ANDROS-REISE SOMMER 2022
Kapitel 6: Das Ferienhaus füllt sich - die dritte Reisekatze zieht ein.
Genug der Zeitsprünge des letzten Kapitels, ich berichte nun chronologisch weiter.
Auf dem heutigen Tagesplan standen 3 Kastrationskatzen von unserem Freund S. und der Einzug der dritten Reisekatze in meinem Reisedomizil.
Wie immer wird jedoch zuerst das Frühstück für unsere felligen Schützlinge serviert.
Futterstelle 1
Auch hier wartet man wie Timos an der anderen Futterstelle nicht mehr vorsichtig ab, sondern hat sich längst an den Reisenden gewöhnt. Emely, Medea und Atum belagern mich sofort nach meiner Ankunft.
An der Frühstückstafel versammeln sich Medea, Atum, ein schwarzer Neuzugang, Platon und Emely.
Marie kommt dann auch irgendwann dazu.
Ein kleiner, aber gut im Futter stehender Neuling…
… bekommt seine Mahlzeit von mir gesondert serviert, damit er in Ruhe vor den Großen fressen kann.
Da er seine gestrige Kastration gut weggesteckt hat, lasse ich Kalinero nun auch frei. Ich muss ihn gar nicht lange bitten, sondern er nimmt sofort die Beine in die Pfoten und sucht erst einmal das Weite.
Futterstelle 3
Timos nimmt seinen königlichen Aufgaben ernst und kommt mir selbstverständlich entgegen, damit sein kleines Volk gelabt wird.
Das Volk, also Miss Meier und Grigio, vertreibt sich die Zeit derweil mit liebevoller Tändelei…
… oder posiert.
Amelie ist fellgewordene Zufriedenheit - satt und entspannt wird sie den Tag nun irgendwo verdösen.
Ich hatte zum Dösen keine Zeit, sondern fuhr zu S., um die versprochenen Kastrakatzen abzuholen.
Kalea und Yuki waren mit dem Frühstück schon fertig…
… und genossen mit mir die schöne Aussicht, die man von dort hat.
Tebetan bewachte die schon auf mich wartenden Fahrgäste.
In ein ruhigeres, von ständigen Kittenwürfen befreites Leben können nun diese drei Katzen blicken:
Gracie, …
… Athina...
… und Cariba.
Am späten Nachmittag war ich mit A. (2) an Futterstelle 2 verabredet, um die dritte Reisekatze abzuholen. Zuvor aber die übliche Füttertour mit den inzwischen gewohnten Bildern.
An Futterstelle 1 ein Gruppenbild mit Atum, Medea, Emely, Mirion sowie dem neuen schwarzen Kater. Dazu das Kleine, dem ich wieder einen Extraplatz zum Fressen reservierte.
An Futterstelle 3 kam Timos mich abholen.
"Na, nun komm schon! Nicht so bummeln!"
Timos hat in Amelie wohl seine Königin gefunden.
Die kleine Gruppe wird hinten durch Grigio und Miss Meier ergänzt.
Ein König muss nicht immer einen Purpurmantel tragen, ein glänzendes Schwarz ist mindestens genauso würdevoll!
In der Nähe befindet sich die Stelle, an der Gretel lebt.
Doch nun weiter zu Futterstelle 2!
Hier begrüßten mich Tiffy...
… und Scotty (@kexi).
Die an Futterstelle 1 mit einem gebrochenen und schief zusammengewachsenen Bein aufgelesene Lady, die in Athen operiert wurde, hat nun vorerst bei A. (2) im Haus eine ruhige Bleibe gefunden und erholt sich prächtig!
Eva war ebenfalls da.
Auch hier sieht man ihr wie schon auf dem Foto im ersten Kapitel dieses Reiseberichts die Jahre des Streunerlebens deutlich an. Und genau das war der Grund für meine Verabredung mit A. (2). Eva ist zwar eine ruhige und freundliche Katze, aber noch ein Mensch mehr, den sie kennt und dem sie vertraut, ist sehr hilfreich, wenn es darum geht, eine Reisekatze in ihre Box zu setzen.
Ja, so ist es! Eva soll nach Deutschland ausreisen! Wir dachten immer wieder daran, Eva noch ein ruhiges Leben in einem richtigen Zuhause zu ermöglichen. Sie ist von ewigem Katzenschnupfen geplagt, den wir auf jeder Reise mit Antibiotikum zwar eindämmen konnten, der aber immer wieder und immer etwas stärker zurückkam. Doch jedesmal gab es größere Notfälle, die ihr Flugticket bekommen mussten, und wir bangten jedesmal aufs Neue, ob wir sie wiedersehen.
Nun war endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem wir ihr diese Chance bieten können!
In der Ferienwohnung bezog sie das sonst von mir nicht genutzte Kinderzimmer. Sie scheint ihre große Reise kaum erwarten zu können und geht deshalb lieber zu früh als zu spät in die Box!
Ein Blick, der Bände eines langen, entbehrungsreichen Streunerlebens spricht …
Eva war in den wenigen Tagen bei mir zwar stets vorsichtig, aber sie kam von selbst auf mich zu, suchte Nähe und Zuwendung und ließ sich problemlos in die Box setzen.
Die beiden anderen Reisekandidaten waren ebenso friedliche Mitbewohner.
Rossato genießt einfach seine Ruhe, die er nun endlich hat.
Gioiello ist natürlich wesentlich neugieriger und einfach ein Sonnenschein!
Nun aber doch noch einmal ein kleiner Zeitsprung rückwärts.
Im fünften Kapitel erwähnte ich so nebenbei, dass Gioiello wegen des fehlenden Giardientests von mir im Bad einquartiert wurde, da der sonst dafür vorgesehene Raum neben der Küche bereits belegt war.
Da saß seit knapp zwei Tagen Hedwig.
Ende April zeigten wir das nachfolgende Foto und schrieben: "Diese schneeweiße Piratin stammt von Futterstelle 3. Das Auge ist zur Zeit nicht behandlungsbedürftig, aber unsere Helfer vor Ort haben natürlich einen Blick darauf."
Leider verschlechterte sich ihr Zustand an den Augen massiv, so dass sie dringend behandelt werden muss.
Sie erschien seit damals nicht täglich, und alle Versuche der Griechen, ihrer habhaft zu werden, blieben bisher erfolglos. Während meiner Reise kam sie jedoch wieder öfter vorbei. Zweimal Futter täglich ist wohl doch zu verlockend.
A. (2) und ich versuchten, sie an einem Abend einzufangen. Unglücklicherweise ist Hedwig extrem scheu und vorsichtig. Sie in eine Box oder Falle zu locken, war aussichtslos. Ich schnappte mir daher meinen Kescher, der mir bereits mehrfach, zuletzt auf Rhodos beim Admiral, gute Dienste leistete.
Dennoch gestaltete sich das Vorhaben extrem schwierig. Hedwig musste irgendwie auf die Mauer zum Futter kommen, damit sie einigermaßen frei sitzt. Leider war es ziemlich windig, die Mülltonnendeckel klapperten daher laut, und der Auto- und Mopedverkehr tat sein Übriges, so dass sie immer wieder genervt ins Gebüsch sprang. Ich musste dann jedesmal über die Mauer klettern, mich zwischen Dickicht und verstreutem Müll durchkämpfen, um Hedwig in weitem Bogen zu umgehen und sie dann wieder auf die Mauer zu treiben.
Saß sie dann erneut oben, musste ich die Strecke wieder retour stolpern und versuchen, mich leise zwischen den Mülltonnen an sie heranzuschleichen. A. (2) gab derweil ihr Bestes, um Hedwig mit Leckerliewerfen und "pspsps"-Säuseln abzulenken.
Fast hatten wir es geschafft, der Kescher schwebte nur eine Schnurrhaaresbreite über Hedwig, sie schaute abgelenkt zu A. (2), …
… da raste ein Auto an uns vorbei, und die darin sitzende Dorfjugend johlte genau in dem Moment aus den geöffneten Fenstern, als sie direkt neben mir waren.
Hedwig schoss mit Lichtgeschwindigkeit ins Gestrüpp. Eine Stunde in der prallen Sonne lauern, anschleichen, still stehen, Katze locken und vor mir her scheuchen war umsonst verstrichen. Und ich wurde Ohrenzeuge einer minutenlangen Schimpfkanonade, mit der A. (2) mit südländischem Temperament und wie ein Bierkutscher fluchend dem davonbrausenden Auto heftigste Verwünschungen hinterherschrie.
Bis auf einen winzigen Grundwortschatz spreche ich kein Griechisch. Aber DAS habe ich fließend verstanden und meinen geringen Sprachkenntnissen das überaus populäre Wort Malákas hinzugefügt. Wer es nicht kennt, möge bitte selbst dessen Bedeutung herausfinden.
Doch alles Schimpfen half nicht, für heute war jede Chance vertan, denn Hedwig blieb verschwunden, und ob sie an den Folgetagen noch einmal auftauchen würde, schien fraglich.
Allerdings war das tägliche Futter wohl immer noch attraktiv, denn am nächsten Abend kam Hedwig wieder pünktlich zu Tisch, es war nicht mehr windig und aufgrund des beginnenden Wochenendes weniger Verkehr. Um es kurz zu machen - nach nicht mal zehn Minuten fand sich Hedwig in einer Box wieder und kurz darauf in der Ferienwohnung im besagten Raum:
Ihre Augen waren inzwischen fast komplett zugeschwollen. Eine einfache Augenbehandlung oder auch eine Augenentfernung aus einer ansonsten gesunden und trockenen Augenhöhle wie bei Ileas wäre bei der Inseltierärztin durchaus machbar. Doch hier waren die Verhältnisse weitaus schlimmer.
Normalerweise wäre so eine Katze eine Reisekandidatin. Doch sie rechtzeitig reisefertig machen, war nicht möglich. Es stellte sich heraus, dass Hedwig nicht nur scheu und vorsichtig war.
In der Ferienwohnung konnte ich sie zwar behutsam streicheln, aber dabei war jede Faser ihres Körpers angespannt und abwehrbereit.
Alle Versuche, sie mit den üblichen Tricks in eine Box zu bekommen oder sie gar mit Handschuhen festhalten zu wollen, endeten mit einem verzweifelten Fluchtversuch oder Angriff ihrerseits. So würde ich sie vielleicht noch einmal in eine Box bekommen, aber bei der Sicherheitskontrolle im Flughafen wäre sie nicht zu bändigen. Außerdem hätte sie vorher noch zur nicht ganz unaufwendigen Reisevorbereitung bei der Tierärztin vorsprechen müssen.
An eine Ausreise nach Deutschland war für sie somit nicht zu denken.
Nebenbei lernte ich, dass Murphys Gesetz auch in Griechenland gilt - was schiefgehen kann, geht auch schief. Oder auch: wenn´s läuft, dann läuft´s! Das durfte ich buchstäblich erleben.
Bei einem der Versuche, zu sehen, wie sich Hedwig verhält, biss sie mir herzhaft in den Finger. Zum Glück nicht in die Sehnen oder ein Gelenk, sondern nur in die Fingerkuppe.
Und, man muss sagen auch zum Glück, blutete es heftig. Daher konnte ich die Keime, die Katzenbisse so gefährlich machen, sofort gut ausspülen. Antibiotika, Ibuprofen und Desinfektionsmittel habe ich sowieso immer dabei. Ich konnte deshalb gleich mit der Behandlung beginnen. Wäre der Finger in den nächsten Stunden dick geworden, hätte ich mich dann auch noch auf den Weg in die Inselhauptstadt gemacht. Dort gibt es das einzige größere Gesundheitszentrum. Das war dann aber doch nicht erforderlich, es zeigten sich keine der für Katzenbisse typischen Symptome.
Nun aber zu Murphy.
Nachdem ich mich verarztet hatte, wollte ich eigentlich duschen (das Ganze passierte nämlich gleich nach dem Aufstehen beim Frühstückskontrollblick in den Katzenraum).
Als ich ins Bad kam, beschwerte sich Gioiello lautstark über den feuchten Fußboden - und das mit Recht!
Es tropfte aus der Deckenlampe.
Zum Glück nicht direkt auf den Boden, sondern ins Waschbecken. Aber einige Spritzer schafften es doch über den Rand (Gioiello wäre nichts passiert, im Fußboden gibt es einen Abfluss).
Da ich schon oft in dieser Ferienwohnung zu Gast war, wusste ich auch, dass direkt über dem Bad eine kleine Kammer ist, in der sich der Warmwasserspeicher befindet.
Also flugs mangels Leiter ein etwas wackeliges Regal herangeschoben, draufgeklettert, das Türchen zur Kammer geöffnet und hineingeschaut.
Schon beim ersten Blick war die Ursache klar: der Zulaufschlauch war geplatzt, das Wasser sprudelte fröhlich aus dem Riss, überflutete den Boden der Kammer und sickerte nach und nach durch die Decke.
Glücklicherweise erst hinter dem Absperrventil, so dass ich in das Kämmerchen kroch und das Wasser wenigstens abstellen konnte.
Und nun stand ich da - verschwitzt, dreckig und blutbeschmiert. Ohne Wasser. Morgens um sieben in Griechenland.
Nach einem kurzen Moment der Verwirrung fiel mir aber ein, dass das ja nur das warme Wasser war. Das kalte sollte doch eigentlich direkt durchlaufen? So war es dann auch, und wer Griechenland und die im sonnigen Freien verlaufenden Hauptwasserleitungen kennt, kann sich denken, dass das kalte Wasser eher wohltemperiert war.
Also schnell der Vermieterin Bescheid sagen und eben bis auf Weiteres "kalt" duschen. (Die Leitung wurde übrigens noch am selben Tag ausgetauscht.)
Doch zurück zu Hedwig.
Wikipedia meint übrigens, dass der Name aus dem Althochdeutschen (Haduwig) kommt und sich aus hadu, „der Kampf, die Schlacht“ und wig, „ringen, der Kampf, der Krieg“ zusammensetzt.
Nomen est omen…
Latifa und ich beratschlagten lange, wie wir Hedwig trotzdem helfen könnten. Eine Ausreise war unrealistisch, die Möglichkeiten der Inseltierärztin für eine Behandlung wären zu begrenzt. Doch sie einfach wieder an der Futterstelle auszusetzen, wäre für sie in ihrem Zustand über kurz oder lang ihr Ende.
Aber wir hatten mit H. & I. doch immer zwei Asse im Ärmel!
Wir beschlossen, dass Hedwig die Tage bis zur Abreise in Ruhe in diesem Raum absitzen kann. Dann sollte ich sie irgendwie noch einmal möglichst unblutig in die Box bekommen und mit auf die Fähre nach Rafina nehmen. Dort könnte der Taxifahrer auf mich warten und Hedwig zur Athener Tierärztin bringen, wie H. & I. das sonst auch so handhaben.
H. &I. wurden in das Vorhaben eingeweiht, sie fanden den Plan gut, reservierten das Taxi vorsorglich vorab und borgten mir eine ihrer Athen-erprobten Katzenboxen. Die Tierärztin informierte ich ebenfalls noch und sie versprach, sich unverzüglich um Hedwig zu kümmern.
Ob das alles wie geplant eintraf, davon berichte ich im nächsten Kapitel.
Zum Schluss noch eine weitere Folge aus: "Warum Männer früher sterben."
(Nein, mein eben geschildertes Erlebnis gehört NICHT dazu!)
Die heutige Folge lautet: "Den Gabelhubwagen einfach mit der Ladebordwand festklemmen und hoffen, dass er einem beim Öffnen der Bordwand nicht auf den Kopf fällt."
Euer Transpurrter