbst mühsam die ganze Wohnung renoviert. Wenn ich also nachts Ginas neue Reviermarkierungen entdeckte, ging ich ihr leise mit Pinsel und Farbe hinterher und übermalte diese Stellen, sodass er sich nicht über die Katze aufregen konnte.
Inzwischen hatte die Fellnase auch meinen Schreibtisch als neue Kratzgelegenheit entdeckt, hier ließ ich sie dann nach Lust und Laune werkeln. Außerdem besorgte ich ihr noch eine Türmatte, die ich dann ins Wohnzimmer legte, auch diese nahm sie gut an und ihre Kratzspuren an den Wänden verringerten sich. Den Kratzbaum verschenkte ich an eine Bekannte.
Spielen generell war so eine Sache, mit der sich Gina bisher kaum auseinandergesetzt hatte, hatte doch bisher das Überleben die vorrangige Rolle in ihrem Leben eingenommen. Natürlich besorgte ich ihr allerlei Bälle, Angeln und Wedel, konnte ich mich doch noch daran erinnern, wie ausdauernd sich mein Katerchen mit solchen Dingen beschäftigen konnte. Doch wie bringt man einer Katze das Spielen bei? Die Bällchen waren für sie völlig uninteressant, egal aus welchem Material sie bestanden, ob sie raschelten oder bunt waren. Ab und zu stolperte sie beim Durch-Die-Wohnung-Tigern über eins, das wurde dann zweimal mit der Pfote angeschoben, dann schaute sie sich erschrocken um, ob sie vielleicht jemand dabei beobachtet hatte und ging dann weiter, wie als wäre nichts geschehen.
Vor Angeln und Wedeln entwickelte sie eine regelrechte Phobie. Ich legte sie erst einmal ruhig vor sie hin, sodass Gina daran schnuppern konnte. Dann begann ich sie langsam zu bewegen, sie folgte der Bewegung mit ihren Augen, dann wanderte ihr Blick von der Schnur oder dem Stock zu meiner Hand hinauf, dann schaute sie mich ungläubig an. Sie schien einfach nicht zu verstehen, was ich von ihr wollte. Wenn ich dann weiter mit dem Spielzeug wackelte oder sie sogar berührte, ergriff sie die Flucht. Immer wieder versuchte ich ihr das Spielen interessant zu machen, aber sie schien einfach nie gelernt zu haben, dass das zum Katze-Sein dazugehörte.
Mein nächster Versuch war das Clicker-Training, da mir bewusst wurde, dass ich so ein Tier wahrscheinlich nur mit Futter beschäftigen konnte. Auch hier gab es nur mäßigen Erfolg, Gina verlor einfach zu schnell die Geduld, dem Target hinterherzulaufen, vielleicht stellte ich mich in dem Bezug auch nicht richtig an und war einfach zu unerfahren. Aber immerhin wusste ich jetzt, dass ich sie mit Leckerlis aus der Reserve locken konnte.
Ich nahm mir also eine Handvoll Trockenfutter, setzte mich auf den Boden des Esszimmers und warf ihr das Essen in die Küche. Relativ schnell schien das ihren Jagdtrieb zu wecken und im Katzengalopp sprang sie den Kügelchen hinterher. Dabei schnellte immer erst die Vorderpfote auf das Trockenfutter, um die Beute zu sichern, dann erst wurde gegessen. Hier schien ihr Ehrgeiz geweckt zu sein und die Spielrunde war für sie immer erst dann beendet, wenn sie schnell atmend eine Pause einlegen musste.
Eine weitere Beschäftigung, die nach etwas Übung wunderbar mit Gina klappte, war das Fummelbrett. Auch hier zeigte sie sich zunächst sehr ungeduldig, ja es grenzte fast an Majestätsbeleidigung, dass sie sich nun ihre Leckerlis aus kleinen Schalen, Irrgärten oder zwischen Noppen hindurch erangeln musste. Doch sie kehrte immer wieder zurück und schien in ihrem Kopf auszutüfteln, wie sie das Futter nun daraus bekommen sollte. Sobald sie es geschafft hatte, wurde sie natürlich überschwänglich gelobt, was sie mit einem Schnurren quittierte. Sie schien sich selbst auch über ihren Erfolg zu freuen.
Es gab nun also auch noch kleine Schachteln, Smartie-Rollen mit Löchern und alle anderen Dinge zum Herausfummeln. Der negative Effekt hierbei war natürlich, dass wir also beim Trockenfutter als Ergänzungsnahrung hängen bleiben mussten und das eine Balance zwischen Futterration und Spielen gefunden werden musste. Immer wieder mussten wir uns nun auch mit Ginas Gewicht auseinandersetzen. Aber durch eine Rationierung der Trockenfutterportion bekamen wir auch dies relativ stabil gehalten, auch wenn sie nun immer ein kleines bisschen zuviel auf den Rippen hatte.
Ein weiteres Highlight für die Katze war das Baldriankissen, dass ich ihr besorgt hatte. Während sie von Katzenminze völlig unbeeindruckt blieb, forderte sie dieses inzwischen regelmäßig mit lautem Miauen ein. Gina rollte sich dann immer wie eine Verrückte, sabberte und nieste, bis hinein und schleckte es ab, bis sie schließlich erschöpft und glücklich darauf liegen blieb. Trotzdem nahm ich es ihr nach einer kleinen Weile immer wieder weg, sodass sie sich beim nächsten Mal umso mehr darüber freuen konnte.
Vielleicht hätte ich es nach dieser völlig anderen Lebenssituation auch nochmal mit einem Artgenossen und Spielkumpanen für Gina versuchen sollen, jedoch muss ich gestehen, dass ich nach ihren Katzenerlebnissen in Osnabrück etwas Angst davor hatte. Vor Katern hatte der Wildfang sich bisher immer gefürchtet, was sich in Unsauberkeit oder Flucht äußerte, Katzen hingegen schien sie als Rivalen und potentielle Futterkonkurrenten angesehen und hatte sich bis aufs Blut mit ihnen bekämpft. Alle Katzenkenner und -liebhaber mögen es mir also bitte nachsehen, dass ich diesen Schritt unversucht ließ.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #27
Teil 11
Gina und der Tierarzt


Kurz nach dem Umzug wollte ich Gina noch einmal von oben bis unten durchchecken lassen. Sie fraß nur mäßig und schien nicht gut drauf zu sein, was ich aber zunächst auf den Stress schob. Mein Freund war in Karlsruhe bisher mit seinem alten Labrador zunächst bei einem Tierarzt gewesen, dann aber in die Tierklinik gewechselt, die ihm dann statt Athrose einen Tumor diagnostiziert hatten, den der Tierarzt übersah, jedoch war es dann schon zu spät, der Hund spuckte Blut und innerhalb weniger Tage musste die Entscheidung getroffen werden, die jedem Tierbesitzer das Herz zerreißt.
Auch ich hatte bisher leider mit allen Tieren, die ich besessen hatte, fast nur schlechte Erfahrungen gemacht. Da wurde mein Meerschweinchen bis zum Tod operiert, anstatt es zu erlösen, mein Katerchen war wahrscheinlich schwer krank und der Tierarzt hielt ihn für gesund, und, und, und... Für Gina wollte ich jetzt nur das Beste, auch wenn ich dafür ein paar Euro mehr hinlegen und eine Fahrt quer durch den Stadtverkehr in Kauf nehmen musste.
Das Verladen in den Transportkorb ging erstaunlich ruhig vonstatten. Ich stellte dazu die Box in den Flur, schloß alle Türen, um mögliche Fluchtwege abzuschneiden, setzte Gina direkt vor der Gittertür ab und sie lief einfach rein, faltete ihren Schwanz ein und ergab sich ihrem Schicksal. Eine durchaus vorbildliche Katze.
Bei unserem ersten Termin wurden natürlich erstmal allerhand Fragen gestellt. Woher kommt die Katze, wurde sie geimpft, gechipt und was ist ihre Vorgeschichte? Davon konnte ich natürlich nur relativ wenig beantworten. Kastriert war sie offensichtlich, die Tätowierung in ihrem Ohr war verlaufen und damit unleserlich, Chip war keiner vorhanden. Die Zähne waren ok, der obere rechte Eckzahn jedoch abgebrochen. Gina bekam erstmal eine Rundum-Imfpung, eine Wurmkur und das Blutbild war auch in Ordnung. Anscheinend war die Fellnase rundum gesund.
Die Fahrt zur Klinik begleitete Gina uns mit einem ausdauernden Miau-Konzert. Im Wartezimmer wurde jeder Hund, der sich ihrem Transportkorb näherte mit einem Knurren und Fauchen begrüßt. Sobald sie jedoch ihre Box für die Untersuchung verlassen musste, rollte sie sich wie ein kleiner Igel ein und ließ alles über sich ergehen. Sie spannte ihre Muskeln derart an, dass sie wie ein kleiner Pizzateig auf dem Tisch hin und her geschoben werden konnte, wenn die andere Seite untersucht werden musste, wurde die kleine Kugel einfach gewendet. Ab und zu wurde dann mal gefaucht, aber nie gebissen. Das machte es den Ärzten natürlich leichter und etliche Untersuchungen, die bei anderen Katzen nur unter Narkose möglich wären, konnten bei Gina schonender durchgeführt werden.
Etwa ein halbes Jahr später schlugen wir dennoch erneut bei der Klinik auf. Ich hatte beobachtet, dass die Fellnase Probleme mit dem Springen hatte und empfindlich am Rücken reagierte. Sofa-, beziehungsweise Betthöhe schaffte sie ohne Probleme, alles was höher war probierte sie gar nicht erst. Durch Abtasten konnte der Arzt nichts entdecken, also wurde ein Röntgenbild angefertigt, um nach etwaigen schlecht verheilten Brüchen zu suchen. Doch auch hier sah alles gut aus. Eventuell war einer der Wirbel kurz vorm Hüftgelenk etwas schief, was vielleicht auf den Nerv drücken konnte. Man gab uns hierfür ein leichtes Schmerzmittel mit, um zu untersuchen, ob es dann besser wurde (wurde es nicht), ansonsten sah ich von weiteren Untersuchungen ab, da Gina offensichtlich keine Schmerzen hatte und es sie sonst auch nicht großartig in ihrem Leben zu behindern schien.
Gleichzeitig kam ihr Fell noch zur Sprache, dass sich, trotz Ernährungsumstellung und Eingewöhnungszeit nicht verbessert hatte. Gina haarte extrem und war auch sehr schuppig. Insgesamt fühlte ihr Fell sich irgendwie besonders an. Es war nicht so weich wie das anderer Kurzhaarkatzen, eher rau und immer etwas speckig. Wahrscheinlich rührte das jedoch entweder von ihrem langen Wildfang-Leben her oder irgendeine Rasse war reingemischt. Ihr Fell war nämlich außerdem unglaublich buschig und am Bauch auch ziemlich lang. Für dieses Problemchen gab es noch ein Nahrungsergänzungsmittel, doch auch hier blieb der Erfolg aus. Beides waren aber Dinge, mit denen ich guten Gewissens leben konnte, und Gina, denke ich, auch.
Ansonsten machten wir es uns zur Routine, sie einmal jährlich durchchecken zu lassen und die nächsten drei Jahre sah uns die Tierklinik auch nur zu diesen Terminen, Gina war eine kerngesunde Katze.

- Fortsetzung folgt -
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #28
Meine bekommen immer leckerlie dann halten sie auch Ruhe nur nicht im Auto
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #29
Speckiges, struppiges Fell kriegte mein Herzenskater im Endstadium seiner CNI.... bei Gina war das offenbar nicht der Fall ;-)

*ungeduldig auf die Fortsetzung hibbel*
:mrgreen:
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #30
Speckiges, struppiges Fell kriegte mein Herzenskater im Endstadium seiner CNI.... bei Gina war das offenbar nicht der Fall ;-)

*ungeduldig auf die Fortsetzung hibbel*
:mrgreen:

Hab mal gelesen, dass das bei manchen Katzen aufgrund der Hormonumstellung durch die Kastration sein kann, vielleicht aber eben auch durch ihr "Vorleben". Das struppige Fell sind wir irgendwann losgeworden, die Schuppen und das Haaren sind uns leider bis zum Schluss geblieben :-|

Leckerlis wollte sie nicht auf der Fahrt, dafür hat sie dann immer angefangen vor lauter Wut ihre Einlage zu zerfetzen :D
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #31
- Fortsetzung Teil 11 -

Im Sommer 2014 kraulte ich Gina wie immer die Stelle an ihrem Schwanzansatz, die sie besonders liebte. Während ich mit der Hand an der Wirbelsäule entlangfuhr, ertastete ich auf einmal an der rechten Seite ein erbsengroßes Knötchen. Es war ganz fest, die Katze schien dort keine Schmerzen zu haben und es schien wie mit dem Knochen verwachsen. Nun war ich natürlich etwas beunruhigt. Da sie aber im September, also etwa drei Wochen später, ihren jährlichen Kontrolltermin hatte, wollte ich bis dahin warten, denn gerade im Sommer war das Autofahren und das Wartezimmer für sie immer ein besonderer Stress. An die feuchte Hitze, die Karlsruhe jeden Sommer wie ein warmer Schleier überzieht, hatten wir uns beide nie richtig gewöhnen können.
Ich kontrollierte natürlich jeden Tag bis zu drei Mal, ob sich der Knoten veränderte, aber es blieb immer diese kleine, unverrückbare Erbse.
Am Tag der Kontrolle nahm ich meine Schwiegermutter in spe mit, da mein Freund arbeiten musste. Ich berichtete dem Tierarzt natürlich sofort davon und er meinte, dass es sich um ein Fibrosarkom handeln könnte, da manche Ärzte entgegen aller Erfahrungen immer noch an dieser Stelle impften. Mit dem Wort "Fibrosarkom" konnte ich zunächst nichts anfangen, spürte aber instinktiv, dass es sich um etwas Böses handelte. Ich war froh, dass meine Begleitung dabei war und Fragen stellte. Wenn ich mit Gina beim Tierarzt war, war ich immer mindestens so aufgeregt wie die Katze und so wichtige Fragen fielen mir meistens erst gar nicht ein. Bei einem Fibrosarkom handelte es sich also um einen bösartigen Tumor, der durch die Verletzung der Bindegewebsschicht entstand. Der zuständige Onkologe wollte eine Probe der Zellen entnehmen und ich stimmte diesem Plan zu. In so einer Sache ist man den Entscheidungen der Ärzte ja doch gewissermaßen ausgeliefert, da man selbst es einfach nicht besser weiß.
Bei der Zellprobe wurden Spindelzellen gefunden, ein Hinweis darauf, dass es sich wahrscheinlich um einen Tumor handelt. Man schlug mir nun eine Operation vor und hier war der Moment, in dem ich zu zögern begann. Ich wusste doch gar nicht, wie alt Gina nun wirklich war und wie gut sie diese Narkose und OP verkraften würde. Um mich zu beruhigen, wurde die Katze dann nochmal von oben bis unten durchgecheckt und ein Blutbild angefertigt. Nachdem man mir versicherte, sie hätte die Werte einer jungen Katze und wäre topfit, war ich soweit beruhigt, mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen zu lassen, um am nächsten Tag einen Termin zu vereinbaren.
Zu Hause angekommen ging ich nochmal alle Möglichkeiten durch, die mir blieben und das waren nicht allzu viele. Wenn es sich bei dem Geschwür tatsächlich um ein Fibrosarkom handeln sollte und ich würde es nicht behandeln, würde das zum baldigen Tod meiner Gina führen. Also rief ich am nächsten Tag an und vereinbarte einen Termin für die nächste Woche.

Die Nacht vor ihrem großen Tag musste Gina wegen der Narkose nüchtern bleiben, für eine Katze, die normalerweise immer abends frisst natürlich eine große Hürde. Aber ich muss sagen, dass sie es tapfer gemeistert hat. Ich blieb die ganze Nacht mit ihr wach, um sie abzulenken, in den frühen Morgenstunden schliefen wir beide dann kurz gemeinsam auf dem Sofa ein.
In der Klinik wurde mir die Vorgehensweise nochmal ausführlich beschrieben. Der Arzt würde das Gewebe um das Geschwür großräumig mitentfernen, da sonst die Möglichkeit besteht, dass so ein Fibrosarkom erneut auftritt. Außerdem sollte gleich Ginas Zahnstein entfernt werden, wenn sie schonmal in Narkose lag. In den Abendstunden würde ich sie dann wieder abholen können. Ich verabschiedete mich von meiner Fellnase und verlebte den ganzen Tag in einer Art Schockzustand und starrte nur auf das Telefon. Gegen 18 Uhr kam dann der erlösende Anruf. Gina hatte die Operation gut überstanden und wir dürfen sie gerne abholen.
Man hatte die Miez in einen türkisenen Body gesteckt, damit sie nicht an die Narbe herankam. Ihre Pupillen waren durch die Narkose stark geweitet und sie sah höchst unglücklich aus. Man gab uns ein Antibiotikum mit, um die Wundheilung zu unterstützen und außerdem ein starkes Schmerzmittel für die nächsten ein, zwei Tage. Zur Kontrolle sollten wir vier Tage danach noch einmal erscheinen. Das Gewebe war natürlich zur Untersuchung eingeschickt.
Als Gina so gar nicht auf meine Anwesenheit reagierte, nahm der Tierarzt sie nochmal aus ihrer Box, ein Moment, in dem mir das Herz in die Hose rutschte. Doch es schien alles in Ordnung zu sein, sie war nur eben noch ziemlich benebelt.

Zu Hause hatte ich schon alles vorbereitet. Ich hatte eine Matratze auf den Boden im Wohnzimmer gelegt, da ich davon ausging, dass das Springen ihr erstmal schwer fallen würde. Hier setzten wir sie auch erst einmal ab. Doch bis auf die zwei Schritte aus der Box, weigerte Gina sich zu laufen. Gehetzt schaute sie sich immer wieder um, knurrte und fauchte, so als würde sie überall Gespenster sehen. Sie lag auf der Seite und schlug ihre Krallen in alles, was in ihrer Nähe war. Ich legte mich zu ihr, redete besänftigend auf sie ein, streichelte ihr immer wieder über den Kopf, aber Gina dachte nicht einmal daran, sie zu beruhigen. Anstatt zu laufen, zog sie sich an ihren Krallen vorwärts, kippte immer wieder um, rollte sich mehrmals über ihre Narbe. Sie fauchte und schrie, zerkratzte mir meine Arme völlig. Nach einer halben Stunde konnte ich mir das Elend nicht mehr ansehen. Dieser Body, den sie anbekommen hatte, war durch ihre Aktionen inzwischen völlig verrutscht und schnitt ihr in die Vorderbeinchen. Ich beschloss ihr dieses Ding auszuziehen, da hatte ich jedoch keine Chance. Sie spannte ihren ganzen Körper inklusive Beine derart an, dass ich ihn nichtmal über ein Pfötchen bekam. Also nahm ich die große Küchenschere und schnitt ihn auf Ginas gesunder Seite vorsichtig auf. Kaum war sie von dem Body befreit, entspannte sich die gesamte Katze und pinkelte an Ort und Stelle. Dieser türkisene Horror hatte sie wahrscheinlich so gestört, dass sie sich nichtmal getraut hatte, ihr Geschäft zu verrichten.
Nun stand Gina auf und schaute natürlich erstmal nach, was da so fürchterlich ziepte an ihrem Rücken. Ein riesiges weißes Pflaster war quer über ihre rechte Hüftseite geklebt. Ich verhinderte gerade noch so, dass sie es sich gleich selbst entfernte, was mir mit einem lauten Knurren quittiert wurde. Die nächsten Stunden tigerte sie durch die Wohnung und konnte einfach nicht stillsitzen. Sobald sie sich irgendwo niederlassen wollte, wurde es kalt am Rücken und die frische Narbe spannte, also sprang sie, wie von einer Wespe gestochen, fauchend wieder auf und rannte weiter durch die Wohnung.
Ich war natürlich inzwischen mit den Nerven völlig am Ende, es war inzwischen mitten in der Nacht, ich versuchte der Katze zu vermitteln, dass alles ruhig und gut war, doch sie schien gar nicht daran zu denken, sich zu beruhigen. Ich schickte also meine Schwiegermutter in spe nach Hause, um den Trubel in der Wohnung zu beenden, meinen Freund schickte ich ins Bett und ich selbst setzte mich aufs Sofa und machte den Fernseher an, ein Auge natürlich immer auf die Katze gerichtet, die sich in jedem unachtsamen Moment über das Pflaster hermachte.
Mit etwas Futter verabreichte ich Gina etwa 2 Uhr nachts noch einmal kleingemörsert das Schmerzmittel, dass sie zu ihrem und meinem Glück widerstandslos fraß und nun schien auch sie langsam Ruhe zu finden. Von allen Liegeplätzen, die ihr in ihrer Situation möglich waren, wählte sie ausgerechnet die Tasche meines Laptops, die noch am Boden lag, versuchte ich doch seit Tagen meinen Aufsatz für die Uni fertig zu schreiben.
Ich legte ihr noch vorsichtig ein gefaltetes Betttuch darunter, damit sie es weicher hatte, dann rollte Gina sich ein und schlief. Ich nahm nun mit der Matratze vorlieb, die auf dem Boden lag und schob sie so hin, dass ich weit genug von ihr entfernt war, um ihr ihre wohlverdiente Ruhe zu gönnen, gleichzeitig aber immer noch ein Auge auf sie hatte. Durch die Ruhe, die nun eingekehrt war, döste ich immer wieder ein, um gleich darauf hochzuschrecken, und nach Gina zu schauen. Morgens forderte sie noch eine Portion Futter, dann schlief sie weiter und ich begann mich langsam zu entspannen.

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So sah meine Gina am nächsten Morgen aus, auf ihrer Laptop-Tasche schlafend. Die Narbe war etwa 20 cm lang.

- Fortsetzung folgt -

kleiner Nachtrag: Hatte ganz vergessen, dass wir es natürlich auch noch in der ersten Nacht mit so einem Kopftrichter probiert haben. Aber da Gina sich damit genau so schlimm gebährdet hat wie mit dem Body, haben wir ihn ihr nach etwa 10 Minuten wieder abgenommen. Madame wusste halt, was sie will und nicht will. :-?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gina, der Wildfang Beitrag #32
Das ist doch meistens so oder nicht
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #33
Armes Mäuschen.... für sie muss es wohl besonders schlimm gewesen sein, ihrer Reaktion nach zu schliessen :cry: Und wenn Katz dann noch mit so Scheusslichkeiten wie Body oder gar Trichter gepiesakt wird... :mrgreen:
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #34
Ja, das mit dem Body war wirklich kaum mit anzusehen und mit dem Trichter hatte ich dann keine Geduld mehr, weil ich endlich wollte, dass sie mal zur Ruhe kommt! Ihre Augen sind ihr zu dem Zeitpunkt nämlich schon im Sitzen zugefallen, aber Madame musste sich ja trotzdem so furchtbar über alles aufregen. Gina hatte halt immer ihre eigene Vorstellung, wie alles zu laufen hat :lol:

- Fortsetzung Teil 11 -

Die nächsten Tage verbrachte ich also auf der Matratze im Wohnzimmer. Immer wenn Gina von ihre Laptop-Tasche aufstand, folgte ich ihr, um sie zu beobachten. Wenn sie sich entspannte, konnte ich mich auch entspannen. Das Pflaster löste sich dann auch noch am nächsten Tag, da die Narbe sich ja direkt am Bewegungsapparat befand und Gina bereits am Tag nach der OP beschloss, auf Sofa, Stühle und das Bett springen zu müssen. Wenigstens eine Sache machte mir die Situation etwas leichter: Sie fraß ihre Antibiotika und Schmerzmittel ohne Probleme vermischt mit ihrem Nassfutter. Ansonsten fand ich nur ein bisschen Schlaf, wenn mein Freund tagsüber ein Auge auf sie hatte und auch da döste ich nur leicht und schreckte immer wieder hoch. Inzwischen hatte ich auch böse Rückenschmerzen von meiner neuen Schlafstätte bekommen.
Am Tag der Nachkontrolle wurde uns natürlich von der Tierärztin nahegelegt, es eventuell noch mal mit einem Body zu versuchen. Sie war jedoch auch überrascht, wie gut die Wundheilung bei Gina voranging, obwohl sie ja quasi freien Zugang zu ihre Narbe hatte. Mit einem tapferen Lächeln und den dunkelsten Augenringen, die ich je hatte, erklärte ich ihr die Situation zu Hause und die Ärztin war ehrlich erstaunt. Wieder zu Hause ließ ich Gina in der Obhut meines Freundes und machte mich auf den Weg, für Gina einen kleinen Babybody zu besorgen. Vielleicht würde ja Versuch Nummer 2 erfolgreicher sein, zumal es ihr ja nun schon etwas besser ging und sie ohne Narkose-Nachwirkungen eventuell auch etwas besser mit der ungewohnten Situation umgehen konnte. Zufällig gab es einen mit zwei kleinen tanzenden Mäusen darauf und ich entschied mich, dass Gina dieser besonders gut stehen würde. Ich schnitt also ein Loch für den Schwanz hinein und um ihr die Möglichkeit zu geben, damit aufs Klo zu gehen und während Gina fraß, überrumpelte ich sie und hatte ihr ruckzuck dieses süße Teil angezogen. Sie sah echt zum Schießen aus und ich berreue es ein bisschen, dass ich davon kein Foto gemacht habe. Etwas verdattert stand die Katze also nun in der Küche, dann wagte sie die ersten Schritte mit ihrem neuen Anzug. Eins, zwei, drei, wie ein kleiner Roboter stakste sie los. Beim vierten Schritt jedoch hob sie das Beinchen fiel zu hoch, verhedderte sich mit ihren ausgefahren Krallen im Stoff und fiel längs auf die Nase. Und hier ging das Spiel vom ersten Abend von Neuem los. Gina versteifte sich einfach zu einem Brett, blieb auf der Seite liegen und motzte ordentlich drauf los. Ich wusste, dass die Chance damit vertan war und befreite sie von dem süßen Teil. Dann eben noch weitere durchwachte Nächte und Tage.

Je besser es Gina ging, umso frecher wurde sie natürlich auch wieder. Sobald ich ihr nur für 5 Sekunden den Rücken zudrehte, hörte ich das Schmatzgeräusch hinter mir, wenn sie mit dem Mäulchen die heilende Narbe untersuchte. Ich brauchte mich nur umzudrehen und Madame schaute mich mit dem unschuldigsten Blick an. Sie wusste genau, dass sie das nicht durfte. Inzwischen hatte sich unser Rhythmus etwas eingespielt. Tagsüber schlief ich immer wieder für ein bis zwei Stunden, nachts blieben wir beide lange wach und die frühen Morgenstunden übernahm ich als Schicht. Das alles war nur möglich, da wir den OP-Termin in meine Semesterferien und den Urlaub meines Freundes gelegt hatten.
Fix und fertig brachten wir Gina schließlich nach zwei Wochen (waren es wirklich nur zwei? mir kam es inzwischen wie eine Ewigkeit vor) zum Fädenziehen. Auch hier wurden wir wieder gelobt, wie gut die ganze Sache verheilt sei, und wirklich, nach dem die Fäden draußen waren, war von dem großen Schnitt nur noch eine helle Linie übrig geblieben. Natürlich achteten wir nun noch eine weitere Woche auf die Wunde, aber ihr Fell begann nun langsam nachzuwachsen und bald konnte man die Narbe nur noch erahnen, wenn man ganz genau wusste, wo sie sich befand. Zu erfühlen war sie gar nicht mehr, es blieb nur ein kleiner, heller Absatz in ihrem Fell übrig.
Beim Fädenziehen wurde uns auch mitgeteilt, dass das Gewebe nur ein gutartiges Fettgeschwülst gewesen war. Auf dem Heimweg, es war Anfang Oktober, fielen die bunten Blätter von den Bäumen und ich hatte mich schon lange nicht mehr so lebendig und glücklich gefühlt.
Langsam begannen sich die Tagesabläufe wieder zu normalisieren und ich holte den ganzen Schlaf nach, den ich die letzten Wochen verpasst hatte.
Trotz all der Anstrengung und dem Stress würde ich heute wieder alles genauso machen, auch wenn ich mir in diesem Moment fest vornahm, dass dies die letzte Operation für Gina gewesen sein sollte. Für ihr Alter hatte sie diese wirklich gut verkraftet, doch ich sah auch ihr an, wieviel Anstrengung sie das gekostet hatte. Die nächsten Tage umsorgte ich sie dann natürlich besonders liebevoll.

Trotz dieser kleinen Episode war Gina eine durchweg gesunde Katze und ich schätze mich dafür unglaublich glücklich. Ich weiß, dass es nicht jedem Tierbesitzer vergönnt ist und viele wöchentlich oder monatlich den Schritt zum Tierarzt gehen und immer wieder um ihre Lieblinge bangen müssen. Ich bin wirklich dankbar, dass Gina und ich bis zu ihrem Tode von Krankheiten verschont wurden.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #35
Eine Frage am Rande wie geht es Dir?
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #36
Naja, es ging mir schonmal besser :roll: aber ich weine nicht mehr jeden Tag um sie. Dafür taucht Gina jede Nacht in meinen Träumen auf, meistens mache ich mir da Vorwürfe, schuld an ihrem Tod zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass die Entscheidung, sie zu erlösen, mich einmal so dermaßen aus der Bahn wirft. Ansonsten taucht sie immer wieder in der Wohnung auf. Mein Freund hat sie heute morgen zum Beispiel in der Küche schmatzen gehört, wie als würde sie ihr Nassfutter fressen, ich schrecke oft nachts hoch, weil ich ihr Quietschen höre... Sie gehörte halt seit Anfang an zu dieser Wohnung dazu und ohne sie ist es hier schrecklich leer.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #37
Ich glaube das das normal ist. Wo meine Großeltern noch in ihrer alten Wohnung gewohnt haben hab ich immer blacky gesehen obwohl er seit 15 Jahren tot ist.

Aber du bist nicht schuld du warst da als sie dich am dringendsten gebraucht hat sie hat nicht gelitten ich glaube das es mit der Zeit besser wird und nicht mehr so weh tut.

Ich drücke dich und danke das du uns an eurem Leben teilhaben lasst.

LG Sina
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #38
Vielen Dank für deine lieben Worte Sinchen und danke auch an all die stillen Mitleser. Zur Zeit fällt es mir immer schwieriger weiterzuschreiben, denn je mehr ich schreibe, umso näher komme ich auch dem Ende. Und trotzdem möchte ich, dass Ginas Geschichte erzählt wird, weil sie für mich etwas ganz Besonderes war.

Teil 12
Gina und das Kämmen


Durch ihr Leben in völliger Freiheit war Ginas Fell nicht gerade das Gepflegteste, um es mal harmlos auszudrücken. Dadurch, dass sie lange mit sehr viel Zahnstein durch die Gegend rannte, hatte sie ihr Putzverhalten fast eingestellt, als ich sie damals in Osnabrück kennenlernte. Ginas unglaublich dichtes und festes Fell hatte sich am Bauch, an der Brust und an den Hinterbeinen zu kleinen Knötchen verfilzt. Die Lösung meiner rabiaten Mitbewohnerin war es bis dahin gewesen, sich die Katze ab und zu zu schnappen, sie im Nacken zu packen und ihr einen Kamm mit engen und feinen Zähnen durch das Fell zu ziehen. Dabei riss sie ihr die Knötchen heraus und damit auch viele Haare, die noch an der Haut hingen, was natürlich in großem Geschrei seitens Gina endete. Als ich das das erste Mal sah, war ich natürlich völlig schockiert und bat sie, sofort damit aufzuhören. Das Gina seitdem zeitlebens von Kämmen und Bürsten nicht begeistert war, ist nachzuvollziehen.
Trotzdem musste ich ihrem Fellproblem irgendwie Herr werden. Nach unserem Umzug und einer kleinen Eingwöhnungszeit in ihrem neuen Territorium, begann ich damit, ihr die kleinen Knötchen, während Gina schlief, herauszuschneiden. Immer wenn sie neben mir auf dem Sofa gerade fest weggedöst war, griff ich mir vorsichtig einen dieser kleinen Filzknödel und schnitt ihn, so gut es ging, nah an der Haut ab. Manchmal wachte der kleine Wildfang dann auf, betrachtete skeptisch die Schere und das Fell in meiner Hand, manchmal wurde es ihr aber auch zu viel und mit einem Fauchen und einem drohenden Pfotenhieb gab sie mir zu verstehen, dass ihre Toleranzgrenze erreicht war. Bald sah sie nun aus wie ein Mottenteppich, mit den vielen Löchern in ihrem Pelz, wo ich dem Filz bereits zu Leibe gerückt war.
Ein Problem, was wir jedoch nie ganz in den Griff bekamen, war ihr übermäßiges Haaren. Sie haarte und haarte sich, wie als würde sie bald ihr ganzes Fell abwerfen. Wenn ich Gina streichelte und ihren Pelz so richtig durchstrubbelte (Gina liebte es, wenn ich mit beiden Händen in ihr Fell griff und in alle Richtungen verwuschelte und dabei sanft mit den Fingernägeln ihre Haut massierte), hatte ich bald eine zweite Fellkatze in der Hand. Hier erhoffte ich mir natürlich, dass es eventuell doch noch mit einer Bürste besser werden würde. Der Trick war nun eben, ihr während des Kämmens immer wieder Leckerlis hinzulegen. Solange sie etwas zu essen hatte, war sie bereit, die Fellpflege zu ertragen, endete der Strom an Leckereien, ergriff sie mit einem Knurren die Flucht. So schaffte ich es wenigstens, sie ein bis zwei Mal die Woche zu kämmen alle anderen Versuche, sie an die Bürste zu gewöhnen, waren leider gescheitert. Und obwohl ich auch hier Unmengen an Unterwolle aus ihrem Pelz herausholte, nahm der Strom an Haaren nicht ab. Auch eine Vitamin- und Spurenelementekur vom Tierarzt half nur bedingt. Vielleicht kann hier ja mal jemand mit ähnlichen Erfahrungen berichten, mich würde interessieren, ob ich eventuell nur die Lösung des Problems übersehen habe. ;-)
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #39
Ich habe ähnliche Erfahrungen mit dem Kämmen meiner Katzen gemacht.

Aimée lässt sich nur durchkämmen, wenn sie etwas zu futtern bekommt.
Bei Mars habe ich einige verfilzten Stellen rausgeschnitten, die anderen hat sie sich selbst rausgerissen. Sie ist deswegen stellenweise kahl. Bürsten lässt Mars sich nur gelegentlich mit einer Antiziepbürste, die eigentlich für Menschen gedacht ist.
 
  • Gina, der Wildfang Beitrag #40
Ich habe ähnliche Erfahrungen mit dem Kämmen meiner Katzen gemacht.

Aimée lässt sich nur durchkämmen, wenn sie etwas zu futtern bekommt.
Bei Mars habe ich einige verfilzten Stellen rausgeschnitten, die anderen hat sie sich selbst rausgerissen. Sie ist deswegen stellenweise kahl. Bürsten lässt Mars sich nur gelegentlich mit einer Antiziepbürste, die eigentlich für Menschen gedacht ist.

Und haaren deine Miezen denn auch so stark? Ich finde es immer schade, dass das Kämmen immer so unter Zwang geschehen musste, kurze Zeit schien Gina es immer zu genießen, aber an den empfindlichen Stellen, also Hinterbeine und Schwanz, wo leider auch der meiste Filz hing, wurde sie dann immer zum Biest. :-|

Teil 13
Gina und ihr Revier


Mir war von Anfang an klar, dass ich so einen Wildfang von Katze nicht problemlos zu einer Wohnungskatze umerziehen konnte. Aufgrund der Lage auf dem Wohnungsmarkt und unserem Budget konnten wir bei unserem Umzug nicht gezielt nach einer Bleibe in ruhiger Lage suchen, umso glücklicher war ich, als ich bei der Besichtigung auf den Balkon trat und diesen riesigen Hinterhof mit Wiese und uralten, im Kreis angeordneten, Ahornbäumen entdeckte. Der Hof war zu allen Seiten durch die Häuser abgegrenzt, perfekt also, um Gina ein kleines Revier mitten in der Stadt zu bieten.
Nach einiger Eingewöhnungszeit in ihrer neuen Umgebung, begann ich mit Gina erste Ausflüge ins Treppenhaus zu machen. Sie bevorzugte hierzu die Abendzeit, wenn alles still im Haus war und sie ungestört an den fremden Türen schnuppern konnte. Besonders angetan hatte es ihr der Dachboden, hier führte sie auch die nächsten Jahre oft der Weg hin, um alle spinnwebigen Ecken zu erkunden. Manches Mal stand sie nun vor der Wohnungstür und forderte diesen Erkundungsgang an, noch schöner war es für sie natürlich, wenn ich sie nach oben begleitete.
Der nächste Schritt war, auf einer ihrer Touren durch das Treppenhaus, die Tür zum Hinterhof ein Stückchen zu öffnen. Meine Wunschvorstellung war, sie tagsüber ein paar Stunden nach draußen zu lassen, ein Buch mitzunehmen und währenddessen ein bisschen zu lesen, oder sie vom Balkon zu beobachten, während Gina durch den Hof streunerte. Wie jeder Katzenbesitzer wahrscheinlich weiß, lassen sich solche Wünsche nur in den seltensten Fällen realisieren, da unsere Miezen immer ihren eigenen Willen haben, wie so etwas umzusetzen ist. So waren Gina die vielen fremden Geräusche tagsüber im Hof zu viel. Von den vielen Balkonen rundum klapperte es, manche Bewohner brachten ihren Müll raus, andere holten ihre Fahrräder aus den Kellern, für meine kleine schüchterne Dame definitiv zu viele Menschen. Es blieb zunächst dabei, dass sie sich ein, zwei Schritte aus der Tür herauswagte sich kurz umschaute, ihre Ohren drehten sich dabei wie kleine Radare, um dann schnell wieder im Treppenhaus zu verschwinden. Es bot sich ihr eben auch kein guter Versteckplatz in der Nähe, aus dessen Sicherheit sie sich an die ungewohnte Situation gewöhnen hätte können und mir schien sie in so einer Situation noch nicht zu vertrauen. Bald verlor sie die Lust an diesem winzigen Stück Freiheit, es schien sie zu frustrieren, dass sie dort nicht ihre Ruhe hatte.
Ich begann meine Taktik also zu ändern, was im Treppenhaus funktioniert hatte, würde vielleicht auch bei einem Freigang helfen. Die Treppenhausgänge forderte sie inzwischen regelmäßig ein und es bestand auch weiterhin Interesse an dieser ominösen Tür in den Hof, das wertete ich schon mal als ein gutes Zeichen. Wir zogen also wieder in der sommerlichen Dämmerung los, als langsam Ruhe in den Häuserblock einkehrte. Unten an der Tür ein kurzes Innehalten, die fellige Nase in die Luft gestreckt, die Trichterohren nach vorne gerichtet und die Augen schwarz wie die Nacht mit zwei kleinen gelben Kreisen drumherum. Dann tigerte Gina los, die Haltung noch etwas geduckt, den Schwanz dicht am Boden und schon bald war sie in der Dunkelheit verschwunden. Natürlich freute ich mich, dass es nun doch so schnell gegangen war, die Nacht schien ihr nun endlich die Sicherheit zu bieten, die sie brauchte, um ihr neues Revier erkunden zu können. Irgendwo in der Dämmerung konnte ich den kleinen Schatten von einer Katze erkennen und folgte ihr. Dies schien aber nicht nach Ginas Geschmack zu sein, ihre erste Erkundung wollte sie gerne alleine machen, also ließ ich mich auf der Türschwelle nieder und wartete. Doch die Katze war so von diesem neuen Platz eingenommen, dass ich nach etwa zwei Stunden aufgab, zur Sicherheit ließ ich die Tür zum Treppenhaus angelehnt, sodass sie eine Möglichkeit zum Rückzug hatte, dann machte ich mich auf den Weg ins Bett, ich wollte sie am nächsten Morgen wieder einsammeln.
Rückblickend überrascht es mich selbst, wie entspannt ich in diesem Moment war, heute, nachdem sie mir dermaßen ans Herz gewachsen ist, hätte ich sie wohl in so einer Situation keine Minute alleine gelassen und definitiv nicht geschlafen in so einer Nacht. Für Gina war es wohl ein Glücksfall, meine ruhige Art hatte sich auf sie übertragen und ihr wurde bewusst, dass ihr trotz der unbekannten, vielen Geräusche, dort keine Gefahr drohte.

Am nächsten Morgen ging ich natürlich sofort nach unten, um meine kleine Fellkugel wieder einzusammeln. Ich rief sie, knisterte mit einer Leckerli-Tüte, doch keine Spur von Gina. Ich rannte sofort wieder nach oben, weckte meinen Freund, er hatte sich nun gefälligst an der Suche zu beteiligen. Da es nicht viele Versteckmöglichkeiten gab, war ich etwas ratlos, wo meine Katze nun steckte. Hatte vielleicht doch jemand nachts die Tür geöffnet und sie war auf die offene Straße entwischt? Lag sie möglicherweise bereits tot an der Hauptstraße? In so einer Situation dreht der Kopf natürlich durch und die schrecklichsten Horrorszenarien entstehen vor den eigenen Augen. Bei einem zweiten Rundgang entdeckte ich dann ein Loch in der Scheibe des Fahrradkellers nebenan. Darunter lag ein Ball, wahrscheinlich waren die Kinder aus dem Nachbarhaus hier unvorsichtig beim Spielen gewesen. Vorsichtig schob ich meine Hand durch das Loch im Glas und öffnete die Fensterverriegelung von innen. Im dämmerigen Dunkel des Raums konnte ich zunächst nichts erkennen, doch dann sah ich etwas dunkles, Felliges hinter der Türschwelle liegen. Auf mein Rufen reagierte Gina nicht, nun bekam ich etwas Panik. Hatte sie etwas Giftiges gegessen? War der Stress zuviel für sie gewesen? Also stieg ich kurzum durch das Fenster ein und mit zitternder Hand berührte ich leicht das Fell. Gina schreckte hoch und blinzelte mich verschlafen an. Die vielen Eindrücke schienen sie am Morgen überwältigt zu haben und sie war in dem geschützten, kleinen Keller in einen tiefen Schlaf gefallen. Freudig schnurrend schlich sie mir nun um die Beine, ich schnappte mir sie gleich und zurück in der Wohnung fiel sie wie ausgehungert über ihre Futterportion her.
Ich war nun froh, dass sich durch das Loch in der Scheibe ein kleiner Rückzugsort für sie aufgetan hatte, an dem sie sich verstecken konnte, wenn ihr etwas nicht geheuer war oder es regnete. Die Bruchstellen des Glases waren auch nicht so scharf, dass ich befürchten musste, dass Gina sich schnitt, wenn sie über den Fenstersims in den Keller kletterte. Ihr schien der Ausflug jedenfalls gefallen zu haben und bald wurde es zu einer regelmäßigen Gewohnheit, dass ich sie abends in die Freiheit entließ und sie morgens wieder einsammelte.
Der Weg durch das Treppenhaus verlief dabei nicht immer problemlos, manchmal schwänzelte sie die ganze Treppe hinab, um dann wieder hochzulaufen, oder sie setzte sich auf dem halben Weg hin, um dann nicht mehr weiterzulaufen. Ich versuchte sie dann mit Leckerlis weiterzulocken, manchmal nahm ich sie dann auch einfach und trug sie herunter, was mir mit einem lauten Fauchen quittiert wurde. Gina wollte eben ihr eigenes Tempo vorgeben, nur manchmal fehlte mir dafür leider die Geduld und die Zeit. Später fand ich dann heraus, dass sie es bevorzugte, wenn ich vor ihr die Treppe herunterging. Wenn ich hingegen hinter ihr lief, schien sie sich gehetzt zu fühlen und schaltete auf Stur.
Beim Einsammeln reichte ein kurzer "Gina"-Ruf und ein Quietsch-Geräusch, das ich zwischen den Lippen erzeugte, und sie kam von irgendwo her angaloppiert. Meistens saß sie aber schon hungrig und ungeduldig vor der Tür und forderte lautstark den Einlass ein. Und manchmal schlich sie sich auch bis vor die Wohnungstür, wenn die anderen Mitbewohner des Hauses zufällig die Tür geöffnet hatten, dann saß sie mit einem lauten Krähen auf der Türmatte und weckte uns.

- Fortsetzung folgt -
 
Thema:

Gina, der Wildfang

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