Hallo!
Ich glaube nicht, dass hier überhaupt noch jemand mitliest. Kein Wunder, ich Faulpelz schreibe ja auch nie! Trotzdem möchte ich hier meine weiteren Erfahrungen mitteilen, denn vielleicht wird irgendwann mal jemand nach Erfahrungen zum Thema FGESF suchen und dann soll derjenige hier die ganze Geschichte finden!
Wäre es eigentlich möglich, dass ein Moderator dem Thread hier einen passenderen Namen gibt? Falls jemand nach Erfahrungen sucht, wäre es bestimmt gut, wenn das Wort FGESF auch im Titel vorkommt.
Also, wie es weiterging:
2017-2018: Cortisonreduktion und FORL Die letzten zwei Jahre hat sich das FGESF nicht bemerkbar gemacht. Die Cortisondosis wurde nach und nach reduziert - von 5 mg täglich (Orpheus wiegt immer zwischen 4,5 und 5 kg) auf abwechselnd 5 und 2,5 mg täglich, dann täglich 2,5 mg. Außerdem wurde alle 3 bis 4 Monate ein Kontroll-Ultraschall gemacht. Anfang 2018 wurde dann schließlich auf alle 2 Tage 2,5 mg als endgültige Dosis reduziert und es wurde nur noch alle 6 Monate geschallt. Unter diesen Voraussetzungen gab es keinen Grund zur Annahme, dass seine Lebenserwartung irgendwie eingeschränkt sein könnte! Mit abnehmender Cortisondosis haben sich auch die üblichen Nebenwirkungen gegeben: Das vorher etwas struppige Fell ist wieder schön dicht und glänzend geworden, die Haut nicht mehr so dünn und empfindlich und auch die Fettverteilung ist wieder normal (bei Cortison kann es vorkommen, dass die ansonsten dürre Katze einen dicken Bauch bekommt - eine sogenannte "Stammfettsucht"). Alles Sachen, die Orpheus vollkommen egal sind, der freut sich einfach seines Lebens

Sein Cortison bekommt er übrigens einfach abends mit ins Barf, das funktioniert prima. Ich muss bloß die Katzen getrennt füttern, damit sein Kumpel Ari nicht die Tablette frisst. Mit dem Barf ist Orpheus übrigens trotz Cortison nicht dick geworden, sondern hat Idealgewicht! Er klaut allerdings wie ein Rabe. Selbst Berliner und Toastbrot sind nicht sicher!
2018 wurde eine FORL diagnostiziert und es wurde die Hälfte der Zähne gezogen. Die OP hat er problemlos überstanden, das Cortison hat keinerlei Probleme gemacht. Es musste allerdings auf ein Morphin statt normaler Schmerzmittel zurückgegriffen werden, weil die sich nicht gut mit dem Cortison vertragen. Abgesehen davon, dass er ein bisschen "high" war, hat Orpheus es gut vertragen.
Anfang 2019: Erneuter FGESF-Ausbruch Leider hat sich die Dosis von alle zwei Tage 2,5 mg als unzureichend herausgestellt: Beim Routineultraschall im März 2019 sind drei neue Tumore im Dickdarm (wie an einer Perlenkette hintereinander weg) gefunden worden, die durch ihre Position kurz vor dem Enddarm und die Darmmenge, die weg müsste, diesmal nicht operabel sind. Der größte davon hat bereits das Darmrohr eingeengt. Alle drei Tumore hatten sich aus der Darmwand entwickelt, die eigentlich aus drei Schichten besteht - von denen war im Ultraschall aber nichts mehr zu erkennen. Von all dem war von außen nichts zu merken: Orpheus hat sich völlig normal verhalten, gefressen und gespielt! Er war lediglich etwas dünner als sonst, was ich aber auf den Fellwechsel geschoben habe - da nimmt er gerne mal ab. Irrtum, es waren die Tumore, die Reserven gefressen haben! Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass Orpheus nicht die volle Lebenserwartung haben wird - die Tierärztin bereitete uns vorsichtig darauf vor, dass es eher Wochen oder Monate als Jahre sind. Als erste Nothandlung haben wir die Cortisondosis auf satte 10 mg (2 mg pro kg Körpergewicht) erhöht, was schon fast an eine Chemotherapie grenzt. Da die Tumore durch entzündliche Prozesse entstehen, bestand die Chance, dass sich die Symptome dadurch geben. Für 14 Tage später wurde eine Ultraschalluntersuchung angesetzt, um den Erfolg dieser Therapie zu beurteilen. In der Zwischenzeit wollten die Radiologen der Tierklinik herausfinden, ob eine Bestrahlung bei FGESF sinnvoll sein könnte.
Erste Tage nach der Neu-Diagnose Offenbar hatten wir mit der Routineuntersuchung zufällig genau den Zeitpunkt der Eskalation erwischt. Denn in den drei Tagen nach der Untersuchung stellte ich fest, dass Orpheus zunehmend Probleme mit dem Klogang entwickelte: Er verhielt sich weiterhin normal und hatte Appetit, hat aber nur noch unter größter Anstrengung winzige Schleimmengen und manchmal ein klein bisschen bleistiftminendünnen Kot von sich gegeben. So ein Verhalten habe ich vorher nicht beobachtet! Es ging viel mehr vorne in die Katze hinein, als hinten wieder herauskam. Außerdem wurde er ruhiger als sonst. Angst vor einem Darmverschluss machte sich breit! Die Ärztin hat Orpheus dann das Abführmittel Lactulose verschrieben (zweimal täglich 0,5 ml), damit der Kot weicher wird und besser an dem Tumor vorbeikommt. Er bekommt es in sein gewohntes Futter gerührt. Mit Erfolg: Zwei Tage später produzierte Orpheus einen perfekten, gesund aussehenden Haufen! Solche Haufen kamen fortan regelmäßig und Orpheus fand wieder zurück zu seinem leicht bekloppten, verspielten Wesen. Vorsichtige Erleichterung.
Kontrolltermin für die Cortisontherapie Gestern war schließlich der Tag der Wahrheit: Der Kontrolltermin stand an! Leider hat Orpheus weitere 100 g abgenommen. Das Ergebnis des Ultraschalls aber hat uns alle aus den Socken gehauen. Von den drei Tumoren war der kleinste überhaupt nicht mehr zu sehen, der mittlere war bloß noch als Verdickung der Schleimhaut zu erkennen. Und auch der größte der drei, der vorher das Darmrohr eingeengt hat, ist von 36 mm auf 27 mm geschrumpft! Sogar die einzelnen Schichten der Darmwand sind wieder glasklar erkennbar. Kein Wunder, dass Orpheus sich wieder besser lösen kann. Mit solch einem Ergebnis nach nur 10 Tagen Cortison hatte niemand gerechnet!
Aktueller Ausblick Da die Cortisontherapie so gut funktioniert, bleiben wir jetzt erstmal für rund 3 Wochen bei den 10 mg am Tag und reduzieren dann auf 7,5 mg. Am 12.4. steht dann die nächste Kontrolle an. Natürlich kann die Cortisonmenge nicht dauerhaft so superhoch bleiben, aber eine Reduktion können wir nur allmählich angehen. Die 2,5 mg alle zwei Tage werden es wohl nie wieder werden, momentan liegt die Schätzung bei abwechselnd 5 und 2,5 mg als Dauerlösung. Die Lactulose kriegt er jetzt noch ein paar Tage einmal täglich, dann wird sie abgesetzt - eigentlich dürfte er sie jetzt nicht mehr brauchen. Was die Bestrahlung angeht, so gibt es bisher keinerlei Erfahrungswerte bei FGESF - die Radiologen vermuten aber, dass es funktionieren könnte. Nichtsdestotrotz wäre es ein Experiment und als solches wollen wir das möglichst vermeiden. Was ja, wenn das Cortison weiterhin funktioniert, hoffentlich klappen sollte!